Ewige Blumenkraft - Kritik zu Das Zeiträtsel

Wie baut man sich den perfekten Disneyfilm? Man nehme eine ans Herz gehende Familiengeschichte, ein tragisches Ereignis, ein paar mysteriöse Mächte, einen mutigen Aufbruch und eine universelle Botschaft (Spoiler: Liebe. Denn die Liebe besiegt alles!) - und schon ist der nächste Megahit geboren. Wieso um alles in der Welt geht dann bei Das Zeiträtsel nichts, aber auch gar nichts davon auf?

Die gerade heftig pubertierende Meg (Storm Reid, 12 Years a Slave) wird in ihrer Schule gemobbt, weil sie hochintelligent ist. Sie kommt ganz nach ihrem Vater Alex (Chris Pine), der ein erfolgreicher Wissenschaftler ist. Zusammen mit Megs Mutter Kate (Gugu Mbatha-Raw aus The Cloverfield Paradox) forscht er an einer Möglichkeit, durch Zeit und Raum zu reisen und verschwindet eines Tages spurlos. Meg und ihr nicht minder intelligenter kleiner Bruder Charles Wallace (Deric McCabe) leiden sehr unter diesem Verlust. Doch die Ereignisse kommen ins Rollen, als eines Abends die etwas weltfremde Mrs. Whatsit (Reese Witherspoon) im Haus der Familie auftaucht. Sie stellt sich als himmlische Wächterin vor und will Meg und Charles Wallace helfen, ihren Vater zu finden. Dafür müssen die Geschwister auf einen anderen Planeten in eine andere Dimension reisen und jede Menge Gefahren und Zweifel abwehren. Doch Mrs. Whatsit sowie ihre himmlischen Kolleginnen Mrs. Who (Mindy Kaling) und Mrs. Which (Oprah Winfrey) stehen den Kindern dabei zur Seite.

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A wrinkle in Time

Narnia auf Droge?

Wie bei so vielen Young-Adult-Filmen der letzten Monate handelt es sich auch bei Das Zeiträtsel um einen US-amerikanischen Kinderbuchklassiker. Der Fantasyroman von Madeleine L'Engle stammt aus dem Jahr 1962, also direkt zu Beginn der wilden Zeit zwischen Drogenexperimenten, Hippietum und der quasireligiösen Frage, was das Leben eigentlich bestimmt. Auch war es zu dieser Zeit noch recht ungewöhnlich, ein Mädchen als Hauptfigur einzusetzen, weshalb sich die Autorin mehrere Abfuhren bei Verlagen abholte, bevor das Buch schließlich zu einem der bekanntesten Werke der vergangenen Jahrzehnte avancierte.

Mit all diesen Motiven im Hintergrund müsste Das Zeiträtsel eigentlich spannende Protagonisten aufweisen, die sich tiefergehende Fragen über das Sein stellen. Dummerweise ist das hier leider so gar nicht der Fall. Stattdessen kommt Das Zeiträtsel als überzuckerte Elegie mit esoterischem Nachgeschmack daher. Die Geschichte wirkt alles in allem wie eine eher unmotivierte Kopie der (ebenso christlich angehauchten) Chroniken von Narnia, nur eben etwas bunter. Ach was: Um Faktor zehn bunter. Denn sowohl die Zeitreisen selbst als auch die Szenerie auf den fremden Planeten, auf denen der verschwundene Vater zu suchen ist, wirken leider eher wie der klassische Windows-Bildschirmschoner mit Farbwechsel und Zufalls-Bildersuche von bunten Blumenfeldern.

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A wrinkle in Time

Der laaaaange Weg nach Camazotz

Es werden zwar während der Reise der Kinder einige Schauwerte geboten, die aber ziemlich langatmig inszeniert werden und im Drehbuch eher ungelenk daher kommen. Was es beispielsweise mit der Fähigkeit auf sich hat, dass sich Mrs. Whatsit in eine riesige, fliegende Pflanze verwandeln kann, oder dass sich Mrs. Who permanent in der Körpergröße vertut, wird dabei zu keinem Moment erklärt, außer: Weil sie es können. Der Auftritt von Zach Galifianakis als Happy Medium, einer Art spirituellem Leiter, ist nichts anderes als albern zu nennen und die Rolle von Chris Pine als Gefangener auf dem Planeten Camazotz ist absolut verschenkt. Auch bekommen weder Winfrey (die zudem bereits in deutlich anspruchsvolleren Filmen wie Die Farbe Lila mitgewirkt hat) noch Kaling jemals wirklich irgendetwas zu tun.

Die Kinderdarsteller hingegen machen ihre Sache dagegen soweit ganz gut. Storm Reid spielt die verschreckte, schüchterne und deutlich trauernde Meg recht überzeugend. Deric McCabe spielt Charles Wallace zunächst etwas steif, in einer der entscheidenden Szenen kann er jedoch schauspielerisch auftrumpfen. Schade, dass Das Zeiträtsel sich nicht auf seine Kinderdarsteller verlässt, sondern eher auf seine Erwachsenen, den zuckrigen Soundtrack und die traumähnlichen Landschaften setzt.

Auch ist nicht ganz klar, für wen der Film nun eigentlich gemacht ist. Erwachsene dürften jede Wendung meilenweit gegen den Wind riechen, die übertrieben gefühlsduselige Botschaft nervt bereits nach der Anfangsszene. Andererseits ist schwer vorstellbar, dass sich die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder knapp zwei Stunden lang in den langatmig geratenen Szenen lang genug aufrechterhalten lässt, um bis zum Finale durchzuhalten.

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A wrinkle in Time

Vielleicht muss man mit der Geschichte um die abenteuerliche Suche aufgewachsen sein, um am Thema Gefallen zu finden - für alle, die neu in dem Stoff sind, wirkt das Ganze jedoch eher wie ein bemühter Versuch, die Fragen nach Sinn und Ziel des Lebens und Vergehens, die bereits von Sci-Fi-Serie wie Doctor Who aufgegriffen worden sind, auf gefühlige Kinderlogik zurechtzustutzen. Dass sich hierbei immer wieder auf magische Elemente verlassen wird, während permanent betont wird, dass auch die Wissenschaft Teil der Schöpfung ist, macht das Ganze dann leider etwas beliebig.

Fazit

Das Zeiträtsel ist ein erneuter Versuch, Young-Adult-Themen auf die Leinwand zu übersetzen. Leider können nur die beiden Geschwister-Darsteller wirklich überzeugen, der Rest des Casts wirkt etwas fehl am Platze. Der Zuschauer bekommt eine gefühlsduselige Botschaft mit dem Holzhammer eingebläut. Der Gang ins Kino lohnt hier eher nicht, denn das hat Disney schon besser hinbekommen.

DAS ZEITRÄTSEL // Der erste Trailer | Disney HD

A Wrinkle in Time Official US Trailer

Poster zu Disneys A Wrinkle in Time
Originaltitel:
A Wrinkle in Time
Kinostart:
05.04.18
Regie:
Ava DuVernay
Drehbuch:
Jennifer Lee
Darsteller:
Oprah Winfrey, Reese Witherspoon, Mindy Kaling, Gugu Mbatha-Raw, Michael Peña, Storm Reid, Zach Galifianakis, Levi Miller
In der Romanverfilmung von Madeleine L’Engle verschlägt es die Geschwister Meg Murry und Charles auf eine Reise durch Raum, Zeit und Dimensionen.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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