Kritik zu Jason Bourne - Wacklig, aber spannend

Jason Bourne (Matt Damon) hat sein Gedächtnis wieder und lebt im Untergrund. Dort spürt ihn Nicky Parsons (Julia Stiles) auf. Sie hat Informationen über das Schicksal von Bournes Vater, der vor Jahren bei einem Anschlag starb. Parsons wird aber selbst von der CIA verfolgt, die nun wieder auf Bournes Spuren ist. Zusammen versuchen sie, den Verfolgern zu entkommen und das Geheimnis um Bournes Vater zu lüften.

Weniger James Bond, mehr John McClane (als er noch gut war)

Die zurückliegenden drei Filme um die Figur Jason Bourne (der Ableger Das Bourne Vermächtnis aus dem Jahr 2012 spielte "nur" im selben Universum) waren Agenten-Thriller, die realistischer als James Bond anmuten. Keine Schnurrbart zwirbelnden Superschurken, sondern halbwegs nachvollziehbare Charaktere, meist Teil einer US-Behörde. Keine realitätsfremden Stunts, sondern harte Faustkämpfe und kurze Feuergefechte. Keine geheimen Maschinengewehre in Fahrzeugen, sondern Autos von der Stange, die zu Bruch gefahren werden. Damit hatten die Bourne-Filme übrigens auch Einfluss auf das filmische Vorbild Bond: Ab Casino Royale orientierte sich das Bond-Team am Realismus von Die Bourne-Identität.

Damit bildeten die Bourne-Filme eine angenehme Abwechslung gegenüber den immer aufregender und hektischer werdenden Actionfilmen der heutigen Zeit, in denen nach alter Hollywoodtradition immer noch mehr kaputt gehen muss. Und auch wenn Jason Bourne ebenfalls nicht ohne seine spektakulären Stunts- und Hochgeschwindigkeitsszenen auskommt: Im Prinzip bleibt der Film seinem Stil treu.

Dabei versucht Jason Bourne bewusst, sich in der Gegenwart zu bewegen. So wird mehrmals der bekannte Whistleblower Edward Snowden erwähnt, der wie die Figur Jason Bourne die US-Geheimdienste durch seine Enthüllungen unter Druck gesetzt hat. Auch Griechenland wird nicht verschont: Dorthin verschlägt es Bourne und Parsons, während um die beiden herum die Demonstrationen gegen die griechische Regierung eskalieren. Diese Aktualität macht den Film greifbarer, zumal sich die Haltung der Gesellschaft zu CIA und NSA seit dem ersten Bourne-Film von 2002 ja tatsächlich grundlegend geändert haben. Daneben spielen auch noch die Verstrickungen des Silicon Valley mit den US-Behörden eine Rolle. Alles Szenarien also, die das Publikum zumindest ansatzweise kennt.

Doppelte Nähe, heimliche Heldin

Die Nähe zur Realität spiegelt sich auch in der Nähe zu den Figuren wider. Es ist nicht die abgenutzte Geschichte eines Einzelnen, der sich gegen eine gesichtslose, pauschal als Böse dargestellte Organisation (in diesem Fall die CIA) stellt. Vielmehr ist die Jagd nach Bourne ein persönliches Machtspiel der wichtigen Mitarbeiter der CIA. Das gibt den Figuren eine spannende Mehrdeutigkeit in ihren Motiven. Besonders macht sich dies bemerkbar im Charakter der Heather Lee (Alicia Vikander), deren Rolle zwischen machtversessener Bürokratin und verletzlicher, junger Frau angesetzt ist. Bis zuletzt wird das Publikum über die Motive dieser Figur im Unklaren gelassen - sie ist die eigentliche, heimliche Heldin des Films.

Der offensichtliche Held, Jason Bourne, geht dagegen fast unter in der Handlung. Zwar ist er trotz seiner abgeklungenen Amnesie wieder auf der Suche nach Antworten, im Drama der Handlungsfäden um seine Verfolgung sowie die Offenlegung einer CIA-Hintertür in einem populären Internetdienst (Stichwort Datenschutz) geht aber Bournes persönlicher Antrieb verloren. Wer also mehr über den Charakter des ehemaligen CIA-Auftragsmörders erfahren möchte, wird enttäuscht.

Unterbeleuchtet, aber nicht unterbelichtet

Trotzdem bietet der Film sehr solide Unterhaltung und eine spannende Geschichte, die mit kleinen Action-Höhepunkten aufwarten kann. Allerdings stören dabei die Kamera und der Schnitt. Denn wie schon in den Vorgängerfilmen setzt Jason Bourne viel auf eine dynamische, manche würden sagen wackelige, Kamera und viele Mikroschnitte. Was die Spannung in die Höhe treiben und den Realismus fühlbar machen soll, führt meist zu einer Desorientierung - vor allem bei den Verfolgungsjagden. Zuschauer, die zu Übelkeit oder Schwindel neigen, könnten daher Probleme mit dem Film bekommen. Vor allem die finale Konfrontation von Bourne mit seinem Häscher ist fragwürdig inszeniert: Nicht nur schnell geschnitten und mit Wackelkamera gefilmt, sondern auch noch schlecht beleuchtet.

Auch gibt es bisweilen kleine Logiklöcher. So bricht eine Keilerei zwischen Bourne und einem Kontakt relativ unmotiviert aus. Außerdem fällt auf, dass die Riege an Hackern und Sicherheitsspezialisten scheinbar jegliche grundlegenden Regeln im Bereich IT-Sicherheit verletzen. Darunter leidet die dichte Stimmung und die ansonsten gelungene Charakterzeichnung. Aber diese Kleinigkeiten verpuffen relativ schnell in der gekonnt erzählten Action des Films.

Fazit

Als Actionfilm ist Jason Bourne eine willkommene Abwechslung zu patriotischen und explosionsgefüllten Krawallfilmen. Spannend erzählt und mit aufregenden Szenen versehen, bietet der Film kurzweilige Unterhaltung. Lediglich die schnellen Schnitte und die wacklige Kamera fallen als großes Manko auf.

Jason Bourne 2016 Poster
Originaltitel:
Jason Bourne
Kinostart:
11.08.16
Regie:
Paul Greengrass
Drehbuch:
Paul Greengrass, Christopher Rouse
Darsteller:
Matt Damon, Julia Stiles, Alicia Vikander, Vincent Cassel, Tommy Lee Jones
Für den mittlerweile fünften Teil der Filmreihe kehren sowohl Hauptdarsteller Matt Damon als auch Regisseur Paul Greengrass zum Bourne-Franchise zurück.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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