Kritik zu Ghost in the Shell - Zurück zum Cyberpunk

In der Zukunft integriert das Unternehmen Hanka Robotics das Hirn einer Frau in einen Roboterkörper. Dieses Konstrukt wird von allen Major genannt. Als Spezialagentin der Sektion 9, einer paramilitärischen Polizeieinheit, soll sich Major um eine Mordserie kümmern, die auch Angestellte von Hanka Robotics befasst. Es wird klar: Ein Hacker manipuliert die Erinnerungen seiner Opfer. Bald fragt sich auch Major, wer sie wirklich ist.

Cyberpunk ist ein etwas seltsames Genre. Obwohl es sich mit der Zukunft beschäftigt, ist es mittlerweile fast dreißig Jahre alt, hat aber wenig an Aktualität verloren. Viel eher zeigt die zunehmende Digitalisierung: Viele Gedanken von Genre-Größen wie William Gibson, Neal Stephenson oder Bruce Sterling haben sich als ziemlich weitsichtig erwiesen.

Aber zugegeben, soweit wie in Mamoru Oshiis Zukunftsvision eines futuristischen Japans, mit weit verbreiteten Cyberorganen und Menschen, die ihr Gehirn in reine Roboterkörper verpflanzen lassen, sind wir noch nicht. Der Anime scharte seit seinem Erscheinen 1995 eine treue Fangemeinde um sich, die mit bangem Blick die Produktion des Realfilms verfolgte.

Keine Sorge, liebe Fans

Allen Fans sei gesagt: Ghost in the Shell hält sich eng an die Vorlage, und Enttäuschungen sollten sich in Grenzen halten. Man muss allerdings damit klar kommen, dass die allermeisten Sprechrollen von westlichen Schauspielern besetzt sind. Einzig Takeshi Kitano als Aramaki, Leiter der Sektion 9, und Chin Han als Togusa, sind Asiaten. Kitano spricht dabei nur untertiteltes Japanisch, was einerseits eine Verneigung vor dem Original ist, andererseits zur Stimmung des kosmopolitischen, urbanen Settings beiträgt.

Scarlett Johansson und Pilou Asbæk spielen Major und Batou, die beiden wichtigsten Rollen. Und sie schaffen es, die emotionale Kühle von Major und Batous sympathische Coolness ihrer jeweiligen Animationsvorlagen gut auf die Leinwand zu transportieren. Schade: Die restlichen Mitglieder der Sektion 9 bleiben weitgehend im Hintergrund und bekommen nur kurze Auftritte; Fans von Nebencharakteren wie Togusa, Ishikawa oder Saito haben das Nachsehen.

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Scarlett Johansson Ghost in the Shell Still

Freuen können sich Kenner über viele bekannte Szenen, wie die Geburtssequenz (allerdings ohne das prägende Musikstück), den Kampf im Wasser oder die Begegnung mit dem Spinnentank. Die Hauptgeschichte dreht sich jedoch um Major und ihre Erinnerungen, anders als im Vorbild. So fallen die politischen Aspekte der Handlung unter den Tisch, und Major verzichtet weitgehend auf die vielen Introspektiven, teils philosophischen Gespräche.

Action wie damals 1999

Ersetzt werden sie durch gekonnt inszenierte Actionszenen, die mit ihrem großzügigen Einsatz von Zeitlupe dezent an Matrix erinnern. Glücklicherweise bleiben dadurch die Kämpfe in den allermeisten Szenen nachvollziehbar. Zudem wurde auf große Explosionen und viel Wumms verzichtet, was die realistische Atmosphäre unterstützt.

Einzig der Bösewicht, obwohl früh genug eingeführt, bleibt flach und dient lediglich dazu, den Film zu einem Abschluss zu führen. Außerdem werden viele Aspekte der Welt, wie die Arbeit der Sektion 9 oder die politische Situation, nur angedeutet. Wer den Anime nicht kennt, könnte Probleme haben, der Handlung in ihrer Gänze zu folgen.

Fazit

Ghost in the Shell ist eine gelungene Realverfilmung seines Anime-Vorbilds und hält sich eng an seinen Ursprung. Damit bleibt er für Nicht-Fans allerdings stellenweise unverständlich. Wer die Vorlage nicht kennt, hat aber trotzdem an der Action und dem Cyberpunk-Setting seinen Spaß.

Ghost In The Shell (2017) - Official Trailer - Paramount Pictures

GHOST IN THE SHELL | TRAILER | PARAMOUNT PICTURES GERMANY

Ghost in the Shell 2017 Poster
Originaltitel:
Ghost in the Shell
Kinostart:
30.03.17
Regie:
Rupert Sanders
Drehbuch:
Jonathan Herman, Jamie Moss
Darsteller:
Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Michael Pitt, Takeshi Kitano, Juliette Binoche
Scarlett Johansson ist in der Hauptrolle als Major zu sehen – ein einzigartiger Hybrid aus Mensch und Cyborg und Anführerin des Elitekommandos Sektion 9.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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