Manga-Kritik: Dragon Ball Super 1: Die Krieger aus dem 6. Universum

Als im November 2000 der 42. Dragon-Ball-Manga in Deutschland erschien, konnte man nicht unbedingt davon ausgehen, dass ganze 17 Jahre später Son-Goku, Vegeta, Piccolo und Co. mit brandneuen Geschichten zurückkehren würden. In der Rückschau ist diese Entwicklung aber weit weniger verwunderlich, da das Franchise allein schon durch all die innerhalb dieser Zeitspanne veröffentlichen Videospiele nie auch nur ansatzweise gefährdet war, an Popularität zu verlieren.

Im September 2017 startete ProSieben Maxx mit der Ausstrahlung des Dragon-Ball-Super-Animes. Dieser knüpft inhaltlich unmittelbar an das Geschehen der letzten Dragon-Ball-Z-Episoden an, was bedeutet, dass das von vielen Fans nicht sonderlich geschätzte Dragon Ball GT damit guten Gewissens noch leichter ausgeblendet werden kann - allerdings aufgrund des Oob-Hintertürchens nicht vollständig. Mastermind Akira Toriyama wirkte bei letztgenannter Serie auch lediglich in beratender Funktion mit, während die neuesten Abenteuer, genauer gesagt der Plot der neusten übergeordneten Handlungsbögen aus dem “Wunschkugel-Universum“ komplett auf ihn zurückgehen. An dieser Stelle soll es jedoch um die Manga-Version gehen, die es sich definitiv zu besprechen lohnt.

Inhalt

Son-Gokus Kampf gegen den Dämon Boo liegt mittlerweile lange zurück, weswegen sich der Weltenretter umso mehr darüber freut, als eines Tages Beerus, der Gott der Zerstörung, auf der Erde erscheint. Dieser ist stets auf der Suche nach würdigen Gegnern und findet in dem leidenschaftlichen Kämpfer nach kurzen Anlaufschwierigkeiten tatsächlich einen ebensolchen.

Schließlich taucht zu allem Überfluss noch Champa, der Zwillingsbruder des Erdenbesuchers aus einem anderen Universum, auf und ehe man sich versieht, haben sich die beiden darauf verständigt, ein Turnier der Extraklasse austragen zu wollen. Die Geschwister dürfen jeweils fünf Kämpfer ins Rennen schicken und einer davon ist selbstverständlich der Vater von Son-Gohan und Son-Goten.

Von Altem und Neuem (Teil 1)

Toriyamas erster Manga-Welterfolg wurde bekanntlich nicht nur von ihm erdacht, sondern ebenfalls von ihm gezeichnet. Dies stellt sich bei seinem Nachfolgeprojekt rund um die Saiyajins etwas anders dar: Hier überlässt der Altmeister nämlich die Zeichnungen dem aufstrebenden Künstler Toyotarou, dessen Panels man ansieht, wie intensiv dieser sich mit den Werken seines Vorbildes beschäftigt hat.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Kämpfe nichts an Dynamik eingebüßt haben, bekannte Figuren sehr vertraut erscheinen und neue einen derart außergewöhnlichen Look erhalten haben, dass man sie sicher nicht mehr vergisst. Sprich: Was den visuellen Gesamteindruck angeht, dürften folglich nur die wenigsten etwas zu beanstanden haben.

Dragon Ball Super Band 1

Von Altem und Neuem (Teil 2)

Inhaltlich bleiben zudem beinahe keine Wünsche offen: Nach einem lockeren Einstieg, der zeigt, dass der Protagonist selbst auf einem Traktor im Feld an nichts anderes als sein Training denken kann, erfolgt bereits die Vorstellung der ersten beiden neuen Charaktere Beerus und Whis. Diese fügen sich wunderbar in die Reihe der extrem originellen und manchmal etwas skurrilen Toriyama-Kreationen ein. Ersterer ist beispielsweise nicht nur unglaublich stark, sondern auch gleichzeitig ein launischer, unberechenbarer Feinschmecker, der eine Planetenzerstörung jederzeit einer vernichtenden Restaurantkritik vorzieht, wenn ihm ein Gericht nicht mundet. Das ist der Stoff aus dem Fanfavoriten gemacht sind.

