Wenn John Sinclair nicht vor Ort ist – Gruselhörspiele ohne Geisterjäger

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Geister-Schocker

In Deutschland wird der Hörspielmarkt von Jugendkrimiserien wie Die drei ???, TKKG und Die Fünf Freunde dominiert. Besonders die drei Detektive Justus, Peter und Bob haben eine sehr treue und längst erwachsen gewordene Fangemeinde. Nur im Horrorbereich können Geisterjäger wie Larry Brent und vor allen John Sinclair an die Popularität der Teenager-Detektive ansatzweise herankommen.

John Sinclair kommt mit der Edition 2000 und den Sinclair Classics momentan auf rund 150 Folgen. Zudem werden auch die alten Folgen aus den Tonstudio-Braun-Zeiten wieder aufgelegt. Der Gelegenheitshörer kann da schnell den Überblick verlieren. Als Alternative gibt es vier Gruselhörspielreihen, die in sich abgeschlossen Folgen ohne immer wiederkehrenden Geisterjäger herausbringen.

Geister-Schocker

Die Geister-Schocker werden vom Label Romantruhe Audio herausgegeben. Ein Großteil der Hörspiele der Reihe sind Adaptionen von Romanheften aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Die Geschichten stammen unter anderen aus der Feder von Wolfgang Hohlbein, Jason Dark, A. F. Morland, Bob Collins und Earl Warren. Dazwischen gibt es immer wieder Folgen mit neuen Autoren. So hat Markus Winter, der Produzent der Reihe von 2009 bis 2012, neben diversen Dialogbüchern auf Basis der Vorlagen auch eigene Geister-Schocker-Hörspiele wie zum Beispiel Die Geliebte der Bestie selbst verfasst.

Die inhaltliche Bandbreite reicht von klassischen Horrorgeschichten über Geister, Dämonen und Werwölfe bis zu Ausflügen in die Science-Fiction wie in den Folgen Der Götze vom anderen Stern oder Experiment des Wahnsinns. Manche Folgen orientieren sich deutlich an berühmten Filmklassikern. So weist zum Beispiel die sechste Folge Der Satansorden von Chalderon große Parallelen zum spanischen Horrorfilm Die Nacht der reitenden Leichen auf.

Einige Folgen kommen inhaltlich nicht über das Niveau von B-Movies hinaus – aber dieser Trash ist dennoch gut produzierter Trash. Denn in der Umsetzung können auch viele Hörspiele überzeugen, die als Film eine Heimat im Spätprogramm von Tele 5 gefunden hätten. Das liegt zum einem an der guten technischen Realisierung und vor allem an den professionellen Sprechern, die den Hörer oft durch eine dünne und manchmal recht unrealistische Story tragen.

Zu hören sind in den unterschiedlichen Hörspielen unter anderem Lutz Riedel (Jan Tenner), Eckhart Dux (Synchronsprecher von Ian McKellen in der Hobbit-Trilogie), Rainer Schmidt (Larry Brent), Marie Bierstedt (Synchronsprecherin von Kirsten Dunst) und Christian Rode (Synchronsprecher von Christopher Lee). In den ersten Folgen übernimmt zudem Karl-Heinz Tafel (John Sinclair) die Rolle des Erzählers.

Dem Trash-Faktor werden auch die Titelbilder der CDs gerecht, die den Charme alter Romanhefte versprühen, aber extra für die Geister-Schocker-Serie angefertigt wurden. Die Booklets enthalten neben Informationen zu den Sprechern auch eine kurze Vorstellung des jeweiligen Cover-Künstlers. Lobend erwähnen muss man die Booklets der ersten Folgen, welche zusätzlich noch Informationen zur Herkunft der Geschichte, Kurzgeschichten, Comics sowie einen kurzen Abriss der Geschichte der Gruselromanhefte in mehreren Teilen enthielten.

Die einzelnen Folgen sind zwar in sich abgeschlossen, trotzdem haben sich nach und nach Serienhelden in die Reihe hinein geschlichen. Seit 2011 ermittelt der Dämonenjäger Malcolm Max innerhalb der Geister-Schocker-Serie. Außerdem treten wiederholt Alan Demore – Ritter des Lichts und Christoph Schwarz – Detektiv des Übersinnlichen auf. Zuletzt gab Geisterdetektiv Rick Masters in der Folge Turm des Schreckens in der Reihe seinen Einstand.

Mit der CD Kalter Tod durch heiße Flocken sind momentan 71 Geister-Schocker-Folgen erschienen. Allerdings veröffentlicht Romantruhe Audio seit 2015 einige Sonderfolgen exklusiv ohne Nummerierung auf Vinyl. Die drei bisher erschienen Schallplatten stammen aus der Feder von Markus Topf und drehen sich um eine weltweite Zombie-Apokalypse.

