DC-Comic-Kritik zu Aquaman 3 - 5

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Aquaman

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Die Flut

Die Flut markiert das erste kleine Finale innerhalb von Dan Abnetts Aquaman-Run: Es kommt zu einem politischen Showdown zwischen Atlantis und den USA, und die ominöse dritte Partei, die diesen schon lange existenten Konflikt erst hat eskalieren lassen, tut weiterhin alles dafür, dass es zu einem großen Knall kommt.

Wie treue Fans bereits wissen, war es die Geheimorganisation NEMO (Nautical Enforcement of Macrocosmic Order), die mittlerweile von Black Manta, dem Erzfeind des bekanntesten Dreizackschwingers (neben König Triton vielleicht) geführt wird, die diese militärische Auseinandersetzung zwischen Land- und Meeresbewohnern heraufbeschworen hat. Diejenigen, die an die Existenz einer unbekannten Größe, die aus dem Hintergrund die Fäden zieht, von der der König von Atlantis fest überzeugt ist, glauben, werden mit der Zeit immer weniger, sodass bald nur noch seine engsten Vertrauten und natürlich seine große Liebe Mera bedingungslos hinter ihm stehen.

Das Justice-League-Mitglied muss so gesehen an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen und sich förmlich zerreißen. Er bleibt sich und seinen Prinzipien dabei bis zum Ende treu. Der Preis, den er dafür bezahlt, ist allerdings hoch, wie er noch früh genug erkennen wird. Es kommt zu einer Art Lauf gegen die Zeit, der ganz im Sinne der Leserschaft sein dürfte, weil der Inhalt der Einzelheftausgaben 10 bis 15 wirklich spannend und das Ende nur bedingt vorhersehbar ist - ein echter Politthriller eben (sogar mit “Gastauftritten“ von Barack Obama).

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Tethys

Wer nun dachte, nach einem solch kräftezehrenden XXL-Abenteuer würde Abnett seinem Protagonisten eine Verschnaufpause gönnen, der irrt. Wobei: Tethys enthält zwei abgeschlossene Geschichten, und der Beginn der ersten erweckt zunächst zumindest den Anschein, dass es für den berühmtesten Atlanter, den die Welt je gesehen hat, auf absehbare Zeit etwas ruhiger zugehen könnte.

Gemeinsam mit einigen seiner Untertanen hilft er den Einwohnern seiner zweiten Heimat (Amnesty Bay) dabei, ihre Stadt, die bei den militärischen Auseinandersetzungen der jüngeren Vergangenheit schwer zu Schaden gekommen war, wiederaufzubauen. Doch selbstverständlich ist diese Phase in mehrerlei Hinsicht nur die Ruhe vor dem Sturm. Dieser zieht auf, als der gefährliche Warhead die Bühne betritt. Er beherrscht die sogenannte Technokinese (vergleichbar mit Arthurs Aquakinese) und ist dadurch dazu in der Lage, Menschen zu seinen Marionetten zu machen und sie zu kontrollieren. Wie und ob es dem Helden dieses Comics gelingt, die Opfer des “Puppenspielers“ vor ebendiesem zu retten und die von ihm ausgehende Gefahr abzuwenden, ist hier jedoch eigentlich nur von sekundärer Bedeutung. Warum dem so ist, wird erst nach und nach offenkundig - und ganz besonders in der zweiten, für sich stehenden Story.

Alles fängt damit an, dass ihn ein Mitglied der Aquamarines, einer Sondereinsatztruppe mit enormen Kräften, die den Herrscher der Meere vor Kurzem noch eliminieren sollte, aufsucht und um Hilfe bittet. Selbstredend sagt er direkt zu und ist sich in diesem Moment der Symbolwirkung dieser Mission gar nicht bewusst. Genau genommen hat er die Oberflächenbevölkerung der atlantischen damit nämlich mindestens zwei Mal vorgezogen, und das ohne echte Rücksprache mit seinen Gefolgsleuten und Beratern. Dies rückt vorerst in den Hintergrund, da besagter Einsatz für den Hochgeschwindigkeitsschwimmer nun Vorrang genießt.

Wie mehr und mehr deutlich wird, erzählt der britische Autor, der ebenfalls für die packende Titans-Reihe unter dem Rebirth-Banner verantwortlich zeichnete, diesmal eine Geschichte, die man wohl am ehesten dem Horrorfach zuordnen würde. Denn Aquaman bekommt es erneut mit Dead Water zu tun, der mutmaßlich schaurigsten Erscheinung aus seiner Rogues‘ Gallery. Eingeführt wurde die Figur noch in den letzten Zügen der The-New-52-Ära, in denen Dan Abnett schon das Zepter übernommen hatte. Wie er dem angsteinflößenden Wesen aber zu einem Comeback verhilft, wie sich das Ganze wunderbar in die bisherige Gesamthandlung einfügt und wie vor allem damit wiederum künftige Ereignisse vorbereitet werden, nötigt einem Außenstehenden zweifellos Respekt ab.

