Kritik zu König der Löwen - Hakuna Matata

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Der König der Löwen

Fast 25 Jahre ist es her, dass Disney das Drama Der König der Löwen auf die Leinwand brachte. Der Film sollte zu einem der größten Erfolge der Zeichentrick-Schmiede werden. Passend zum aktuellen Trend, zahlreiche Disney-Klassiker wie das Dschungelbuch oder aktuell Aladdin als Real-Life-Varianten neu aufzulegen, kommt nun auch Der König der Löwen als computeranimierte Quasi-Real-Life-Version in die Kinos. Kann sich die neue Version mit dem Charme des Originals messen?

Für diejenigen, die die Handlung nicht mehr ganz frisch im Kopf haben, hier noch einmal die Kurzzusammenfassung: Das aufmüpfige Löwenjunge Simba soll dereinst den Thron von seinem gütigen Vater, König Mufasa, erben. Dessen Bruder, der hinterhältige Scar, neidet Simba die Thronfolge, da er vor Ankunft des Löwenbabys der rechtmäßige Thronfolger gewesen wäre. Als er Simba mit den Hyänen in einen Hinterhalt lockt, rettet ihn Mufasa, kommt bei dem Versuch jedoch ums Leben.

Scar redet Simba ein, dass er schuld an Mufasas Tod sei. Simba flieht daraufhin ins Exil und trifft dort auf das Erdmännchen Timon und das Warzenschwein Pumba, die ihm ihre ganz eigene Vorstellung von einem guten Leben vermitteln. Doch Simbas Kindheitsfreundin Nala sucht ihn auf, weil sie seine Hilfe braucht: Scar droht, das geweihte Land mit seiner Herrschaft in den Untergang zu führen ...

Fast zu schön, um wahr zu sein

Nehmen wir es gleich vorweg: Die Neuauflage von Der König der Löwen sieht in jeder Filmminute absolut fantastisch aus. Bisher hat es wohl kein animierter Film, bis vielleicht auf den Vorgänger Das Dschungelbuch, geschafft, eine derart realistische Darstellung der Tier-Hauptdarsteller auf Leinwand zu bannen.

Doch genau hier scheiden sich die Geister bei den Kritiken. Während die Zeichentrick-Animatoren in der Originalversion zur Vorbereitung jahrelang Bewegungsstudien durchführten, um den sprechenden und singenden Löwen eine möglichst realistische Anwandlung zu geben, wurden in der Neuauflage nun wirklich alle Register gezogen. In fast jeder Einstellung muss sich der Zuschauer erinnern, dass er es dabei nicht mit einem simplen Tierfilm zu tun hat, bei dem sehr gut dressierte Löwen mit zahmen Tukanen plaudern.

Hier sieht einfach alles gut aus: Das Fell und die Mähnen wehen im Savannenwind. Viele Details wie Blätter und Insekten werden mit einer angemessenen Tiefenschärfe gezeigt. Spiegelungen auf dem Wasser, sogar die Wolken sehen bei Der König der Löwen beeindruckend aus. Vor allem gelingt es, die animierten Effekte nicht so computerspielhaft-überzeichnet und mit einem übertriebenen Farbschema zu zeigen, wie es in einigen anderen Filmen der vergangenen Jahre der Fall war.

Etwas gewöhnungsbedürftig dürften daher allerdings auch die Dialoge und die Gesangseinlagen sein: Da man eben keinen herkömmlichen Tierfilm sieht, müssen die Figuren Lebendigkeit in ihren Zügen widerspiegeln. Dankenswerterweise verzichtet Disney jedoch auf einen allzu überzeichneten Anthropomorphismus, also die Darstellung von menschlichen Eigenschaften und Mimik in den Tiergesichtern, so dass der vielfach befürchtete Effekt des "uncanny valley", dem Unwohlsein des Zuschauers, eine etwas zu realistische Darstellung der Figuren präsentiert zu bekommen, hier nicht übermäßig strapaziert wird.

Anderen Kritikern fehlt eben genau jene Regung, die beispielsweise Mufasas Tod und Simbas Entsetzen darüber angemessen widerspiegeln. Doch wer möchte hier ernsthaft ein realistisch aussehendes, aber tränenüberströmtes oder menschlich grinsendes Löwenkind sehen? Was bei der Zeichentrick-Version noch gut funktioniert hat, muss hier nicht exakt nachgespielt werden. In diesem Fall findet Disney eine gute Mischung aus Bildsprache und stimmlicher Darstellung durch die Synchronsprecher.

Lion King Felsen

Synchron-Cast: Die können sich hören lassen

Für diese Kritik konnten wir leider nur die Originalversion besprechen. Es ist zu vermuten, dass die neue deutsche Variante möglicherweise nicht ganz so ikonisch daherkommen könnte wie in der Originalversion (hier stachen vor allem Thomas Fritsch als Scar, Ilja Richter und Rainer Basedow als Timon und Pumba sowie Hella von Sinnen als Chefhyäne Shenzi hervor), da hier die erste Riege der namhaften Sprecher von heute leider nicht vorkommt.

