Star Trek: Discovery - Kritik zum Finale der 2. Staffel

SPOILER

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Star Trek: Discovery 2.14

Woha, in Star Trek: Discovery 2.14 ist einiges los. Mit reichlich Action bringt “Süße Trauer - Teil 2” die Handlung der zweiten Staffel im Finale zu Ende.

Star Wars: Discovery

Ohne Atempause schließt die Episode unmittelbar an ihren Vorgänger an. Die von Control kontrollierten Sektion-31-Schiffe befinden sich im Angriff, es herrscht roter Alarm an Bord der Discovery und der Enterprise. In letzter Minute wird der Rote-Engel-Anzug gedruckt und in Gemeinschaftsarbeit zusammengeschustert (wer fühlt sich noch an große Gruppenprojekte in Schule/Uni erinnert?). Zeit zur Kontrolle bleibt nicht. Ja hättet ihr mal davor nicht so ewig mit Verabschiedungszenen rumgedödelt. Überhaupt habe ich irgendwann ernsthaft laut den Fernseher mit “IHR HABT DOCH KEINE ZEIT, VERDAMMT!” angebrüllt.

Optisch ist auch Teil 2 von “Süße Trauer” eine Pracht, zudem kunstvoll die reichliche Action von Regisseur Olatunde Osunsanmi inszeniert. Allerdings wirkt diese Art der großen Raumschlacht bei Star Trek ein wenig fremd. Nicht, dass es keine Raumschiffschlachten geben würde. Aber die Vielzahl an Kampffliegern (wer steuert die eigentlich auf der Nicht-Control-Seite?) und auch die drolligen Dot-7-Reparaturroboter erinnern doch deutlich mehr an Star Wars oder Battlestar Galactica.

Aber keine Frage, fürs Auge und Spacebattle-Liebhaber wurde kräftig aufgefahren. Es gilt das alte Mantra: Nur nicht nachdenken!

Zurück in die Zukunft

Die Auflösung, dass Burnham-Roter-Engel die bisherigen Signale gar nicht aus der fernen Zukunft, sondern im letzten Moment noch aus der Disco-Gegenwart als Hinweis quasi an sich selbst schickt, ist gut gelöst. Praktisch, dass der Rote-Engel-Anzug schon fast computerspielhaft eine Bremse eingebaut hat: Du musst erst all diese Quests erledigen, bevor die Karte sich erweitert.

Allerdings hätte mir das Gespräch zwischen Spock und Michael völlig gereicht, das nochmalige Anschneiden jeder einzelnen Erscheinung nimmt unnötig viel Raum - und Zeit - ein. Die Signale waren ständiges Thema in der kompletten Staffel und kein weit zurückliegendes Konzept, das noch einmal aufgefrischt werden muss.

Als klar wird, dass Spock zurückbleibt, ist der Charaktermoment für Burnham und ihn zwar mit Blick auf seine Zukunft ein schöner - aber gerade hier mit dem tobenden Kampf im Hintergrund, bei dem es jede Sekunde um Leben und Tod geht, habe schon ich als Zuschauer keine Geduld für lange Abschiedsworte. IHR HABT KEINE ZEIT, EY!

Hilfe in der Not

Unter der sicheren Führung von Captain Pike ist man an Bord der Enterprise erbittert dran, unter höchstem Risiko die Discovery zu schützen und die Mission zu einem Erfolg werden zu lassen. Obwohl es zwischenzeitlich anders aussieht, hält sich der Schaden an Mensch und Maschine am Ende in Grenzen. Zum Glück, immerhin wurde das Schiff sehr liebevoll gestaltet und die Besatzung braucht man noch.

