Nostalgie in Serie: Digimon Adventure 02

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Digimon

Deutsche Fans hatten seinerzeit wirklich Glück: Nur wenige Monate nach der Erstausstrahlung der finalen Folge von Digimon Adventure 01 (“Abschied ohne Wiedersehen?“) im Dezember 2000 ging es bereits mit der Auftaktepisode (“Tais Erbe“) von Digimon Adventure 02 auf RTL II weiter.

Dass es so schnell Nachschub für alle Freunde der tierähnlichen Wesen gab, war sicher ein Hauptgrund dafür, dass der Hype um die Digiwelt und ihre Bewohner nicht allzu schnell abebbte. Es war in jedem Fall damals keine Seltenheit, dass man in den großen Sammelordnern der Kinder direkt neben den Pokémon-Trading-Cards die Digimon-Pendants bewundern konnte.

Was hatte die Zielgruppe aber nun eigentlich im TV gesehen? Staffel 1 in leicht abgewandelter Form oder eine echte Weiterentwicklung mit deutlichen Unterschieden?

Inhalt

Vier Jahre nach dem letzten großen Abenteuer der acht auserwählten Kinder ist die Digiwelt erneut in großer Gefahr. Ein selbsternannter Digimonkaiser hat unzählige Digimon zu willenlosen Sklaven gemacht und versucht, mit deren Hilfe immer mehr Territorien unter seine Kontrolle zu bringen.

Ein Notruf von Agumon ist der Auslöser dafür, dass nicht nur nach und nach alle Mitglieder der ersten Heldengeneration wieder zum Ausgangspunkt ihrer außergewöhnlichen Reise zurückkehren, sondern auch dafür, dass drei neue Gesichter erstmals dorthin gelangen.

Es stellt sich heraus, dass Davis, Yolei und Cody die drei neuen Digiritter sind. Gemeinsam mit T.K. und Kari, den jüngsten Vertretern des alten Teams, und ihren Digimon-Partnern Veemon, Hawkmon und Armadillomon versuchen sie, die Pläne des ominösen Imperators zu vereiteln.

Die Digimon

Nachdem die Basics in Sachen Digimon bereits in einem früheren Beitrag ausführlich erläutert worden sind, ist es möglich, in diesem Abschnitt etwas mehr ins Detail zu gehen.

Aufgrund mysteriöser schwarzer Türme, die der Digimonkaiser hat errichten lassen, ist keiner der treuen Gefährten der Kinder mehr dazu in der Lage, auf normalem Wege zu digitieren. Glücklicherweise stoßen die fünf auf die legendären Digiarmoreier.

Während für die drei neuen Digiritter je zwei vorgesehen sind, erhalten die beiden anderen nur je eines. Dies hat damit zu tun, dass auf diesen mächtigen Artefakten die Motive der Wappen abgebildet sind, die die herausragenden Eigenschaften der ersten acht Weltenretter symbolisieren.

Daher bekommen T.K. und Kari logischerweise nur das Digiarmorei der Hoffnung respektive  des Lichtes, während auf die anderen die übrigen sechs aufgeteilt werden. Das hat zur Folge, dass Veemon, Hawkmon und Armadillomon zwei unterschiedliche Armor-Digitationen vollziehen können.

Im Laufe der Staffel wird dem Publikum zudem noch eine weitere neue Form der Entwicklung präsentiert, die völlig anders funktioniert als die bisherigen, und auf die aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann.

Da die klassischen Transformationen vor allem in späteren Episoden ebenfalls wieder eine Rolle spielen, lässt sich festhalten, dass die Bandbreite an Digitationen in dieser Staffel wesentlich größer ist als in der vorherigen. Weil diese neue Vielfalt überdies sehr logisch begründet wird, kann man sie definitiv unter innovativer Pluspunkt verbuchen.

Digimon

Die Menschen

Die Macher bleiben ihrer Linie treu und sind diesmal in Sachen Protagonistenauswahl einen recht unkonventionellen Weg gegangen. Man führt drei neue Charaktere ein, die bis zu einem gewissen Grad an ehemalige Hauptfiguren erinnern, allerdings eben gleichzeitig auch etwas völlig Eigenes mitbringen.

