Solo: A Star Wars Story - Kritik zum Spin-off

Der junge Han lebt rund zehn Jahre, nachdem das Imperium die Macht in der Galaxie übernommen hat, auf dem Planeten Corellia. Nach einem misslungenen Auftrag muss er vor dem Verbrechersyndikat White Worms fliehen und ist gezwungen, seine Freundin Qi'ra zurückzulassen. Han schwört ihr jedoch, irgendwann zurückzukehren. Als er eines Tages auf den Kriminellen Tobias Beckett trifft, scheint seine Chance, das Versprechen zu erfüllen, gekommen zu sein.

Wer sich mit Solo: A Star Wars Story beschäftigt, der kommt nicht umhin, auf die turbulente Entstehungsgeschichte des Films einzugehen. Wenn ein Studio seine beiden Regisseure nach mehreren Monaten Drehzeit und weniger als ein Jahr vor Kinostart entlässt, um mit einem neuen Regisseur fast alle bisher gedrehten Szenen über Bord zu werfen, dann schießen die Hoffnungen für den Film nicht unbedingt in die Höhe. Ein Blick auf das Endprodukt macht allerdings schnell klar, dass Solo: A Star Wars Story trotz seiner kontroversen Produktion vermutlich der am wenigsten kontrovers diskutierte Film der neuen Ära werden dürfte.

Mit hohem Tempo unterwegs

Das Spin-off erzählt relativ geradlinig seine Geschichte und packt vor allem jede Menge Action in die 135 Minuten Laufzeit. Das führt dazu, dass der Film über die Gesamtheit durchaus unterhalten kann und definitiv nicht langweilig wird, allerdings dürfte bei vielen Zuschauern am Ende auch relativ wenig hängen bleiben. Das hohe Tempo lässt nur wenige ruhige Momente zu, um die Charaktere etwas stärker zu beleuchten. Besonders die emotionalen Szenen einiger Nebencharaktere leiden darunter, da der Zuschauer kaum die Möglichkeit hatte, sie wirklich kennenzulernen.

Hinzu kommt, dass Solo: A Star Wars Story in die Kategorie Film fällt, denen zehn Minuten weniger definitiv nicht geschadet hätten. Die erste halbe Stunde fühlt sich beinah an, als würde man ein Prequel zu dem Prequel, das der Film ohne ist, sehen. Hier hätte eine straffere Erzählweise nicht geschadet, auch weil die Geschichte in der zweiten Hälfte deutlich besser ist. Auch tappt man mitunter in eine klassische Prequel-Falle. So versucht der Film, vielleicht etwas zu viel zu erklären oder Dingen eine Bedeutung zu geben, bei denen es nicht notwendig gewesen wäre. Es dürfte vermutlich nur sehr wenige interessieren, wie Han Solo zu seinem Nachnamen gekommen ist, besonders wenn die Erklärung so ausfällt, wie im Film dargestellt.

Solo A Star Wars Story

An der Oberfläche gekratzt

So stark die Autoren die Herkunftsgeschichte von Han Solo beleuchten, vergessen sie doch leider eine Sache und zwar den Charakter selbst. Solo: A Star Wars Story erzählt vor allem, wie Han Solo zu den Dingen gekommen ist, welche die Fans bis heute mit ihm verbinden. Seine Persönlichkeit spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Auch wenn Han durchaus eine Lektion lernt, scheint diese den Charakter selbst nicht groß zu verändern.

Richtig viel Freude macht dagegen das Zusammenspiel von Han und Chewbacca. Chewie bekommt in dem Spin-off tatsächlich etwas mehr zu tun. Besonders seine Auftritte in Das Erwachen der Macht und Die letzten Jedi fielen ziemlich dünn aus, sodass es Spaß macht, ihn wieder mehr in Aktion zu sehen. Auch die Welt selbst, die in Solo: A Star Wars Story etabliert wird, macht Lust auf mehr. Der Fokus auf die kriminelle Unterwelt und das beinah vollständige Ausblenden der vertrauten Handlungsäulen hilft dem Film, sich von den anderen Star-Wars-Werken abzuheben. Zudem gelingt es den Machern tatsächlich, eine Überraschung einzubauen, die dafür sorgt, dass viele Fans einer Fortsetzung gegenüber sicherlich nicht zu abgeneigt wären.

Solo A Star Wars Story

Der neue Han Solo

Eine weitere Stärke des Films sind die guten Darsteller. Zugeben, Alden Ehrenreich ist kein Harrison Ford, und wer keinen neuen Darsteller in der ikonischen Rolle sehen will, den wird Ehrenreich auch nicht überzeugen können. Gelingt es einem aber, Ford für die Laufzeit auszublenden, dann muss man festhalten, dass der 28-jährige Darsteller seine Aufgabe richtig gut macht. Ehrenreichs Solo hat jede Menge jugendlichen Charme, der ihn sofort sympathisch macht.

Woody Harrelson als Tobias Beckett kann man ebenfalls positiv hervorheben. Harrelson entwickelt sich zunehmend zu einer sicheren Bank und liefert wie gewohnt eine sehr gute Darstellung ab. Man müsste schon stark überlegen, wann der Schauspieler zuletzt tatsächlich einmal in einem Projekt nicht überzeugen konnte. Gleiches gilt auch für Donald Glover. Auch dieser stand vor der undankbaren Aufgabe, eine ikonische Figur neu zu interpretieren. Ähnlich wie Ehrenreich meistert er dies aber mit Bravour. In einer möglichen Fortsetzung darf der Auftritt jedoch ruhig etwas größer ausfallen.

Der weibliche Teil des Castes bleibt dagegen etwas blass. Emilia Clarkes Qi'ra bietet interessante Ansätze, der Film nimmt sich aber nie die Zeit, die Figur etwas stärker zu beleuchten. Thandie Newtons Rolle fällt am Ende relativ klein aus und findet vor allem im ersten Drittel des Films statt, das ohnehin am wenigsten überzeugen kann.

Fazit

Solo: A Star Wars Story bietet spaßige Sommerunterhaltung mit einem hohen Tempo und viel Action. Wer aber auf etwas Besonderes oder eine tiefere Auseinandersetzung mit den bekannten ikonischen Figuren hofft, der wird leider enttäuscht. Mit dem Spin-off ist Lucasfilm endgültig in der Normalität des Blockbusterkinos angekommen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Lucasfilm
Solo: A Star Wars Story Poster
Originaltitel:
Solo: A Star Wars Story
Kinostart:
24.05.18
Regie:
Ron Howard
Drehbuch:
Lawrence Kasdan, Jon Kasdan
Darsteller:
Alden Ehrenreich, Woody Harrelson, Donald Glover, Emilia Clarke, Thandie Newton, Phoebe Waller-Bridge
Das Spin-off erzählt die Abenteuer des jungen Han Solo.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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