Kritik zu Warcraft: The Beginning - Volles Pfund Fantasy

warcraft-teaser-poster.jpg

Warcraft Teaser Poster

Die Orcs fallen durch ein Portal in die Welt der Menschen, Azeroth, ein. Der König von Sturmwind, Llane Wrynn (Dominic Poole), versucht, die Horde zurückzuhalten und gleichzeitig eine Allianz der verschiedenen Völker Azeroths zu schmieden. Dabei helfen im der Kommandant Anduin Lothar (Travis Fimmel), der Magier Khadgar (Ben Schnetzer) sowie Garona, die Halb-Orkin (Paula Patton). Aber auch bei den Orcs regt sich Widerstand gegen den Krieg: Clan-Häuptling Durothan (Toby Kebbell) möchte mit den Menschen verhandeln, statt sie zu bekämpfen.

Uwe Boll wollte einst die Filmrechte zu Warcraft von Blizzard Entertainment kaufen und selbst einen Film über den Kampf zwischen Horde und Allianz drehen. Beim kalifornischen Entwicklungsstudio schrillten wohl damals die Alarmglocken: Zwar ist Uwe Boll bekannt für seine Videospielverfilmungen, ebenso ist er allerdings für die unterirdische Qualität seiner Werke berüchtigt. Man befürchtete, dass eine schlechte Verfilmung dem Umsatz der Warcraft-Marke schaden könnte.

Also suchte man sich bei Blizzard mit Legendary Entertainment ein für seinen Umgang mit fantastischen Stoffen oft gelobtes Produktionsstudio aus und fand in Duncan Jones (Moon) nicht nur einen begabten Regisseur, sondern auch einen begeisterten Spieler von World Of Warcraft, dem wohl bekanntesten Ableger der Marke. Der Film allerdings orientiert sich an der Handlung des ersten Spiels, Warcraft - Orcs and Humans.

Bis zum Anschlag fantastisch

Warcraft: The Beginning verneigt sich hauptsächlich visuell immer wieder vor seiner Herkunft. So könnten die Kostüme, allen voran die Rüstungen der Menschen sowie ihre Städte, direkt aus dem Spiel stammen. Insgesamt hält sich der Film sehr eng an die visuellen Vorgaben seines Erbes, was viel zu seiner Glaubwürdigkeit beiträgt. Auch wenn der Fantasy-Pegel bis zum Anschlag aufgedreht wird (Greifen, Zwerge, Elfen, Golems, Dämonen etc.), wirkt die Welt in sich stimmig und damit für das Publikum nachvollziehbar.

warcraft-szenenbild03.jpg

Warcraft: The Beginning Szenenbild

Klar: Wer allergisch auf CGI reagiert, der wird auch bei Warcraft: The Beginning Atemnot bekommen. Der Film startet direkt mit einer Nahaufnahme von Durothans (Toby Kebell) Gesicht. Das hätte schiefgehen können, aber die Computerbilder und das Motion Capturing sind so hervorragend, dass man dem Orc seine Emotionen abnimmt. Alles in allem wirkt das CGI kaum künstlich und gehört mit zu dem besten, was man derzeit im Fantasy-Bereich zu sehen bekommt.

Trotz modernster Computereffekte wurde auch viel mit echten Sets und Requisiten gearbeitet. Wer eine Greenscreen-Orgie wie bei den Star-Wars-Prequels befürchtet, der kann aufatmen: Die Warcraft-Welt wirkt wahrhaft zum Anfassen.

Gute Charaktere, mittelmäßiges Schauspiel

Einen weiteren Glaubwürdigkeitspunkt erhält der Film durch seine Charaktere: Die werden zwar ziemlich schnell miteinander vertraut, bleiben aber in ihren Motivationen einigermaßen nachvollziehbar. Allen voran die drei wichtigsten Figuren Anduin Lothar (Travis Fimmel), Khadgar (Ben Schnetzer) und Garona (Paula Patton) bekommen eine angenehme Tiefe - die aber natürlich noch immer eher einem Gartenteich entspricht, als dem Bodensee.

In manchen Szenen, etwa beim Tod eines Nebencharakters oder einer plötzlichen Liebesszene, wirkt das Schauspiel hölzern. Auch sind manche Handlungssprünge arg kurzfristig und insgesamt muten die Kämpfe zwischen den übermenschlich großen Orcs und den zerbrechlichen Menschen sehr - nun ja - fantastisch an. Außerdem wird in einigen Szenen ordentlich auf die Schmalzdrüse gedrückt. Wer allerdings über diese Patzer hinwegschauen kann, wird in zwei Stunden sehr gut mit epischer Fantasy unterhalten.

warcraft-szenenbild02.jpg

Warcraft: The Beginning Szenenbild

Dabei ist der Film natürlich in erster Linie auf Fans der Warcraft-Welt ausgerichtet. Die kennen viele Figuren und sind vielleicht von den Taten ihrer filmischen Gegenparts überrascht - denn auch wenn die Haupthandlung mit dem etablierten Hintergrund übereinstimmt, gibt es einzelne Details, welche Fans überraschen können. Um den Film in allen Belangen genießen zu können, sollte man also grob über die Welt Bescheid wissen.

Für absolute Laien könnte sich der Einstieg als schwierig erweisen. Zwar wird man zu Beginn nicht mit Namen und Exposition zugeschüttet, aber dennoch fehlt hin und wieder Hintergrundwissen, wie um die Macht von Gul'dan oder die Rolle von Magie in Azeroth. Meist kann man sich fehlende Informationen aber selbst erschließen - oder man nimmt manche Dinge, wie Gul'dans Kontrolle über die Portale einfach hin. Ein Vergleich: Wer mit den Andeutungen bei Mad Max: Fury Road gut leben konnte, der wird auch in Azeroth einigermaßen klarkommen.

Fazit

Trotz mancher kleiner Mängel ist Warcraft: The Beginning eine ziemlich überzeugende Videospielverfilmung geworden. Spannend, unterhaltsam, mit hervorragenden Spezialeffekten und glaubhaften Charakteren. Der Film überträgt das Azeroth aus den Spielen gekonnt auf die Leinwand und bietet High-Fantasy-Kino, wie es schon lange in dieser Reinheit nicht mehr zu sehen war.

Warcraft: The Beginning - Trailer deutsch / german HD

Teaser-Poster zu Warcraft
Originaltitel:
Warcraft
Kinostart:
26.05.16
Regie:
Duncan Jones
Drehbuch:
Charles Leavitt, Duncan Jones
Darsteller:
Ben Foster, Travis Fimmel, Paula Patton, Dominic Cooper, Toby Kebbell, Rob Kazinsky, Daniel Wu, Clancy Brown, Ben Schnetzer, Ruth Negga, Burkely Duffield, Daniel Cudmore, Callum Keith Rennie
Der erste Kontakt von Menschen Orks bildet die Grundlage der Computerspieleverfilmung von Warcraft.

Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.