Geister-Schocker 76: Kritik zum Hörspiel Kreuzfahrt in die Hölle

In den 70er- und 80er-Jahren, als sich nur sehr wohlhabende Menschen eine Kreuzfahrt leisten konnten, öffneten TV-Serien wie Das Traumschiff und The Loveboat ein Fenster in eine Luxuswelt voller Exotik und Liebeswirren. Das scheint auch auf mehrere Autoren der damals beliebten Gruselromanhelfte inspirierend gewirkt zu haben. Eine dieser Geschichten von Bob Collins hat Romantruhe Audio nun unter den Titel Kreuzfahrt in die Hölle vertont.

Auffallend ist, dass sich in der Geister-Schocker-Reihe bereits zwei weitere Hörspiele zum Thema Kreuzfahrt befinden: Geister-Schocker 41: Das Monster aus dem Jenseits und die Folge 13: Kreuzfahrt in die Hölle aus der Feder von Wolfgang Hohlbein. Einen Punkt für mangelnde Kreativität kann man für den doppelten Titel also gleich zu Beginn abziehen.

"Alles, was wir auf der Sardonia erlebt haben, ist scheinbar weit hergeholt – aber alles ist geschehen oder zweifeln Sie daran?"

Die Geschichte beginnt auf den Galapagos-Inseln. Das Kreuzfahrtschiff Sardonia will gerade aus dem Hafen von St. Christobal auslaufen, als zwei FBI-Agenten mit einem mysteriösen Gefangenen zusteigen. Darauf wird der Reporter Guy Grant aufmerksam, der sich an die Ferse der beiden Polizisten heftet. So wird er Zeuge eines mysteriösen Mordes. Als sich Kapitän Fancher dazu entschließt, das Festland anzusteuern, um die beiden FBI-Agenten und ihren Gefangenen los zu werden, ist es bereits zu spät.

Es kommt zu weiteren unheimlichen Todesfällen und übersinnlichen Ereignissen. Zuletzt scheinen sich auch das Meer und das Wetter gegen das Kreuzfahrtschiff zu wenden. Der Journalist Grant versucht, zusammen mit der Schiffsärztin Dr. Meredith und dem Ersten Offizier Holcomb, den Täter zu ermitteln und so den drohenden Untergang des Schiffes zu verhindern.

"Ich fasse es nicht. Sie haben den Mistkerl k.o. geschlagen, und das Schiff ist wieder zur Ruhe gekommen."

Die Geister-Schocker hatten schon immer einen großen Hang zum Trash. Es gab durchaus gelungen spannende Folgen wie Der Satansorden von Chalderon oder Der Götze vom anderen Stern, die sich deutlich an Filmvorbildern orientieren. Dazwischen gab es Episoden wie Die Geliebte der Bestie mit gewollt lustigen Anspielungen an Lost und Star Wars.

Kreuzfahrt in die Hölle fällt in eine andere Kategorie. Die Story über einen übersinnlich begabten Killer auf einem Passagierschiff hat durchaus gute Ansätze für eine solide Horrorerzählung. Auf die üblichen beliebten Trash-Zutaten wie Riesenmonster, glupschäugige Außerirdische oder wahnsinnige Wissenschaftler wird nicht zurückgegriffen. Dennoch schaffen es die Machern nicht, eine unheimliche Stimmung zu erzeugen.

Dies liegt nicht in der Geschichte begründet, sondern daran, wie sie erzählt wird. Es wird gleich in die Handlung eingestiegen, ohne erst mal die Stimmung auf dem Kreuzfahrtschiff einzufangen. Der Erzähler kommt eigentlich immer zu Wort, wenn er nicht gebraucht wird. Gerade am Ende fehlt er hingegen, sodass es zu Handlungssprüngen kommt, welche der Hörer schwer einordnen kann. So sind plötzlich Personen tot, die in der Szene zuvor gerade noch gesprochen haben. Das es einen Orts- und Zeitwechsel gab, ist nur schwer nachzuvollziehen.

Außerdem kommt es zu unlogischen Entwicklungen, und die Motivation der einzelnen Personen sind zum Teil recht schleierhaft. So lässt sich vielleicht noch erklären, warum der Reporter Grant das Kommando übernimmt – als Held der Geschichte ist es einfach seine Berufung. Aber warum die Brücken-Crew des Schiffes ihn ohne große Bedenken als neuen Anführer akzeptiert, wird nie klar.

"John, John ... Scheiße, dieses scheiß Tablett hat ihn geköpft"

Das größte Manko für eine unheimliche Atmosphäre sind aber die Dialoge. Sie lassen den Hörer öfter laut auflachen als vor Angst zusammenzucken. In einer Szene zu Beginn wird jemand auf mysteriöse Weise durch ein fliegendes Silbertablett geköpft. Der Erzähler schildert auch pflichtbewusst, wie der Kopf vom Körper fällt. Trotzdem spricht der Zeuge der Bluttat seinen Kollegen zweimal an, ehe er feststellt, dass dieser tot ist und wohl nicht mehr antworten wird.

