Kritik zu Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers – Das Finale der Skywalker-Saga

Ohne zu viel zu spoilern, hier kurz die Ausgangslage des Films. Wie die Trailer schon verraten haben: Imperator Palpatine ist zurück. So mächtig wie nie zuvor, erweist er sich erneut als Bedrohung für die gesamte Galaxie. Rey, Finn, Poe Dameron, Chewbacca, C-3PO und BB-8 geben jedoch nicht auf und begeben sich auf eine letzte Mission, die das Ruder noch einmal herumreißen könnte. Dabei ist ihnen jedoch Kylo Ren auf den Fersen, der noch eine Rechnung mit Rey offen hat.

Die Rückkehr des Imperators

Nicht nur die neue Trilogie, nein gleich die gesamte Skywalker-Saga soll Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers zu einem runden und zufriedenstellenden Abschluss bringen. Dies haben die Macher des Films und Verantwortlichen von Lucasfilm im Vorfeld der Veröffentlichung fast schon gebetsmühlenartig wiederholt. Nicht wenige Fans stellten allerdings die durchaus berechtigte Frage, ob die Trilogie selbst nach den bisherigen Filmen und der Art und Weise, wie diese angegangen wurden, überhaupt noch zu retten sei. Kann ein einziger Film alles Bisherige ungeschehen machen?

Die Antwort darauf ist leider ein klares Nein. Am Ende muss man festhalten, dass das Kind einfach schon in den Brunnen gefallen ist. Ohne eine klare Vision oder einen Plan sprangen die bisherigen Filme hin und her und wirken als Gesamtwerk eher wie ein Flickenteppich, wobei der Anfang von Episode IX dies noch einmal verdeutlicht. Die Rückkehr von Imperator Palpatine wird tatsächlich in fünf Minuten abgehandelt (inklusive Laufschrift) und damit ist auch gleich die neue Bedrohung, von der in keinem der beiden Vorgänger die Rede war, etabliert.

Das alles geht einfach viel zu schnell und wird auch der Figur selbst nicht gerecht. Eigentlich hätte die Handlung der ersten fünf Minuten von Der Aufstieg Skywalkers der Höhepunkt von Die letzten Jedi sein müssen, denen zuvor natürlich ein vernünftiger Aufbau vorausgegangen wäre. Nur wusste noch niemand bei Lucasfilm während der Entstehung von Episode VIII, dass der Imperator noch einmal seine Rückkehr feiern würde. Colin Trevorrow, der ursprünglich für die Regie von Episode IX vorgesehen war, hatte bekanntlich vollkommen andere Pläne. Und somit ist Palpatine das Sinnbild dessen, was der gesamten Trilogie immer wieder ein Bein stellt: Kein ausgereifter Plan und vollkommen unterschiedliche Versionen der Verantwortlichen, die einfach kein rundes Gesamtbild ergeben wollen.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Quer durch die Galaxie

Ist Palpatines Rückkehr erst einmal etabliert, wobei der Zuschauer wieder einmal nicht zu genau über dessen Plan nachdenken sollte, machen sich die Haupthelden daran, ihn mit einer verzweifelten letzten Mission zu stoppen. Ab hier ist der Film in gewisser Weise eine Schnitzeljagd, welche Rey und Co an verschiedene Ecken der Galaxie führt, wobei Kylo Ren nie weit weg ist.

An dieser Stelle sollte einmal betont werden, da in dieser Kritik viele negative Aspekte angesprochen werden: Die Handlung an sich ist trotz ihrer Laufzeit von 142 Minuten durchaus kurzweilig geraten und weiß zu unterhalten. Zudem werden nach und nach wichtige Antworten auf offene Fragen und Geheimnisse gegeben. Allerdings lässt sich auch festhalten, dass hier wenig enthüllt wird, was den Zuschauer wirklich aus den Socken haut. Alle Enthüllungen, Antworten und Überraschungen sorgen eher für Reaktionen wie "Ah ok", "Och nett" oder "Nunja". Der ganze große inhaltliche Kracher fehlt aber irgendwie.

Das soll aber nicht heißen, dass Episode IX nicht ein paar wirklich tolle Szenen und Wow-Momente zu bieten, auf die man aus Spoiler-Gründen aber schwer eingehen kann. Oft, wenn auch nicht ausschließlich, stehen die Momente im Zusammenhang mit den starken Effekten. Bereits der finale Trailer zeigte einige beeindruckende Szenen aus dem fertigen Film, und dieser enttäuscht dann auch nicht. Die Effekte sind wirklich gelungen, und gerade im Vergleich zu den beiden Vorgängerfilmen ist eine deutliche Steigerung bemerkbar. Das Auge bekommt also einiges zu sehen.

Allerdings muss sich der Film leider wieder den Vorwurf gefallen lassen, zu stark in bereits eingetretenen Pfaden zu laufen. Gerade das Finale wirkt vom Grundsetting und Aufbau dann doch wieder sehr vertraut für Star-Wars-Fans, was natürlich auch an der erzwungenen Rückkehr von Palpatine liegt.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Rey und Kylo im Fokus

Rein darstellerisch lässt sich festhalten, dass Adam Driver (Kylo Ren) und Daisy Ridley (Rey) in Der Aufstieg Skywalkers das Meiste zu tun bekommen, und beide erledigen ihre Aufgaben auch sehr sehr gut. Gerade Driver war spätestens mit Episode VIII in seiner Rolle angekommen und macht nun genau da weiter, wo er im Vorgängerfilm aufgehört. Beiden Darstellern kommt dabei zugute, dass ihre Figuren klar im Fokus des Films stehen, worunter Oscar Isaac (Poe Dameron) und John Boyega (Finn) aber etwas zu leiden haben.

