DC-Comic-Kritik: Flash 1: Die Flash-Akademie (Rebirth)

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The Flash Comic

Wer bereits die Comic-Kritik zu dem DC-Rebirth-Special gelesen hat, weiß, dass der ehemalige Flash Wally West eine Art Auslöser für die Wiedergeburt des DC-Universums war.

Ebenfalls eine große Rolle spielte in diesem Zusammenhang Barry Allen, der aktuelle Flash. Das Panel aus dem einleitenden One-Shot, das das Aufeinandertreffen der beiden Speedster zeigt, ist logischerweise auch in dem Band, der im Zentrum dieser Rezension steht, zu finden.

Interessanterweise ist das Wiedersehen der beiden Blitze aber maximal eine Randnotiz in diesem Paperback. Der Fokus liegt eindeutig auf einem anderen, nicht minder außergewöhnlichen Ereignis.

Inhalt

Barry Allen ist Everybody’s Darling, Barry Allen ist Forensiker und Barry Allen ist vor allem der schnellste Mensch der Welt. Barry Allen ist allerdings auch der Mann, der einst unter tragischen Umständen seine Mutter verlor und sehr lange damit leben musste, dass sein Vater fälschlicherweise als ihr Mörder galt.

Alles beginnt mit einem Verbrechen, das sehr an jenes erinnert, das vor vielen Jahren das Leben des damals noch sehr jungen Speedsters schlagartig verändert hat und ihn bis zum heutigen Tage beschäftigt.

Doch ebendieses rückt relativ schnell in den Hintergrund, als in Central City wieder einmal der Blitz einschlägt. Diesmal sorgt er jedoch dafür, dass es plötzlich extrem viele neue Hochgeschwindigkeitskünstler der Extraklasse gibt, die allerdings nicht alle nur Gutes im Sinn haben; eine Menge Arbeit für den Helden in Rot.

1. Barry as its best

Der noch sehr junge Autor Joshua Williamson ist laut eigener Aussage ein großer Flash-Fan, und das merkt man diesem Comic auch an. Der Protagonist taucht gefühlt auf jeder Seite mehrfach auf. Seine Origin-Story wird kurz abgehakt, seine Iris (West), ihres Zeichens Reporterin, mischt mit, und Wally kann man sogar in doppelter Ausführung bewundern. Im Grunde fehlen für ein echtes Best-of Flash nur noch die Rogues und Gorilla Grodd, seine Erzfeinde - immerhin ist Zoom kurz zu sehen.

Bemerkenswert ist ebenfalls, wie gekonnt Williamson die Leichtigkeit und den Humor, die trotz oder vielleicht gerade wegen seiner schweren Kindheit, im Laufe der Jahre zum Markenzeichen von Barry Allen geworden sind, zu Papier gebracht hat. Zudem ist es Hauptzeichner Carmine Di Giandomenico und Neil Googe (war lediglich für Ausgabe 4 verantwortlich) sehr gut gelungen, das Thema Geschwindigkeit auf jeder der 116 Seiten grafisch umzusetzen, was auch mit dem insgesamt etwas kantigen Look zusammenhängt.

Kurz: Der Fan begegnet dem Helden, den er seit jeher liebt und schätzt.

The Flash Rebirth

2. Frische Ideen für das Flash-Land, …

Dass Blitzeinschläge und enorme Schnelligkeit im DC-Universum eng miteinander verknüpft sind, ist nichts Neues. Dass aber zahlreiche Erdenbürger von jetzt auf gleich mühelos mit jedem Sportwagen auf der Autobahn mithalten könnten, ist dann doch etwas Neues; etwas Neues mit Folgen.

So stellt sich beispielsweise einmal mehr in einem neuen Gewand die ewig junge Frage nach dem Mann hinter der Maske. Denn mittlerweile weiß selbst der Mainstream-Comic-Sympathisant: Besondere Fähigkeiten zu haben, ist das eine, verantwortungsvoll damit umzugehen, das andere.

Das von Williamson geschaffene Szenario hat zweifelsohne Hitpotenzial, jedoch reicht das allein logischerweise nicht aus, damit die Anhänger am Ende das Gelesene auch tatsächlich als Hit bezeichnen. Es gibt nämlich durchaus Entscheidungen des Autors, die man kritisch hinterfragen kann.

3. …, aber wurden sie auch gut umgesetzt?

Zuallererst wären da Flashs Schüler zu nennen: eine unbestimmte, neuerdings schnelle Menge an Personen, die mit einem Male einfach da ist. Obwohl der erste neue Speedster zumindest noch einigermaßen ausführlich eingeführt wird, fällt es dem Leser dennoch nicht leicht, ihn direkt als Flashs Partner, zu dem er sich selbst erklärt, zu akzeptieren.

Die übrigen landen umgehend in einer Art Akademie, wo Barry sie unterrichten soll. So nüchtern, wie diese Aspekte hier aufgelistet werden, so nüchtern werden sie in Flash 1 thematisiert: neue Speedster, neuer Partner, der Blitz als Lehrer.

Dies führt dazu, dass diesem im Prinzip außergewöhnlichen Ereignis das Besondere genommen wird – vor allem weil eben neben Flashs neuem Co-Verbrechensbekämpfer nur zwei weitere Supersprinterinnen dem Rezipienten wirklich mit Namen vorgestellt werden.

Ähnlich unspektakulär fällt das Anteasern des übergeordneten Antagonisten aus. Anstatt nur einen Schatten oder dessen Rücken zu zeigen, hat man sich unverständlicherweise dafür entschieden, ihn direkt in voller Montur abzubilden.

All das trägt dazu bei, dass dieses Abenteuer irgendwie nicht so recht an Fahrt aufnehmen will. Es stehen zahlreiche ungelöste Fragen im Raum, jedoch wird ihnen schlicht nicht die Bedeutung beigemessen, die sie verdient hätten, damit von Beginn an Spannung aufkommt.

Das muss, wie gesagt, für den Rest der Handlung überhaupt noch nichts bedeuten, aber es kann auch der Erklärungsansatz sein, um zu verstehen, warum es auch in späteren Bänden eventuell hier und da etwas klemmt.

The Flash Rebirth

Fazit

Nach einem Special und vier Einzelausgaben, die in diesem Band zusammengefasst wurden, ist es deutlich zu früh, um ein abschließendes Urteil in Sachen Handlung zu fällen. Es ist jedoch zweifellos so, dass man bereits zu diesem frühen Zeitpunkt etwaige künftige Problemherde erkennen kann.

Allerdings hat man auf der anderen Seite einen Autor, der das, was den Roten Blitz ausmacht, mindestens so gut verstanden hat wie DC-Mastermind Geoff Johns. Aus diesem Grund sollte man der Reihe definitiv noch etwas Zeit zugestehen - gut Ding will schließlich auch im Superheldenkosmos manchmal Weile haben.

Bildnachweis: 
© Panini Comics/ DC Comics

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