Marvel-Comic-Kritik zu Captain America (Neustart) 1 & 2

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Captain America Comic

Spätestens seit dem Kinostart von Marvel’s The Avengers im April 2012 gab es endgültig keine Zweifel mehr daran: Das Marvel Cinematic Universe war inzwischen zu einem allseits beachteten Ausnahmephänomen innerhalb der Entertainment-Industrie geworden. Dies hatte auch unmittelbare Auswirkungen auf Marvels ursprüngliches Kerngeschäft: die Comic-Sparte. Schlagartig wurde die Erwartungshaltung an bestimmte Heftserien wesentlich höher, denn immerhin war die Entstehung des MCU gleichbedeutend mit dem Heranführen einer völlig neuen Generation an die Helden, die den Verlag schon seit Jahren prägen. 

Die Folge: Comic-Shops wurden plötzlich auch wieder vermehrt von jüngeren Menschen aufgesucht. Und diese hatten nicht mehr nur Interesse an den großen Namen der Konkurrenz des Unterhaltungsriesen wie Batman oder Superman, sondern auch an Iron Man, Thor, Hulk oder … an Steven "Steve" Grant Rogers alias Captain America. Diejenigen, die sich in der jüngeren Vergangenheit mit Paperbacks eingedeckt hatten, in denen sich alles um einen gewissen Supersoldaten drehte, hatten wenig Grund zur Klage. Dies lag vor allem an Autor Nick Spencer und dessen Run, der seinen Höhepunkt im Sercret-Empire-Event fand, was wiederum maßgeblich den von Ta-Nehisi Coates vorbereitete. 

Dieser zeichnete zuvor für Black Panther verantwortlich und erntete für seinen Run, der zugleich seinen ersten (längerfristigen) Ausflug in die Welt der Panels darstellte, viel Lob – normalerweise arbeitet Coates als Buchautor und Journalist. Man durfte also gespannt sein, wessen fiktionale Marvel-Reise er nun wie weiterspinnen würde. Als schlussendlich feststand, dass es sich um die von Steve Rogers handeln würde, dürften nicht wenige umgehend der Veröffentlichung der neuen Nummer 1 entgegengefiebert haben. Politische Intrigen, überraschende Wendungen, vermeintliche Freunde, die sich als Feinde herausstellen: All dies sind die Zutaten, die man von einer gelungenen Cap-Story erwartet – und auch von einer rund um Wakanda und dessen Bevölkerung.

Neuanfang

Das "Secret Empire" gehört der Vergangenheit an – oder etwa nicht? Die Bevölkerung der USA weiß theoretisch, dass sie lange Zeit getäuscht und Captain America übel mitgespielt worden ist. Offenkundig sind jedoch einige Wunden noch nicht wieder verheilt und werden es wohl auch nicht so schnell wieder sein. Eine beträchtliche Anzahl an Bürgern kann dem Nationalhelden der Vereinigten Staaten von Amerika bislang einfach nicht wieder vollumfänglich vertrauen – so sehr sie sich auch anstrengen. Die vergangenen Ereignisse wiegen noch zu schwer.

Steve Rogers ist all dies bewusst, und er kann die Vorbehalte ihm gegenüber auch durchaus bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Dennoch trifft es ihn, dennoch beschäftigt es ihn. Doch er hat gar keine Zeit, um zumindest mit sich selbst irgendwie ins Reine zu kommen, da Klone von seinem alten Widersacher Nuke alias Frank Simpson auf der Bildfläche erscheinen und sich mehr als einmal mit ihm anlegen. Wie so oft ist dies aber lediglich ein Ablenkungsmanöver. Die Strippenzieher im Hintergrund wollen schlicht, dass ihnen der einstige Liebling Nordamerikas nicht (zu früh) in die Quere kommt – eine Rolle in ihrem großen Spiel haben sie nämlich für ihn vorgesehen; es ist nur zu bezweifeln, ob sie dem ersten Avenger auch zusagt.

