Kritik zu Get Out – In einer anderen Haut

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Daniel Kaluuya in Get Out (2017)

Chris ist ein erfolgreicher Fotograf – und schwarz. Rose ist seine Freundin – und weiß. Zusammen wollen sie Roses Eltern besuchen. Dort wird das Paar freundlich aufgenommen, doch Chris bekommt mehr und mehr den Eindruck, dass etwas sehr seltsames bei den Eltern seiner Freundin vor sich geht.

Es ist immer ein etwas peinlicher Moment, die Eltern des eigenen Partners kennenzulernen. Besucht man die potentiellen Schwiegereltern, so ist das für einen fast immer ein Ereignis, das zumindest beim ersten Mal aus vielen peinlichen Pausen und unsicheren Blicken besteht. Schließlich kommt man in ein Umfeld, mit dem der Partner vertraut ist, dessen Regeln man selbst erst lernen muss.

Was aber, wenn man selbst aus einer anderen Welt, einer anderen Kultur kommt? So in etwa fühlt sich Chris, als er bei den Eltern seiner Freundin zu Besuch ist. Er hat es allerdings noch ein bisschen schwerer: nicht nur scheint jeder das offensichtliche Thema zu umschiffen, sondern tatsächlich verhalten sich die Bewohner des Hauses Armitage etwas komisch. Allen voran der Gärtner und die Haushälterin. Gerade von denen erhoffte sich Chris Solidarität und Verständnis, teilen sie doch die gleiche Hautfarbe mit ihm.

Der Film schafft es, dem Publikum nach und nach Chris' Unwohlsein näher zu bringen. Get Out tanzt eine ganze Weile auf der Grenze zwischen der Hoffnung, dass dies alles nur Einbildung ist und dem unguten Gefühl, dass gleich etwas Schreckliches passiert.

Wirkt Get Out zu Beginn so, als würde er eher auf Schockmomente durch Jump Scares setzen, geraten diese im Verlauf in den Hintergrund und er verlässt sich eher auf die sehr gute Atmosphäre als Spannungslieferantin. Zu Beginn kommt der Film etwas langsam in Fahrt, wodurch das Ende etwas gehetzt wirkt. Allerdings entstehen durch den langsamen Aufbau und das auf das Elternhaus beschränkte Setting kaum Logiklücken, so dass die Handlungen und Reaktionen der Charaktere nachvollziehbar bleiben.

Der Film ist zudem eine Verarbeitung der us-amerikanischen Rassismus-Problematik. Die Diskrepanz zwischen Chris' Hautfarbe und der privilegierten Stellung seiner Schwiegereltern wird klar ausgedrückt, nicht zuletzt, weil sich Chris völlig zurecht absolut deplaziert in dieser weißen Familie der oberen Mittelklasse fühlt.

Das wiederum macht es schwer,sich den Film ohne das Thema Rassismus vorzustellen. Was aber wiederum nicht schlimm ist, da Get Out dieses Thema sehr gekonnt für seine Atmosphäre nutzt. Zusätzliche Schlagkraft gewinnt der Film vor dem Hintergrund der Diskussion um Rassismus und Polizeigewalt in den USA.

Get Out schafft es, auch einem nicht-farbigem Publikum zu vermitteln, dass die Polizei für einen Afro-Amerikaner in den USA nicht unbedingt der ersehnte Retter in der Not ist. Zugleich ist dies aber auch die größte Schwäche des Films. Zwar funktioniert er als Horrorfilm sehr gut, verliert jedoch an Wirkung, wenn man von der Rassismus-Diskussion und ihre vielfältigen Auswirkungen auf das Leben vieler Afro-Amerikaner zuvor überhaupt nichts gehört hat.

Fazit

Get Out ist ein guter, spannender Horror-Thriller, der sein Handwerk beherrscht und zudem eine subtile gesellschaftliche Kritik vermitteln kann. Allerdings benötigt er zum vollen Verständnis Vorwissen um die Rassismus-Debatte in den USA.

Get Out - Trailer deutsch/german HD

Get Out - In Theaters This February - Official Trailer

Get Out 2017 Poster
Originaltitel:
Get Out
Kinostart:
04.05.17
Laufzeit:
130 min
Regie:
Jordan Peele
Drehbuch:
Jordan Peele
Darsteller:
Daniel Kaluuya, Allison Williams, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones, Stephen Root, Lakeith Stanfield, Catherine Keener
Chris stellt fest, dass mit der Familie seiner Freundin Rose etwas nicht stimmt.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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