Kritik zu Kin – Eine klassische Boy-meets-Gun-Geschichte

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Kin Movie Still

Der Jugendliche Eli (Myles Truitt) findet auf einem Streifzug durch eine verlassene Fabrik ein seltsames Gewehr aus der Zukunft. Unschlüssig, was er damit tun soll, wird er in die Flucht seines großen Bruders Jimmy (Jack Reynor) hineingezogen. Der ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und flieht nun vor den Kriminellen, denen er Geld schuldet. Eli und Jimmy begegnen unterwegs der Stripperin Milly (Zoë Kravitz), mit der sie versuchen, ihren Häschern zu entkommen. Denn nicht nur die Kriminellen sind hinter ihnen her, sondern auch zwei mysteriöse Figuren, die scheinbar aus der Zukunft stammen und es auf Elis Waffe abgesehen haben.

Detroit ist pleite, die Stadt meldete sich schon 2013 zahlungsunfähig. Kaum anders ergeht es den weiteren Städte im sogenannten Rust Belt in den USA, einer Region, in der viele Fabriken, in denen vormals Autos montiert oder Stahl gestochen wurden, nun vor sich hin rosten. Vor diesem Hintergrund beginnt Kin und zeigt das Leben des Jungen Eli, afro-amerikanischer Adoptivsohn einer weißen Familie der unteren Mittelklasse. Gleich zwei Problemlagen spricht der Film also zu Beginn an: die regionale ökonomische Krise in den USA sowie die Spannungen zwischen den verschieden Bevölkerungsteilen.

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Allerdings tritt diese eigentlich spannende Ausgangskonstellation in den Hintergrund, sobald Eli und Jimmy die Flucht antreten. Hier folgt der kleine dem großen Bruder, auch wenn man sich immer wieder fragt, warum. Denn Jimmy fällt in einer Tour fragwürdige Entscheidungen und zieht Eli sogar in einen Überfall hinein. Es ist den Großteil der Zeit unklar, warum der Junge diesem verantwortungslosen Bruder folgt, und man wünscht sich, Jimmy möge aus der Handlung verschwinden. Leider geht das nicht, denn er treibt die durchaus spannende Handlung voran.

Eli, der ja eigentlich im Zentrum des Films steht, wirkt so leider passiv. Interessanter wäre es da gewesen, die Beziehung zwischen dem Jungen und der Begleiterin Milly auszubauen. So bleibt der Film bei seinen Charakteren leider oberflächlich und schafft es nicht, besonders dem wichtigen großen Bruder eine angemessene Tiefe zu verleihen.

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Mit seinem etwas vorhersehbaren Twist am Ende versucht der Film zwar, Teile seiner Handlung aufzulösen, doch wird Kin eigentlich erst in diesem Moment, kurz vor Schluss, mitreißend und macht Lust auf mehr – auch wenn die Auflösung um ein paar Klischees nicht herum kommt. Das Motiv der Zugehörigkeit (Kinship, im Englischen) zieht sich zwar durch den Film und erweitert ihn somit um eine Ebene jenseits der bloßen Action und Schauwerte, kann aber trotzdem nicht emotional ansprechen. Dafür bleiben Handlung und Charaktere leider zu sehr an der Oberfläche.

Immerhin unterhält Kin dank seiner guten Atmosphäre, interessanten Geschichte sowie der erstklassigen Spezialeffekte. Zwar wirkt die Waffe, welche Eli findet, wie aus einem Videospiel entnommen, kann aber eine gewisse Faszination hervorrufen. Denn für das vergleichsweise schmale Budget des Films erscheinen die Spezialeffekte des Gewehrs sehr überzeugend, genau wie die technischen Gimmicks der behelmten Verfolger aus der Zukunft. Hier macht Kin durchaus Spaß.

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Viel zur Atmosphäre trägt auch der kühl-synthetische Soundtrack der schottischen Post-Rock-Band Mogwai bei. Wenn sie denn mal zu hören ist, denn leider tritt die Musik an vielen Stellen etwas in den Hintergrund. Sie entfaltet in den Momenten, in denen sie im Fokus steht, ihre Wirkung, aber wenn man schon Mogwai für seinen Sci-Fi-Film gewinnen konnte, wäre da bestimmt auch mehr drin gewesen. Dennoch: Die Musik ist einer der Höhepunkte von Kin.

Fazit:

Trotz aller Kritikpunkte macht Kin durchaus Spaß und bietet solide Sci-Fi-Unterhaltung. Wer eher eine ruhige Road-Trip-Geschichte sehen möchte, kann sich die Kinokarten ruhig kaufen, wer ein Action-Fest erwartet, wird aber enttäuscht.

KIN (2018 Movie) Official Trailer - Dennis Quaid, Zoë Kravitz

KIN | Trailer | Deutsch | HD | Offiziell | Kinostart: 13. September 2018

Kin
Originaltitel:
Kin
Regie:
Josh Baker, Jonathan Baker
Drehbuch:
Daniel Casey
Darsteller:
Jack Reynor, James Franco, Zoë Kravitz, Dennis Quaid, Myles Truitt, Carrie Coon
Als ein Junge eine mächtige außerirdische Waffe findet, setzte er eine Reihe schicksalshafter Ereignisse in Gang.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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