Fast so wie früher - Kritik zu Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstandes

Der_Dunkle_Kristall_02_Netflix

Die Skekse haben die Macht in Thra an sich gerissen und ziehen ihre Lebenskraft aus einem Kristall. Dann jedoch müssen sie feststellen, dass sie dem Kristall bereits so viel Kraft entrissen haben, dass sie den eigenen körperlichen Verfall und damit drohenden Tod nicht mehr aufhalten können. Auf Geheiß von skekSo (Jason Isaac), dem Anführer der Skekse, findet der Wissenschaftler skekTek (Mark Hamill) schließlich einen Weg, Lebewesen ihre Essenz zu entreißen - und damit das jeweilige Lebewesen tötet. Der Gelfling Rian (Taron Egerton), Sohn des Palastwachen-Offiziers Ordon (Mark Strong), kommt hinter dieses schreckliche Geheimnis. Und auch die Gelflinge Deet (Nathalie Emmanuel) sowie Brea (Anya Taylor-Joy) müssen feststellen, dass die Herrschaft der Skekse doch eher einer Schreckensherrschaft gleicht und ihr Land Thra durch eine aufkommende Dunkelheit in Gefahr ist ...

Als Jim Henson und Frank Oz 1982 das aufwendige Projekt Der Dunkle Kristall in die Kinos brachten, war die Reaktion zwiegespalten. Denn der Film war für eine Produktion Jim Hensons, dessen Muppets bis dato vornehmlich als bunt und fröhlich wahrgenommen wurden, eine eher dunkle Geschichte. Dunkel genug, dass Der Dunkle Kristall in Deutschland die FSK-Freigabe ab 12 Jahren erhielt - nicht ganz zu unrecht, bietet die Geschichte doch so einige Momente, die Potenzial für so manchen Albtraum bieten.

Damit ist es wenig verwunderlich, dass auch Der Dunkle Kristall - Ära des Widerstandes keine allzu fröhliche Serie ist. Mitunter erinnern die Intrigen, Machtkämpfe und vor allem die Tatsache, dass scheinbar keine Figur vor einem plötzlichen Serientod sicher ist, an die besten Zeiten von Game of Thrones.

Das Organigramm der Gelflinge

Denn auch bei den Gelflingen gibt es unterschiedliche Clans, von denen einzelne mehr Macht und Ansehen als andere genießen. Die sieben Clans teilen sich auf in Stonewood, Vapra, Grottan, Drenchen, Sifa, Dousan und Spriton. Angeführt werden sie von ihrer jeweiligen Maudra, der Clan der Vapra hat als Herrscher über die gesamten Clans obendrein noch eine All-Maudra. Die drei Hauptfiguren Rian, Deet und Brea entstammen jeweils dem Stonewood, Grottan und Vapra Clan. Eine Tatsache, die für die Handlung der Serie nicht unwichtig ist, denn so hat es Deet, die dem am wenigsten geachteten Clan entstammt, einen schwereren Stand als Brea, die als Tochter der All-Maudra den Stand einer Prinzessin hat.

Gewöhnungsbedürftig für Fans des Films dürfte anfangs sein, dass die Palastwache der Skekse aus Gelflingen besteht und ihnen treu ergeben sind. Hier braucht es ein wenig, um sich vom gewohnten Bild der Filmhandlung zu lösen. Gerade dies spielt jedoch gekonnt mit den Emotionen des Zuschauers, der mehr Wissen als die Gelflinge über die zukünftigen Ereignisse hat und die Skekse mit noch mehr Begeisterung hassen darf als die Film-Version.

Stimmlich gibt es mächtig was auf die Ohren

Hierzu trägt sicherlich auch die brillante Leistung der Darsteller bei, welche den Figuren ihre Stimmen geliehen haben. Jason Isaacs zeigt als skekSo, Anführer der Skekse, dass er nicht zu Unrecht als der Bösewicht in Filmen und Serien besetzt wird. Simon Pegg leiht skekSil, dem Kämmerer, seine Stimme und läuft zu Höchstform auf. Denn der Kämmerer ist ein unter den Skeksen wenig geachteter Intrigant, der nach der klassischen “Nach oben buckeln und nach unten treten”-Philosophie lebt. So säuselt Pegg mit weinerlich anmutender Stimme, wenn es um Figuren geht, die skekSil wichtig sind, ändert jedoch umgehend den Tonfall, wenn es zu den Momenten kommt, in denen seine Figur (scheinbar) auf der Gewinnerseite steht. Die manische Seite des Wissenschaftlers skekTek dürfte Mark Hamill nicht schwer gefallen sein, werden hier doch Erinnerung an Hamills Joker-Version wach. Und Benedict Wong darf als General skekVar so herrlich brummeln wie in Doctor Strange, dass man sich fast wünscht, dass auch ein Skeks heimlich Beyoncé hört …

