Kritik zu The Boys: Die etwas andere Superhelden-Serie

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The Boys

Superhelden sollten eigentlich bessere Menschen sein. Sie besitzen nicht nur übermenschliche Kräfte, sondern folgen im Idealfall auch einem besonderen Moralkodex. Dies glaubt zumindest Hughie Campbell, bis ihm eines Tages die Überreste seiner Freundin ins Gesicht klatschen. Diese hatte am Straßenrand gestanden, während A-Train, der schnellste Superheld der Welt, wortwörtlich durch sie durchgelaufen ist. Der Tod der jungen Frau wird schon bald durch die Tatsache verschlimmert, dass anscheinend niemand Interesse daran hat, A-Train zur Rechenschaft zu ziehen. Hughie muss lernen, dass die Superhelden, von denen viele bei dem Konzern Vought angestellt sind, von der Regierung und den Medien geschützt werden. Das Aushängeschild von Vought sind The Seven, ein Team der stärksten Superhelden der Welt, zu denen auch A-Train gehört.

Während Hughie immer noch mit dem Verlust kämpft, trifft er eines Tages auf Billy Butcher, der ihm ein verlockendes Angebot unterbreitet. Butcher will den Superhelden ihr Verhalten heimzahlen und schreckt dabei vor keinem Mittel zurück. Schon bald steckt Hughie mitten in Billys Rachefeldzug und ist gezwungen, immer neue Grenzen zu überschreiten. Als er zudem Annie kennenlernt, die sich bald als Starlight, das neueste Mitglied von The Seven, herausstellt, wird die Sache zunehmend komplizierter.

Die realistischere Superheldenwelt?

Mit The Umbrellla Academy hat Netflix in diesem Jahr bereits den Versuch gestartet, eine etwas andere Art der Superheldenunterhaltung zu präsentieren, die sich zudem deutlich stärker an ein erwachsenes Publikum richtet. Amazon geht nun noch einen Schritt weiter und startet mit The Boys eine Serie, die definitiv nichts für Kinder ist. Gewalt, Sex, Blut und eine zynische Welt, in der es trotz Superhelden keine wirklichen Helden zu geben scheint, sind die Eckpfeiler, auf denen die ersten acht Episoden fußen.

Ähnlich wie The Umbrella Academy basiert auch The Boys auf einer Comicvorlage. Allerdings nehmen sich Serienproduzenten rund um Erik Kripke (Supernatural) deutlich mehr Freiheiten bei der Umsetzung der Comics von Garth Ennis. Vor allem die Welt, in der The Boys spielt, wird viel stärker ausgearbeitet als in den Comics und wirkt trotz des satirischen Ansatzes fast schon realistisch. Gerade in der heutigen Zeit erscheint ein Superheldenansatz, wie ihn die Serie verfolgt, in den USA wahrscheinlicher als eine Welt, wie sie den Kinogängern in Marvels Cinematic Universe präsentiert wird. Anstatt der Rettung von Menschen stehen PR, Marketing, die öffentliche Wahrnehmung und vor allem das Geld im Mittelpunkt.

The Boys

Die Idee, wie eine Welt aussehen würde, wenn die meisten Superhelden Arschlöcher wären, bringt tatsächlich eine erfrischende Abwechslung in das Genre. Dabei beschränkt sich die Serie aber nicht nur allein auf das Superheldengenre. The Boys ist fast genauso sehr Gesellschaftssatire wie Superhelden-Serie. Immer wieder wird vor allem der amerikanischen Gesellschaft der Spiegel vor das Gesicht gehalten. Von Religion über den Kapitalismus und Heldenverehrung bis hin zur Me-Too-Debatte machen die Autoren vor keinem Thema halt. Dabei gelingt es den Machern zudem, richtig witzig zu sein. Wer Spaß an morbidem Humor hat, der ist hier genau an der richtigen Adresse.

Überzeugende Figuren und tolle Darsteller

Neben der glaubwürdigen und dreckigen Welt sind auch die Figuren von The Boys ein großer Pluspunkt der Serie. Trotz der Tatsache, dass es in gewisser Weise die Guten und die Bösen gibt, arbeitet die Serie nicht mit Schwarz und Weiß. Gerade die Superhelden werden differenziert dargestellt, und der Zuschauer erhält einige Einblicke in die Motivation und die Gründe für die jeweilige Persönlichkeit. Dabei ist aber auch noch Luft nach oben, da nicht alle Mitglieder der Seven hier gleichermaßen ausführlich behandelt werden.

Ein Lob für die Figuren schließt natürlich auch den Cast mit ein. The Boys ist hervorragend besetzt, und vor allem Karl Urban als Billy Butcher und Antony Starr als Homelander stechen heraus. Urban spielt den von Rache getrieben Chef der Boys mit einem solchen Einsatz, das es einfach nur Spaß macht hinzuschauen. Dem gegenüber steht Antony Starr, dessen Homelander sich wunderbar hassen lässt. Der Anführer der Seven ist tatsächlich eine beängstigende Figur, die nie wirklich berechenbar ist.

The Boys

Ganz kleine Härchen in der Suppe

Ein paar Abstriche muss man bei The Boys bei der Action machen. Trotz der Tatsache, dass die Serie richtig gut aussieht, merkt man doch, dass für große Actionszenen das Budget vermutlich nicht ganz ausgereicht hat. Die vorhandene Action macht aber in jedem Falle Lust auf mehr, weiß zu unterhalten und mitunter sogar zu überraschen (Stichwort: Laseraugen-Baby). Festzuhalten ist aber, dass The Boys nichts für Superhelden-Fans ist, die mit blutiger Gewaltdarstellung nichts anfangen können. Gewalt wird in der Serie sehr explizit eingesetzt, was bedeutet: jede Menge Blut, Innereien und Gedärme.

Auch ist festzuhalten, dass die 1. Staffel der Serie kaum eine Storyline wirklich abschließt. Wer also auf eine runde Geschichte in acht Episoden gehofft hat, der ist hier an der falschen Adresse. The Boys ist ganz klar auf eine Fortsetzung ausgelegt, die zum Glück aber auch schon bestätigt wurde und sich in Entwicklung befindet. Im Gegenzug lässt sich festhalten, dass die Staffel ohne eines der typischen Netflix-Probleme auskommt. Gerade die Marvel-Serie auf dem Streaming-Dienst hatten ja gern einmal die eine oder andere Länge im Mittelteil. Hier macht es die Konkurrenz von Amazon um einiges besser.

The Boys

Fazit

Wer Lust auf eine erwachsene Superheldenserie hat, derben Humor mag und nicht von blutiger Gewalt abgeschreckt wird, der ist bei The Boys genau an der richtigen Adresse. Die acht Episoden präsentieren eine stimmige Welt mit tollen Figuren, die von hervorragenden Darstellern gespielt werden. Action, Spannung, Humor und Gesellschaftskritik werden in ein rundes Paket verpackt, und es bleibt nur zu hoffen, dass die 2. Staffel nicht lange auf sich warten lässt.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Amazon Studios

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