Sülters IDIC - Zwei Dinge, die Star Trek: Discovery haben muss - Teil 1

Je näher der Start der neuen Serie rückt und je mehr Informationen das Licht der Welt erblicken, desto klarer wird mir, was die Produzenten ihrer Kreation dringend mit auf den Weg geben müssen - heute schauen wir uns den ersten von zwei Aspekten genauer an.

Eine Flasche Pommes frites bitte

Nein, nein. Ganz so zotig wie im beliebten Uralt-Sketch des Herrn Hallervorden (“Palim, palim“) muss es natürlich nicht zugehen, wenn Star Trek: Discovery im September die Bildschirme entert. Und doch ist Humor ein für mich äußerst relevanter Faktor zum Gelingen der neuen Serie. Hiermit sei jedoch keineswegs gemeint, dass man aus den Abenteuern der Discovery eine Comedyshow machen muss. Auch plädiere ich nicht für eine Ferenginar-Sitcom (“Moooooogiiieeee“) oder die Couchgeheimnisse der Rikers (“Ich habe dich noch nie mit Bart geküsst...“).  
 
Es geht mir hier vielmehr um den Flair der Serie. Als Star Trek in den Sechzigern auf Sendung ging, war vieles leichter und lockerer. Kirk & Co neckten sich und blödelten auch mal herum. Der Russe und der Schotte leisteten sich übertriebene Akzente, die hochgezogene Augenbraue von Spock wurde zum Markenzeichen und lud zum Schmunzeln ein, während der Score klimpernd beipflichtete, dass hier gerade ein entspannter Moment vor sich gegangen war. Zwar brachte die deutsche Spaß-Synchronisation teilweise noch ein ganzes Pfund mehr an Kalauerstimmung mit an den Tisch, doch auch im englischen Original war die Atmosphäre meist gelöst und freundlich. Man mochte sich und zeigte dies auch.
 
In Star Trek: The Next Generation hielt dann die Ernsthaftigkeit Einzug. Mit Picard präsentierte man einen anderen Typ Captain, ein klares Triumvirat aus Freunden wie mit Kirk, Spock und McCoy war nicht auszumachen. Dennoch gab es auch hier Spaß: Riker war für die charmanten Scherze zuständig, Data für die kindlich naiven Einzeiler und freundschaftlichen Kabbeleien mit Geordi. Das Ganze wirkte dabei jedoch bis zum Ende der Kinofilme immer etwas steifer und verlieh der Serie dadurch immerhin eine Seriosität, die zur Mission und zur Zeit passte. Dennoch konnte man gerade mit Fortgang der Jahre auch hier mehr kleine Momente des Humors finden, etwa beim Captain-Picard-Tag (“The Pegasus“) oder O'Briens Hochzeit (“Data’s Day“). Und auch der subtile Humor eines Brannon Braga wie in “Phantasms“ (Troi als Kuchen) oder “Timescape“ (Picard lacht über den Smiley im Warpkern) blieb im Gedächtnis.

Star Trek: Voyager kann man mit TNG in Sachen Humor definitiv vergleichen, wenn dort auch die Crew nie den gleichen Charme entwickelte wie die der Enterprise D. Hier waren es in erster Linie der wunderbare Doktor, Sevens herber Humor und auch oft Janeways Kauzigkeit, die Spaß machten. Dem entgegen stand aber oft auch der hohe Actionanteil und redundante Stilmittel (“Schilde runter auf 4,3%“).
 
Eine Ausnahmestellung bildete dazwischen wie so oft Star Trek: Deep Space Nine. Die Ferengi zum Beispiel dienten dort fast schon per Definition als Dauerbespaßung. Figuren wie Morn hatten keinen anderen Zweck, als das Publikum zum Lächeln zu bringen. Doch auch die wachsende Freundschaft zwischen O’Brien und Bashir sowie Bashir und Garak, die gewachsene und doch neue zwischen Sisko und Dax und die Eskapaden von Jake und Nog rundeten das Bild ab. Auf DS9 herrschte am meisten Chemie und Charme und in jeder Episode blieb an irgendeiner Ecke Platz für ein wenig harmlosen Spaß. Hier wehte dann auch am ehesten der Wind der Classic-Serie durch die Kulissen, was in der Gesamtbetrachtung zwar oft zu Soap-Vergleichen führte, aber letztlich ein dickes Plus der Serie war. Gleiches galt übrigens auch für Babylon 5, wo das Humorelement noch deutlich stärker ausgespielt wurde, als auf DS9. Allerdings gab es bei den Niners auch noch eine andere Seite: Mit dem Dominion-Krieg zog eine Ernsthaftigkeit und Brutalität in das Franchise ein, die viele nicht goutieren wollten. Trek war hier also gleichermaßen hart und realistisch wie liebenswert und zum Knuddeln - wie das reale Leben eben.
 
