Kritik zu Aquaman - Der mit dem Fisch spricht

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Aquaman

Arthur Curry, Sohn von Leuchtturmwärter Tom (Temuera Morrison, Star Wars Episode II) und der Atlantisbewohnerin Atlanna (Nicole Kidman), entdeckt, dass er mit Fischen kommunizieren kann. Außerdem verfügt er noch über weitere ungewöhnliche Kräfte: Er kann unter Wasser extrem schnell schwimmen, ist übermenschlich stark und auch an Land recht flott unterwegs. Nachdem seine Mutter die Familie verlassen musste, um nach Atlantis zurückzukehren, hat sich Arthur von einer möglichen Zukunft als König von Atlantis abgewendet.

Eines Tages sucht ihn jedoch die Rebellin Mera (Amber Heard, Zombieland, The Danish Girl) auf. Sie will ihn dazu bringen, seinem Halbbruder Orm (Patrick Wilson, Conjuring, Watchmen) entgegenzutreten. Dieser droht nämlich, die sieben Königreiche der Unterwasserwelt zusammenzuschließen, und mit ihnen gegen die Menschen auf dem Land Krieg zu führen. Zusammen mit seinem ehemaligen Ausbilder Vulko (Willem Dafoe) tritt Aquaman Orm entgegen, um das Schlimmste zu verhindern ...

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Ja, ich gestehe: Ich habe Justice League aus dem Jahr 2017 nicht gesehen. Nach allem, was man hinterher hören und lesen durfte, scheine ich hierbei auch nicht viel verpasst zu haben. Vorteil 1: Mir sind einige Logiklöcher, die in Verbindung zu dem neuen Solo-Film aufgetaucht zu sein scheinen, erspart geblieben. Auf diese wird daher in diesem Text nicht eingegangen. Vorteil 2: Ich durfte Jason Momoas Auftritt völlig frisch und unverbraucht genießen. Und das lohnt sich tatsächlich: Der Game-of-Thrones-Star hat als Meereskönig und sich selbst findender Superheld eindeutig großen Spaß an seiner Rolle. Kleinere Szenen gab es bereits in den Vorab-Trailern zu sehen.

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Und natürlich gibt es auch was zu Gucken. Mit Metal-Matte, Bart und durchtrainiertem, meist nacktem Oberkörper bietet der ironisch grinsende Meeresmann FreundInnen von nicht so zahmen Milchbubis genügend Schauwerte. Das weiß auch die Kamera. Hier wird mit ikonischen Nahaufnahmen und heldenhaften Inszenierungen genügend gespielt, um dem überdrehten Comic-Flair der Geschichte gerecht zu werden. Gerade in der ersten Filmhälfte  wird Aquaman so überzeichnet heroisch in Szene gesetzt, dass man sich an Meta-Superhelden á la Deadpool erinnert fühlt. Jason Momoa nimmt sich also in seiner Rolle als Fisch-Botschafter nicht allzu ernst - und das ist auch gut so.

Dem DC-Spektakel fehlt es nämlich an einigen Stellen bedauerlicherweise an dem Witz, den der Zuschauer bei Marvel-Verfilmungen geradezu voraussetzt. Momoa allein kann das leider nicht ganz auffangen. Allzu oft versandet eine Pointe im (Meeres)-Sand. Amber Heard als Leinwandpartnerin ist hier vielleicht nicht unbedingt die beste Wahl. Zwar passen die beiden optisch recht gut in die Comic-Welt, zwischen ihnen knistert es auch ein paar mal einigermaßen glaubhaft.

Doch nicht nur bekommt die Frauenrolle (mal wieder) sehr wenig zu tun, sondern kann auch in den Disputen mit dem Meereskönig nicht gerade glänzen. Ob dies nun an Heards schauspielerischen Fähigkeiten liegt, muss dahingestellt bleiben. Denn auch in Szenen, in denen sie nicht vorkommt, sind die Dialoge schmerzhaft platt. Hier wird der qualitative Unterschied zwischen Marvel und DC leider doch wieder offenbar. Selbst ein sonst so makellos schauspielernder Willem Dafoe bekommt nur dümmliche Satzergänzungen hingeworfen, während er versucht, mit so viel Stolz wie möglich durch die bunte Wasserwelt zu schweben. Und das ist gar nicht so einfach.

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Optik statt Drehbuch: Bunte Fische und Kriegs-Seepferdchen

Auch die Haupt-Bösewichte Orm und der alternde König Nereus (Dolph Lundgren) kommen bei dem Drehbuch trotz der relativ langen Laufzeit von 139 Minuten leider etwas zu kurz. So lernt der Zuschauer nie die wirkliche Motivation der Unterwasser-Feinde von Aquaman kennen. Stattdessen folgt Kampf auf Kampf, die von ein paar markigen Sprüchen eingeleitet werden. Und mit den insgesamt sieben Reichen, die erst einmal übernommen werden sollen, sind es viele Kämpfe, sehr, sehr viele. Ein typisches DC-Actionspektakel also.

Schade, dass sich Regisseur James Wan (Saw-Reihe) nicht dazu entschieden hat, aus der Vorgeschichte zu Aquaman einen reinen Spaßfilm zu machen. So ist das Spektakel dann leider fast nur in Sachen Optik empfehlenswert. Hier macht die CGI-Abteilung ihre Sache tatsächlich außerordentlich gut. Die Figuren schweben und rauschen durch die Unterwasserwelt, auch das passende Sounddesign mit entsprechendem Geblubber wird nicht vergessen. Mit bunten Fischen und kreativen Einfällen wie Seepferdchen, die (natürlich!) zu einer Kriegs-Reiterstaffel aufgezäumt werden, gibt es hier sogar ein paar Extrapunkte. Wahrscheinlich sahen Meereskönigreiche nie so gut aus wie in Aquaman.

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Doch was nützt das, wenn das Drehbuch zum wiederholten Male mit einer verbrauchten  Excalibur-Parallele um Neptuns Dreizack um die Ecke kommt? Der zähnefletschende, hasserfüllte Halbbruder hatte nie den Hauch einer Chance auf den Thron. Das ahnen nicht nur Zuschauer von Justice League. Das wissen alle, die Jason Momoa in der ersten Einstellung gesehen haben. An der Integrität eines Aquaman hat auch vorher nie jemand gezweifelt. An der tieferen Sinnhaftigkeit dieses Films allerdings schon.

Fazit

Zwar kann das Drehbuch von Aquaman leider nicht mit den Erwartungen mithalten, die durch die knackigen Trailer geschürt worden sind. Die Unterwasserwelt jedoch sieht richtig gut aus. Das neue DC-Werk ist absolut kein Muss, und auf die Dialoge sollte man aus Selbstschutz-Gründen gar nicht achten. Auch die Logik sollte man besser hintanstellen. Für gute zweieinhalb Stunden dürften Fans des sehr gut aufgelegten Hauptdarsteller durchaus ihren Spaß haben. Alle anderen dürfen den Film aber ruhig an sich vorbeiplätschern lassen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Warner Bros.
Aquaman
Originaltitel:
Aquaman
Kinostart:
20.12.18
Regie:
James Wan
Drehbuch:
Will Beall, David Leslie Johnson, Kurt Johnstad
Darsteller:
Jason Momoa (Aquaman), Amber Herd (Mera), Patrick Wilson (Orm), Willem Dafoe (Vulko)
Jason Momoa ist Aquaman, der König von Atlantis.

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