The Punisher: Kritik zur 2. Staffel der Marvel-Serie bei Netflix

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The Punisher

Die Zusammenarbeit von Marvel und Netflix neigt sich höchstwahrscheinlich ihrem Ende zu. Nachdem im vergangenen Jahr mit Iron Fist, Luke Cage und Daredevil gleich drei Serien abgesetzt wurden, geht eigentlich niemand davon aus, dass den verbleibenden Marvel-Serien Jessica Jones und The Punisher noch eine lange Zukunft gegönnt sein wird. Disneys geplanter Streaming-Dienst scheint eine weitere Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen nicht mehr möglich zu machen. Die 2. Staffel von The Punisher dürfte daher wohl auch mit großer Wahrscheinlichkeit der Abschlussauftritt von Frank Castle bei Netflix sein. Die Frage ist nur, ob das Abschiednehmen ähnlich schwer fallen wird wie bei Daredevil.

Erneut im Kugelhagel

Nach den Geschehnissen in der 1. Staffel hat sich Frank Castle (Jon Bernthal) zunächst von seinem Racheengel-Dasein verabschiedet. Auch wenn mittlerweile hin und wieder ein Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen ist, wirklichen Frieden gefunden hat der Punisher allerdings nach wie vor nicht. Als er eines Tages in einer Bar in Utah Zeuge davon wird, wie mehrere Personen versuchen, ein junges Mädchen (Giorgia Whigham) zu töten, zögert Frank keine Sekunde und mischt sich ein. Kurze Zeit später ist die Bar voller Leichen und der Punisher erneut inmitten einer blutigen Angelegenheit.

Währenddessen ist Billy Russo (Ben Barnes) in New York wieder zu Bewusstsein gekommen. Sein letztes Zusammentreffen mit Frank Castle hat aber nicht nur Spuren auf seinem Gesicht hinterlassen. Billy behauptet, dass er sich nicht mehr an die letzten Jahre erinnern kann, und weiß daher auch nichts von seinen Verbrechen oder seinem Kampf mit Frank. Die Therapeutin Krista Dumont (Floriana Lima) soll ihm dabei helfen, seine Erinnerungen wieder zu erlangen. Die Sessions der beiden werden jedoch gern einmal von Agent Dinah Madani (Amber Rose Revah) unterbrochen, die mit Russo noch nicht abgeschlossen hat und ihm den Gedächtnisverlust nicht abnimmt.

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Faszination Frank Castle

Von seinem ersten Auftritt in der 2. Staffel von Daredevil an zählte Frank Castle zu den spannendsten Figuren der Marvel-Welt von Netflix. Einen großen Anteil daran hat sicherlich Jon Bernthal, der scheinbar nur auf diese Rolle gewartet hat. Auch in der 2. Staffel von The Punisher ist der titelgebende Anti-Held und die Art, wie Bernthal Castle spielt, wieder der Hauptgrund, der die Serie absolut sehenswert macht. Im Vergleich zur 1. Staffel liegt der Fokus nicht mehr auf einer Rachegeschichte. Stattdessen geht es verstärkt um das Thema Selbstjustiz und die Frage, für welche Art von Leben sich Frank entscheiden wird.

Der Entwicklung von Frank zuzuschauen und dabei auch immer wieder seinen ganz eigenen Code zu sehen, ist neben den Action-Szenen der beste Aspekt der neuen Folgen. Ähnlich wie in Staffel 1 haben sich die Autoren erneut dafür entschieden, Frank mit Amy Bendix eine Partnerin an die Seite zu stellen. Diese Entscheidung geht erneut auf. Das Duo entwickelt eine ähnlich unterhaltsame Chemie wie Castle und Lieberman in Staffel 1, auch wenn Frank dieses Mal eher in eine väterliche Rolle schlüpft. Am Unterhaltungswert ändert dies aber wenig.

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Neben dem Spotlight

So gut die Geschichte rund um Frank erneut geraten ist, so wenig spannend fallen die Handlungsstränge der weiteren Hauptfiguren aus. Besonders Madani und Russo erhalten sehr viel Zeit und so wirklich will der Funke hier nicht überspringen. Bis zur Staffelmitte zieht sich die Sache doch sehr. Vor allem die Geschichte zwischen Russo und seiner Therapeutin nimmt der Handlung oft das Tempo. Hier merkt man wieder, dass die Marvel-Serien bei Netflix gern einmal das Problem haben, die 13 Folgen pro Staffel wirklich durchgängig mit einer spannenden Handlung zu füllen.

Zudem wirkt es etwas unverständlich, warum die zwei großen Handlungsstränge unbedingt über die gesamte Staffel gestreckt werden mussten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt laufen die Geschichten parallel, was dazu führt, dass Frank Castle immer wieder zwischen den jeweiligen Gegenspielern hin und her springt. Das erscheint nicht unbedingt als die beste Idee, da dies dazu führt, dass durch den Fokuswechsel wiederholt die Spannungsmomente unterbrochen werden. Die Staffel einfach in zwei Teile zu splitten und jeweils eine Geschichte komplett zu erzählen, wäre die bessere Wahl gewesen.

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Es ist wieder blutig

Keine Kritik gibt es dagegen für die Action-Szenen. Auch hier kann The Punisher wieder voll überzeugen. Nur wenige Serien erreichen das Level, das die Marvel-Serie regelmäßig an den Tag legt. Natürlich wird dabei auch wieder nicht mit Blut gegeizt. Schon in der 1. Staffel bewiesen die Macher, dass sie keine Kinder von Traurigkeit sind, wenn es um den Einsatz von Blut geht. Die 2. Staffel bleibt sich hier treu. In The Punisher tut vieles allein schon beim Hinschauen weh, und das Blut fließt in Strömen. Das ist, gerade bei dem was Frank über die Staffel verteilt so einsteckt, zwar nicht immer realistisch. Zur Serie und dem Charakter passt es aber allemal.

Fazit

Frank Castle macht einem den Abschied nicht einfach. Die vermutlich letzte Staffel der Serie bei Netflix kommt zwar nicht ganz an die 1. Staffel heran, gerade der Handlungsstrang um den titelgebenden Anti-Helden kann aber wieder überzeugen. Dass die Geschichte rund um Madani und Russo nicht mithalten kann, lässt sich verschmerzen, vor allem weil auch die Action erneut hervorragend inszeniert ist. So bleibt am Ende nur zu hoffen, dass Jon Bernthal in irgendeiner Form noch einmal die Chance erhält, in die Rolle von Frank Castle zu schlüpfen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Netflix

Marvel’s The Punisher: Staffel 2 | Offizieller Trailer [HD] | Netflix

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