Solche absurden Dialoge werden in dem Hörspiel noch öfter geführt. Dennoch ist zu erkennen, dass man versucht hat, ein ernsthaftes Gruselhörspiel zu produzieren. Die Macher sind nur auf äußerst amüsante Art und Weise daran gescheitert. Gerade diese Tatsache macht die Folge so unterhaltsam. Während manche Trash-Komödien nicht wirklich lustig sind, gibt es bei Kreuzfahrt in die Hölle einige, wenn auch unfreiwillige, gute Lacher.

Immerhin muss man der Geschichte zugute halten, dass es zum Ende noch eine nicht vorhersehbare Wendung gibt. Produziert wurde das Hörspiel auch auf dem hohen Niveau der anderen Folgen der Reihe. Niemand scheint lustlos oder bewusst reinen Trash abliefern zu wollen.

"Wie sah der Mann aus?" „So wie er beschrieben wurde, Sir."

So hat man auch bei dieser Folge wieder drauf geachtet, erfahrene Synchron- und Hörspielsprecher zu engagieren. Diese liefern auch alle einen guten Job ab – sind aber manchmal Opfer ihrer Dialogzeilen, die sie sprechen müssen.

Als Reporter Guy Grant ist Alexander Doering zu hören. Es ist der Synchronsprecher von Dominic Monaghan in Peter Jacksons Herr-der-Ringe-Trilogie. Ihm zur Seite stehen Tanja Geke (Synchronsprecherin von Zoe Saldana) als Dr. Meredith und Martin Kessler (Synchronsprecher von Nicolas Cage und Vin Diesel) als Gregory Holcomb.

In weiteren Rollen sind Marius Claren (Synchronsprecher von Jake Gyllenhaal und Tobey Maguire), Tim Knauer (Synchronsprecher von Dean O'Gorman in der Hobbit-Trilogie), Dirk Hardegen (Sprecher in den Hörspielen Drachenlanze, Geisterjäger John Sinclair und Bernhard Hennens Die Elfen) und Jörg Adae (Ödipussi) zu hören.

"Keine Panik, na der hat gut reden."

Einzig Helgo Liebig (Sprecher von verschiedenen Rollen in den alten Masters-of-the-Universe-Hörspielen) als Erzähler und einige kleinere Nebenrollen fallen im Vergleich zu den anderen Sprechern in ihrer Leistung ab. Das wirkt sich gerade in Liebigs Fall negativ aus. Gute Erzähler wie Christian Rode (Dreamland Grusel), Joachim Kerzel (Geisterjäger John Sinclair) oder Karlheinz Tafel (Erzähler der ersten Geister-Schocker-Folgen) konnten mit ihren markanten Stimmen auch bei schwachen Geschichten eine unheimliche Grundstimmung erzeugen.

Jeder, der schon einmal Halloween, Pyscho oder Der Weiße Hai gesehen hat, weiß auch wie sehr die Musik zur Erzeugung von Angst eingesetzt werden kann. Die musikalische Begleitung der Kreuzfahrt in die Hölle plätschert leider völlig belanglos am Ohr des Hörers vorbei.

"Warum, Sie haben doch ein Mittel gegen Smith und seine magische Fähigkeiten gefunden – Ihre Faust."

Den Umfang des CD-Booklets hat das Hörspiel-Label auch gekürzt. Zum Start der Reihe umfasste es noch zehn Seiten voller Informationen zu den Sprechern, dem Künstler der Covers, den Autoren der Folge, Kurzgeschichten, Minicomics oder Beiträge zur Geschichte der Gruselwelle der 70er und 80er Jahre. Zuletzt gab es auf wenigen Seiten zumindest noch Basisinformationen zu Autoren, Sprechern und der Romanvorlage.

In der aktuellen Folge werden nun nur noch die Sprecher und ihre Rolle aufgeführt. So kann man auch nicht mehr nachvollziehen, ob der doppelte Titel Kreuzfahrt in die Hölle bei Geister-Schocker 13 und 76 erst bei den Hörspielen auftrat oder auf die original Gruselromane zurückgeht.

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. So hat sich Romantruhe Audio nur den Standard angepasst, den man bei den meisten Hörspielen zurzeit vorfindet, die im Booklet alle ohne große Extras auskommen. Die Aufmachung der CD ist insgesamt gelungen. Das Coverbild hat zwar nur wenig mit der Geschichte zu tun, gibt aber durchaus die Trash-Stimmung des Hörspiels wieder.

"Mein Bedarf an Schiffen ist vorläufig gedeckt."

Fazit

Die Geister-Schocker-Reihe bleibt eine Wundertüte – man weiß nie genau, was man bekommt. Mit der Folge 76 ist Romantruhe Audio sicher kein Meisterwerk gelungen. Die Macher sind auf amüsante Weise daran gescheitert Gruselstimmung zu erzeugen – aber die Kreuzfahrt in Hölle ist dennoch unterhaltsam und streckenweise unfreiwillig komisch.

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