Wobei Poe zumindest noch einen gewissen Handlungsbogen mit einer Auflösung bekommt. Der gute Finn mutiert dagegen beinah zu einem Sidekick. Sein Charakter entwickelt sich im Film eigentlich kaum weiter, und auch der angerissene Handlungsstrang wird nie zu einem vernünftigen Ende geführt. Zwar kann sich jeder Zuschauer den Ausgang denken, nur fühlt es sich irgendwie unbefriedigend an, wenn etwas immer nur angedeutet wird und am Ende im Sande verläuft.

Noch härter als Finn hat es Rose (gespielt von Kelly Marie Tran) getroffen. Für sie scheint Regisseur J.J. Abrams schlicht keine Ideen gehabt zu haben. Und so darf Rose zwar immer wieder einmal durch das Bild laufen, würde sie komplett fehlen, hätte es vermutlich aber keinen Unterschied gemacht. Auch die angefangene Romanze zwischen ihr und Finn wird, abgesehen von ein paar bedeutungsschwangeren Blicken, nicht fortgeführt.

Aus der alten Riege können sich Fans neben Palpatine, der gewohnt dämonisch von Ian McDiarmid gespielt wird, über den ersten Auftritt von Billy Dee Williams als Lando Calrissian in der neuen Trilogie freuen. Dessen Rolle fällt ebenfalls in die Kategorie "Nett", auch wenn Calrissian nicht so viel zu tun bekommt. Dafür ist der Abschied von Carrie Fishers Prinzessin Leia tatsächlich gut gelungen und wirkt durchaus rund.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Weiteres verschenktes Potenzial

Ein paar neue Figuren hat Der Aufstieg Skywalkers auch zu bieten. Dies beginnt zunächst einmal mit den Knights of Ren. Diese wurden bereits in Episode VII erstmals gezeigt, da Regisseur Rian Johnson in Episode VIII aber keine Verwendung für die hatte, mussten sie bis zum Finale warten, um tatsächlich in Erscheinung zu treten. Leider macht man auch hier wieder sehr wenig aus einem interessanten Konzept. Anstatt der Truppe in irgendeiner Form Profil zu geben, bleiben sie gesichts- und namenlose Handlanger, die aussehen als hätten sie ihre Ausrüstung auf einem Schrottplatz gefunden.

Naomi Ackie als Jannah, Keri Russell als Zorri Bliss und Richard E. Grant als General Pryde sind ebenfalls neu im Ensemble und bekommen auch etwas mehr zu tun. In allen drei Fällen bleibt aber einfach zu wenig Zeit, um die Figuren wirklich kennenzulernen. Dies dürfte aber auch etwas in der Natur der Sache liegen, wenn man als Nebenfigur im Abschluss einer Trilogie erstmals zu sehen ist. Grundsätzlich erledigen alle drei Darsteller ihre Aufgaben aber sehr gut.

Fazit

Am Ende dürfte Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers vermutlich vor allem die bisherigen Meinungen der Fans weiter bestätigen. Wer mit Episode VII und VIII seinen Spaß hatte, der wird auch mit Episode IX viel Freude haben und auf seine Kosten kommen. Zwiegespaltene Fans bekommen einen durchaus unterhaltsamen Blockbuster, der aber wie die gesamte Trilogie einfach nicht in der Lage ist, dem Namen Star Wars gerecht zu werden. So bleibt wieder sehr viel verschenktes Potenzial.

Alle, die spätestens nach Episode VIII mit Star Wars abgeschlossen haben, können sich dagegen die Kinokarte eigentlich sparen. Sie dürften in ihrer Abneigung sehr wahrscheinlich weiter bestätigt werden. Das soll und wird natürlich niemanden davon abhalten, sich nicht trotzdem ins Kino zu setzen. Gewarnt seid ihr hiermit trotzdem, nicht das nachher Beschwerden kommen.

Wir möchten an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, bitte die Spoiler-Funktion in den Kommentaren zu nutzen. Wer mutwillig spoilert, muss damit rechnen, gelöscht zu werden. Wir planen noch eine Spoiler-Kritik für den Sonntag, da müsst ihr euch dann weniger zurückhalten.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Lucasfilm
Star Wars - Der Aufstieg Skywalkers
Originaltitel:
Star Wars: The Rise of Skywalker
Kinostart:
18.12.19
Regie:
J.J. Abrams
Drehbuch:
J.J. Abrams, Chris Terrio
Darsteller:
Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Domhnall Gleeson, Lupita Nyong’o, Kelly Marie Tran, Joonas Suotamo, Billie Lourd, Mark Hamill, Carrie Fisher, Anthony Daniels, Billy Dee Williams, Keri Russell, Richard E. Grant
Der abschließende Teil der dritten Star-Wars-Trilogie.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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