Selbstredend kommen aber auch die Mitglieder der Gruppe Z nicht zu kurz. Insbesondere Son-Goku und Vegeta bestimmen erwartungsgemäß diverse Panels. So richtig heimisch fühlen sich Dragon-Ball-Anhänger in diesem Abenteuer allerdings vor allem deshalb, weil beispielsweise auch Chao-Zu oder Dende zu sehen sind. Der Star-Autor, der ein großer Freund von Details ist, vergisst einfach niemanden - noch nicht einmal einen Prinz Pilaw. Und obwohl dem so ist, hat man nie den Eindruck, dass eine der zahlreichen Personen stört. Sicher, die meisten von ihnen tragen auf den ersten Blick nicht wirklich viel zur Handlung bei, jedoch deutet sich unter anderem bereits an, dass Piccolo in absehbarer Zeit endlich einmal wieder eine größere Rolle spielen wird; womöglich ist das erst der Anfang.

Natürlich können Kritiker nun anführen, dass Dragon Ball seit jeher schlicht die ewige Variation des Immergleichen ist: Ein neuer Gegner bedroht die Erde, die Saiyajins müssen stärker werden, bekommen deswegen eine neue Frisur und zwischendurch findet ein Turnier statt. Wer das so sieht, dürfte wohl nur schwer vom Gegenteil überzeugt werden können. Wer aber seit Kindertagen diese bunte Power-Truppe liebt und schätzt, wird das logischerweise völlig anders sehen.

Es ist keine enorm wendungsreiche hochklassige Story, sondern vielmehr die Art, wie diese Welt konstruiert ist, die Tatsache, dass man weiß, dass letztlich alles miteinander zusammenhängt und die Gewissheit, dass sich Akira Toriyama immer wieder etwas Neues einfallen lässt, um sein Vorzeigegericht noch weiter zu verfeinern, die dieses Franchise aus- und zu etwas Besonderem machen.

Dragon Ball Super Band 1

Aber warum so schnell?

Auf Dragon Ball Super 1 trifft all das zu, jedoch gibt es eine Sache, die beinahe danach schreit, kritisch hinterfragt zu werden: das Erzähltempo!

Auf diesen 192 Seiten passiert so viel wie wahrscheinlich in fünf Bänden der Urserie, und das ist regelrecht bedauerlich. Dies führt nämlich dazu, dass Son-Gokus Kräftemessen mit Beerus relativ kurz ausfällt und sein Wiedersehen mit seinem Erzfeind Freezer der Leserschaft lediglich von dem Erzähler knapp beschrieben, anstatt gezeigt wird. Wer weiß, dass sich alleine jedes dieser Gefechte über mehrere Anime-Episoden lang erstreckt und beide außerdem in leicht veränderter Form als Filme (Dragon Ball Z: Kampf der Götter beziehungsweise Dragon Ball Z: Resurrection ´F‘) existieren, kann einschätzen, auf wie viele tolle Momente man da ohne Not verzichtet hat. Auch das Argument, das in einem auf einer der letzten Seiten abgedruckten Interview mit Zeichner und Autor angeführt wird, überzeugt nicht: Der Universum-6-Arc käme im Vergleich zu den beiden anderen etwas leichter daher, weshalb man sich direkt etwas mehr auf ihn konzentrieren wollte.

Das mag sein, allerdings wirkt der Band dadurch in der Gesamtbetrachtung unnötigerweise etwas unrund. Es gibt viele Sprünge und ja, alles passiert einfach zu schnell hintereinander. Es ist aber zumindest nicht ausgeschlossen, dass der Folgeband nicht von diesem Problem betroffen sein wird.

Fazit

Dragon Ball Super 1: Die Krieger aus dem 6. Universum ist in erster Linie für langjährige Dragon-Ball-Fans eine wunderbare Möglichkeit, um nach einer gefühlten Ewigkeit endlich einmal wieder in diese Welt einzutauchen, an die Hand genommen zu werden und sich gemeinsam mit den alten Weggefährten neuen Herausforderungen zu stellen.

Gerade auch für Neueinsteiger wäre es jedoch wünschenswert gewesen, wenn das Dargebotene organischer und weniger wie aneinandergereihte Einzelereignisse dahergekommen wäre.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Carlsen

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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