Exclusiv: Interview mit den Autoren des Buchs "Sorge dich nicht, beame!"

Kurz vor der FedCon haben wir die Autoren Andrea Bottlinger und Christian Humberg zum Interview getroffen und über ihren Ratgeber Sorge dich nicht, beame! geplaudert.


RnD: Ihr hattet die Idee zum Buch, als ihr über Serien- und Filmhelden sinniert habt, die euch seit euren Jugendtagen begleiten. Wie habt ihr dann das Selbsthilfe-Konzept damit zusammengebracht?

Humberg: Der Verlag Cross Cult kam auf uns zu, weil er eine humorvolle Sachbuchpublikation zu den Themenbereichen Star Trek und Star Wars haben wollte. Ein reiner Vergleich "Welcher Captain ist cooler?" oder "Welches Raumschiff kann mehr?", wie er anfangs im Raum stand, war uns zu uninteressant.

Bottlinger: Genau. Wir hatten zuerst gedacht, etwas zu Star Wars vs. Star Trek zu machen. Das war dann aber so langweilig. Und dann ist irgendwie dieser Ratgeber-Aspekt da rein gekommen, weil wir halt tatsächlich auf die Idee gekommen sind, dass man seit frühester Kindheit relativ beeinflusst ist von diesen ganzen Sachen und das man durchaus so einiges von mitgenommen hat. Vielleicht auch ohne das direkt zu merken.

Humberg: Mit meinem geschätzten Kollegen Mike Hillenbrand hatte ich allerdings 2011 das Buch TREKminds geschrieben, in dem es um Star Treks philosophische Seite geht. Andrea und ich kamen darauf, für das Cross-Cult-Buch eine ähnliche Richtung einzuschlagen und ein Lach- und Sachbuch in Verkleidung eines Lebensratgebers zu schreiben – Tipps für den Alltag, quasi direkt von der Brücke.

RnD: OK. Andrea, hast Du dich also wirklich gefragt, wie Captain Picard in einer bestimmten Situation reagieren würde?

Bottlinger: Ne, so direkt nicht. Aber ich habe zum Beispiel Star Trek mit Voyager begonnen und fand Captain Janeway immer ganz toll. Es war eine Frau, die ein Raumschiff kommandiert hat und das hat mir selber sehr viel Mut gegeben, als Frau sozusagen nach den Sternen zu greifen.

RnD: Wie seit ihr dann letztlich vorgegangen? Habt ihr euch Hilfe von Fachleuten wie Psychologen, Therapeuten oder Wissenschaftlern geholt?

Bottlinger: Ne, das ist alles auf unserem eigenen Mist gewachsen. Alle Lebensweisheiten stammen von uns. Wir sind einfach so gut (grinst).

Humberg: Kaum, und weit weniger als man vielleicht meint. Sorge dich nicht, beame! will und soll in erster Linie Spaß machen und kurzweilige Lektüre sein. Dafür braucht es keinen Magistertitel, da genügt die gute alte Küchenpsychologie. Wir verbinden einfach gesunde Menschenkenntnis und Lebenserfahrung mit gesunder Franchisekenntnis – und jeder Menge guter Laune.

RnD: Stellenweise ist mächtig viel Ironie im Text, dass man beim Lesen ans Schmunzeln kommt. Ist das Buch als Satire oder Persiflage zu verstehen und eure Antwort auf den derzeitigen Esoterik- und Selbsthilfewahn, oder wollt ihr tatsächlich Hilfestellung geben?

Bottlinger: Ja - der Titel ist ja nicht umsonst gewählt. Das bezieht sich ja recht eindeutig auf Sorge dich nicht, lebe. Wir wollen uns darüber auf jeden Fall ein wenig lustig machen. Es ist schon ein bisschen übertrieben, was da im Moment passiert. Jeder hat die Antwort auf alle Fragen des Lebens - zumindest behauptet das jeder. Und letztendlich sind es ja auch nur Binsenweisheiten. Ich glaube nicht, dass wir weniger tolle Sachen im Buch schreiben, als in den meisten anderen Ratgebern steht. Normalerweise sind das alles Sachen, die man sich mit gesundem Menschenverstand herleiten kann.

Humberg: Von mir aus sehr gern beides. Die Kernaussagen des Buches meinen wir tatsächlich ernst, auch wenn wir in keiner Weise predigen oder gar missionieren wollen. Jeder nach seiner Fasson, bitte sehr. Die Persiflage auf Selbsthilfetitel und Co. war von uns auf jeden Fall gewollt. Schön, dass sie auch so erkannt wird.

RnD: Wie sieht euer privates DVD- und Buchregal zu Hause aus?

Humberg: Ein Regal? (schuckt heftig) Du scherzt, richtig? Manchmal komme ich mir hier vor, als seien die Regale die Bewohner und ich nur zur Zwischenmiete geduldet. Aber im Ernst: Meine Bücher- und DVD-Regale sind sehr voll - auch mit eher obskuren Titeln - und ziemlich geekig.

Bottlinger: Mein Bücherregal ist schon wieder voll, obwohl wir erst letztens umgezogen sind. Im DVD-Regal ist noch Platz, aber es wird schon wieder eng. Wir haben größtenteils Fantasy und Science Fiction. Im Moment schaue ich Doctor Who, Supernatural und Battlestar Galactica gleichzeitig.