Taron Egerton stellt als Rian eine Art Anti-Helden dar. Seine Figur macht in der Serie eine Entwicklung durch, die Egerton durch andere Rollen bekannt ist, sodass seine Arbeit hierfür mühelos wirkt. Nathalie Emmanuel spricht Deet facettenreich und trägt wesentlich zur Entwicklung ihrer Figur bei. Vor allem ist es ihr zu verdanken, dass Deet als naturverbundener Gelfling, der buchstäblich das Gespräch mit jedem Lebewesen Thras sucht, nicht ins Kitschige abgleitet. Ebenso zeigt Anya Taylor-Joy im Laufe der Serie, dass Brea mehr ist als die nervige jüngste Prinzessin.

Deet und Hup

Am meisten sticht aber Victor Yerrid als Podling Hup heraus. Seine Figur hat es mit der Kommunikation am schwierigsten, denn die Podlings haben bekanntlich eine eigene Sprache. Diese verbindet Yerrid schließlich mit den Bruchstücken der allgemeinen Sprache, die Hup im Laufe der Geschichte lernt. Sein Puppenspiel trägt außerdem dazu bei, dass sich Hup mit seiner drolligen, aber auch fürsorglichen Art schnell in die Herzen des Zuschauers spielt. Denn wer bitte ist schon so mutig, dass er den Skeksen beherzt mit einem Löffel bewaffnet gegenübertritt?

Nostalgie zieht - aber nicht immer

Die Geschichte selbst nimmt sich viel Zeit, um die Vorgeschichte zum Film zu erzählen. Manchmal ist dies zu viel Zeit, gerade für diejenigen, die den Film kennen und anfangs über einige scheinbar nicht angesprochene Aspekte stolpern. Diese lösen sich erst in der zweiten Hälfte der Staffel auf, wenn die Gelflinge den Widerstand formen. Die erste Hälfte der Geschichte konzentriert sich darauf, die Schachfiguren in Position zu bringen und wenig direkten Bezug auf bekannte Ereignisse des Films zu nehmen. Wie bei Netflix-Serien also leider üblich, hätte die Geschichte gern etwas straffer und in weniger Folgen erzählt werden können. Andererseits macht es auch wieder Spaß, für zehn Folgen in Hensons Welt eintauchen zu dürfen …

Schade ist aber, dass die Drehbuchautoren mitunter den Joker “Nostalgie” zu oft spielen. Es gibt Szenen, die fast genauso im Film zu sehen waren. Zwar macht das Wiedersehen mit einer Podling-Party Spaß, ein Skekse-Fressgelage ist genauso herrlich widerlich wie vor 37 Jahren - die Handlungen in diesen Szenen hätten aber auch in einen anderen Kontext gebettet werden können.

Wesentlich besser ist da die Entscheidung, dass keine Figur unentbehrlich zu sein scheint. Ohne groß ins Detail zu gehen: Es wird gestorben in der Serie. Mehr als einmal. Und auch mal unerwartet und ohne Rücksicht auf Figuren, die man liebgewonnen hat.

Kann man der Geschichte aber eigentlich folgen, ohne den Film gesehen zu haben? Definitiv ja. Denn wie erwähnt nimmt sich die Serie gerade zu Anfang viel Zeit, um die Welt Thras vorzustellen. Es gibt einige offensichtliche Bezüge zum Film, die aber selbsterklärend sind. Ansonsten gibt es eher Momente, die Aspekte aus dem Film erklären - so weiß der Zuschauer nun, warum skekTek nur ein Auge im Film hat.

Einzig das Ende stellt eine Ausnahme dar. Hier dürfte die volle Tragweite nur den Film-Fans bewusst werden. Die Geschichte vor allem in der letzten Folge überhastet und reiht zu viel aneinander; die Vermutung liegt nahe, dass die Produktion auf eine weitere Staffel spekuliert, um die restlichen, bekannten Ereignisse zwischen Staffelende und Handlung des Films ausgiebig zu erzählen.

Fazit

Der Dunkle Kristall - Ära des Widerstandes versetzt sein Publikum mühelos in die Welt Jim Hensons, sodass es sich genauso verzaubert fühlt wie vor 37 Jahren. Allerdings ist die Serie ebenso wie damals der Film nicht für jüngere Zuschauer geeignet. Die Älteren werden aber Spaß haben, wieder in die Geschichte Thras eintauchen zu dürfen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Netflix

The Dark Crystal: Age of Resistance | Trailer | Netflix

Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.