Kritik zu NieR: Automata - Die Emotionen eines Androiden

Experimente werden in teuren Videospielproduktionen nur noch selten gemacht. Etablierte Marken verkaufen sich schließlich gut - ein großes Marketing-Budget erfüllt seinen Zweck meistens. Das neue Action-Rollenspiel NieR: Automata fällt daher umso mehr auf: Es mischt Genres, erzählt kryptische Geschichten und verheimlicht dem Spieler im ersten Spieldurchgang einen Großteil der Informationen.

Eigentlich dürfte NieR: Automata in der heutigen Videospiel-Industrie nicht existieren. Dem gefragten Studio Platinum Games wurde die Entwicklung eines Spieles anvertraut, dessen Vorgänger sich sehr schlecht verkauft hat. Sony und Publisher Square Enix sind eigentlich zu groß, um ein so waghalsiges finanzielles Risiko einzugehen. Und doch ist das Sequel zu NieR jetzt auf dem Markt - für Fans ein kleines Wunder.

Der Direktor Yoko Taro schreibt dieses Wunder den Fans zu. In den Jahren nach dem Release von NieR in 2010 wurde das Spiel in gewisser Weise Kult. NieR erzählte die Geschichte von einem Vater und seiner Tochter, die zu den letzten Menschen auf der Erde zählen und herausfinden, wie die moderne Zivilisation untergegangen ist. Die Fangemeinschaft wuchs dank der einzigartigen Erzählweise immer weiter und wurde nach vielen Jahren wohl doch noch von Führungskräften bei Square Enix erhört.

NieR battle
© Square Enix

Androiden gegen Maschinen und… Aliens?

Die Prämisse lässt jeden Sci-Fi-Fan aufhorchen: In vielen tausend Jahren beginnen Außerirdische mit riesigen Roboter-Armeen eine Invasion der Erde. Die Menschheit verliert den Krieg, und die letzten Überlebenden fliehen auf den Mond. Von dort aus schicken sie hochentwickelte Androiden auf die Erde und beginnen einen langen Stellvertreterkrieg.

Eines Tages wird der weibliche Android 2B in die zerstörte Welt geschickt, um eine neue Generation der Roboter zurückzuschlagen. Sie schließt sich Widerstandskämpfern an und entdeckt etwas Seltsames: Viele Roboter-Gruppen imitieren die Menschen des Altertums, empfinden echte Emotionen und wollen vom Kämpfen nichts hören.

Die darauffolgenden moralischen und philosophischen  Fragen bestimmen den Rest des Spiels. Für was kämpfen Maschinen? Wenn Roboter menschliche Eigenschaften übernehmen, was macht dann den Menschen aus? Und welchen Wert hat der Tod für unsterbliche Wesen?

NieR: Automata erzählt das alles in einem sehr eigenen Tempo. Wer das Spiel einmal durchspielt, erfährt in den sieben Stunden die Grundlagen und erlebt ein normal gestricktes Abenteuer. Mit dem fertigen Spielstand kann der Spieler noch weitere Male die Geschichte erleben. Je länger gespielt wird, desto mehr ändern sich Detail und Zwischensequenzen. Im zweiten Durchgang wechselt der Protagonist, im Dritten bietet sich eine gänzlich neue Perspektive auf die Geschehnisse.

NieR landscape
© Square Enix

Kämpfen, fliegen, hacken und lesen

Das Gameplay war einer der größten Kritikpunkte des ersten Teils. Viele Spieler konnten sich einfach nicht mit dem Kampfsystem anfreunden. Das ändert sich nun massiv. Dank des neuen Studios kämpft es sich nun besser als in der Konkurrenz. Platinum Games ist bekannt für einige der besten Actiontitel der letzten Zeit, NieR: Automata ist keine Ausnahme.

Den Großteil des Kriegs bestreitet der Spieler traditionell auf dem Boden. Die spielbaren Androiden sind mit Nahkampfwaffen wie Schwertern und Lanzen bewaffnet, welche in verschiedenen Combos ganze Armeen von Robotern auseinandernehmen können. Dazu erhält der Spieler Unterstützung von kleinen, fliegenden Robotern, genannt Pods. Diese ersetzen Fernkampfwaffen und schießen Energiekugeln in sehr schneller Abfolge.

Auch die gegnerischen Maschinen haben diese Kugeln in ihrem Arsenal, dann ändert das Spiel die Sicht automatisch in die Vogelperspektive, und man muss hunderten Kugeln auf einmal ausweichen. Dafür haben die Androiden zum Glück fliegende Untersätze, womit sie diese Aufgabe mit Bravour absolvieren können. So ähnlich spielen sich auch die Hacking-Abschnitte, wo andere Programme und Firewalls abgeschossen werden müssen.

NieR hat jedoch auch weitere Überraschungen parat: Wie im Vorgänger wechseln die Genres immer wieder je nach Situation. In großen Gebäuden sieht die Kamera nur den Querschnitt und ist wie in einem klassischen Castlevania nicht mehr beweglich. Steht die Geschichte im Vordergrund, wird NieR manchmal sogar zum Text-Abenteuer ganz ohne Grafiken, wie die frühesten aller Videospiele. Das mag alles etwas verrückt klingen, ist aber wie in einem guten Film darauf ausgelegt, perfekt die gewollte Botschaft zu übermitteln.

Fazit

Das Sequel zu NieR macht alles richtig. Die Kritikpunkte aus dem ersten Teil wurden behoben. Wer sich nun auf mehrere Spieldurchgänge einlassen kann, erlebt mehr als in ordinären Videospielen: NieR überschreitet die Grenzen des Genres bewusst und beeindruckend geschickt.

NieR: Automata erscheint am 10. März für die Playstation 4 und am 17. März für den PC.

NieR: Automata - E3 2016 Trailer | PS4

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