RnD: Du lebst also deinen beruflichen Bereich auch persönlich aus.

Bottlinger: Auf jeden Fall. Ich glaube auch nicht, dass man darüber schreiben kann, wenn man da nicht drin ist.

RnD: Was können die Leser tatsächlich von eurem Buch lernen?

Humberg: Das steht im Buch und kann an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden (grinst).

Bottlinger: Ich denke das hängt vom Leser ab. Man kann natürlich eine neue Sicht auf Star Wars und Star Trek bekommen. Das ist doch schonmal was. Ich glaube allerdings nicht, dass wir in Sachen Lebensberatung besonders große Durchbrüche erzielt haben. Also das nicht.

RnD: Es würde euch aber nicht stören, wenn jemand, der euer Buch gelesen hat, zu euch kommt und sagt: "Ich habe durch euch eine total tolle Idee bekommen, wie ich ein Problem lösen kann" ?

Bottlinger: Nö, das wäre natürlich cool. Dann hätten wir jemandem geholfen. Das ist doch wunderbar.

RnD: Wo nehmt ihr die beratenden Ansätze her? Worauf basieren die Ratschläge? Habt ihr Erfahrungen bei therapeutischer Arbeit mit Menschen?

Humberg: Ich ja, auch wenn das jetzt weitaus bedeutender klingt als es gemeint ist. Vor allem im pädagogischen Bereich bin ich seit einer Ewigkeit aktiv, und das sehr gern. Das war aber keine Voraussetzung für dieses Buch – wenngleich es sicherlich von Andreas und meinen Erfahrungen jenseits des Fernseh- und Kinosessels profitiert hat.

Bottlinger: Es ist so das man sich als Autor automatisch mit solchen Sachen beschäftigt. Man muss ja überzeugende Charaktere schreiben. Wir schreiben ja nur Sachbücher, wir schreiben ja beide auch Romane. Man muss ein gewisses Verständnis für menschliche Psychologie entwickeln, um überzeugende Charaktere schreiben zu können. Insofern funktioniert es darüber auch ganz gut, dass wir uns in Leute reinversetzten können. Vielleicht besser als der Durchschnittsmensch.

Ich habe einmal mit einer Freund über Anakin und Amidala gewitzelt. Die ist mal mit psychologisch mit Straftätern gearbeitet. Aber ansonsten habe ich keine Fachleute befragt.

RnD: Habt ihr noch mehr Ideen? Kommt eine Fortsetzung? Woran arbeitet ihr gerade?

Bottlinger: Wir haben Ideen und planen im Moment. Es steht aber noch nix fest. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht und wir wollen sowas gerne wieder machen. Wir sind immer noch dabei darüber zu lachen, dass wir dafür Geld bekommen (grinst).

Humberg: Einzeln sind wir beide eigentlich immer gut beschäftigt – sei es als Autoren, als Übersetzer oder als Lektoren. So sind wir zum Beispiel auch im deutschen Redaktionsteam der bei Cross Cult erscheinenden Star-Trek-Romane und der bei Panini veröffentlichten Zeitschrift Geek! Weitere gemeinsame Projekte sind allerdings auch schon im Gespräch, aber noch nicht spruchreif. Wer wissen will, was ich sonst so mache, kann gern meine Website "mein Internetschaufenster" unter www.christian-humberg.de besuchen. Dort finden sich auch immer aktuelle Lesungstermine.

Bottlinger: Gerade bin ich mit Knaur im Gespräch für einen zweiten Roman. Vor Kurzem ist mein Roman Aeternum erschienen und nächster Schritt ist, einen zweiten Vertrag mit dem Verlag zu bekommen. Es wird dann ein neuer Einzelroman.

RnD: Habt ihr die coolen Zeichnungen selber gemacht?

Bottlinger: Die sind von Martin Frei. Der macht auch für die Star Trek-Romane bei Cross Cult die Cover. Er wurde vom Verlag angestellt, die Zeichnungen zu machen. Wir haben uns Illustrationen gewünscht und an den entsprechenden Stellen vermerkt, was wir an Bildern gerne hätten. Martin hat das dann professionell umgesetzt.

Humberg: Glaube mir: Hätte ich das, wären sie nicht mehr cool. Sondern grottig...


Das RnD-Redaktionsteam dankt Andrea Bottlinger und Christian Humberg herzlich für das Interview.

Wer jetzt Lust auf das Buch bekommen hat, der kann noch an unserem Gewinnspiel teilnehmen. Und wer die Autoren einmal persönlich treffen möchte, der hat auf der FedCon Gelegenheit, die beiden an den folgenden Terminen live zu erleben:

Freitag, 10.5. – Sonntag 12.5. Mehrere Signierstunden mit Andrea Bottlinger & Christian Humberg am Stand des Verlags Cross Cult auf dem FedCon-Gelände (Zeiten siehe dortigen Aushang)

Samstag, 11.5. 12 - 13 Uhr: Autorenlesung Sorge dich nicht, beame! mit Andrea Bottlinger & Christian Humberg (FedCon, Saal Moskau)

Sonntag, 12.5. 12 - 13 Uhr: Star Trek im Roman - Das Cross-Cult-Panel. Mit Illustrator Martin Frei und den Übersetzern Anika Klüver, Stephanie Pannen & Christian Humberg (FedCon, Saal Moskau)

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