Kritik zu Gotham 1.15: Scarecrow

SPOILER

Es geht in Gotham ungewohnt entspannt weiter, denn nach den letzten sehr aufregenden Episoden passiert in Scarecrow vergleichsweise wenig und es kann tatsächlich mal wieder verschnauft werden.

Der Cliffhanger von letzter Woche wird teilweise aufgelöst, denn wir sehen, dass Fish Mooney sich in einer Art Gefängnis befindet. Ich lag mit meiner Prognose also deftig daneben, dass sie den Entführer kannte. Wobei wir bis jetzt noch nichts davon mitbekommen haben, wer sie und die anderen überhaupt festhält. Wir wissen nur, dass es unter den Gefangenen eine Art Rangordnung gibt und derjenige das Sagen hat, der im Besitz des einzigen Messers ist. Warum es den gefühlt 50 anderen Insassen nicht möglich ist, den selbsternannten Anführer zu überwältigen und ihn seine eigene Medizin schmecken zu lassen ist mir unbekannt.

Diese Frage relativiert sich allerdings auch recht fix wieder, denn am Ende der Folge hat Fish Mooney genau das gemacht und innerhalb kürzester Zeit zum Boss der Insassen aufgestiegen. Ich gehe jedoch nicht davon aus, dass Fish ihrer Lage so schnell entkommen kann, denn kurz nach ihrer Übernahme wurde eine Frau zurück in die Zelle geschickt, der man die Augen entfernt hatte. Na, wenn das mal kein Hinweis auf den Puppenmacher ist.

Fish Mooney hat mir in dieser Episode besser gefallen als sonst, war aber immer noch der Charakter, der mir am wenigsten sympathisch ist. Schade eigentlich, dass man hier kaum Entwicklung mitbekommt und sie aus allen unangenehmen Situationen meist schon binnen einer Episode wieder entkommen kann. Ansonsten gibt's natürlich noch das Techtelmechtel zwischen ihr und Harvey Bullock zu lüften. Vielleicht befreit er sie ja auch eines Tages.

Auf der anderen Seite des Verbrechersumpfes treffen sich die beiden Dons der Stadt und verhandeln darüber, was aus dem Pinguin wird. Maroni will Blutrache, doch Falcone unterbreitet ihm einen Deal, der für Maroni viel schmackhafter ist. Cobblepot richtet sich währenddessen auf ein Leben als Clubbesitzer ein (den er leider nicht Iceberg Lounge genannt hat). Als Maroni den Club betritt, hat Cobblepot aber doch ziemlich schnell die Hosen voll und es folgt eine wundervoll gestaltete Szene, in der ein überlaufendes Glas Champagner den Anschein weckt, der Pinguin würde sich selbst einnässen. Als Maroni sich damit verabschiedet, dass Cobblepot sterben würde sobald Falcone abtritt, verdichtet die Athmosphäre dabei nochmals ordentlich.

Noch besser (aber nicht viel) hat mir die Szene gefallen in der Cobblepot im Präsidium aufkreuzt um Gordon persönlich eine Einladung zur Eröffnungsfeier des Oswald's zu überreichen. hier begegnen sich Nygma und cobblepot nämlich das erste mal (bewusst) die chemie zwischen den beiden ist grandios. oswald ein bisschen defensiv schnippisch, hingegen wie gewohnt seltsam, aber kein von seinem gegenüber eingeschüchtert

Da Gordon die Einladung direkt ablegt und gleichzeitig auch noch mit Nygmas neuer Chefin (und semi-ernsthaften love interest) in die Kiste hüpft, könnte man den waghalsigen Schluss ziehen, dass Nygma und Cobblepot sich eines Tages gegen ihn verschwören und Rache im großen Stil nehmen wollen.

Ich gebe zu, ich habe mir diese Theorie nicht selbst ausgedacht, halte sie aber auch für Quatsch. Dafür ist die Grundlage einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen und nur, weil beide eines Tages zu großen Schurken in Gotham werden, muss man meine Meinung nach nicht jede Möglichkeit überanalysieren und als Hinweis auf die Zukunft deuten.