Hinzu kommt, dass auch seine Beziehung zu seiner zweiten großen Liebe Sharon Carter, der Großnichte seiner ersten großen Liebe Margaret "Peggy" Carter, zuletzt eine Menge aushalten musste. Obwohl sich beide ihrer Gefühle füreinander vollkommen sicher sind, hat das Paar mit viel Ballast zu kämpfen, den sie über die Zeit angesammelt haben und nach wie vor ansammeln. Denn nicht nur Steve hadert mit seiner Vergangenheit und sucht in einer Welt, die sich stark verändert hat, seinen Platz. Auch die ehemalige S.H.I.E.L.D.-Agentin scheint den ihren noch nicht hundertprozentig gefunden zu haben. Und die Tatsache, dass keines der beiden Leben, die der Mann mit dem berühmten Schild führt, wirklich intakt ist, macht ihn verwundbar und anfällig für Fehler. Manche kommen ihn teuer zu stehen …

Unter Anklage

… und führen sogar zum Verlust seiner Freiheit: Captain America wird inhaftiert. Selbstredend haben auch hier seine Gegner ihre Finger im Spiel. Doch die Personifikation von Moral, Anstand und Rechtschaffenheit kann aus dem Gefängnis heraus wenig ausrichten, und so sind ihm seine Feinde irgendwann nicht nur einen, sondern gar mehrere Schritte voraus – ihm und Sharon alias (ehemals) Agent 13. Letztere gerät zwischenzeitlich in eine noch prekärere Situation und trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass all das erst der Anfang ist …

Es passiert immer wieder, dass ein Autor eine Heftserie übernimmt und es zunächst einmal etwas dauert, bevor sich seriös beurteilen lässt, ob die richtige Person mit der richtigen Aufgabe betraut worden ist oder eher nicht. Dass die Kombination aus Ta-Nehisi Coates und der Captain-America-Reihe eine ist, auf die dies nicht zutrifft, erkennt man im Grunde bereits nach den ersten Seiten. Man wird direkt in die Handlung hineingezogen und interessiert sich von Anfang an für das Geschehen und die  Akteure. Denn hier ist ganz offensichtlich jemand am Werk, der nicht nur die Figur verstanden hat, sondern auch weiß, wie er sie einsetzen muss. 

Der Kopf der in Deutschland einst als "Die Rächer" bekannten Gruppe funktioniert schließlich immer schon am besten als Gegenpol zu einer Welt voller Intrigen, politischer Ränkespiele und Hoffnungslosigkeit. Bricht ihm selbst nun ebenfalls der Boden unter den Füßen weg, spricht sogar noch mehr für einen vielversprechenden Run. Zumal man konsequent darüber im Unklaren gelassen wird, ob die triumphale Rückkehr des Captains alleine ausreichen würde, damit es auch Steve Rogers wieder nachhaltig besser geht – anhaltende Spannung scheint folglich garantiert.

Einen entscheidenden Anteil an diesem gelungenen Erst- und Zweiteindruck haben auch die beteiligten Künstler: Neuanfang respektive die Einzelheftausgaben 1 bis 6 sowie ein Free-Comic-Book-Day-Special hat Leinil Francis Yu bebildert, Unter Anklage beziehungsweise die Einzelheftausgaben 7 bis 12 Adam Kubert. Liest man beide Sammelbände hintereinander, dürfte vielen der Zeichnerwechsel auffallen. Liest man sie hingegen mit einem gewissen zeitlichen Abstand voneinander, weit weniger. Es kommt in jedem Fall zu keinem krassen Bruch in Sachen Look, da die jeweiligen Stile gut zusammenpassen. Alles ist etwas kantiger und dennoch realistisch. Ihre für die Kolorierung zuständigen Kollegen setzen zudem vornehmlich auf dunkle Farben, was eine insgesamt gelungene visuelle Umsetzung des präsentierten Inhalts abrundet. 

Fazit

Ta-Nehisi Coates hat einen klaren Plan für Captain America. In den von ihm erdachten Abenteuern passiert nichts einfach so, nichts erscheint überflüssig und alles wirkt sehr stimmig. Will heißen: Wer bereits seit Längerem mit dem Gedanken gespielt hat, sich intensiver mit Steve Rogers auseinandersetzen zu wollen oder wem schlicht nach einem starken Cap-Geschichte ist, macht mit Comics aus dieser Serie nichts verkehrt.

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