Es muss nicht immer plakativ sein: Kritik zu Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen

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Taraji P. Henson,Kevin Costner und Jim Parsons in Hidden Figures

Alan Shepard, John Glenn und Neil Armstrong sind untrennbar mit der Geschichte der Raumfahrt verbunden. Shepard war der erste US-Amerikaner im Weltraum, Glenn der erste US-Amerikaner, der die Erde umkreiste und Armstrong der erste Mensch, der mit den Worten "That's one small step for man, one giant leap for mankind" einen Fuß auf den Mond setzte.

Nur wenige wissen jedoch, dass es Frauen wie Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson waren, die dazu beigetragen haben. Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen soll nun ihre Geschichte erzählen.

Jim-Crow-Gesetze und Kalter Krieg

Springen wir hierzu in das Jahr 1961. In den USA gibt es noch die sogenannten Jim-Crow-Gesetze, die seit dem Jahr 1876 eine Rassentrennung vorschreiben. Und ganz nebenbei befindet sich das Land noch im Kalten Krieg mit der Sowjetunion. Ein Teil dieses Kriegs wird im Weltraum ausgetragen, wobei die Russen sehr zum Unmut der Amerikaner die Nase vorn haben.

In der NASA wird die Space Task Group gebildet, deren Aufgabe es ist, dieses Wettrennen im Weltraum letztlich doch noch zu gewinnen. Hierzu müssen höchst komplexe Rechenleistungen erbracht werden - ohne Computer; dafür mit Stift und Papier.

An dieser Stelle kommt die West Area Computing Unit ins Spiel. Der Zweite Weltkrieg hatte dafür gesorgt, dass es simpel gesagt einen Mangel an männlichen Fachkräften gab. Es fehlte an Wissenschaftler und Ingenieuren, die Nachfrage nach entsprechenden Arbeitskräften war jedoch groß. Die Gesetze zur Rassentrennung waren immerhin schon so weit gelockert, dass afroamerikanische Frauen für die NASA als "menschliche Computer" arbeiten konnten. Unter ihnen sind Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe).

Man könnten glauben, dass Hidden Figures damit Stoff für ein Drama bietet, das vorrangig auf die Tränendrüse drückt. Genau das Gegenteil ist aber der Fall.

Ernste Themen serviert wird einer Portion Humor

Hidden Figures erzählt die Geschichte um diese drei Frauen und ihren Werdegang bei der NASA zu Zeiten des Wettlaufs der Amerikaner gegen die Russen erstaunlich leise, vermag es jedoch dabei nachhaltig, auf die Probleme hinzuweisen, mit denen sie zu kämpfen hatten. So wird Katherine dem Team um Al Harrison (Kevin Costner) zugeordnet - als einzige Afroamerikanerin. Hier muss man sich vor Augen halten, dass diese Ereignisse gerade einmal 55 Jahre zurückliegen. Für die Mitarbeiter des Teams, die mit der Rassentrennung aufgewachsen sind, war es anscheinend selbstverständlich, dass Katherine ihre "eigene" Kaffeemaschine bekommt; und quer über den Campus laufen muss, damit sie die Toilette für Schwarze aufsuchen kann.

Es sind diese Momente im Film, die einem nachhaltig bewusst werden lassen, dass einige Aspekte noch nicht allzu lange her und zum Teil bis heute nicht überwunden sind. Denn Hidden Figures handelt nicht nur von der Rassentrennung, sondern auch von dem Kampf der drei Freundinnen um Gleichberechtigung. Sie kämpfen für leitende Positionen, faire Bezahlung und Chancengleichheit. Allerdings machen sie das nie plakativ. Vielmehr ist es ein leiser, aber steter Kampf, den sie austragen. Ihre Vorgehensweise hierzu wirkt zu keiner Zeit verbissen oder mitleiderregend. Die Darstellerinnen gehen stattdessen mit hoch erhobenem Kopf durch den Film und sorgen mit pointierten Humor für einige Schmunzler.

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Taraji P. Henson, Octavia Spencer und Janelle Monáe in Hidden Figures

Ein Cast, dem die Spielfreude anzusehen ist

Deswegen macht Hidden Figures Spaß. Dem gesamten, hochrangigen Ensemble ist ist die Spielfreude anzumerken. Neben den herausragenden Darstellerinnen Henson, Spencer und Monáe gibt es noch Kevin Costner als grantigen Chef Al Harrison, Jim Parsons als leitenden Ingenieur Paul Stafford und Kirsten Dunst als NASA-Abteilungsleiterin Vivian Mitchell. Zugegeben, in manchen Szenen erinnert Parsons Darstellung sehr an seine Rolle als Sheldon Cooper. Seine Charakter in Hidden Figures ähnelt aber auch in vielen Aspekten dem von Sheldon. Kirsten Dunst überzeugt durchgehend. Wenn man zwischendurch den Drang verspürt, sie zu schütteln, um ihren Charakter die Plattitüden auszutreiben, ist im positiven Sinne etwas richtig gelaufen.

So ganz nebenbei ist der Film eine interessante Lehrstunde zu bemannten Raumfahrt für all diejenigen, die sich mit dem Thema vielleicht noch nicht so intensiv beschäftigt haben. Und vermittelt auf unterhaltsame Weise die Faszination und Leidenschaft hierfür.

Fazit

Die Oscar-Nominierungen für die Kategorien "Bester Film", "Beste Darstellerin in einer Nebenrolle" und "Bestes adaptiertes Drehbuch" hat Hidden Figures zurecht erhalten. Erfrischend anders nähert er sich Themen, die bis heute für gewaltigen Gesprächsstoff sorgen. Es muss nun mal nicht immer plakativ und laut sein.

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen | Offizieller Trailer #1 | Deutsch HD German

Deutsches Poster zu Hidden Figures
Originaltitel:
Hidden Figures
Kinostart:
02.02.17
Laufzeit:
127 min
Regie:
Theodore Melfi
Drehbuch:
Allison Schroeder, Theodore Melfi
Darsteller:
Taraji P. Henson, Octavia Spencer, Janelle Monáe, Kevin Costner, Kirsten Dunst, Jim Parsons
Die Geschichte der brillanten Mathematikerinnen Katherine Johnson, Dorothy Vaughn und Mary Jackson, die hinter den ersten bemannten Missionen ins Weltall standen.

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