Daher empfehlen wir, sich mindestens einmal die englische Synchro-Version anschauen. Zwar wären auch die Sprecher aus der Zeichentrick-Version noch verfügbar gewesen, doch Disney entschied sich, den Cast bis auf James Earl Jones als Mufasa neu zu besetzen. Neben John Oliver als Zazu, der wirklich hervorragend in seine Rolle findet, machen sowohl Donald Glover (Star Wars) als auch Beyoncé eine sehr gute Figur.

Auch Seth Rogen (Kung-Fu Panda) und Billy Eichner (Die Pinguine aus Madagascar, Angry Birds) fügen sich als harmonische, wenn auch ungleiche Freunde Timon und Pumba ins Bild. Chiwetel Ejiofor (2012, Amistad, 12 Years a Slave) brummt und ätzt als missgünstiger Scar beeindruckend bis erschreckend, und auch die Hyänen sind deutlich furchterregender als in der Vorlage.

Lion King Timon Pumba Simba

Filmmusik: Von tatkräftigen Tatzen und tanzenden Tukanen

Nicht nur die Handlung, sondern vor allem die Lieder dürfte die Generation der 1990er Jahre stark geprägt haben. Ein Großteil des Soundtracks ist mittlerweile so tief im Kulturverständnis verankert, wie bei wenigen anderen Disneyfilmen danach. Die 2019er-Version von Der König der Löwen nutzt diesen Vorteil geschickt aus. Natürlich darf das ikonische Intro zum Sonnenaufgang über der Savanne zu "The Circle of Life" nicht fehlen. Auch der Elton-John-Klassiker "Can you feel the love tonight" wird in der Neuauflage sowohl musikalisch als auch optisch dem Original durchaus gerecht. Auch die Neuauflage von Timons und Pumbas beliebtesten Nummern (inklusive clever eingesetzter Ablenkungstaktik mit kleiner Referenz an die Kinogeschichte) sind ebenfalls absolut gelungen.

Auf ein paar Lieblingssongs muss man allerdings verzichten: Weder die Hyänen dürfen sich gesanglich verausgaben, noch darf Scar seine finsteren Pläne in einer eigenen Nummer zusammenfassen. Die Entscheidung, ausgerechnet das düstere "Seid bereit" mit unheilschwangerer Nazi-Bildsprache wegzulassen, ist tatsächlich sehr bedauerlich. Andererseits wirkt das Remake ohnehin durch seine realistische Darstellung ernster und düsterer als die Vorlage.

Wieso man stattdessen eine mehrminütige Sequenz mit Naturdarstellungen durchstehen muss, die schlicht für die optischen Schauwerte geschaffen wurde, die den Film im letzten Drittel unnötig streckt, bleibt jedoch das Geheimnis der Macher - diese Szene hätte man ebensogut als Bonusmaterial auf der DVD ergänzen können.

Lion King Scar

Ein letztes Wort noch zur Regie bei den musikalischen Nummern: Tatsächlich hat Disney es geschafft, das bereits erwähnte "uncanny valley" der realistischen Tierfiguren, die, wie es sich für einen Disneyfilm gehört, eben auch singen und tanzen, so darzustellen, dass es praktisch nie albern oder überzogen wirkt. So gibt es beispielsweise bei Simbas Solonummer ganz bewusst keine choreografierten Paraden, in der sich Straußen, Giraffen und Elefanten zu wahnwitzigen Pyramiden stapeln, wie es in der Vorlage und in guter alter Disney-Tradition üblich ist.

Einzig in einer kurzen Szene mit Timon droht diese Darstellung fast zu kippen - vielleicht handelte es sich hier um eine der früheren Experimente mit der hyperrealistischen Darstellung. In den allermeisten Fällen findet die Kamera jedoch eine gute Lösung für die Bildsprache, bei der sich die Tierherden nicht unnatürlich gebärden müssen und es trotzdem noch genug zu gucken gibt und der Humor nicht zu kurz kommt.

Simba Baby Lion KIng

Fazit: Kann es wirklich Liebe sein?

Die Neuauflage von Der König der Löwen kann sich tatsächlich sehen lassen. Fans des Originals werden allein aus Neugierde, wie ihre Lieblinge mit der neuen Technik wirken, in den Film strömen. Durch die sehr realistischen Darstellungen könnte der Film allerdings fast schon etwas zu düster für jüngere Kinder sein. Alle anderen dürften jedoch viel Spaß mit den liebgewonnenen Figuren haben.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Walt Disney Studios
Der König der Löwen
Originaltitel:
The Lion King
Kinostart:
17.07.19
Regie:
Jon Favreau
Drehbuch:
Jeff Nathanson
Darsteller:
Donald Glover, Seth Rogen, Chiwetel Ejiofor, Billy Eichner, John Oliver, Keegan-Michael Key, Beyoncé, John Kani, James Earl Jones
Mit Der König der Löwen bringt Disney eine weitere Neuverfilmung eines seiner bekanntesten Trickfilmklassikers in die Kinos.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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