Kritik zu The Walking Dead 8.02: The Damned

SPOILER

Der Kampf der Verbündeten aus Alexandria, Hilltop und dem Kingdom gegen Negan und seine Anhänger geht blutig weiter. Die Episode mit dem Titel "The Damned" (Die Verdammten) zeigt auch, wie die brutaler werdende Auseinandersetzung auf verschiedenste Art ihren Tribut fordert.

Lageplan

Gerade zu Beginn wird mit reichlich Großaufnahmen von Gesichtern gearbeitet, was eine Zuordnung und Orientierung, wer nun gerade wo mit wem ist, erschwert. Doch im Verlauf klärt sich die Situation, und man erkennt das taktische Vorgehen: Die strategisch wichtigen Punkte der Saviors werden von einzelnen Gruppen angegriffen oder still ausgeschaltet und das Herzstück, das Sanctuary, eingekreist.

Neben massig Pistolen, Gewehren und Munition sollen auch die frisch getöteten, als Zombies wiederkehrenden Gegner als Waffen eingesetzt werden.

Blutrausch und Heiligenschein

Ein großer Teil der Episode wird genutzt, um lautstark zu zeigen, wie man auf unterschiedliche Arten Leute töten kann. Doch auch den ethischen Fragestellungen, und was ein derart brutales Vorgehen für die Charaktere heißt, wird etwas Raum gegeben.

Besonders deutlich wird dies im Gespann aus Tara und Jesus. Die eine folgt Ricks Anweisung, jeden, dem man begegnet, aus dem Weg zu räumen. Jesus hingegen weigert sich, Leute zu töten, die sich ergeben und hilflos oder auch unschuldig scheinen. Er erinnert Tara daran, dass dies kein Rachefeldzug sei und ihre von den Saviorn getötete Partnerin auch nicht wiederbringen könne. Seine Gutgläubigkeit wird ihm beinahe zum Verhängnis - doch auch dies lässt ihn von seinem Weg nicht abkommen, und er versucht, das gute Gewissen der Gruppe zu bleiben.

So gelingt es Jesus gerade noch, Morgan in seinem Blutrausch zu unterbrechen. Nachdem er angeschossen und seine Gruppenmitglieder getötet wurden, kennt Morgan kein Halten mehr. Zwar ist er schon vorab etwas von seinem propagierten Weg der Gewaltlosigkeit abgewichen, doch was einst bei ihm wie Gelassenheit und innere Ruhe wirkte, sieht nun eher nach kalter Kampfmaschine aus.

Waffenbrüder auf geheimer Mission

Auch Daryl und Rick gehen auf der Suche nach dem zentralen Waffenversteck der Savior mit Hilfe von Dwights Hinweisen taktisch und kühl vor. Nach wie vor hat man das Gefühl, dass die Schreiber nicht so recht wissen, was sie mit Daryl und Rick anfangen sollen, und so wirken die Plotstränge der beiden anhaltend schwach.

Der Blick in eine der Zellen, in denen auch Daryl einige Zeit verbrachte und von Negan gedemütigt und gefoltert worden ist, sollte wohl etwas Tiefe geben und beim Zuschauer etwas auslösen, bleibt für wirkliche Emotion oder Verbindung zum Charakter aber zu dünn und wirkt so leider nur aufgesetzt.

Rick wird wortwörtlich ein Spiegel vorgehalten, nachdem er in einer aufgebrochenen Wohnungen einen Mann tötet. Als Rick ein benachbartes Zimmer betritt, steht er auf einmal in einem liebevoll hergerichteten Kinderzimmer mit schlafenden Baby. Er sieht sich, einen blutigen, verlotterten Eindringling mit Pistole in der Hand, der den anscheinend lediglich besorgten Kindsvater brutal umgebracht hat.

Als sie nirgends Hinweise auf Waffen finden und spätestens, nachdem der Mann sich zwar gegen Rick gewehrt, aber eben nicht auf ihn geschossen hat und wohl unbewaffnet gewesen ist, kommen Daryl und Rick Zweifel. Ob sie nur am falschen Ort sind oder Dwight etwas anderes im Schilde führt, ist noch offen.

Vertrau dem König

Anders als Daryl und Rick weiß König Ezekiel anhaltend zu unterhalten und seine Mannen zu motivieren. Carol kennt sein Gebaren ja nun mittlerweile und weiß um die Maske, die er trägt, um seiner Meinung nach ein guter Anführer sein zu können - hat aber gerade in dieser ernsten Situation doch die ein oder andere Schwierigkeit damit.

