Manga-Kritik: Dragon Ball Super 2/Boruto 2

Dragonball Super.jpg

Dragon Ball Super

Wer die Manga-Kritiken zu Dragon Ball Super 1 respektive Boruto - Naruto the next Generation 1 nachholen will, wird hier beziehungsweise hier fündig. Selbstredend muss in diesem Beitrag auf das bisherige Geschehen eingegangen werden, über Gebühr gespoilert wird allerdings - wie gewohnt - nicht.

Dragon Ball Super 2: Das Gewinner-Universum steht fest!

Inhalt

Die beiden Götterbrüder der Zerstörung dürfen noch einige Runden mitzittern. Ihnen wird bei ihrem universalen Turnier auch definitiv nicht wenig geboten: Ein Betrüger, ein scheinbar unverwundbares Wesen, ein Saiyajin-Gefecht der besonderen Art und ein Duell der Superlative. Damit jedoch nicht genug:

Kaum liegt dieses Abenteuer hinter der mittlerweile deutlich erweiterten Gruppe Z kommt es zu einem Wiedersehen mit einem alten Bekannten aus der Zukunft, der Son-Gokus und Vegetas Hilfe benötigt, um einen erbarmungs- und rücksichtslosen Feind zu besiegen.

Es bleibt dabei: Gut, aber zu schnell

Der Verfasser dieses Beitrags ist an sich kein Freund von Anime-Manga-Vergleichen, aber dieses enorm hohe Tempo, das das Gespann Toriyama-Toyotarou an den Tag legt, zwingt einen förmlich dazu. Bereits der erste Band handelte im Prinzip innerhalb von 192 Seiten 1,5 Arcs ab und der zweite nimmt zwar ein wenig den Fuß vom Gas, verarbeitet jedoch noch immerhin einen halben Arc und den Einstieg in einen neuen. Aber der Reihe nach.

Turniere haben eine besondere Tradition im Dragon-Ball-Universum, und daher ist es umso erfreulicher für Franchise-Anhänger, wenn nach all den Jahren der Ableger der Urserie diesen Umstand berücksichtigt. Vor allem wenn das dann auch noch in dieser Größenordnung geschieht. Dass sich Vertreter zweier Universen in einem Ring gegenüberstehen, hatte es nämlich in dieser Welt bis dato noch nicht geben. Und es wird noch besser: Dieses Kräftemessen war gewissermaßen nur das Vorspiel zu einem noch bedeutenderen, was man unmittelbar, nachdem der Sieger feststeht, erfährt.

Deswegen ist es umso bedauerlicher, dass nicht in einer der zahlreichen Runden Spannung aufkommt. Was die Kämpfe in dem Drachenkugel-Kosmos ironischerweise eigentlich immer ausgezeichnet hat, war, dass man mitfiebern konnte. Natürlich wusste auch irgendwann der Letzte, dass in 99,9 % der Fälle erst Vegeta und anschließend Son-Goku seinen großen Auftritt haben würde - bei den Turnieren hingegen gab es oft noch einen netten Twist -, unterhaltsam und mitreißend waren die Gefechte dennoch. Vor allem lieferten sie der Leserschaft trotz des so typischen Dragon-Ball-Humors viele ernste und dramatische Momente, die auch nötig sind, damit die humorvollen nicht Überhand nehmen.

Das abrupte Ende dieses Wettbewerbs wurde einem zwar kurz mit der Aussicht auf einen interessanten künftigen Handlungsstrang versüßt, allerdings wird nun nicht konsequent auf diesen hingearbeitet, sondern ein weiterer eingeschoben. Bei diesem handelt es sich jedoch nicht um eine nette Nebenhandlung zur Überbrückung oder eine mit eindeutig vorbereitendem Charakter. Nein, das, was nun folgt, ist ein echter Arc, der auch von Beginn an absolut interessant anmutet. Nur ist hier ebenfalls viel zu schnell klar, worauf es hinausläuft.

