Kritik zu The Walking Dead 8.13: Do Not Send Us Astray

SPOILER

In dieser Woche ist es nun so weit. Knappe acht Staffeln lang ist niemand auf die Idee gekommen, Waffen mit Zombieblut zu präparieren - mit “Do Not Send Us Astray” zeigt The Walking Dead jetzt, zu welchen Strohhalmen Drehbuchautoren greifen, um diese Idee möglichst effektvoll in Szene in zu setzen.

Da ist der nun. Der geplante, große Angriff auf Hilltop. Das bekannte Spielchen Gut gegen Böse. Und bereits mit dem Geplänkel vor dem eigentlichen Angriff zeigt The Walking Dead, warum sich Fans der Serie seit Längerem schwer damit tun, dieselbe Begeisterung zu empfinden, die zum letzten Mal im Finale von Staffel 6 aufkam. Maggie präsentiert sich hier als “Die Witwe”, die sich über Walkie Talkie Trashtalk mit Simon liefert. Grimmig wie ein Preisboxer spricht sie ihre Drohungen aus, während sie vermutlich eher daran zu knabbern hat, dass sie es nicht mit Negan zu tun bekommt. Dementsprechend verärgert ist Simon, schließlich ist er nur die zweite Wahl. In seinem Ärger übersieht er auch, dass er mit den Saviorn in eine Falle tappt.

Heller Kerzenschein auf Torte

Denn wer in aller Welt begreift nicht sofort, dass Daryl lediglich der Lockvogel war, der die Savior in ihr Verderben rennen lassen soll? Blindlings laufen Simon und seine Männer durch das geöffnete Tor und werden von einem Schulbus aufgehalten. Wow. Damit konnte man nun wirklich nicht rechnen …

Die folgenden Kampfszenen zeigen, wie unausgegoren die Drehbücher geworden sind. Sämtliche Darsteller laufen routiniert, aber lustlos durchs Szenenbild, feuern ihre Waffen ab und stellen letztendlich fest, dass Simon nicht die hellste Kerze auf der Torte ist. Sich in voller Schusslinie vor das Haus zu stellen, weiteren Trashtalk zu betreiben und als Sahnehäubchen auch noch das klischeebeladene Pfeifen hören zu lassen, nur um dann die volle Breitseite aus den Fenstern zu kassieren - großartig. Schlechter geht es fast nicht. Aber auch nur fast.

Tobin beißt morgen nicht mehr kraftvoll zu

Die Drehbuchautoren haben nämlich beschlossen, der Einfachheit halber, einen Großteil der Bewohner einen gemeinsamen Schlafplatz zu beschaffen. So haben die Neu-Zombies nicht allzu viel zu tun, als sich die Trepper herunter kullern zu lassen und herzhaft zuzubeißen. Immerhin ist damit der Plan mit den präparierten Waffen aufgegangen. Jeder, der mit so einer Waffe verletzt wurde, wird nach einer übersichtlichen Inkubationszeit zum Zombie. Um das Ganze dramaturgisch noch zu unterstreichen, ist auch Tobin hiervon ein Opfer. Beinah im Kampf getötet, bekommt er noch genügend Zeit, um seine gescheiterte Beziehung mit Carol zu besprechen, bevor sie diejenige ist, die Zombie-Tobin letztendlich tötet. Wenn die Hauptfiguren für das Staffelfinale aufgehoben werden müssen, müssen in den Folgen auf dem Weg dorthin eben die Nebenfiguren dran glauben. Und so sorgt auch Zombie-Tobin mit seiner “Ich schleich mich von hinten an, um kräftig zuzubeißen”-Tour eher für ungewollte Lacher.

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Henry in The Walking Dead

Das Sahnehäubchen für daneben gegangene Handlungsbögen ist jedoch die Geschichte um Henry. Der Junge ist von Rache zerfressen, schmollt wie ein Kleinkind darüber, dass man ihn nicht den Kampf ziehen lässt und beschließt, einen auf ganzen Kerl zu machen. Mit einer Waffe, die ihn vermutlich rückwärts nach hinten weg pusten würde, wenn er sie tatsächlich abfeuert, macht er sich auf zu den Gefangenen. Praktischerweise ist der Schlüssel zum Tor offensichtlich nicht wirklich gut versteckt, denn Henry scheint keine Schwierigkeiten damit gehabt zu haben, diesen zu finden. So steht der kleine Rachegeist bei den Gefangenen, und letztendlich stellt sich heraus, dass eine Befragung keine so gute Idee war. Ist ja nicht so, dass er die Frage, wer seinen Bruder getötet hat, nicht auch durch den Stacheldraht hätte stellen können.

Und Rick? Der läuft auf Autopilot. Auf eine Art ist es sympathisch zu sehen, dass er den Tod seines Sohnes noch betrauert und nun grundsätzlich erst einmal nur funktioniert. Allerdings bleibt zu erwarten, ob er den Autopiloten bis zum Staffelfinale ausgeschaltet hat - damit es nicht wieder beim erfolglosen Versuch zu bleiben, Negan zu töten.

Fazit

In einer Szene ist eine groß eingeblendete Standuhr zu sehen. Ja, die Zeit für The Walking Dead tickt. Denn “Do Not Send Us Astray” ist die viertletzte Folge der aktuellen Staffel 8. So bleibt nicht mehr viel Zeit, um aus der Serie noch wahre Perlen herauszuholen und die Fans vor weiteren Enttäuschungen zu bewahren. Denn der Kampf in Hilltop war vorhersehbar und mit Löchern in der Handlung gestraft. Für Spannung sorgt lediglich die Frage, ob Tara auch mit einer präparierten Waffe getroffen wurde - und ob dies zufriedenstellend bis zum Finale beantwortet werden kann.

The Walking Dead Staffel 6

Originaltitel: The Walking Dead (seit 2010)
Erstaustrahlung am
31.10.2010 bei AMC / 11. Mai 2012 bei RTL1
Darsteller:
Andrew Lincoln (Rick Grimes), Norman Reedus (Daryl), Lauren Cohan (Maggie), Chandler Riggs (Carl), Melissa McBride (Carol), Steven Yeun (Glenn), Laurie Holden (Andrea), Danai Gurira (Michonne), Sonequa Martin-Green (Sasha), Jon Bernthal (Shane), Sarah Wayne Callies (Lori), Jeffrey DeMunn (Dale), Michael Rooker (Merle), David Morrissey (Govenor), Scott Wilson (Hershel), Michael Cudlitz (Abraham), Emily Kinney (Beth), Chad L. Coleman (Tyrese), Lennie James (Morgan), Jeffrey Dean Morgan (Negan), Alanna Masterson (Tara), Josh McDermitt (Eugene), Christian Serratos (Rosita)
Produzenten: Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman, Charles H. Eglee, Glen Mazzara, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Tom Luse, Frank Darabont
Basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman
Entwickelt von Frank Darabont
Staffeln: 9+
Anzahl der Episoden: 115+

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