Schlachtfest im Hochhaus: Kritik zu Das Belko Experiment

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Das Belko Experiment

Mike (John Gallagher Jr.) ist bei der Non-Profit-Organisation Belko Corp. angestellt, die am Stadtrand von Bogotá in Kolumbien einen hochmodernen Bürokomplex gebaut hat. Als Mike eines Morgens ins Büro kommt, sieht es zunächst nach einem ganz normalen Arbeitstag aus. Doch schon bald merkt er, dass etwas ganz und gar nicht stimmt: Die kolumbianischen Kollegen werden allesamt nach Hause geschickt, und ein neuer Sicherheitsdienst betritt schwer bewaffnet das Firmengelände. Die übriggebliebenen 80 Angestellten werden per Lautsprecherdurchsage informiert, dass sie ab sofort Teil eines perfiden Sozialexperiments sind.
 
Die Regeln sind einfach: Während der nächsten 30 Minuten müssen drei Mitarbeiter getötet werden. Können sich die Kollegen nicht dazu überwinden, werden sechs von ihnen durch die Besetzer niedergestreckt. Mike und seine Kollegen, darunter auch Mikes Freundin Leandra (Adria Arjona), der ständig bekiffte Kollege Marty (Sean Gunn) und die neue Kollegin Dany (Melonie Diaz) halten die Ankündigung zunächst für einen grausamen Scherz, bis aus dem Spiel sehr schnell Ernst wird. Damit sich die Belegschaft nicht einfach weigert, mitzuspielen, haben die Besetzer einen fiesen Trumpf im Ärmel: Bei jedem Mitarbeiter wurde zuvor ein Mikrochip implantiert, der vorgeblich als GPS-Tracker für deren Sicherheit dienen soll. Dass dieser auch dafür sorgen kann, den Kollegen den Garaus zu machen, merkt die Besatzung schnell, und die ersten Toten lassen nicht lange auf sich warten.
 
Eine erbarmungslose und vor allem blutige Hetzjagd durch alle Etagen des abgeriegelten Gebäudes nimmt ihren Anfang, und nur der Stärkste kann überleben.

Wenn der Sozialdarwinist lacht

Das Belko Experiment ist einer der Filme, die man auf verschiedenen Ebenen anschauen kann. Freunde von Gore und Splatterfilmen freuen sich über viele explizite Gewaltszenen und ein paar ordentliche Pointen. Dass die sitzen, hat Drehbuchautor James Gunn bereits mit den beiden Teilen von Guardians of the Galaxy oder dem ultrabrutalen Superhelden-Splatter Super bewiesen. Eine düstere Note bringt der Regisseur Greg McLean hinein, der sich zuvor durch Horrorthriller wie Wolf Creek oder Red Hill einen Namen gemacht hat.
 
Die Parallelen zu sozialkritischen Thrillern wie Saw, Cube oder Hostel sind im Belko Experiment auch bereits im Trailer zu erahnen gewesen. Dem Film ist zudem, im Gegensatz zu vielen Genre-Vorgängern, hoch anzurechnen, dass sich die diversen Figuren stets recht nachvollziehbar verhalten, auch wenn manche von ihnen dabei etwas blass bleiben – dazu ist die Belegschaft einfach zu groß.
 
Das Belko-Experiment weiß, dass die Zuschauer derlei Kammerspiel-Storylines längst in- und auswendig kennen und spielt daher gekonnt mit den gängigen Klischees. Hier gibt es erfreulich wenig sinnlose Panik-Szenen, in denen jemand direkt in eine offensichtliche Falle rennt.
 
Einziger Wermutstropfen: Die letztendliche Auflösung hinkt der spaßigen Tötungsarie ziemlich hinterher – bei einem derart unrealistischen Gesamtplot dürfte das jedoch wohl die Wenigsten überraschen.

