DC-Comic-Kritik: Green Arrow Megaband 1: Der neunte Zirkel (Rebirth)

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Green Arrow Rebirth

Justin Hartley ist vor allem in den USA aktuell wahrscheinlich so populär wie noch nie. Der Schauspieler ist nämlich einer der Protagonisten des 2016er-Überraschungsquotenhits This Is Us – Das ist Leben. Insbesondere Popkulturbegeisterte dürften aber beim Anschauen der Serie immer wieder das Gefühl haben, dass ihnen dieses Gesicht irgendwo anders schon einmal begegnet ist. Nur wo? Nach diversen gedanklichen Sprüngen durch die Lieblingsformate der letzten Jahre kommt er dann endlich, der entscheidende Geistesblitz: Genau, das war Green Arrow!

Der etwas jüngere Arroverse-Fan wird nun womöglich behaupten, dass außer Stephen Amell, der Oliver Queen und dessen Alter Ego seit 2012 verkörpert, kein grüner Bogenschütze - mit Ausnahme von Robin Hood - in diesem Jahrtausend im TV existiert hat. Diesem gibt man dann am besten den Tipp, sich einmal Smallville anzusehen, also die Serie, ohne die es all die The-CW-Serien womöglich nie gegeben hätte. In insgesamt 72 Episoden (2006-2011) vereitelte Hartley an der Seite von Tom Welling (Clark Kent) diverse Verbrechen und brachte einige DC-Schurken regelrecht zur Verzweiflung. Schon damals konnte man eine Sache ganz deutlich erkennen: Diese Figur hat das Zeug zum Titelhelden!

Wer sich bereits ein wenig mit den Comics, die von den Abenteuern des „Grünen Pfeils“ handeln, beschäftigt hat, weiß das ohnehin. Derjenige weiß dann allerdings auch, wie wichtig es ist, die Unterschiede zwischen Oliver Queen und Bruce Wayne herauszuarbeiten, um etwas wirklich Einzigartiges zu schaffen. Deshalb sollte man beispielsweise nicht zu häufig Antagonisten, die man eigentlich eher in Gotham City und Umgebung vermutet, "ausleihen" und stattdessen eher auf die gezeichnete Vorlage vertrauen.

Der Start des Kapuzenträgers in die Rebirth-Ära beweist nämlich von Beginn an vor allem eines: Mit diesem Charakter ist unglaublich viel möglich!

Inhalt

Für Oliver Queen, der bei Nacht mit Pfeil und Bogen durch Seattle - ja, nicht Star(ling) City - zieht, sieht anfangs alles mehr als gut aus. Der äußerst wohlhabende Ex-Sunnyboy, der mittlerweile absoluter Familienmensch und Wohltäter am Tage ist, genießt sein Leben regelrecht. Er mag seine kleine Schwester Emi - ja, nicht Thea - und hat diese undefinierbare Beziehung zu Black Canary alias Dinah - ja, nicht Laurel - Lance, die ihm merklich guttut.

Doch natürlich sind diese idyllischen Momente nur von kurzer Dauer. Von jetzt auf gleich ändert sich alles für ihn: Er verliert diejenigen, die er liebt, sein Vermögen, seine Wohnung, kurz: sein Leben.

Green Arrow Rebirth

Green Arrow, wie man ihn sich wünscht!

Wie bereits angesprochen, ist Oliver Queen definitiv kein Bruce-Wayne-Abklatsch, weshalb eine gute Green-Arrow-Geschichte sich eben auch besonders dadurch auszeichnet, nur wenige "Batman-eske" Züge aufzuweisen - die fehlenden Superkräfte und die daraus resultierenden Auseinandersetzungen mit Gegnern, die nicht direkt das gesamte Universum bedrohen, gehören allerdings quasi zur Standardausstattung.

Entscheidend ist in erster Linie, dass anstelle der für die Fledermaus so typischen düsteren Grundstimmung eine insgesamt etwas lockerere vorherrscht, was auch durch die verhältnismäßig vielen bunten Panels, für die in dieser #1 primär Otto Schmidt und Juan Ferreyra verantwortlich zeichneten, unterstrichen wird.

Viele langjährigen Comic-Lesern bekannte Weggefährten Olivers - sogar John-Diggle-Fans werden auf ihre Kosten kommen - sind ebenfalls mit von der Partie, wodurch betont wird, dass Mr. Queen eigentlich ein absoluter Teamplayer ist. Selbstverständlich bleibt er dennoch eindeutig der Kopf einer jeden Operation. Im Gegensatz zu dem Dunklen Rächer sieht er sich jedoch wirklich jederzeit als Teil des Teams, das er anführt, während Batman meist - mit oder ohne Unterstützung - in seinem tiefsten Inneren ausschließlich sich selbst vertraut.

Green Arrow Rebirth

Alles hat seinen Preis

Der große Vorteil an diesem Megaband, der das Rebirth-Special sowie die ersten 11 Einzelheftausgaben enthält, ist, dass man sehr schön erkennen kann, wie ein Arc in den anderen übergeht respektive dass die Übergänge innerhalb der Storylines sehr flüssig gestaltet worden sind. Überhaupt fühlt sich Benjamin Percys nächstes großes Bogenschützen-Projekt - er verantwortete schon die finalen The-New-52-Abenteuer – unglaublich rund an.

Die Auswahl der Gegenspieler, die Entscheidung für bestimmte zentrale Handlungsorte und natürlich die häufig wechselnden Figurenkonstellationen, all das trägt zu der Entstehung eines großen Ganzen bei, dessen Kapitel man nur ungern auseinanderreißen würde. Ebendieser Aspekt steht im Übrigen im Gegensatz zu der TV-Serie, die zwar in jeder Staffel einen roten Faden hat, allerdings nach wie vor immer noch relativ viele Case-of-the-Week-Folgen aneinanderreiht.

Der Band wiederum zwingt einen hingegen beinahe dazu, ihn erst aus der Hand zu legen, wenn man mit diesen 276 Seiten komplett durch ist, weil man außergewöhnlich gut in die dargebotene Geschichte eintauchen sowie mit den Akteuren mitfiebern kann.

Dabei konzentriert sich der Comic vielleicht etwas zu sehr auf den Helden, weshalb Emi, Black Canary und Diggle eventuell etwas zu sehr ins Hintertreffen geraten. Dies ist jedoch durchaus verschmerzbar, weil man im Gegenzug eine der mutmaßlich besten Oliver-Queen-Versionen überhaupt präsentiert bekommt. Einen Menschen, der sein altes Leben zurückhaben möchte und dafür bis an seine Grenzen geht... und vielleicht sogar darüber hinaus.

Fazit

Wer Arrow mag, wird diesen Megaband lieben, und wer auf abwechslungsreiche, spannende und emotionale Storys aus ist, sollte im Fachhandel definitiv einmal im entsprechenden Regal unter "G" nachschauen.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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