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What We Left Behind: Looking Back At Star Trek: Deep Space Nine – Bericht zur Dokumentation

Star Trek: Deep Space Nine ist bis heute eine der populärsten Star-Trek-Serien des Franchises nicht nur, weil sie kraftvolle Geschichten mit tollen Figuren verband, auch weil sie die Reihe neu betrachtete und neue Wege beschritt. Das spiegelte sich unter anderem in dem Setting der Serie wider: Hierbei handelte es sich nicht um ein mobiles Raumschiff, das sich forschend durch die Galaxis bewegte, sondern um eine unbewegliche Raumstation. Ein Hafen sowohl für ein buntes Potpourri von Alpha-Quadrant-Bewohnern als auch für Fremde des weit entfernten Gamma-Quadranten. Die verschiedenen Völker des Gamma-Quadranten, die durch das erste bekannte stabile Wurmloch anreisten, betrieben Handel und verfolgten manchmal ihre eigenen, dubiosen Ziele. Im Falle des Dominions strebten sie sogar die Kontrolle über den gesamten Alpha-Quadranten an.  

Darüber hinaus wurden neben einzelnen geschlossenen Episoden, wie man es von Star Trek weitestgehend gewohnt war, auch noch eine übergeordnete Story-Arc erzählt. Eine Erzählweise, die aus dem modernen Fernsehen nicht mehr wegzudenken ist, damals allerdings noch weitaus weniger häufig vorkam (Babylon 5 war in dieser Hinsicht ebenfalls ein Ausreißer im Science-Fiction-Genre). Der ausstrahlende TV-Sender betrachtete solche Experimente entsprechend skeptisch. Trotz aller Zweifel und Argumente, die gegen die Serie sprachen, entwickelte sich DS9 auf seine Weise zum Hit, dessen Nachwirkungen und Einflüsse bis heute nachhallen. Die Reise, die am 3. Januar 1993 startete und sieben Staffeln lang anhielt, beleuchtet nun die Dokumentation What We’ve Left Behind: Looking Back at Star Trek: Deep Space Nine, die am Mittwoch, den 26. Juni 2019 einmalig in vereinzelten deutschen Kinos bundesweit gezeigt wurde.  

HD-Szenen zeigen ein breites Bild von dem, was hätte sein können

Regie führten David Zappone (The Captains, For the Love of Spock) und Deep-Space-Nine-Showrunner Ira Steven Behr. Fast jedes Besatzungsmitglied kommt zu Wort. Die Ausnahme bildet Captain-Sisko-Darsteller Avery Brooks, der der Ansicht war, bereits alles zu seiner Rolle gesagt zu haben. Trotzdem haben es alte Interview-Schnipsel von ihm in den Film geschafft. Eines der Highlights ist das HD-Footage, das sogar im Widescreen- Format aufbereitet und gezeigt wurde. Auf der großen Kinoleinwand konnten diese Szenen noch einmal ihre volle Wirkung entfalten und ließen zumindest erahnen, wie ein komplettes Remastering hätte aussehen können, wäre nicht das mangelnde oder zumindest nicht ausreichende Interesse sowie der technische und finanzielle Aufwand dazwischen gekommen. Eine zukünftige HD-Aufbereitung der gesamten Serie scheint allerdings eher unwahrscheinlich.

Die Dokumentation vertritt die These, dass es sich bei Star Trek: Deep Space Nine immer um das ungeliebte Stiefkind handelte, dem nie ein ausreichendes Budget zur Verfügung stand. Genügend Liebe hat der Star-Trek-Ableger von den Produzenten beziehungsweise Geldgebern ebenfalls nie erfahren. Und die Fans scheuten auch nicht davor zurück, ihren diversen Ärgernissen Luft zu machen. Die Schauspieler der Serie und Produzent Ira Steven Behr können insbesondere Letzteres inzwischen mit sehr viel Humor nehmen. Mit einer angemessenen Selbstironie tragen sie einige der Beschwerden verärgerter Star-Trek-Fans zu Beginn und im weiteren Verlauf vor, die sich manchmal spezifisch an einzelnen Figuren wie Garak oder Quark störten, oder generell mit der Prämisse der Serie nicht einverstanden waren. In Star Trek ginge es schließlich darum, zu erforschen und nicht auf einer unbeweglichen Raumstation abzuhängen. Die Dokumentation ist offensichtlich sehr erpicht darauf, an seiner Legende als Underdog zu stricken. Unsympathisch ist das nicht, dennoch hätten sich sicherlich einige positive Fanstimmen finden können, die ein umfassenderes Bild von der Rezeption der Serie gezeigt hätten.  