Der Trupp überlebt die Explosion durch eine in der letzten Episode ausgelösten Sprengfalle und findet sich kurz danach in einer Gruppe Zombies wieder. Dieser kurze Kampf hätte spannender sein können, wenn man die angedeutete Verwirrung auf Grund des Staubs und Schwerhörigkeit nach der Explosion weiter ausgespielt hätte - das bloße Herannahen und mögliche Bedrohung von Zombies allein dürfte nach acht Staffeln The Walking Dead wohl bei niemanden mehr den Puls nach oben treiben.

Dennoch machen die Szenen mit Carol, Ezekiel, Shiva und der Gefolgschaft aus dem Kingdom einfach Spaß. Ezekiels Kommentar "Fake it till you make it, baby" nach einer seiner wortreichen, geschwollenen Reden ist eine nette Erinnerung an Carol und den Zuschauer, dass er sehr wohl um sein Auftreten weiß und dahinter dennoch eine echte Person steckt, die es ernst meint.

Wer sind diese Leute?

Leider zieht sich auch in dieser Episode eine große Schwäche der vergangenen Staffel fort. Zwar sind die Handlungsorte konzentrierter, doch man ist mit zahlreichen Charakteren konfrontiert. Die Zeit ist beschränkt und so kann diesen gar nicht genug Raum gegeben werden, damit der Zuschauer eine Bindung aufbauen kann.

Wieso genau sollte einen das Schicksal von Eric, Aaron und Tobin beim wilden Schusswechsel mit bislang unbekannten Saviorn interessieren? Wusste man überhaupt auf Anhieb, wie diese Figuren heißen? Braucht eine dicht gepackte Serie mit zahlreichen Möglichkeiten an anderer Stelle tiefer zu beleuchten wirklich derart Kanonenfutter?

Besonders deutlich wird dies beim Aufeinandertreffen von Rick und Morales. Im Vorhinein wurde bereits gemunkelt, dass ein lange verschollener Charakter der Serie wieder auftaucht.

Morales war zum Beginn der Serie Teil der Überlebenden, die Rick in Atlanta getroffen hat. Sie haben gemeinsam gegen Zombies gekämpft. In der fünften Episode "Tag 194" trennt sich Morales mit seiner Familie von der Gruppe und möchte sich lieber auf die Suche nach Verwandten machen. Und nun sehen wir ihn als Savior wieder.

Zugegeben: Ich musste selbst nach Namensnennung in der Episode erst noch einmal die Suchmaschine bemühen. Und bin immer noch komplett unbewegt.

Fazit

Auch wenn es nach wie vor reichlich Verbesserungsmöglichkeiten gibt - im Gesamten funktioniert "The Damned" ziemlich gut. Es scheint voran zu gehen und ist knackig erzählt. Dies lässt fast vergessen, dass es noch gar keine Auflösung des Cliffhangers der letzten Episode gab - das Schicksal von Gabriel und Negan ist nach wie vor offen.

Zusätzlicher Bonuspunkt ist das hervorragende Sounddesign, das mit dem Wechsel aus lauten Actionszenen und nahezu musiklosen Momenten in beklemmenden Situationen auch die innere Zerrissenheit der Charaktere perfekt untermalt.

The Walking Dead 8x02 Sneak Peek #2 Season 8 Episode 2 Promo/Preview HD "The Dammed"

The Walking Dead Staffel 6

Originaltitel: The Walking Dead (seit 2010)
Erstaustrahlung am
31.10.2010 bei AMC / 11. Mai 2012 bei RTL1
Darsteller:
Andrew Lincoln (Rick Grimes), Norman Reedus (Daryl), Lauren Cohan (Maggie), Chandler Riggs (Carl), Melissa McBride (Carol), Steven Yeun (Glenn), Laurie Holden (Andrea), Danai Gurira (Michonne), Sonequa Martin-Green (Sasha), Jon Bernthal (Shane), Sarah Wayne Callies (Lori), Jeffrey DeMunn (Dale), Michael Rooker (Merle), David Morrissey (Govenor), Scott Wilson (Hershel), Michael Cudlitz (Abraham), Emily Kinney (Beth), Chad L. Coleman (Tyrese), Lennie James (Morgan), Jeffrey Dean Morgan (Negan), Alanna Masterson (Tara), Josh McDermitt (Eugene), Christian Serratos (Rosita)
Produzenten: Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman, Charles H. Eglee, Glen Mazzara, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Tom Luse, Frank Darabont
Basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman
Entwickelt von Frank Darabont
Staffeln: 9+
Anzahl der Episoden: 115+

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