Future Trunks kehrt in die Gegenwart zurück, weil er auf die Hilfe seines Paralleldimensionsvaters hofft, um gegen einen Feind bestehen zu können, der in der Zukunft sein Unwesen treibt und offenbar keine Gnade kennt. Das alleine hätte man fantastisch inszenieren können, leider wird aber auch hier völlig ohne Not bereits auf den letzten Seiten das Geheimnis um diesen dubiosen neuen Gegenspieler gelüftet, und man fragt sich schlicht: Warum?

 Boruto

Boruto – Naruto the next Generation 2: Die zweite Schriftrolle

Inhalt

Boruto nimmt wie zahlreiche andere Konoha-Nachwuchs-Ninjas an den Chunin-Auswahlprüfungen teil. Diese verlaufen zunächst völlig normal ab, doch plötzlich tauchen zwei ungebetene Gäste auf, die eindeutig nicht in friedlicher Absicht gekommen sind…

Es bleibt nicht ganz dabei: Gut und diesmal (mindestens) leicht zu schnell

Dass die Zutaten stimmen, wurde schon in der letzten Kritik festgehalten. Deshalb könnte man meinen, dass Band 2 einfach dort weitermacht, wo Band 1 aufgehört hat. Dies stimmt allerdings nur bedingt, denn bedauerlicherweise ziehen die inhaltlich Verantwortlichen auch hier völlig ohne eine inhaltliche Notwendigkeit in den falschen Momenten das Tempo an.

Das Gaspedal wird glücklicherweise nicht so stark betätigt wie bei Dragon Ball Super, jedoch im Verhältnis immer noch eindeutig zu fest. An sich müsste man noch damit beschäftigt sein, Welt und Akteure zu etablieren, da selbst die altbekannten durch den Zeitsprung logischerweise neue Facetten zu bieten haben, die es sich zu entdecken lohnt.

Die große Stärke von Naruto war bekanntlich seit jeher, dass die Macher es in Sachen Heldenfokussierung nie übertrieben und sehr darauf geachtet haben, überdurchschnittlich vielen Vertretern des erweiterten Haupt- respektive des sehr interessanten Nebencasts ausreichend "Screentime" zu gewähren - ob schwarz auf weiß oder im Anime.

Die Chunin-Auswahlprüfungen werden auf diesen 208 Seiten dagegen in keiner Weise zelebriert oder ausgestaltet, sondern sind letztlich nur Mittel zum Zweck, um eine große Bühne für den ersten Auftritt der neuen Feinde zu haben. Dass man eine ähnliche Chronologie der Ereignisse schon aus dem Vorgängertitel kennt, ist dabei das geringste Problem. Hätten sich die Autoren vollumfänglich an dem damaligen Plot orientiert, würde der Verfasser dieses Beitrags ein solches Vorgehen wahrscheinlich sogar gutheißen, denn auf der identischen Spielwiese finden logischerweise immer andere Spiele statt - vorausgesetzt, andere Spieler dürfen sich wirklich entfalten.

Das sich anbahnende nächste Kapitel in dem schwierigen Vater-Sohn-Verhältnis Naruto/Boruto wird beispielsweise umgehend wieder zugeschlagen, weil man lieber sofort einen Showdown haben wollte. Einen, der bildgewaltig daherkommt und darüber hinaus genug Fragen offenlässt, um mit Spannung dem nächsten Band entgegenzufiebern. Das ist in Ansätzen auch nachvollziehbar. Warum das Erzähltempo aber so hoch sein muss, erschließt sich einem dennoch nicht.

Fazit

In beiden Fällen wird einem definitiv genug geboten, um sich als Fan der Franchises gut unterhalten zu fühlen. Insbesondere bei Dragon Ball Super wird es allerdings spannend zu sehen sein, ob die Kreativen ihr Pulver nicht einfach zu früh verschossen haben. (Der direkte Vergleich zum Anime wird hier im Übrigen bewusst nicht ein weiteres Mal bemüht, da es in diesem Beitrag schließlich um den Manga gehen soll.)

Bei Boruto hingegen sollte man wirklich abwarten, ob man sich nicht schon im dritten Band wieder auf die bekannten Stärken der Urserie besinnt: auf Charaktere und Handlungen, die sich auf originelle Weise und nicht überhastet entwickeln.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© 2016 by Masash Kishimoto, Ukyo Kodachi, Mikio Ikemoto/SHUEISHA Inc.

Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.