Die eigentliche Schurkenentwicklung in dieser Episode findet nämlich an ganz anderer Stelle statt: Wie bereits letzte Woche ist Dr. Crane noch unterwegs. Er hat seinen bisherigen Opfern immer den Teil des Gehirns entfernt, der für die Angst zuständig war und hat sich jetzt irgendwie ein Serum gebraut, das bei einer Injektion Halluzinationen und Todesängste auslöst. Er therapiert sich eine Weile selbst damit und überwindet die Angst auch schon bald. Begeistert von diesem Erfolg will er auch seinem Sohn gegen Angst therapieren.

Da Gordon und Bullock ihm aber dicht auf den Fersen sind, spritzt Crane seinem Sohn in Eile allerdings eine viel zu hohe Dosis von dem Zeug. Als die beiden Detectives ihn festnehmen wollen, widersetzt er sich und lässt sich regelrecht über den Haufen schießen, da sein Serum offensichtlich nicht nur die Angst vor Pistolen nimmt, sondern auch eine gesunde Portion Menschenverstand. Crane Jr. wird ins Krankenhaus eingeliefert, leidet aber auch Tage später noch an den Horrorvisionen. Ich gehe davon aus, dass er seine Ängste eines Tages überwindet und Gotham dann bald als Scarecrow unsicher machen wird.

Zu guter Letzt haben wir dann noch den jungen Bruce Wayne, der auf eine Wanderung in den Wald geht um zu sich selbst zu finden. Es kommt, wie es kommen musste und er stürzt, fällt einen Abhang hinunter und staucht sich den Knöchel. Allein, verletzt und müde in der Wildnis schleppt er sich den Hang irgendwie wieder hoch und oben findet er... Überraschung: KEINE Fledermäuse, sondern seinen treuen Butler Alfred, der schon seit einiger Zeit dort auf ihn wartet und ein Lagerfeuer gemacht hat. Sie verbringen die Nacht im Wald und genießen am nächsten Tag gemeinsam den Sonnenaufgang.

Die Episode hat mir sehr gut gefallen, besonders die ganze Scarecrow-Origin-Geschichte, die zum einen relativ plausibel ist und zum anderen weil die Effekte absolut großartig waren. Der Zenit vom Maroni/Falcone/Cobblepot-Dreiergespann scheint mit dieser Episode überschritten zu sein, sodass in den letzten sechs Episoden der Staffel vielleicht wirklich noch die Transformation von Oswald Cobblepot zum Pinguin vollends abgeschlossen sein wird und er in Staffel zwei schon eine der großen Namen in Gothams Unterwelt ist, wer weiß.

Was aus Fish Mooney wird, fällt mir schwer zu raten, da ich weder weiß wo noch von wem sie festgehalten wird. Auch das sollte sich aber in der nächsten Episode klären und den Plot ein bisschen voran bringen. Sehr angenehm fand ich, dass Gordon und Thompson jetzt ziemlich offiziell ein Paar sind und Barbara in Scarecrow gar nicht vorkam. Es tut mir leid, aber ich kann ihre Rolle einfach nicht leiden. Wahrscheinlich soll sie eine gewisse Menge Hass auf sich ziehen, aber ihr Handeln war oft einfach absolut nicht nachzuvollziehen und schlichtweg nervig.

Auch Bruce und Alfred hatten in dieser Episode einen tollen Part und ich war am Ende sogar ein bisschen froh darüber, dass man sich gegen die erwartete Entdeckung der Batcave entschieden hat. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Sache mit den Steinen auf denen die Initialen von Bruce und seinem Vater eingeritzt wurden etwas genauer erklärt worden wären. Ich persönlich habe es so gedeutet, dass Bruce so auf seine Weise mit der Vergangenheit abschließen will und den Tod seiner Eltern langsam überwindet. Oder irgendwie so? Aber was soll's, dafür war Alfred ja wieder cool wie sau, das macht einiges wett.

Gotham

Originaltitel: Gotham (2014)
Erstaustrahlung am 22.09.2014
Darsteller: Ben McKenzie (James Gordon), Donal Logue (Harvey Bullock), David Mazouz (Bruce Wayne), Robin Lord Taylor ( Oswald Cobblepot), Erin Richards (Barbara Kean), Sean Pertwee (Alfred Pennyworth), Camren Bicondova (Selina "Cat" Kyle), Cory Michael Smith (Edward Nygma), Jada Pinkett Smith (Fish Mooney)
Produzenten: Bruno Heller, Danny Cannon, John Stephens, Ben Edlund
Staffeln: 4+
Anzahl der Episoden: 84+


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