Außer Admiral Cornwell, die ja zwischenzeitlich ohne Erwähnung auch spontan über zwei Folgen hinweg einfach wegfallen kann. Logischer Schritt, dass sie sich opfert. Von diesem sicheren Tod sollte es diesmal wirklich kein Zurückkommen geben. Auf einmal ist das sicher besiegelte Schicksal von Captain Pike durch den Zeitkristall auch nur noch eine mögliche Zukunft - aber immerhin hat er ausgesprochen, was ich mir schon zuvor dachte: Lasst ihn doch die Sache mit der Bombe regeln, der stirbt erst später irgendwann mal.

Der dickste Brocken jedoch ist das Auftauchen von gänzlich unerwarteten Mitstreitern. Einmal, weil diesmal bei Star Trek alles nach Orville schreit statt sonst wie meist andersherum. Zum anderen aber viel mehr: In der vergangenen Episode hatte man noch ungefähr eine Stunde Zeit bis zum Eintreffen von Control. Beziehungsweise am Ende, an dem sich Tyler aufmacht, nur noch wenige Minuten. Nun ist es ihm gelungen, in kürzester Zeit sich per Shuttle in klingonisches Gebiet aufzumachen, die Kanzlerin zu finden und sie vom Einsatz zu überzeugen? Alleine die Logistik! Ganz von den politischen Turbulenzen abgesehen. Hieß es gerade nicht noch, dass Tyler und das Baby als tot gelten und das ungemein wichtig für die Anerkennung von L’Rell als Herrscherin ist? Nun steht Tyler neben ihr auf der Brücke eines klingonischen Kriegsschiffes und grölt fröhlich klingonische Kampfrufe aus. Ooookay.

Der Konflikt zwischen den Ba’ul und den Kelpianern auf Kaminar liegt auch noch nicht so lange zurück. Da musste sich ein kompletter Planet mit zwei Völkern neu strukturieren und nach Jahrhunderten der gegenseitigen Nahezu-Ausrottung irgendwie klarkommen. Nun fliegt Sarus Schwester Sirannah, bislang technologiefrei aufgewachsen, einen Kampfflieger der Ba’ul zusammen mit den “Kriegern von Kaminar”. Nagut, Saru lernete ja auch schnell. Aber auch hier gilt: Wie kommen die überhaupt so schnell zur Discovery?

Hauptsache es gibt auf’s Maul

So. Also. AI-Leland gelingt es,  in einem Moment schwacher Schilde auf die Discovery zu beamen. Zur Freude von Georgiou und Nhan, die ihm in den Hintern treten wollen. Aus welchen Gründen auch immer meinen sie, gegen Nanobot-Leland klar zu kommen. Und irgendwie kann man die Spheren-AI nun doch verstecken. Und ohne weitere Erklärung weiß Georgiou, dass die Sporen gegen die Nanobots helfen. Hauptsache vorher viel zu lange unnötige Nahkampfszenen einbauen. Egal.

Also es reicht, dass AI-Leland als besiegt angesehen wird, damit sich auch der Rest erledigt und es ist kein Problem, dass die Bots noch an Bord der Discovery sind, die in die Zukunft fliegt. Wo man sich eigentlich vor dem Zugriff von Control verstecken will, weil das da nicht hinkommt. Nun nehmen sie es ja schon irgendwie mit -  so gut kannten sie sich mit Control ja nun nicht aus, um völlig auszuschließen, dass noch eine Gefahr droht. Mal ganz davon ab: Wenn Control als besiegt gilt, warum überhaupt noch in die Zukunft fliehen? Das war doch der einzige Grund.

Aber schön zu sehen, dass nicht nur die kleine Brückenbesatzung weiterhin Crew der Discovery ist. Als man den verletzten Stamets in die Krankenstation bringt, sieht man zahlreiches weiteres Personal, unter anderen Doctor Pollard. Und auch Hugh Culber hat sich besonnen. Er will doch nicht auf die Enterprise (Narr!) und überschüttet seinen Hugh mit liebevollen Worten von Heimatgefühlen, solange man zusammen sei.