Der Filmcast: Kein Mega-Promi-Faktor nötig

Das Belko Experiment kommt mit einem relativ geringen Promi-Faktor aus, was den Thriller noch einmal etwas frischer wirken lässt. Die bekanntesten Darsteller stammen aus eher genrefremden Serienformaten. So spielt beispielsweise John C. McGinley, der in den frühen 2000ern als leicht sadistischer Dr. Cox in Scrubs - Die Anfänger bekannt geworden ist, den brutalen Schlächter mit einer derart diebischen Freude, dass dem Zuschauer Angst und Bange werden kann. Sein Vorgesetzter Barry (Tony Goldwyn aus Scandal) könnte locker auch als skrupelloser Armeegeneral durchgehen. Die Damen der Belegschaft sind hierbei mindestens ebenso schmerzfrei wie die Herren – einige der besten Szenen gehen eindeutig auf das Konto von Melonie Diaz. Hauptdarsteller und Identifikationsfigur John Gallagher Jr. (10 Cloverfield Lane, The Newsroom) kommt hingegen fast ein wenig zu harmlos daher und wird von seinen Gegnern in puncto Bösartigkeit beinahe an die Wand gespielt.

I will survive: Ohne den Soundtrack wäre der Film ein simples Massaker

Spätestens bei einem Blick auf den Soundtrack ist klar, dass man es bei dem Produzententeam mit den Machern von Guardians of the Galaxy zu tun hat: Die Musik bricht ironisch mit der Erwartungshaltung an Schlacht-Szenen, die mit Titeln unterlegt sind, mit denen man so nicht gerechnet hätte. Sei es die spanische Variante von "I will survive", ein bitterböses "California Dreamin'" oder die elegische Opernmusik, die während der ersten großen Tötungsszene unterlegt wird, wie sie seit Face/Off - Im Körper des Feindes nicht mehr gesehen ward – in diesem Film ist es mit feiner Ironie nicht getan. Doch bei derart blutigen Bildern braucht es diesen übertriebenen Bruch wohl auch, denn sonst würde der Film Gefahr laufen, an einigen Stellen doch zu ernst und zu brutal zu wirken.

Kamera: Schick, aber enorm düster

Die Bilder haben, im Gegensatz zur Musik, kaum noch etwas mit dem bunten Treiben von Guardians of the Galaxy gemein. In düsterem Blaugrün gehalten, könnte Das Belko Experiment eher von Christopher Nolan stammen. Optische Höhepunkte sind vor allem die Luftaufnahmen des abgeriegelten Gebäudes, hier wird die Einsamkeit mitten in der Wüste gut eingefangen. Die Kamera macht das Versteckspiel der Belegschaft stets mit und hält sich auch bei den blutigen Szenen nicht zurück. In Deutschland ist er wegen der expliziten Bilder erst ab 18 Jahren zu sehen – und das absolut zu Recht.

Fazit: Der Mensch ist des Menschen Wolf - oder Bürochef

Das Belko Experiment möchte gern mehr sein als ein überspitztes "Saw im Hochhaus". Auch wenn die Sozialdarwinismus-Metapher vom tödlichen Büro von Beginn an mit deutlichen Lettern über jeder Szene schwebt, geht der Zuschauer mit dem Großteil der Wendungen mit, auch wenn der Spaß zum Ende hin wirklich etwas ausgereizt ist. Die Pointen sitzen, die Schauspieler machen ihre Sache - bis auf das leicht alberne Ende - überzeugend. Für Zuschauer mit schwachen Nerven dürfte der Film jedoch trotzdem zu blutig anmuten – das reißt dann auch der gute Soundtrack nicht mehr heraus.

Das Belko Experiment Deutsches Hauptposter
Originaltitel:
The Belko Experiment
Kinostart:
15.06.17
Laufzeit:
88 min
Regie:
Greg McLean
Drehbuch:
James Gunn
Darsteller:
John Gallagher Jr., Tony Goldwyn, Adria Arjona, John C. McGinley, Melonie Diaz, Josh Brener, Michael Rooker
Während eines heimtückischen Sozialexperiments, ist eine Gruppe von 80 Amerikanern in ihrem Büro-Komplex in Bogata, Kolumbien, eingeschlossen. Sie werden von einer unbekannten Stimme aus dem firmeninternen Kommunikationssystem angewiesen, an einem mörderischen Spiel von Töten-oder-Getötet-werden teilzunehmen.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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