Kritik zu The Midnight Sky: George Clooney wandelt für Netflix in vertrauten Sci-Fi-Pfaden

Die neue Netflix-Produktion The Midnight Sky basiert auf dem Roman Good Morning, Midnight von Lily Brooks-Dalton und spielt im Jahr 2049. Durch eine nicht näher erläuterte Umweltkatastrophe steht das Leben auf dem Planeten Erde vor dem Ende. Einer der Überlebenden ist der Astronom Augustine Lofthouse, der in einer Forschungsstation in der Arktis ausharrt.

Lofthouse ist schwer krank, doch eine letzte Aufgabe sorgt dafür, dass er sich immer noch an sein Leben klammert. Der Astronom will die Crew des Raumschiffes Æther warnen, die sich gerade auf der Rückreise von einer Mission zu einem der erdähnlichen Monde des Jupiters befindet. Die Crew hat keine Ahnung davon, dass sie ihre Heimat praktisch unbewohnbar geworden ist und sie besser zurück zu dem Mond fliegen. Während Lofthouse darauf wartet, dass das Raumschiff in Funkreichweite kommt, stößt er in der Forschungsstation allerdings auf ein kleines Mädchen, das anscheinend im Zuge der zuvor erfolgten Evakuierung zurückgelassen wurde. Als sich zudem herausstellt, dass er für die Kontaktaufnahme zu einer anderen Funkstation reisen muss, wird die vor ihm liegende Aufgabe noch schwieriger.

George Clooney, der bei The Midnight Sky nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch gleich selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm, beschreibt seines neuestes Werk selbst als einen Mix aus Gravity und The Revenant – Der Rückkehrer. Dem möchte man zustimmen und noch eine Prise Interstellar und Der Marsianer hinzufügen. Dies zeigt allerdings auch direkt eines der Probleme von The Midnight Sky. Der Film setzt sich aus relativ bekannten Versatzstücken zusammen, die man alle meist schon einmal besser gesehen hat. The Revanant ist der bessere Überleben-im-Schnee-Film, Der Marsianer und Gravity die besseren Astronautenfilme. Entsprechend fällt The Midnight Sky daher in die Kategorie ganz nett und vor allem für Fans der genannten Filme empfehlenswert.

Hilfreich ist dabei auch nicht, dass das Drehbuch zudem ein paar strukturelle Probleme hat. Gefühlt lässt sich der Film fast als Zweiteiler sehen, wobei die erste Hälfte sich auf die Reise von Augustine Lofthouse fokussiert, während im zweiten Teil die Probleme an Bord des Raumschiffes im Mittelpunkt stehen. Dadurch wirkt The Midnight Sky zwischenzeitlich ein bisschen so, als würde man zwei unterschiedliche Filme schauen. Darüber hinaus bietet das Drehbuch ein paar Entwicklungen und Enthüllungen, die der Zuschauer meilenweit im Vorfeld kommen sieht. Vor allem das Ende fällt hier besonders negativ auf.

Trotz der Kritikpunkte ist The Midnight Sky allerdings kein Totalausfall, was vor allem an den darstellerischen Leistungen liegt. Besonders George Clooney, der eine richtig starke Leistung abliefert, gebührt hier viel Lob. Insbesondere die Szenen mit der jungen Caoilinn Springall, die ebenfalls sehr gut spielt, gehören zu den Highlights des Films. Auch das Finale wird durch Clooneys darstellerische Leistung gerettet, der der erwartbaren Entwicklung so viel Emotionen gibt, dass man über die Vorhersehbarkeit hinwegsehen kann.

Abgesehen von Clooney und Springall finden sich alle verbleibenden Figuren praktisch an Bord der Æther. Die Crew ist dabei durchaus sympathisch geraten, wenn auch musikalisch eher unbegabt. The Midnight Sky beinhaltet eine der komischsten Mitsingen-Szenen der Filmgeschichte. An Bord ist quasi niemand in der Lage, ein Lied richtig mitzusingen, obwohl alle den Text zu kennen scheinen. Dafür punktet dieser Teil der Geschichte aber mit den besten Effekten. Während manche Aufnahmen auf der Erde, in denen beispielsweise die Forschungsstation in der Arktis digital erstellt wurde, nicht immer überzeugen können, sind die Weltraumszenen wirklich gut gelungen. Hier sieht man dem Film am stärksten sein Budget von 100 Millionen Dollar an.

Fazit

The Midnight Sky in gewisser Weise ein typischer Netflix-Film. Ohnehin im Abo enthalten kann man ihn problemlos mitnehmen, lange in Erinnerung bleiben dürfte er am Ende aber wohl nicht. Punkten kann der Film dabei vor allem durch seine Optik und die guten bis sehr guten Darsteller. Beim Drehbuch gibt es dagegen ein paar Abstriche, was sowohl die Struktur als auch die Entwicklung betrifft. Trotzdem sollten gerade Fans von Filmen wie Gravity, Der Marsianer oder Intersteller einen Blick wagen.

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