Unschöne Episoden während der Produktion schmälern die Liebe zur Serie nicht

Generell springt die gesamte Dokumentation stellenweise gekonnt, stellenweise etwas holprig zwischen den spaßigen, aber auch ernsthaften Aspekten der Produktion hin und her. Insbesondere der verfrühte Ausstieg von Jadzia-Dax-Darstellerin Terry Farrell am Ende der sechsten Staffel scheint weiterhin eine offene Wunde zu darzustellen, bei der sich Schauspielerin und der ein oder andere Produzent weiterhin mit einer jeweils eigenen Betrachtung der Geschehnisse gegenüberstehen. Ein Konflikt, der in dieser Dokumentation nicht gelöst wird, vielleicht auch ein wenig zu kurz betrachtet wird, die aber auch nicht dazu führt, dass Schauspieler, Autoren und Produzenten weniger liebevoll auf die eigene Arbeit an der Serie zurückblicken.  

Ungeliebtes Stiefkind DS9 engagiert sich politisch und gesellschaftskritisch

What we left behind betrachtet auch die politischen und gesellschaftskritischen Themen der Serie und ihre Bedeutungen. Das fängt bei dem afroamerikanischen Captain Sisko an. Auch die Darstellung der Beziehung zwischen ihm und seinem Sohn Jake wird noch einmal untersucht, und hat letztendlich eine wichtigere gesellschaftliche Bedeutung, als man sich vielleicht heute vorstellt. Obdachlosigkeit und das Leben am Existenzminimum stellt die Doppelepisode Past Tense dar, in der Sisko und Co. in das 21. Jahrhundert zurückreisen. Eine noch explizitere Botschaft kommuniziert die Episode Jenseits der Sterne, die ebenfalls in die Vergangenheit, nämlich in das New York der 50er Jahre, blickt. Hier spielt Avery Brooks einen Science-Fiction-Autoren, der eine Geschichte über eine Raumstation schreibt, auf der ein afroamerikanischer Captain das Kommando hat. Ein metafiktionaler Kommentar, der schnell albern hätte wirken können, stattdessen aber hochemotional daherkommt. Emotionen, die nicht spurlos an Brooks (der bei der Episode Regie führte und die Hauptrolle spielte) vorübergehen, wie die Bilder und Interviews von What we left behind beweisen.   

Einblick in eine Zukunft, die wahrscheinlich nie stattfinden wird

Selbstverständlich kann eine zweistündige Dokumentation nicht alle Aspekte einer Produktion abdecken, die sieben bis acht Jahre andauerte. Eine Tatsache, die Co-Regisseur Ira Steven Behr zusammen mit Nana Visitor während des Abspanns selbst ansprechen. Ein besonderer Leckerbissen ist jedoch eine Writer’s-Room-Sitzung, an der Showrunner Behr und die Autoren Ronald D. Moore, Hans Beimler, René Echevarria und Robert Hewitt Wolfe teilnehmen, um eine erste Episode einer achten Staffel zu skizzieren, die zwanzig Jahre nach den Ereignissen der siebten Staffel spielt und mit aller höchster Wahrscheinlichkeit nie umgesetzt wird. Begleitet werden diese Sitzungen von Storyboard-Zeichnungen, welche die Geschehnisse und Szenen greifbarer für die Zuschauer machen. Diese Episode ist mit allen möglichen Themen und Plot-Twists überladen und stellt mehr oder weniger ein Best-of aller Elemente dar, welche die Serie ursprünglich zu etwas Besonderem in der Franchise-Geschichte machten. Sie bietet aber einen schönen erzählerischen Rahmen, zu dem die Dokumentation zwischen den verschiedensten Anekdoten immer wieder zurückkehrt.    

Deutsche Fans, die die Kinoveröffentlichung verpasst haben und nicht zu den Indiegogo-Spendern gehören, werden sich wohl noch etwas gedulden müssen. Es ist nicht bekannt, ob es einen deutschen Verleih gibt, der sich der Dokumentation annehmen möchte, dementsprechend gibt es noch keinen Veröffentlichungstermin.   

Fazit:

Für Fans ein interessanter Einblick, der auch unschöne Momente hinter den Kulissen mal mehr und mal weniger geschickt anspricht, selten allerdings intensiver erkundet, als man sich vielleicht gewünscht hätte. In dieser Hinsicht stellt What we left behind eher eine Liebeserklärung an einen bedeutungsvollen Eintrag ins Star-Trek-Franchise dar, die hin und wieder auch einen selbstkritischen Blick auf die eigenen Versäumnisse wirft, sodass selbstlobende und auch sentimental-emotionale Momente niemals unverdient wirken.

What We Left Behind: Looking Back At Star Trek: Deep Space Nine (2019) - Official Trailer (HD)