Blade Runner 2049: Cutter Joe Walker über Schnitte und Kürzungen

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Hauptposter zu Blade Runner 2049

Für Blade Runner 2049 braucht man eine Menge Sitzfleisch, wie die meisten wohl bereits festgestellt haben dürften. Der Film nimmt sich, entgegen unserer derzeitigen Sehgewohnheiten, Zeit, die Bilder und die Musik entsprechend wirken zu lassen. Doch trotz seiner Länge von 2 Stunden und 44 Minuten war es für Regisseur Denis Villeneuve und seinen Editor Joe Walker nicht leicht, das richtige Tempo zu finden.

In einem längeren Interview mit Provideo Coalition hat sich Walker, der mit Villeneuve bereits für den Krimithriller Sicario und den auch eher ruhig gehaltenen Alien-Film Arrival zusammengearbeitet hat, zu den entfallenen Szenen und einigen Umentscheidungen im Schnittraum geäußert. Im Interview erzählt er unter anderem, dass die erste Fassung beinahe vier Stunden lang war, was sich auch in der Erzählung bemerkbar macht:

"Wir haben die lange Version in zwei zweistündige Sichtungen aufgeteilt und dabei festgestellt, dass auch die Geschichte in zwei Hälften aufgeteilt ist: Einmal wäre da die Geschichte um K, der seine wahre Vergangenheit entdeckt, und mittendrin verliert er sozusagen seine Jungfräulichkeit.

Am nächsten Tag ist die Erzählung eine andere, hier geht es darum, seinen Schöpfer zu treffen und Opfer zu bringen. 'Sterben ist das menschlichste, zu dem wir in der Lage sind.' [...] Zuerst wollten wir jede der Hälften betiteln, aber die Idee dann doch verworfen. Aber der Film hat etwas an sich, so dass er wie ein Wachtraum wirkt. Wir wollten das Gefühl der Halluzination auch im Schnitt vermitteln."

Walker berichtet auch, dass es nur wenige übriggebliebene Szenen gibt. Einige Ideen wurden sofort verworfen, um auf den Kern der Geschichte zu kommen. Villeneuve hatte zudem bereits bekanntgegeben, dass er ungern viele entfallene Szenen auf der DVD-Version veröffentlichen will.

Besonders schwierig soll der Showdown gewesen sein, in dem Harrison Ford auf Ryan Gosling trifft. Er wäre beinahe dem Schnitt zum Opfer gefallen:

"Es geht um die Szene in dem Nachtclub in Las Vegas mit den ganzen Hologrammen, in der Deckard K in die Enge treibt. An dieser Szene mussten wir am längsten arbeiten. Allein der Rohschnitt hatte schon 21 Feinschnitte. [...] Technisch ist das alles ziemlich kompliziert. Am Ende hatte ich Dutzende Bänder aus allen möglichen Kamerawinkeln mit Tänzern. [...]

Als wir dann mit den Dreharbeiten fertig waren, meinte Denis, dass ihm alles wirklich gut gefällt - bis auf die Szene in dem Nachtclub. Er war überzeugt, dass die Szene von der Tonalität nicht zum Rest passen würde. Wir haben über sechs Monate an dieser Szene herumgebastelt, es war wirklich ernüchternd."

Walker erläutert, dass die Szene unwirtlicher und somit zur Stimmung passender wirkte, als der Großteil der Hologramme wieder herausgefiltert wurde und die Musik bis auf ein Minimum reduziert war - "So passte es wieder ins Blade-verse".

Blade Runner 2049 ist derzeit in den Kinos zu sehen.

Blade Runner 2049 Poster
Originaltitel:
Blade Runner 2049
Kinostart:
05.10.17
Regie:
Denis Villeneuve
Drehbuch:
Hampton Fancher, Michael Green
Darsteller:
Harrison Ford, Ryan Gosling, Robin Wright, Dave Bautista, Jared Leto
Blade Runner spielt im dystopischen Los Angeles im Jahr 2019. Die Fortsetzung setzt ein paar Jahrzehnte später ein.

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