Kritik zu Drachenzähmen leicht gemacht 2

Vorab gesehen und besprochen von Gastautorin Susanne Picard.

„Beim Baarte des Thoar! Was’n das!?“  - Das fragte vor rund vier Jahren Grobian, seines Zeichens Dorfschmied des Wikingerdorfes Berk seinen besten Freund, Haudrauf den Stoischen, beim Anblick des gewaltigen Drachens, der eine ganze Wikingerflotte vernichtete.  

Nun, fünf Jahre später, haben sich die Wikinger von Berk – gelegen genau zwölf Tage   nördlich von „trostlos“, ein paar Grad südlich von „schweinekalt“ und mitten auf dem Längengrad der Langeweile – mit den Drachen arragiert. Mehr noch: Wohl nie hatten die groben Wikinger mehr Spaß am Leben als jetzt mit ihren neuen Haustieren, was zumindest die letzte Koordinate seither Lügen straft. Doch wenn Grobian dachte, dass der Monsterdrache, der im ersten Teil der Saga sowohl Drachen als auch damit indirekt den Menschen das Leben schwer machte, sei das Schlimmste, was Berk passieren könnte, hat er sich geirrt. Das Böse nimmt viele Gestalten an, wie auch Hicks, Haudraufs Sohn und Ohnezahn, sein Drache und bester Freund bald feststellen müssen.  

Und es sind beileibe nicht immer die Drachen, die Ärger machen ...  

Vor vier Jahren kam Drachenzähmen leicht gemacht ins Kino. Die Verfilmung des Kinderbuches von Cressida Cowell war erfolgreich, aber nicht ohne Gegner. Für die einen war er zu kindisch, weil animiert (und außerdem: Wikinger und niedliche Drachen?), für andere dagegen wich die Handlung zu sehr von der Buchvorlage ab. Und doch gelang den Machern von Dreamworks ein Film, in dem sowohl Effekte als auch Story einer reizenden Geschichte dienten, die nicht einmal 100 Minuten äußerst vergnüglich ausfüllte und selbst bei mehrfachem Sehen immer noch Überraschungen bot.  

FDrachenzähmen leicht gemachtolgerichtig war eine Fortsetzung schon bald beschlossene Sache. Jetzt startet am 24. Juli 2014 die Fortsetzung. Fünf Jahre nach den Ereignissen im ersten Teil, die Wikinger und Drachen aus erbitterten Feinden beste Freunde und Spielkameraden werden ließ, setzt die Handlung des neuen Teils an. Hauptfigur Hicks, Sohn von Haudrauf dem Stoischen, dem Stammesoberhaupt, ist fünf Jahre älter – und die Macher haben diesem Umstand die Handlung angepasst. Düsterer ist sie geworden, und finsterer die Abgründe, die Hicks und seine Freunde Astrid, Rotzbacke, Fischbein, Raffnuss und Taffnuss erkunden müssen: Sie stellen fest, dass das Leben aus mehr besteht als den lustigen Drachenrennen, mit denen sich das Dorf nun hauptsächlich beschäftigt.  

Neben kleineren Problemen der Freunde (Hicks soll Stammesvorsteher werden, Fischbein und Rotzbacke haben jetzt, wo Astrid und Hicks fest zusammen sind, eine ganz besondere Vorliebe für die davon genervte Raffnuss entwickelt) stellt Hicks auf seinen endlosen Streifzügen mit Ohnezahn schon bald fest, dass hinter den Horizonten von Berk eine Gefahr lauert, mit denen Drachen und Wikinger nicht mehr so einfach fertig werden. Das ist durchaus ein düsteres Thema, das sich auch im Design der Animationen zeigt. Wo das Böse sich zeigt, sind die bunten, sonnendurchfluteten Farben von Berk verschwunden, ausgeblichen und wirken, als seien sie mit einem dunklen Graubraun überpinselt worden. Schroffes Eis und noch schroffere Felsen zeigen sich, die Feinde tragen Rüstungen, Ketten, überdimensionale Maschinen überall, so dass man glaubt, der Film wechsele stellenweise ins Genre des Steampunk.  

Drachenzähmen leicht gemachtDoch Hicks muss sich nicht nur damit auseinandersetzen, dass seine Weltanschauung vielleicht nicht alle überzeugt, die er je im Leben treffen wird. Seine selbstauferlegte Mission, alle Welt davon zu überzeugen, dass man mit allen in Frieden leben kann, wenn man es nur will, wird auf eine harte Probe gestellt. Einfacher wird die Sache nicht, als er einen geheimnisvollen Drachenreiter trifft, der nicht das ist, was er zu sein scheint ...   Das ist durchaus düsterer. Und so anziehend der Look des Films auch ist – um wirklich alle hinreißenden Details zu finden und zu bemerken, wird man diesen zweiten Teil wie den ersten wohl mehrfach sehen müssen – ist es ein wenig schade, dass das Drehbuch ein wenig unter der Last, eine „erwachsenere“ Düsterkeit mit den hinreißen spaßigen Elementen des ersten Teils zu verbinden, zu ächzen beginnt. Das Böse wird so überhöht, dass die letztendliche Lösung doch reichlich unwahrscheinlich erscheint, selbst oder gerade weil es sich um einen Film handelt, der nie das Ziel aus dem Auge verliert, auch eine „Familienfilm“ zu sein.  

Der Verdacht drängt sich auf, dass die Macher den Wunsch nach einem „erwachseneren“ Film mit „Düsterkeit“ verwechselten und ihnen der gewollte Spagat nicht ganz gelang. Die Momente, in denen diese Verbindung dann wirklich mal funktioniert, sind leider diesmal nicht Hicks und seinem besten Freund Ohnezahn vorbehalten. Allerdings bleiben auch wirklich starke erzählerische Momente wie die Erklärung des Bösewichts selbst, warum er so ist, wie er ist oder das Wiedersehen Haudraufs mit einem lange vermissten Menschen leider kurze, aber dafür wirklich starke und auch – leider? – überraschende Höhepunkte.  

Drachenzähmen leicht gemachtNichtsdestotrotz ist der Film wie auch der erste Teil ein großer Spaß für Kinder und auch für Kind gebliebene Erwachsene. Das ist nicht zuletzt der Synchronisation des Films zu verdanken. So sehr die Rezensentin auch OVs liebt – gerade für Drachenzähmen leicht gemacht 1 & 2 sollte für die deutschen Stimmen eine Lanze gebrochen werden. Eigentlich geht besonders Dialekt in einer Synchro überhaupt nicht, aber hier erweist sich die Idee, Schauspieler mit einem norddeutschen Unterton in der Stimme zu casten, als absoluter Glücksgriff.

Besonders Thomas Nero Wolff (Grobian) und Dominick Raacke (Haudrauf) tun sich trotz der namhaften Originalschauspieler Gerard Butler oder Craig Ferguson aufs Amüsanteste hervor. Wer kann, sollte also die deutsche Fassung nicht von vornherein entrüstet von sich weisen. Auch auf Deutsch lohnt sich dieser Film in jedem Fall.

DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT 2 Teaser Trailer Deutsch German | 2014 Official Dragon [HD]

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