Anime-Kritik zu Dragonball Super: Broly

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Dragonball Super: Broly

Der August 2001 ist ein ganz besonderer Monat, wenn es um die Bedeutung von Anime in Deutschland geht. Damals begann RTL II nämlich mit der werktäglichen Ausstrahlung von Dragonball Z, und das um 19:30h - dem Sendeplatz also, der schon damals nicht unbedingt als der unproblematischste galt. Der Rest ist bekannt: Das Franchise wurde von diesem Moment an hierzulande immer populärer, heute gehört es weltweit zu den bekanntesten im Popkulturbereich, das zudem längst im Mainstream angekommen ist.

Ein weiteres wichtiges Jahr für das Dragonball-Universum war 2015. Damals lief nämlich im japanischen TV die erste Folge von Dragonball Super. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Manga, der nicht nur in der Tradition von Akira Toriyamas großem Werk steht, sondern der inhaltlich und visuell extrem von ihm höchstselbst geprägt worden ist. Die Hauptarbeit lastete aber auf den Schultern von Mangaka Toyotarou, der auf der Basis von Toriyamas Vorgaben die einzelnen Seiten mit Leben gefüllt hat - und den Vergleich mit dem Altmeister keinesfalls scheuen muss. Inhaltlich handelt das Ganze von den Ereignissen in der zehnjährigen Lücke zwischen Son-Gokus Triumph über Boo und seinem Aufeinandertreffen mit dessen Reinkarnation Oob.

Die beiden Auftakt-Arcs des Anime wurden nicht nur in Episodenform erzählt, sondern ebenfalls als Film realisiert: Während Dragonball Z - Kampf der Götter der Sprung in die deutschen Kinos noch nicht gelang, sah dies bei dessen Nachfolger Dragonball Z: Resurrection ´F‘ schon anders aus. Und auch Dragonball Super: Broly, der nicht nur erstmals das “Super“ anstelle des “Z“ im Namen trägt, sondern außerdem noch über eine eigenständige, in der Serienchronologie verankerte Handlung verfügt, durfte von den Fans im Rahmen von Special-Screenings - diesmal sogar erstmals in der Schweiz - bewundert werden. Zunächst ausschließlich in der OmU-, später dann darüber hinaus noch in der synchronisierten Fassung.

Broly, der Rückkehrer-Neuling

Broly ist den Treuesten der Treuen bereits viele Jahre bekannt, und doch feiert er in diesem Film im Prinzip gleichermaßen sein Debüt und sein Comeback. Der Reihe nach: Erstmals kamen die Fans mit dem Krieger, dessen Name nicht zufällig an Brokkoli erinnert und damit wunderbar zu denen der anderen Figuren passt, in den Dragonball-Z-Movies 8, 10 und 11 (Der legendäre Super-Saiyajin, Brolys Rückkehr und Angriff der Bio-Kämpfer) in Berührung. Diese waren nie kanonisch, bedienten sich allerdings selbstredend der beliebtesten Haupt- und Nebencharaktere, führten neue ein und füllten inhaltliche Lücken, die weder im Manga noch im Anime bisher angemessen thematisiert worden waren.

Der Fall Broly zeigt nun, inwiefern dieser Pool an durchaus interessanten Ideen für die DB-Zukunft noch wichtig werden kann. Die Tatsache, dass dem Ausnahmekämpfer von Tag eins an die Sympathien nur so zugeflogen sind, dürfte nämlich zweifellos einen großen Anteil daran gehabt haben, dass Toriyama ihm nach all der Zeit seinen Platz in diesem Kosmos zugestand, und Broly zudem ein völlig neues Design verpasste. Er ist streng genommen also weder ein echter Rückkehrer noch eine völlig neue Figur, er ist die ideale Mischung aus beidem. Und ohne das Wenige, was man nach Begutachtung des Trailers wirklich spoilern könnte, vorwegzunehmen: Er ist nicht das einzige vertraute Gesicht, das nach einer gefühlten Ewigkeit wieder zu sehen ist, und besagte Rückkehr vieler Akteure aus der DB-Vergangenheit führt auch dazu, dass bestimmte Kapitel in den Dragonball-Geschichtsbüchern neu geschrieben oder zumindest ergänzt werden müssen.