Überhaupt ist ein positiver Aspekt der beiden Finalepisoden, wie auch der gesamten zweiten Staffel, dass man mehr von der Crew zu sehen bekommt, deren Darsteller alle mit ihrem guten Schauspiel überzeugen. Allen voran Doug Jones als Captain Saru, der über den Lauf der Serie eine beeindruckend sichtbare Entwicklung vollzogen hat.

Lass einfach nie wieder drüber reden

Äußerst unelegant billig und doch irgendwie effektiv, wie man sich dem Prequel-Kanon-Problem entledigen will. Wobei “lass einfach vergessen und nie wieder drüber reden” auch das Motto der enttäuschten Trek-Fan-Fraktion bezüglich Discovery sein könnte.

Das ist also Spocks genialer Vorschlag. Der natürlich super einfach umzusetzen ist. Jeder Beteiligte muss schwören, nie mehr über Roter-Engel-Anzug und die Erlebnisse rund um die Discovery zu sprechen. Überhaupt am besten das Schiff und Burnham an sich nie wieder erwähnen. Mag ja für die Sternenflottenmitglieder eventuell vielleicht eine Option sein. Aber was ist mit Po? Kaminar? Den Klingonen?

Und warum wird über die wirklichen Geschehnisse der Discovery gelogen? Kein Vertrauen in die Sternenflotte? Warum sollte Spock Burnham nie wieder erwähnen, wenn doch die offizielle Version ist, dass sie gestorben sei. Mit wem reden sie da eigentlich? Das Gesicht wird nicht gezeigt. Handelt es sich eventuell gar nicht um eine Sternenflottenführungsperson, sondern einem Zeitagenten, der das Chaos aufräumen muss?

Zum Schluss geht es noch einmal zurück auf die Enterprise. Nach vielen Tagen des Wartens das erlösende Signal: Burnham hat es geschafft. Zur Feier des Tages erstmal den Bart abrasieren.

Eine gute Entscheidung, dass man das Schicksal der Discovery selbst noch nicht zu sehen bekommt. Das dürfte dann wohl Handlung der bereits bestellten dritten Staffel werden. Und da Georgiou mitgeflogen ist, bleibt offen, wann die Spin-off-Serie Sektion 31 handeln wird.

Fazit

Ich wäre gerne begeistert. Das fühlte sich super an letzte Woche. Leider ist Teil 2 von “Süße Trauer” aber unausgegoren. Durch den nun spürbaren Zeitdruck wirken die eigentlich emotionalen Charaktermomente mitunter deplatziert. So bleibt das Finale optisch reizvoll, aber bloß nicht nachdenken.

Welcher Rote Engel hat eigentlich die Leute aus der Kirche (samt Gebäude) umgesiedelt und vor allem wie? Die Fragen enden wohl nie. Gehen sie weiter, hier ist nichts geschehen.

Trailer - Star Trek Discovery - S02E14 2x14 - Part 2

Star Trek: Discovery Logo 2017

Originaltitel: Star Trek: Discovery
Erstaustrahlung 24. September 2017 bei CBS All Access / 25. September 2017 bei Netflix
Darsteller: Sonequa Martin-Green (Michael Burnham), Jason Isaacs (Captain Gabriel Lorca), Michelle Yeoh (Captain Georgiou), Doug Jones (Lt. Saru), Anthony Rapp (Lt. Stamets), Shazad Latif (Lt. Tyler), Maulik Pancholy (Dr. Nambue), Chris Obi (T’Kuvma), Shazad Latif (Kol), Mary Chieffo (L’Rell), Rekha Sharma (Commander Landry), Rainn Wilson (Harry Mudd), James Frain (Sarek)
Produzenten: Gretchen Berg & Aaron Harberts, Alex Kurtzman, Eugene Roddenberry, Trevor Roth, Kirsten Beyer
Entwickelt von: Bryan Fuller & Alex Kurtzman
Staffeln: 2+
Anzahl der Episoden: 29+


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