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Unterwelt

Im fünften Band stehen die Folgen von Arthur Currys Handlungen im Fokus. Die, die stets zu ihm gestanden haben, sind klar in der Minderheit und seinen Kritikern ist es gelungen, den Großteil seines Königreichs auf ihre Seite zu ziehen. Wenn der Thron von Atlantis so häufig unbesetzt ist und derjenige, für den doch die Atlanter an erster Stelle stehen sollten, so häufig mit den Luftatmern zusammenarbeitet, sorgt das natürlich für Unzufriedenheit. Als sich dann zudem die Meldung - ohne den entsprechenden Kontext - verbreitet, dass der Konflikt mit den USA beigelegt wurde, indem sich ihr Oberhaupt schlicht ergeben hat, ist das für die meisten Unterwasser-Bewohner der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Die logische Konsequenz: Der König wird abgesetzt und - aus seiner Sicht - zu allem Überfluss durch den verurteilten und inhaftierten Terroristen und erklärten Feind der Menschen Corum Rath ersetzt. Dieser ordnet unmittelbar nach seiner Krönung an, das sagenumwobene Inselreich abzuschotten. Dabei greift er auf Magie zurück, die nicht ohne Grund vor Ewigkeiten verboten wurde. Auf diese Weise wird aus dem einst beinahe gewöhnlichen Bösewicht ein echter Superschurke, der sich nicht mehr allzu leicht besiegen lässt.

Seine Allmachtsfantasien werden nach und nach immer schlimmer, bis von einem regelrechten Wahn gesprochen werden kann: “Unreine“ Atlanter lässt er verfolgen, jeden, der mit der Vision seines Vorgängers (einer friedlichen und kollegialen Koexistenz zwischen Land und Meer) sympathisiert ebenso und sein Vorgehen respektive das seiner Untergebenen wird immer brutaler.

Das Symbol der Hoffnung wurde, wie sich bald zeigt, allerdings doch nicht getötet, sodass nicht alles verloren scheint. Der ehemalige Regent, der sich zunächst damit begnügt, in der neunten Ebene, also dort, wo all diejenigen, die in irgendeiner Form “anders“ waren, ohne Furcht leben konnten, einzelne zu retten, ändert schließlich doch seine Meinung, rafft sich auf und will jene, die diese Schreckensherrschaft beenden wollen, anführen – ein Stoff, aus dem waschechte Dramen gestrickt sind.

Inhaltlich wird dem Leser folglich enorm viel geboten, jedoch nicht nur: Auch optisch bestechen diese Paperbacks durch eine außergewöhnliche Qualität: Brad Walker, Philippe Briones und Scot Eaton fangen das Leben in den Tiefen des Ozenas wunderbar ein, lassen es zeitweise prachtvoll, gelegentlich bedrohlich und bei Bedarf auch regelrecht mysteriös und fremd erscheinen. Ihre Stile ergänzen sich gut und sind allesamt geprägt von einer Eleganz und Feinheit. In Unterwelt betritt dann aber Stjepan Šejic die Bühne und toppt das Ganze noch einmal, da seine Zeichnungen noch detailreicher sind und enorm filigran anmuten - was sicherlich auch damit zu tun hat, dass er sich selbst um die Kolorierung kümmert. Er verzichtet nahezu komplett auf kräftige Farben, sodass seine Panels gelegentlich gar an Gemälde erinnern.

Fazit

Wenn nicht bereits die ersten beiden Trades so überzeugend geraten wären, hätte sich spätestens nach diesen dreien unter Superhelden-Fans, allerdings auch ganz allgemein unter Comic-Liebhabern die Meinung durchgesetzt, dass Dan Abnetts Aquaman-Run zu dem Bestem gehört, was die Wiedergeburt des DC-Universums zum Vorschein gebracht hat.

Wer so gekonnt innerhalb einer übergeordneten Handlung zwischen Genres hin und her wechseln kann, ist schlicht ein Meister seines Faches, der Leser dazu bringen kann, vermehrt darauf zu achten, wer den Comic geschrieben hat und weniger darauf, wer die Titelrolle innehat.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© DC Comics

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