Inhalt

Die ersten Bilder des Films liefern zahlreiche dieser Momente, was jedoch weder für Neueinsteiger noch für langjährige Drachenwunschkugel-Sammler von Nachteil ist. Denn dieser kleine Sprung in die Vergangenheit schafft endlich Gewissheit hinsichtlich der Geschehnisse auf dem Planeten Vegeta, die unter anderem erklären, warum und wie Son-Goku und Vegeta auf der Erde landeten.

Vor allem geht es aber auch natürlich um Broly, der im Erwachsenenalter schließlich ebenfalls unseren Planeten aufsucht und dort selbstverständlich auf die beiden prominentesten Saiyajin der Popkultur trifft - und auf dieses Treffen folgen diverse für alle schmerzhafte Treffer.

Bildgewaltig

Diese Treffer wiederum sind selbstredend untrennbar mit eindrucksvoll inszenierten Kämpfen verbunden, und die sind es auch, die die Fans von Dragonball generell von einem Leinwandableger allerdings erst recht erwarten. Und sie werden wahrlich nicht enttäuscht. Wenn der Nachfolger von Dragonball Z - Resurrection ´F‘ eines ist, dann bildgewaltig.

Jeder Kampfsequenz ist das bei einer solchen Großproduktion logischerweise deutlich höhere Budget im Vergleich zu dem, das für eine Serienepisode zur Verfügung steht, deutlich anzusehen: Die Dynamik, die trotz hoher Geschwindigkeit gut ausgearbeiteten Bewegungsabläufe, die Wucht der einzelnen Schläge und Attacken sowie die Intensität der Farbkontraste respektive der sehr wirkungsvolle Einsatz von Farben im Vorder- und Hintergrund insgesamt. Und dass jeder, der es mit Son-Goku und Vegeta hält, auf die Augenblicke hin fiebert, in denen beide munter ihre Haarfarben wechseln, um auf diese Weise etwas stärker zu werden, sollte ohnehin jedem klar sein - und Freezer beweist im Übrigen ebenso einmal mehr Mut zur Farbe oder besser gesagt: zu Gold.

Die große Frage, die immer im DB-Kontext gestellt werden muss, lautet natürlich “Wer gegen wen?“ und schon der Trailer liefert da (fast) alle wichtigen Antworten: Broly gegen Vegeta, Broly gegen Son-Goku sowie Broly gegen Freezer. Und wenn man die Dauer der Kämpfe addiert, erhält man den Großteil der Lauflänge als Ergebnis. Sicher wird es einige geben, die exakt das bedauern oder dem Film sogar vorwerfen, nicht innovativ und eigenständig genug zu sein. Nur: Für wen ist dieses Werk denn gemacht?

Auf den ersten Blick selbstverständlich prinzipiell für jeden, der sich dafür entscheidet, ein Ticket zu lösen, auf Play zu drücken oder irgendwann zu einer bestimmten Zeit einzuschalten. Auf den zweiten kommt man jedoch sehr schnell zu der Erkenntnis, dass die Abenteuer aus der Drachenkugelwelt zwar längst im Mainstream angekommen sind, aber auch gleichzeitig dafür geschätzt werden, dass man bekommt, was man erwartet. Dass das trotz allem ein schmaler Grat sein kann, hat DBS selbst bewiesen, da es sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen musste, nicht mutig genug zu sein beziehungsweise zu sehr auf Altbekanntes aus DBZ zurückzugegriffen zu haben. Denjenigen muss man allerdings ehrlicherweise entgegenhalten, dass Dragonball Z in sich ebenfalls, wenn man so will, formelhaft war: Es zeichnet sich ab, dass ein mächtiger Gegner kommen wird, dieser kann zunächst nicht besiegt werden, unterschiedliche Helden scheitern bei dem Versuch und am Ende gelingt es doch - Training und Haarprachtveränderung inklusive.

