Et in Arcadia Ego Teil 1 - Kritik zu Star Trek: Picard 1.09

SPOILER

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Willkommen in Synthhausen - Star Trek: Picard Episode 1.09 eröffnet das große Finale der ersten Staffel. Dabei fühlt sich Et in Arcadia Ego Teil 1 zwischenzeitlich wie eine Folge aus Klassik-Zeiten an.

Alea iacta est

Nach einer schnellen Reise auf der Space-Überholspur-Achterbahn liegt er vor unserer Sirena-Crew: Coppelius, der Heimatplanet von Soji. Die Freude währt jedoch nur kurz, denn Narek ist ihnen auf den Fersen und schießt fleißig um sich.

Die Folge steigt also gleich mit ordentlich Action und hübscher Raumschlacht vor Planeten-Hintergrund ein, was durch das imposante Auftauchen des Artefakts ein Sahnehäubchen und gleich noch eine Kirsche in Form von Synth-Wachhund-Orchideen als Krönung oben drauf bekommt.

Es ist auf jeden Fall ein spannendes optisches Feuerwerk. Und dann geht es auf den Planeten. Wie schon die ganze Staffel hinsichtlich des Tons gespalten war, so ist es auch die aktuelle Episode in sich. Ganz erschließt es sich noch nicht, warum der Borgwürfel schon jetzt ins Spiel gebracht wird.

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Nachdem von den Orchideenwesen alle Raumschiffe - mit mal mehr, mal weniger Schaden - auf die Oberfläche gebracht worden ist, ist der kurze Abstecher von der Sirena-Crew rüber zum Artefakt eigentlich ziemlich überflüssig und inhaltsarm. Und das sage ich, die jede Sekunde Screentime von Seven begrüßt. Es scheint recht deutlich zu sein, dass die XBs nebst Elnor und dem Würfel noch eine entscheidende Rolle spielen werden - warum sie dafür aber schon in diesem ersten Teil des Finales auftauchen mussten, erschließt sich vermutlich erst nächste Woche.

Don’t drink the Kool-Aid

Während Star Trek: Picard mit einem langsamen Erzähltempo und einigen Umwegen begonnen hat, geht es im Vor-Finale schneller zur Sache. Statt einer denkbaren Wanderung auf dem neuen Klasse-M-Planeten mit möglichen Gefahren springen unsere Helden von ihrem Raumschiff rüber zum Borgwürfel und schließlich auch zur Coppelius-Station, Sojis “Geburtsort”.

Befand man sich eben noch in einem recht modern geschnittenen Weltraumschlacht-Action-Drama, so fühlt sich der andere Handlungsteil der Folge sehr altmodisch (oder positiver: nostalgisch) vertraut an, wie eine Episode der Klassik-Serie. Auch The Next Generation 1.08 “Justice” kam mir gleich in den Sinn, was die Grundstimmung betrifft. Trotz einiger bekannter Gesichter wirken die Figuren nämlich eher fremd, und trotz scheinbar friedlicher Hippie-Kommune im Paradies/Arkadien fühlt man von Beginn an eine gewisse Bedrohung. Eine Gemeinschaft hübscher Personen in spärlichen Walle-Gewändern und freundlichen Lächeln - das ging bisher doch fast nie gut.

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Ist die metallisch-schimmernde Haut mancher Synth eigentlich eine Modesache? Immerhin scheint es ja anders zu gehen und schon Data hat bei der Schaffung seiner Tochter Lal einen menschenähnlicheren Hautton getroffen. So wirkt es erstmal wie ein Schmink-Neuling, der es deutlich mit dem Bronzer und Highlighter übertreibt.

Kult-Führer und “Vater” der Gang ist Dr. Soong. Nicht DER Dr. Soong, aber sein Sohn, Altan Inigo. Wie viele Rollen hat Brent Spiner eigentlich mittlerweile in Star Trek schon alles gespielt? Der in der letzten Folge genannte Synth Beautiful Flower scheint also doch kein uns bekanntes Gesicht zu haben.

Der böse Zwilling. Drilling. Mehrling.

Kam euch das Leben dort nicht auch furchtbar langweilig vor? Was machen die Synth die ganze Zeit? Zumal es ja auch so scheint, als würden sie alle recht eng in und um der Station leben. Dass Maddox und Soong sich voll in ihre Forschung schmeißen, klar. Aber was war der größere Plan, was sollen die Synth mit sich anfangen? Kein Wunder, dass manche von denen etwas am Rad drehen.

Wie wir bereits wussten gibt es noch mehrere Geschwister von Soji, Dajh und Janah. Ähnlich wie Narissa ist auch sofort klar: Sutra ist das grün-gold-schimmernde schwarze Schaf der Familie. Der sprechende Hut hätte sie bestimmt dem Hause Slytherin zugeordnet. Sehr strebsam und dabei über Leichen gehend. Ob es nächste Woche ein Duell zwischen Narissa und Sutra geben wird? Und wenn einen ihre fiese Art schon durch den Fernseher anspringt, wieso fällt das niemanden der Charaktere, nicht einmal im Ansatz, auf?

