Little High, Little Low - Spoiler-Kritik zu Suicide Squad

SPOILER

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Will Smith als Deadshot und Margot Robbie als Harley Quinn in Suicide Squad

Es gibt im Kinojahr 2016 womöglich wenige Filme, die so mit Spannung erwartet worden sind wie Suicide Squad. Kaum ein Film wurde einer so aggressiven Marketingstrategie unterworfen, sodass schnell klar war, was die Studiobosse von Warner Bros. beschlossen hatten: Suicide Squad muss erfolgreich sein. Etwas Anderes stand nicht zur Diskussion.

Doch bereits die ersten Kritiken aus den USA verhießen nichts Gutes, und der Grund hierzu lag augenscheinlich auf der Hand - wenn die Chefetage eines Studios sich in das kreative Schaffen eines Regisseurs so stark einmischt, kann der Schuss nur nach hinten losgehen.

Warum? Weil dem Film häufig anzusehen ist, dass Regisseur David Ayer gezwungen war, nach den Reaktionen über den ersten Trailer seine Schnittfassung zu ändern. Dabei hätte Suicide Squad ein richtig guter Film werden können, und nicht nur einer, der gut unterhalten kann, wenn man ohne große Erwartungen ins Kino geht. Aber der Reihe nach.

"Is this the real life? Is this just fantasy?"

Die Älteren von uns werden sich an die Zeiten erinnern, in denen auf MTV oder Viva noch tatsächlich Musikvideos zu sehen waren. Wer gerne in Nostalgie schwelgt, ist in der ersten Viertelstunde des Films gut aufgehoben. Sämtliche Charaktere werden in Mini-Musikvideos vorgestellt, zum Teil ausführlicher, zum Teil kürzer. Das kann bei einem Charakter wie Harley Quinn durchaus poetisch und damit sehr gelungen sein. Wie ein Vogel im Käfig schwingt sie auf ihrer selbstgebastelten Schaukel in ihrer Gitterzelle. Ein Charakter wie Deadshot jedoch wirkt hier wie eine großzügig aufgezogenen Klischee-Schublade. Beinhartes Training in der Zelle. Netter Zeitvertreib für die Aufseher, wenn sie einmal wieder jemanden richtig verprügeln wollen.

Die lange Exposition ist Geschmackssache. Einige werden sich langweilen, weil der Film dadurch langsamer Fahrt aufnimmt. Jedoch ist gerade dieser Beginn, der nicht sofort auf große Explosionen und Pathos setzt, eine gelungene Ausnahme zu dem, was in letzter Zeit über die Kinoleinwände geflackert ist. Anschließend ist in Suicide Squad jedoch ein spürbarer Bruch in der Atmosphäre und Erzählstruktur zu bemerken.

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Viola Davis als Amanda Waller in Suicide Squad

Endlich hat Amanda Waller ihr Team per Zwang zusammengestellt, ihm diese praktischen per App auslösenden Chips für die Spontansprengung bei Ungehorsam injizieren lassen, alle haben sich sorgfältig vom Gefängnis- in den Alltags-Look gestylt und dann... ja dann ward in Suicide Squad kein Tageslicht mehr gesehen, weil es anschließend zappenduster wird. Helikopter fliegen und werden abgeschossen. Noch mehr Helikopter. Noch mehr Abschüsse. Irgendwo dazwischen gibt es die eher handelsüblichen Gemetzel mit den undefinierbaren, da in all dem Dunkel kaum erkennbaren, Kreaturen, die von Enchantress kontrolliert werden.

"The beelzebub has a devil put aside for me."

Enchantress. Sie sollte vermutlich bedrohlich wirken. Aber leider wirkt dieser Charakter aufgrund der grandiosen Fehlbesetzung mit Cara Delevingne eher komisch als bedrohlich. Man mag darüber streiten, ob Topmodels früher oder später alle Schauspielerinnen werden sollten. In diesem Fall wäre es für Delevingne vermutlich besser gewesen, wenn sie das Rollenangebot ausgeschlagen hätte. Ihr ist in jeder Einstellung das Unbehagen deutlich anzusehen, wenn sie vor sich hingrummelt und unkoordinierte Tanzbewegungen macht.