Dragonball ist jedoch so viel mehr als das, denn es stand seit jeher viel eher das “Wie?“ als das “Was?“ im Vordergrund. Die Verknüpfungen der einzelnen Handlungsstränge, die Einführung neuer Figuren und der Umgang mit den etablierten sind dabei von entscheidendender Bedeutung und liefern zudem die entscheidenden Hinweise, wenn man ergründen will, wie Son-Goku, Vegeta & Co. derart populär werden konnten. Will sagen: Der Maßstab, den das Gros der Fans bei einem solchen Titel anlegt, ist einer, den man noch nicht einmal ohne Weiteres auf einen Superhelden-Blockbuster anwenden könnte. Und deshalb ist es auch durchaus legitim, zu sagen, dass die Verbindung aus zum Teil überraschender und gleichzeitig sehr schlüssiger Exposition, erwartbarem Hauptteil und passendem Ende mit jeder Menge Anknüpfungspunkten ein überzeugendes Gesamtprodukt ergibt.

Stimmgewaltig

Ein wichtiger Faktor machte dieses  Seh- und Hörerlebnis für viele Saiyajin-Freunde zu einem besonderen Genuss: Wie schon bei den beiden anderen Filmen der neuen Generation sind auch diesmal die zentralen Hauptrollen fast ausschließlich mit den Synchronsprechern der (beinahe) ersten Stunde besetzt worden: Tommy Morgenstern als Son-Goku, Oliver Siebeck als Vegeta, Claudia Urbschat-Mingues als Bulma und David Nathan als Piccolo.

Wer sein Bedauern darüber, dass es bei dem DBS-Anime etwas anders aussieht, in nicht gerade angemessener Form wieder und wieder im Internet kundgetan hat, dem sei an dieser Stelle vielleicht ein letztes Mal Folgendes gesagt:

Als Dragonball Z vor fast 20 Jahren auf RTL II debütierte, handelte es sich noch nicht um eine Stammbesetzung, die fast ausschließlich aus Feststimmen aus dem obersten Hollywoodregal (Ryan Gosling oder Chris Hemsworth, Angelina Jolie oder Jennifer Connelly, Christian Bale oder Johnny Depp usw.) bestand. Das hat sich mittlerweile geändert, und bedeutet nicht nur, dass der Marktwert der Betreffenden gestiegen, sondern ebenfalls, dass es schwieriger geworden ist, solche Branchenschwergewichte für eine Serie, die langfristig angelegt ist und in der es nicht gerade “stimmschonend“ zugeht, zu verpflichten. Gerade letzteres Kriterium ist ein nicht zu unterschätzendes, das bei der Entscheidung für oder gegen Engagements seitens der Synchronschauspieler eine wichtige Rolle spielen kann.

Es gibt folglich durchaus eine “Stimmenkonstanz” innerhalb des gesamten DB-Universums, die sozusagen noch Ausnahmen enthält (Dragonball Z Kai und Dragonball Super), die die Regel bestätigen, und wer ohnehin die OmU-Fassung bevorzugt, hat das große Glück, inzwischen weder im Kino noch in der DVD- respektive Blu-Ray-Version darauf verzichten zu müssen.

Und dass zudem Gerrit Schmidt-Foß, der Mann, den alle im Ohr haben, wenn die Rede von Leonardo DiCaprio oder Sheldon Cooper alias Jim Parsons ist, nach all den Jahren wie schon in den oben genannten Filmen dem titelgebenden Protagonisten erneut Leben einhaucht, ist selbstverständlich das vielzitierte “Tüpfelchen auf dem I”.

Fazit

Dragonball Super: Broly hat eine wirklich tolle Optik und erinnert die Zuschauer in einem an Höhepunkten nicht sonderlich armen Kinojahr daran, wie schön es sein kann, sich gezeichnete Abenteuer auf der großen Leinwand erzählen zu lassen.

Inhaltlich mag das Dargebotene nicht unbedingt vor Originalität nur so strotzen, dennoch vergehen die 101 Minuten wie im Fluge - vorausgesetzt, man ist auch gewillt, sich darauf einzulassen. Vor allem ist es aber ein Film für die Fans, einer, dem es - zumindest im Stammkino des Verfassers dieser Kritik - gelang, die zahlreich erschienen Zuschauer dazu zu bringen, mit Einsetzen des Abspanns lautstark zu applaudieren.

Dragonball Super: Broly (Kino-Trailer dt. Synchro)

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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