Kritik zu Sicario 2: Day of the Soldado - Eine Übung in Irrelevanz

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Sicario 2

CIA-Agent Matt Graver (Josh Brolin) soll einen Krieg zwischen den Drogenkartellen Mexikos anzetteln. Geplant wird, die Tochter eines Kartellchefs zu entführen. Dazu holt sich Graver die Hilfe des ehemaligen Rechtsanwalts Alejandro (Benicio del Toro), der eine eigene Rechnung mit den Drogenkartellen offen hat. Als das junge Mädchen in feindlichem Kartellgebiet ausgesetzt werden soll, haben die Einheiten der USA aber nicht mit der tiefgreifenden Korruption in Mexiko gerechnet.

Der Thriller Sicario lief 2015 etwas unter dem Radar vieler Kinogänger, überzeugte aber sowohl storytechnisch als auch in der Inszenierung: Ein spannender Film um Moral und Prinzipientreue in der zynischen Umgebung zwischen Drogenkrieg und Einwanderungspolitik. Untermalt von den sphärisch-bedrohlichen Klängen des im Februar verstorben Isländers Jóhann Jóhannsson sowie den Bildern von Roger Deakins brachte der unter Regie von Denis Villeneuve gedrehte Film eine überraschend künstlerische Note in die sonst eher wenig anspruchsvolle Action- beziehungsweise Thriller-Sparte.

Und jetzt: Sicario 2. Der Film muss sich leider die Frage gefallen lassen, welche Daseinsberechtigung er hat, wenn sein Vorgänger doch schon eine in sich abgeschlossene, kompetent erzählte Geschichte präsentierte, die nicht unbedingt nach einer Fortsetzung verlangte. Zumal die Protagonistin Kate Mercer im zweiten Teil nicht wieder auftaucht und der Film stattdessen die zwei Figuren Agent Graver und den mysteriösen Alejandro in den Fokus nimmt.

Das funktioniert zum Glück, vor allem Alejandro war bereits in Sicario ein fesselnder Charakter. Teil zwei bemüht sich darum, seinen beiden Protagonisten ein wenig mehr Tiefe zu geben, scheitert aber: Graver bleibt weiter der knallharte Agent, der für sein Vaterland oder das Adrenalin (man weiß es nicht genau bei diesem Schlag Mensch) alles tut, über Alejandro erfahren wir wenig mehr als bereits im ersten Teil. Hier hätte die Beziehung zu Isabel, der Tochter des Kartellbosses, für spannende Charaktermomente und einen Widerstreit der Gefühle sorgen können – aber schnell ist klar, dass unter Alejandros harter Schale natürlich ein weicher Kern liegt. Nur: Wo war dieser Kern im ersten Teil? Alejandros Handlungen in Sicario 2 widersprechen teilweise dem im Vorgänger gemalten Bild.

Trotzdem bleibt das Schicksal des Ex-Anwalts eine treibende Kraft der Handlung. Zu schade daher, dass Sicario 2 nicht den Mut hatte, die gewaltgeprägte Hintergrundgeschichte konsequent zu Ende zu erzählen, sondern sich am Ende um einen Twist bemüht, der alles Vorhergegangene ad absurdum führt.

Sicario 2

Überraschend auch, dass ein zu Beginn des Films eingeführter Handlungszweig einfach nach drei Vierteln der Geschichte sang- und klanglos abgesägt wird. Es bleibt der Eindruck, dass das Drehbuch und die Charaktere definitiv mehr Arbeit und Stringenz nötig gehabt hätten, um an die dichte Atmosphäre des Vorgängers heran zu kommen.

Umso ärgerlicher ist auch, dass Sicario 2 keine Geschichte erzählt, die tatsächlich etwas zu sagen hat. Wo der Vorgänger dem Publikum noch mit unangenehmen Wahrheiten über Migration und Menschenhandel konfrontierte und dem Publikum ein moralisches Urteil überließ, begnügt sich der Nachfolger mit einer wenig bewegenden Geschichte. Natürlich finden sich hier auch bekannte Motive und Themen wieder, diese werden allerdings nicht hinterfragt. Angesichts der herrschenden Weltlage eine vertane Chance, Sicario 2 mehr Relevanz zu verleihen.

Auch können weder Soundtrack noch Bilder davon ablenken, dass Sicario 2 leider filmisches Mittelmaß bleibt. Zwar erzeugt der Soundtrack mit seinen drohenden Streichern die nötige bedrohliche Atmosphäre, kann aber nur in seltenen Sequenzen überzeugen. Die Kameraarbeit versucht ebenfalls mit einigen Aufnahmen an die Bildsprache des Vorgängers anzuknüpfen, findet aber sozusagen keine eigenen Worte. All das verstärkt den Eindruck, dass man hier eher versucht, einen Film nachzuahmen, statt selbst einen künstlerischen Ausdruck zu erarbeiten.

Zugegeben: Das ist Meckern auf hohem Niveau. Trotz seiner stilistischen und erzählerischen Schwächen weiß Sicario 2 mit der Mischung aus politisch angehauchtem Thriller und knalligen Actionszenen zu unterhalten. Leider ist der Film in dem Moment so gut wie vorbei, als man meint, die Handlung ziehe gerade an. Es bleibt nach dem Aufleuchten der Lichter im Kino nur leider die Frage zurück, ob dieser Film wirklich hätte sein müssen.

Fazit

Sicario 2 bietet solide Unterhaltung für Action- und Thriller-Fans, erreicht aber nicht ganz die Klasse seines Vorgängers.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Columbia Pictures/ Legendary

SICARIO: Day of the Soldado - Official Trailer (HD)

SICARIO 2 Trailer Deutsch | Ab 19. Juli im Kino!

Sicario 2
Originaltitel:
Sicario: Day of the Soldado
Kinostart:
19.07.18
Laufzeit:
123 min
Regie:
Stefano Sollima
Drehbuch:
Taylor Sheridan
Darsteller:
Benicio Del Toro, Josh Brolin, Catherine Keener, Jeffrey Donovan, Manuel Garcia-Rulfo, David Castaneda, Matthew Modine, Isabela Moner, Christopher Heyerdahl
In der Fortsetzung rücken die von Benicio Del Toro und Josh Brolin gespielten Charaktere Alejandro und Matt Graver in den Mittelpunkt.

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