Dreamland-Grusel

Die Hörspiel-Reihe Dreamland-Grusel aus dem Hause Dreamland Productions gibt es seit 2005. Die Serie versteht sich als Hommage an die Neon-Gruselserie von H.G. Francis. Ab 1981 erschienen beim Hörspiellabel Europa 18 Folgen. Die Dialogbücher hierzu verfasste H.G. Franics (Commander Perkins, Masters of the Universe). Zum Bedauern vieler Fans wurde Die Gruselserie 1982 ohne Begründung eingestellt.

Zu Beginn der Dreamland-Grusel-Reihe gibt es einige direkte Fortsetzungen (Wolfsnächte und Draculas Todesinsel) beziehungsweise Prequels (Kap der blutigen Nächte) zu den Hörspielen von H. G. Francis. Außerdem hat man mit Kampf der Vampire und Tödliche Knochenhände auch alte Heftromane aus der Feder des Autors vertont.

Aber wie bei den Geister-Schocker-Hörspielen greift man auch bei Dreamland-Grusel gerne auf ältere Heftromane von A. F. Morland oder Earl Warren zurück. Zudem schreiben verschiedene moderne Autoren an der Serie mit.

Zunächst treten in den Hörspielen klassische Monster wie Werwölfe und Vampire auf. Später bekommen auch Weltraummonster, Killerhaie und Mörderpuppen ihre Auftritte. Auch Variationen, Anspielungen und Weiterführungen bekannter Filmstoffe, Computerspiele und anderer Achtziger-Jahre-Hörspiele haben in der Reihe ihren festen Platz gefunden.

So ist die Folge Todesfalle Seytan-Log eine Hommage an die Folge Das Weltraum-Monster von H. G. Franics, die ihrerseits eine Hörspielversion von Ridley Scotts Alien war. Für die Folge hat Dreamland Productions zudem die noch aktiven Sprecher der Science-Fiction-Abenteuer-Serie Jan Tenner versammelt.

Die Folge Die Stadt der Toten ist unschwer als Hörspielversion und teilweise Parodie des Computerspiels Resident Evil zu erkennen. Und die Episode Im Bann der Teufelskrähe erweckt für eine Folge die Jugendkrimiserie Tom und Locke von TKKG-Erfinder Stefan Wolf wieder zum Leben.

Auch die Dreamland-Grusel-Reihe kann mit Oliver Rohrbeck (Die drei ???), Lutz Mackensy (Erzähler Die Fünf Freunde) oder Sascha Draeger (TKKG) professionelle Hörspielsprecher vorweisen. Allerdings sind in der Reihe ab und an auch Sprecher zu hören, deren Leistung, im Vergleich zu denen der Profis, merklich abfällt.

Die Musik von Tom Steinbrecher und Andreas Max klingt sehr nach der Vorlage der Gruselserie. Auch die Titelbilder orientieren sich an den pinken und grünen Covern der Neonserie, ohne diese plump zu kopieren. Die entweder roten oder blauen Cover vermitteln mit ihren stilisierten Bildern einen weniger trashigen Eindruck der Serie, als dies bei den Geister-Schocker-Hörspielen der Fall ist.

Mit der Folge Zeit der Angst von Evelyn R. Boyd und Thomas Birker sind bist Herbst 2017 dreißig Folgen erschienen.

Gespenster-Krimi

Gespenster-Krimi war ursprünglich der Name einer Heftromanserie, die in den Siebzigerjahren im Bastei-Verlag erschien. Die erste Heftausgabe aus dem Jahr 1973 enthielt die Geschichte Die Nacht des Hexers von Jason Dark. Dabei handelte es sich um den ersten Auftritt des Geisterjägers John Sinclair.

Ein weiterer bekannter Autor innerhalb der Heftromanreihe war Wolfgang Hohlbein, der seinen Hexer-Zyklus dort startete. Viele Romane, die ursprünglich innerhalb der Gespenster-Krimi-Romane veröffentlicht wurden, vertonten bereits andere Hörspielreihen – wie zum Beispiel John Sinclair Classics, Tony Ballard, Geister-Schocker und Dreamland Grusel.

Zu Beginn der 2000er Jahre gab es eine erste Hörspielserie unter dem Titel Gespenster-Krimi. Herausgeber war das Label Lübbe-Audio, das wie Bastei zur Verlagsgruppe Lübbe gehört. Vertont wurden hier die alten Gespenster-Krimi-Geschichten, wie Wolfgang Hohlbeins Roman Als der Meister starb. Die Serie wurde nach wenigen Folgen nicht fortgeführt.

