Kritik zu Messiah: Netflix lässt den Messias wiederauferstehen

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Messiah

Als eine Armee des wiedererstarkten ISIS vor den Toren von Damaskus erscheint und die Eroberung der Stadt kaum noch aufzuhalten ist, taucht in der Stadt plötzlich ein geheimnisvoller Prediger auf. Seine Worte, dass die falschen Gläubigen unter den Terroristen schon bald gestoppt werden, scheinen sich unmittelbar zu bewahrheiten, als ein mehrwöchiger Sandsturm nicht nur den Angriff zum Erliegen bringt, sondern gleich den ISIS komplett auslöscht.

In der Folge sammelt der mysteriöse Mann immer mehr Anhänger um sich, die ihm auch seinen Namen geben: Al-Massih. Über 2000 von ihnen führt er schließlich in die Wüste und bis an die Grenze Israels. Währenddessen ist auch die CIA-Agentin Eva Geller auf den Prediger aufmerksam geworden. Für sie ist er jedoch kein heiliger Mann, sondern eine Bedrohung, die es genauer zu analysieren gilt. Zunächst kaum von ihren Vorgesetzten unterstützt, beginnt Eva mit den Ermittlungen, während Al-Massiah auf der ganzen Welt zunehmend an Bekanntheit gewinnt.

Die Macher der neuen Netflix-Serie Messiah stellen eine interessante Frage: "Was würde passieren, wenn Jesus beziehungsweise ein scheinbar wiedergeborener Jesus in der heutigen Zeit auftauchen würde?" Die Art und Weise, wie die Menschen in der Serie mit der Figur des Al-Massih umgehen, wirkt auch sehr realistisch. Man kann sich durchaus vorstellen, dass das Auftauchen einer solchen Figur zu kontroversen Diskussionen auf der ganzen Welt führen würde. Vor allem, da es das Konzept des wiedergeborenen Jesus sowohl im Christentum als auch im Islam gibt. Entsprechend wendet sich Al-Massih nicht nur an die Christen, sondern auch an die Moslems und wird von beiden Seiten mit Skepsis aber auch mit offenen Armen empfangen.

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Die gesellschaftlichen Auswirkungen eines wiedergeborenen Messias sind jedoch nur ein Teil der Netflix-Serie. Im Mittelpunkt steht vor allem die Frage, um was oder wen es sich bei dem jungen Mann genau handelt und welche, vielleicht finstere, Absicht er verfolgt. An dieser Stelle kommt die CIA-Agentin Eva Geller ins Spiel, was dafür sorgt, dass Zuschauer, die mit der 1. Staffel von Homeland vertraut sind, das eine oder andere Déjà-vu haben werden. Die Parallelen zwischen beiden Serien sind nicht von der Hand zu weisen. Während in Homeland die CIA-Agentin Carrie Mathison versucht herauszufinden, ob der eigentlich totgeglaubte Soldat Nicholas Brody nun terroristische Absichten verfolgt, macht Eva Geller im Grunde genommen genau das Gleiche nur eben mit einem scheinbaren Jesus.

Es folgt eine Art Katz-und-Maus-Spiel, das leider nicht so richtig in Fahrt kommen möchte. Messiah gehört definitiv zu den Serien, die zu viel Laufzeit haben für die Handlung, die sie eigentlich erzählen. Dies liegt auch daran, dass sehr viele Nebenschauplätze aufgemacht werden, die von der Haupthandlung nicht nur ablenken, sondern schlicht nicht so interessant sind. Besonders zwei jugendlichen Figuren wird vergleichsweise viel Zeit eingeräumt, was dem Erzähltempo alles andere als gut tut.

Darüber hinaus dreht sich Messiah auch immer wieder etwas im Kreis. So präsentieren die Macher gleich mehrfach Vieraugengespräche zwischen Al-Massih und anderen Figuren, in denen der vermeintliche Messias primär kryptische Aussagen von sich gibt, die aber nicht wirklich zu etwas führen. Erst in der zweiten Hälfte der Serie nimmt die Geschichte dann an Fahrt auf, und die Spannung steigt. Bis dahin lebt Messiah zwar von seiner grundsätzlich interessanten Prämisse, bietet aber auch kaum wirkliche Überraschungen. Letztendlich sind auch die Reaktionen der Weltbevölkerung, die in der Serie gezeigt werden, auch nur das, was man sich mit etwas Phantasie selbst ausmalen kann.

Dabei spielt aber auch die Tatsache hinein, dass der Zuschauer unbedingt im Dunklen gelassen werden soll. Das führt in der Folge dazu, dass die scheinbaren Wunder, welche die Menschen von der Göttlichkeit Al-Massihs überzeugen sollen, nicht den Faktor haben, dass die weltweiten Reaktionen so wirklich gerechtfertigt erscheinen. Selbst eine scheinbare große Enthüllung am Ende der Staffel wird auf ein einer Art und Weise präsentiert, dass man als Zuschauer auch nicht wirklich schlauer ist und in keiner Richtung Zweifel ausgeräumt werden. Es fühlt sich etwas danach an, als würden sich die Macher selbst alle Karten offen halten.

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In gewisser Weise hätte es Messiah vermutlich geholfen, wenn die Serie direkt als Mini-Serie mit einem klaren und absehbaren Ende konzipiert worden wäre. Watchmen hat es kürzlich vorgemacht, wie man eine Geschichte mit Mysterien zu einem runden Abschluss bringt. Im Falle von Messiah ist der Zuschauer nun zunächst einmal darauf angewiesen, dass Netflix die Serie verlängert und dann auch zu einem vernünftigen Ende kommen lässt. Denn die 1. Staffel ist ganz klar darauf ausgelegt, dass es weitergeht.

Ein Pluspunkt für die Serie sind allerdings definitiv die Darsteller. Mit Mehdi Dehbi haben die Produzenten eine sehr gute Wahl getroffen, denn der belgische Schauspieler bringt das notwendige Charisma für die Rolle des vermeintlichen Messias mit. Aber auch Michelle Monaghan als Eva Geller und Tomer Sisley als israelischer Agent Aviram Dahan sind hervorragend besetzt, auch wenn die privaten Probleme ihrer Figuren mitunter etwas sehr gewollt und leicht aufgesetzt wirken.

Fazit

Messiah bietet eine interessante Grundprämisse mit tollen Darstellern, macht daraus aber in der 1. Staffel noch zu wenig. Das Potenzial für mehr ist zwar durchaus vorhanden, dafür müssten die Macher aber etwas an der Spannungsschraube drehen. Für ein Binge-Wochenende gibt es allerdings definitiv schlechtere Optionen, jedoch auch viele bessere.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Netflix

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