Ihnen stellt man noch die jüngsten Mitglieder der alten Truppe zur Seite, um die mangelnde Erfahrung der Neulinge auszugleichen, und behält darüber hinaus die verbleibenden sechs quasi als Joker in der Hinterhand.

Dieses Vorgehen muss man rückblickend als wahren Geniestreich bezeichnen. Digimon Adventure 02 wirkt nämlich von der ersten Folge an sehr vertraut, jedoch auch sehr frisch und neu. Insbesondere der Anfang ist absolut einsteigerfreundlich und hält für Fans der ersten Stunde Vertrautes sowie Liebgewonnenes ebenso bereit wie gelungene Neuerungen.

Spannend ist zum Beispiel, dass die Kinder im Gegensatz zu der Vorgängerstaffel immer wieder zwischen der Digiwelt und unserer Welt  hin und her reisen. Dadurch wird noch deutlicher, dass der digitale Parallelkosmos unserer Erde zwar ähnelt, sich aber durchaus auch in sehr vielen Punkten fundamental von ihr unterscheidet.

Außerdem hat man dieses Mal noch mehr das Gefühl, dass es sich bei den Digirittern um eine große Familie handelt; eine, die auch die Neuzugänge sehr schnell in ihren Reihen aufnimmt. Dass die alten Hasen - ob Mensch oder Digimon - immer wieder gewissermaßen als Mentoren fungieren, die den jungen Wilden den einen oder anderen klugen Ratschlag geben können, verstärkt diesen Eindruck nur noch.

Digimon

Die Feinde

Besagte Ratschläge sind angesichts der neuen Antagonisten, mit denen die Helden in dieser Staffel konfrontiert werden, allerdings auch dringend nötig. Gerade der Digimonkaiser verlangt den Protagonisten so ziemlich alles ab. Wer dachte, es macht es für Digiritter leichter, dass sie es erstmals mit einem menschlichen Gegner zu tun haben, irrt gewaltig.

Der neue Feind ist ein großer Taktierer und Planer, gerissen sowie überdurchschnittlich intelligent. Jedoch kann man als aufmerksamer Beobachter auch relativ schnell erahnen, wo seine Schwachpunkte liegen respektive wer sich hinter Brille (mit violetten Gläsern) und Umhang tatsächlich verbirgt.

Das Problem: Selbst als die Kinder wissen, mit wem sie es zu tun haben, erreichen sie über einen längeren Zeitraum maximal Etappensiege, weil der grausame Herrscher ihnen meist einfach zwei Schritte voraus ist.

Die digitalen Gegner, auf die sie selbstredend ebenfalls treffen, fordern sie nicht weniger, sodass niemand behaupten kann, in Digimon Adventure 02 wären die von der Gruppe zu bewältigenden Herausforderungen weniger anspruchsvoll als in Digimon Adventure 01.

Der heimliche Star dieser Staffel ist aber mutmaßlich ein Digimon, das man zunächst ganz eindeutig auf der dunklen Seite verorten würde. Je mehr man dann allerdings von ihm sieht und je häufiger man hört, worüber es nachdenkt, umso schwerer fällt es einem schließlich, in ihm einen Feind zu sehen.

Dieses Wesen beschäftigt sich mit existenziellen Fragen und hebt dadurch die Serie auf ein völlig neues Level. Seine Identität wird aus gutem Grund noch nicht verraten. So viel sei jedoch gesagt: Nahezu alle Szenen mit ihm zählen zu den besten des gesamten Franchises, weil sie einen nachdenklich stimmen, oftmals sehr bewegend sind, aber auch spannend oder actiongeladen sein können.

Fazit

Digimon Adventure 02 ist etwas gelungen, was wirklich selten ist: Man hat es geschafft, das hohe Niveau der ersten Staffel zu halten, eventuell sogar, es noch zu toppen. Die zweite Staffel setzt zwar auf Bekanntes, hat allerdings eine völlig eigene Identität.

Sie ist folglich keine bloße Variation, sondern eine in sich stimmige Weiterentwicklung des bereits Gesehenen, und daher absolut sehenswert.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© KSM Anime

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