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Dass diese Synth ganz besonders weiterentwickelt sind und auch natürlich über gewisse Fähigkeiten und schnelles Lernen hervorstechen - klar. Aber warum man über die reine Lektüre die vulkanische Gedankenverschmelzung lernen kann, erschließt sich mir nicht so recht. Ist aber natürlich für die Handlung sehr praktisch, endlich kann die Botschaft der Adominition entschlüsselt werden: Kurz, so unrecht haben die Romulaner gar nicht. In den Schatten jenseits der Galaxie warten seit “hunderten von tausenden Jahren” synthetische Hüter, um alle Synth vor der Bösartigkeit und den Gefahren durch biologische Lebensformen zu beschützen. Und mit beschützen meint Sutra in ihrer Interpretation: Alle töten.

Wie dem auch sei - ich bin gespannt, wer sich hinter der gottähnlichen KI-Supermacht verbirgt und bin bereit für den Auftritt der Cylonen. Aber vermutlich steckt eh Synth-Spot hinter allem. Katzen und Weltherrschaft halt.

I love you - I know

Für Jurati ist Coppelius natürlich ein Traum. Zwar glaube ich, dass sie noch etwas im Schilde führt, aber es ist nicht verwunderlich, dass Sutra keine Lüge bei ihr entdeckt, als Jurati erklärt, sie würde sich voll uns ganz dem Schutz der Synth und der Fortsetzung der Arbeit von Maddox und Soong verschreiben. Wie auch immer man sich die Bewusstseins-Transplantation vorzustellen hat.

Vielleicht wird die ja auch noch eine Art “Rettung” für Picard? Nach einem Schwächeanfall hat dieser seiner Crew nun endlich reinen Wein eingeschüttet, was insbesondere bei Jurati und Raffi zu sichtbaren Gefühlsausbrüchen führt. Und auch wenn am Charakter Raffi teils heftige Kritik geäußert wird, Michelle Hurds schauspielerische Leistung ist durchgehend stark und überzeugt auch diesmal wieder. Daher funktioniert die Szene, in der sich JL und Raffi ihre (freundschaftliche) Liebe gestehen. Etwas, das für Picard schon ein ziemlicher Schritt ist.

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Wie passend ist da auch die kurze Konversation von Elnor und Jean-Luc: Abschiede sind härter, wenn man nicht weiß, ob man einander noch einmal wiedersieht. Was ja eigentlich immer der Fall ist, auch wenn den meisten von uns das glücklicherweise eher selten bewusst ist.

Kurz hatte ich die Befürchtung, dass Soji sich von Nareks Gesäusel einlullen lässt. Aber nein, sie bleibt stabil und stutzt den Kerl ordentlich zurecht. Leider, leider wird der Romulaner für Sutras bösen Plan der Boshaftigkeit gebraucht und so wird die liebliche Saga geopfert.

Selbst die isoliert lebenden Synth glauben nicht (mehr) an Picards warme Worte und Macht in der Sternenflotte. Allerdings hätten sie ihn ja statt in Hausarrest zu stecken auch gleich töten können, wenn sie das nun eh mit allem biologischen Leben vorhaben. Wieso warten? Und wer rettet die Lage nun zuerst? Soji, Narek, die Ex-Borg, die Sternenflotte oder Riker mit dem klapprigen Schiff von Captain Randall?

I googled it, so you don’t have to

Ausflug in mein altes Schulwissen-Hirn, heftig unterstützt von Wikipedia: Der Titel der Episode ist auf ein Bild (oder eher zwei, wie Datas Gemälde) von Nicolas Poussin zurückzuführen. “Et in Arcadia Ego” -  “Auch ich bin in Arkadien” soll daran erinnern, dass man selbst im Paradies dem Tod nicht entfliehen kann. Eigentlich geht es ja ohnehin meist wahlweise um Liebe und/oder Sex und/oder Tod. Wenn ich Arkadien höre, singt in meinem Kopf aber immer gleich Theo Lingen (angelehnt an Offenbachs “Orpheus in der Unterwelt”).

Der Synth-Planet teilt sich den Namen mit einem Charakter aus E.T.A. Hoffmanns “Der Sandmann”. Coppelius ist ein als hässlich beschriebener Mann mit erdgelber Haut und grünen Augen. Passend zu Coppelius heimlichen Experimenten kann man den Namen sowohl vom italienischen Wort für Augenhöhle oder dem lateinischen für verschmelzen herleiten.

Fazit

Die vorletzte Episode der Staffel zeigt einiges und wirft doch auch gleich wieder mehr Fragen auf. Vom Stil bleibt man sich treu - sowohl bombastisch-dramatisch als auch alberne Elemente mit einer Portion Trek-Nostalgie können bei Star Trek: Picard gut zusammen existieren. Und wieder habe ich keine Ahnung, was uns nächste Woche im großen Finale erwartet.

Es ist das erste Mal in dieser Staffel, dass ich es unschön finde, nicht gleich weiter gucken zu können. Ein gutes Zeichen. Bislang fand ich diese quasi lineare "Old-School-Variante" bislang ja ganz nett.

Star Trek: Picard - S01E10 - "Et in Arcadia Ego, Part 2" Trailer / Season Finale

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