Die restlichen Mitglieder des Suicides Squads verkommen zu Sidekicks, der Fokus liegt hier auf Deadshot, Harley Quinn und Flag. Gerecht wird diesem Fokus lediglich Margot Robbie als Harley Quinn, indem sie mühelos in diese Rolle schlüpft, sie mit einer erstaunlichen Leichtigkeit spielt - und ein Lichtblick in dem ganzen Chaos ist. Der Moment, in dem sie nach dem vermeintlichen Tod des Jokers weinend auf dem Auto sitzt, sich aber schnell die Tränen aus den Augen wischt, als der restliche Squad zu ihr stößt, und schnell wieder auf das fröhlich-wahnsinnige Mädchen umschaltet, gehört zu den Szenen, die wirklich beeindrucken können.

"I'm just a poor boy. I need no sympathy."

Will Smith hingegen kann - für einige wenig überraschend - nicht überzeugen. Er spielt seine Rolle viel zu weich, zu stark drängt sich einem der Eindruck auf, dass Deadshot doch eigentlich ein ganz lieber Kerl ist, weil er eine ach so niedliche Tochter hat und sich nur um sie kümmern will. Vermutlich muss auch deswegen irgendwann im Film eine zusammenhanglose Szene auftauchen, in der Deadshot sinnierend vor einem Schaufenster steht und sich ein Kindermäntelchen anschaut, wie es wohl seine Tochter tragen würde. Passend im unschuldigen Weiß, das die düstere Szene strahlend erhellt.

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Suicide Squad: Jared Leto als Joker

Über den Joker ist im Vorfeld viel geschrieben worden, schließlich musste Jared Leto in die Fußstapfen von Heath Ledger treten. Kann er sie ausfüllen? Schwierig zu sagen. Denn unterm Strich ist der Joker im Vergleich wenig zu sehen und wirkt wie Füllmaterial, das auftauchen muss, wenn es zu Harley Quinn passt. Dann wirkt der Joker zwar irre. Aber niemals bedrohlich. Entweder war es von der Marketing-Abteilung ein cleverer Schachzug, Leto zum Zugpferd der Kampagne zu machen; oder aber die geschnittenen Szenen könnten für einen eigenen Joker-Film ausreichen. Leto spielt seine Rolle dennoch gut, sofern dies anhand der wenigen Minuten, die ihm Film vergönnt sind, zu beurteilen ist; gerade das Zusammenspiel mit Margot Robbie scheint ein Fall von "gesucht und gefunden" zu sein. Perfekt wäre es noch gewesen, wenn Leto und/oder das Drehbuch hätten zeigen dürfen, dass der Joker nicht nur wahnsinnig ist, sondern auch eine wahnsinnige Bedrohung sein kann.

Fazit

Suicide Squad hätte ein richtig guter Film werden können, würde man ihm nicht ansehen, dass das Studio sich kräftig eingemischt hat, weil der Druck nach den Reaktionen zu Batman v Superman zu groß geworden ist. So aber versinkt er zum Teil im Chaos, weil manche Schnitte einfach keinen Sinn ergeben und die klare Linie fehlt. Die Charaktere sind viel zu brav, lassen jede Anarchie und Boshaftigkeit missen, die sie ins Gefängnis gebracht haben. Dennoch: Der Film kann stellenweise unterhalten, vor allem Margot Robbie ist sehenswert - nicht nur wegen des knappen Kostüms. Man darf an Suicide Squad einfach nicht die hohen Erwartungen haben, die durch den Hype vorab verursacht worden sind. Dann bleibt die Enttäuschung im Anschluss an den Kinobesuch auch erspart.

Suicide Squad - Official Trailer 1 [HD]

SUICIDE SQUAD Trailer 2 German Deutsch (2016) Joker & Harley Quinn

Suicide Squad 2016 Poster
Originaltitel:
Suicide Squad
Kinostart:
18.08.16
Regie:
David Ayer
Drehbuch:
David Ayer
Darsteller:
Will Smith, Jared Leto, Margot Robbie, Joel Kinnaman, Jai Courtney, Cara Delevingne, Viola Davis
Bei Suicide Squad handelt es sich um die Missionen einer geheimen Regierungsorganisation, die aus Strafgefangenen mit außerordentlichen Fähigkeiten besteht. Im Austausch für die Teilnahme an riskanten Operationen wird ihnen Straffreiheit zugesagt.

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