Seit 2014 bringt das Label Contendo Media die Hörspielreihe Gespenster-Krimi neu heraus. Man orientiert sich an den alten Gespenster-Krimi-Heften, wobei auch hier neue Geschichten extra für die Serie verfasst werden. Zudem werden auch andere Romanheftreihen als Vorlage genutzt. Die Folge Das Gruselkabinett von Earl Warren stammt zum Beispiel aus der Gruselheftreihe Vampir-Horror-Roman.

Inhaltlich reicht das Spektrum von Fantasy-Horror wie in der ersten Folgen Mörderbäume bis zum Slasher in der Folge Der Präparator. In der achten Episode schlägt Die Blutbestie zum ersten Mal zu, bevor sie in den Folgen 10 und 13 zurückkehrt. Die Geschichten rund um die Blutbestie bilden bisher das einzige wiederkehrende Elemente innerhalb der Reihe.

Das Cover ist in der violetten Farbgebung an die alte Heftserie angelehnt, nur die Zinnen des alten Bastei-Logos fehlen im Titel. Die Coverbilder wirken ein wenig moderner, passen sich aber dennoch gut den gruseligen nostalgischen Trash-Charme der Vorlagen an.

Als Sprecher sind auch hier viele bekannte Synchron- und Hörspielsprecher mit dabei – unter anderen Jürgen Thormann (Synchronstimme von Michael Caine), Hartmut Neugebauer (Synchronstimme von Robbie Coltrane), Christine Pappert (Synchronstimme von Leah Remini in der Serie King of Queens) und Volker Brandt (Synchronstimme von Michael Douglas).

In der Gespenster-Krimi-Reihe sind bisher 14 Folgen erschienen.

Gruselkabinett

Anders als die drei oben angeführten Hörspiel-Reihen greift das Label Titania Medien für seine Serie Gruselkabinett nicht auf Romanhefte oder eigene Ideen zurück. Hier vertont man klassische Schauergeschichten von berühmten Autoren wie Edgar Allan Poe, Arthur Conane Doyle, Victor Hugo, Bram Stoker oder H. P. Lovecraft.

Aber nicht nur die großen Romane wie Dracula oder Frankenstein wurde für die Hörspielreihe adaptiert. Daneben wurde auf viele Kurzgeschichten von bekannteren und unbekannteren Autoren zurückgegriffen. So gibt es auch Hörspiele, die auf Vorlagen von heute fast vergessenen Autoren wie Hanns Heinz Ewers oder Willy Seidel basieren.

Mit Jules Verne und H. G. Wells sind auch zwei Vertreter der frühen Science-Fiction innerhalb der Serie vertreten. Das aktuellste Werk, welches innerhalb der Gruselkabinett-Reihe vertont wurde, dürfte bislang das zweiteilige Hörspiel Spuk in Hill House nach einem Roman von Shirley Jackson sein, welcher 1959 erschien.

Auch in der Reihe Gruselkabinett wirken viele bekannte Sprecher wie Arianne Borbach (Synchronstimme von Catherine Zeta-Jones), David Nathan (Synchronstimme von Johnny Depp), Joachim Tennstedt (Synchronstimme von John Malkovich), Detlef Bierstedt (Synchronstimme von George Clooney) oder Regina Lemnitz (Synchronstimme von Whoopi Goldberg) mit. Insgesamt ist die Serie auf einem guten Niveau produziert.

Der Trash- und somit auch ein wenig der Spaß-Faktor fällt aufgrund der Vorlagen deutlich geringer aus. Allerdings wirkt, vom Covermotiv über die Musik bis zu den Dialogen, alles auch ein wenig gediegen und altmodisch. Viele Horrorklassiker sind nicht auf Action und Schockeffekte angelegt. Dies merkt man auch der Reihe insgesamt an.

Aktuell sind mit der Adaption der Kurzgeschichte Die Fakten im Fall Valdemar von Edgar Allan Poe 127 Folgen der Reihe erschienen.

Nicht unerwähnt bleiben soll die Reihe The Border von Oliver Döring (John Sinclair Edition 2000), von der es bislang nur drei Folgen gibt. Die in sich abgeschlossenen Episoden reichen inhaltlich vom Thema Gentechnik (Der Weg in die Hölle) bis zu einem Found-Footage-Horrorhörspiel (Der Ungebetene).

Und wer nach all diesen Hörspielen den Einstieg in eine der langlebigen Serie mit einem Geisterjäger sucht, dem sei die John-Sinclair-Folge Der Anfang empfohlen. Basierend auf dem allerersten Sinclair-Romanheft aus der Feder von Jason Dark, wird die erste Begegnung des späteren Geisterjägers mit den Übernatürlichen erzählt. Eine Folge, die in sich abgeschlossen ist und auch ohne Vorwissen funktioniert.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Romantruhe Audio, © Dreamland Productions, © Contendo Media, © Titania Medien

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