Star Trek: Enterprise versuchte dann mit der Brechstange, diese Düsternis und Action abzuschütteln und lieber wieder der Naivität der Classic-Serie nachzueifern. Man strickte ein Trio aus Archer, Trip und T’Pol, das jedoch nie wirklich zu einem wurde und verpuffte, man nahm einen kauzigen Doktor auf (der zwar ein toller Charakter war, aber dennoch wie ein heimlicher Sohn von Neelix und dem Holodoc wirkte) und hatte sogar wieder lustige Akzente am Start (Trip und Reed). Dennoch gelang es hier nie, wirklichen Charme aufzubauen. Alles blieb irgendwie steril und oberflächlich. Und wollte die Serie dann mal so richtig lustig sein (“A Night in Sickbay“, “Precious Cargo“, “Bound“) wurde es meist richtig schlimm. Szenen wie Archers Versuche, einer Schulklasse auf der Erde das Leben an Bord zu erklären (“Breaking the Ice“) oder der Trip nach Risa (“Two Days and two Nights“) sowie Reed und Trip verlassen und betrunken im “Shuttlepod One“ bildeten hier einige positive Ausnahmen.
 
Die bisherigen Trailer und Informationen zu Star Trek: Discovery nun lassen zwar noch kein klares Bild zu, scheinen aber doch in eine Richtung zu deuten. Man hörte schon einige Male von den Verantwortlichen, Star Trek müsse “edgier, grittier, darker“ werden, es müssen immer und überall Todesfälle und Opfer möglich sein - Game of Thrones im All eben. Das macht zwar aktuell The Expanse schon vor, die Trek-Produzenten meinen aber offenbar, den gleichen Weg gehen zu müssen. Dass es dabei schwer sein wird, Humor einzuflechten, sieht man aber eben auch an The Expanse, wo alles sehr ernst und schwermütig vor sich geht.
 
Auch die bisherigen Ausschnitte zur neuen Serie deuten eher auf eine hochgestylte Story über persönliche Schicksale, großangelegte Dramen und politisch-gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen hin. Von Humor - wie er zuletzt auch in den Abrams-Filmen stark in den Fokus rückte - war noch nichts zu sehen.

Das Orville-Paradoxon

Interessant ist in diesem Zusammenhang noch, dass FOX ebenfalls im September mit einer Serie von Trek-Fan Seth MacFarlane an den Start gehen wird, die nicht nur wie Star Trek Anno neunziger Jahre mit aktuellen Special-Effects aussieht, sondern sich auch noch wie eine Mischung aus klassischer Trek-Serie und Galaxy Quest anfühlt. MacFarlane verspricht zudem, auch ernste Themen anzusprechen, sein Team aus Ex-Trek-Größe wie Brannon Braga oder David Goodman tut da sein Übriges. Der Zweikampf, der sich hier zwischen den beiden Serien ergeben wird, ist abseits von der Qualität der Formate somit auch eine kleine Richtungsentscheidung, was die Trekkies und SF-Fans sich wünschen: Eine Raumschiffserie mit ernstem Ton und hohen Risiken oder eine turbulente Tour de Force mit Anspielungen und hier und da ernsten Momenten? Oder geht vielleicht doch noch beides?

Sülters letzte Worte

Humor ist sicher nicht die erste Eigenschaft, die man mit einer Science-Fiction-Show assoziieren würde. Dennoch bildet bei Star Trek der Mut zum Spaß seit jeher einen emotionalen Kern, den keine neue Show gänzlich eliminieren sollte. Humor macht Charaktere greifbarer und liebenswerter und verbindet uns mit ihren Schicksalen. Humor lockert ernste Momente auf und setzt ein Gegengewicht zu den bedeutungsschwangeren Vorgängen und erreicht letztlich etwas, das in der heutigen Zeit immer relevanter wird: Uns eine hoffnungsvolle Vision von dem zu geben, was kommt. Und das ist im Kern eben 100 Prozent Star Trek. Wer möchte schon in einer Welt leben, in der es nichts mehr zu lachen gibt?

Björn Sülter ist als freier Redakteur unter anderem bei Onlinepublikationen wie Quotenmeter, Serienjunkies und auch Robots & Dragons aktiv. Im Printbereich schreibt er zum Beispiel für das Phantastik-Magazin Geek!. Der Autor und Musiker ist Fachmann in Sachen Star Trek. Seit 20 Jahren schreibt er über das langlebige Franchise.

Für Robots & Dragons wird er exklusiv die Entstehung der neuen Trek-Serie mit seiner Kolumne Sülters IDIC begleiten und sobald die Serie startet, auch für ausführliche Kritiken zu den Episoden sorgen. Der Name der Kolumne steht stellvertretend für das, was uns Trekkies auszeichnet: Einen offenen Geist zu behalten und die Vielfalt als etwas Wertvolles zu schätzen. Infinite Diversity in Infinite Combinations. Dazu gibt er in Sülters Warpkerkette regelmäßig Anekdoten über Star Trek zum besten.

Björns Homepage und somit viele seiner Artikel und Trek-Rezensionen erreicht ihr unter www.sülterssendepause.de.

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