Retro-Kiste: Meine teuflischen Nachbarn - Das riecht ja, als ob die da drüben eine Katze grillen

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Meine teuflischen Nachbarn

Was wären die 80er-Jahre ohne Joe Dante? Der Regisseur, der seine Karriere 1978 mit den Horrorfilm Piranhas begann, prägte zusammen mit Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft), James Cameron (Terminator), Richard Donner (Die Goonies), Ridley Scott (Blade Runner), Ron Howard (Willow) und vor allen Steven Spielberg (E. T.) den fantastischen Film dieses Jahrzehnts. 1981 drehte Dante Das Tier. Drei Jahre später hatte er mit Gremlins – Kleine Monster seinen endgültigen Durchbruch.

Es folgten Explorers – Ein phantastisches Abenteuer und Die Reise ins Ich. In den 90er-Jahren inszenierte er noch die Fortsetzung Gremlins 2 – Die Rückkehr der kleinen Monster oder Small Soldiers mit Kirsten Dunst in der Hauptrolle. Dann wurde es lange still um den Regisseur, und er geriet ein wenig in Vergessenheit – außer man schaut sich jedes Jahr zu Weihnachten wieder Gremlins an.

Im Vergleich zu seinen anderen Erfolgen aus den 80er-Jahren ist auch die Horrorkomödie Meine teuflischen Nachbarn ein wenig in Vergessenheit geraten. Der Film aus dem Jahr 1989 fährt immerhin Tom Hanks als Hauptdarsteller auf – obwohl das auch wieder nichts heißen will, da Hanks (Splash: Jungfrau am Haken, Big, Schlappe Bullen beißen nicht, Scott & Huutsch) zwischen 1980 und 1989 gefühlt in jeder zweiten Komödie mitgespielt hat.

"Kleinstädte sind voll von solchen Geschichten."

Im Vorspann des Films ist das Markenzeichen des Filmstudios Universal zu sehen. Von diesem Globus wird dann langsam immer näher auf die Erdoberfläche herangezoomt. Am Ende blicken die Zuschauer in eine typische amerikanische Vorstadtstraße – dem Handlungsort von Dantes Meine teuflischen Nachbarn.

Das heißt, ganz so typisch ist die Vorstadtidylle nicht. Ein heruntergekommenes Haus mit vertrocknetem Vorgarten stört die nächtliche Perfektion der Sackgasse. Ray Peterson, einer der Bewohner der Straße, steht im Pyjama vor seinem Haus und starrt zu der Bruchbude hinüber. Seltsame Geräusche und Lichter, die aus dem Gebäude dringen, haben ihm geweckt.

"Ich beobachte die schon, seit sie hier angekommen sind – niemand geht rein, niemand kommt raus."

In das unheimliche Haus ist vor Kurzem die Familie Klopek eingezogen, welche von den anderen Nachbarn misstrauisch beäugt wird. So stößt Ray auf offene Ohren, als er seinen Nachbarn Art Weingartner, den ehemaligen Soldaten Rumsfield und den jugendlichen Ricky Butler am nächsten Morgen von seinen nächtlichen Beobachtungen berichtet.

Von dieser Ausgangslage entwickelt sich schnell eine temporeiche Handlung mit immer absurderen Situationen. Die Nachbarn versuchen auf verschiedenen Wegen, mehr über ihre seltsamen Nachbarn – die Theorien reichen von einfachen Kriminellen bis zu satanischen Sektenmitgliedern – herauszufinden.

Als die naheliegendste Methode – einfach an der Tür zu klingeln und sich vorzustellen – misslingt, greifen die Bewohner der Sackgasse zu härteren Methoden: Sie beobachten die Klopeks nachts mit Infrarotbrillen, durchwühlen ihren Müll und dringen in ihren Garten ein. Ihr Misstrauen wächst, als ein älterer Herr aus ihrer Nachbarschaft scheinbar spurlos verschwindet – zurück bleibt nur sein Toupet.

Da kann auch ein von Rays Ehefrau Carol arrangiertes Treffen mit den Klopeks die Vorurteile nicht abbauen. Als sowohl ihre Ehefrauen als auch die Familie Klopek am Wochenende wegfahren, holen Ray und seine Nachbarn zum finalen Schlag gegen die teuflischen Hausbewohner aus. Es endet im Chaos – welches nur noch Ricky und seine jugendlichen Freunde als Zuschauer des Spektakels genießen können.

"Da gibt es gar keinen Zweifel mehr. Es ist Realität. Deine Nachbarn ermorden lebende Menschen."

Neben Tom Hanks als Ray Peterson ist Sternenprinzessin Carrie Fisher (Blues Brothers) als seine Ehefrau Carol zu sehen. Als ihre Nachbarn sind Corey Feldman (Stand by Me) als Ricky Butler, Rick Ducommun (Mel Brooks' Spaceballs) als Art Weingartner, Bruce Dern (Lautlos im Weltraum) als Ex-Sergeant Rumsfield und Wendy Schaal (Das Wunder in der 8. Straße) als Bonnie Rumsfield mit dabei. Die unheimlichen Familienmitglieder der Klopeks werden von Courtney Gains (Can't Buy Me Love), Brother Theodore (Das letzte Einhorn) und Henry Gibson (Die Reise ins Ich) dargestellt.

Außerdem ist Robert Picardo als Müllmann zu sehen, der auch schon in Dantes Das Tier, Explorers, Gremlins 2 und Matinée kleinere Auftritte hatte, aber dem breiten Publikum als Holo Doc in der Serie Star Trek: Raumschiff Voyager bekannt sein dürfte. Sein Kollege wird von Dick Miller dargestellt, der auch in mehreren Filmen des Regisseurs mit dabei ist, unter anderen als Murray Futterman in den beiden Gremlins-Filmen.

Die Filmmusik stammt von dem Komponisten Jerry Goldsmith, der mit den Soundtracks zu Poltergeist, Rambo, Explorers, Gremlins und Total Recall Die totale Erinnerung die Kinofilme der 80er-Jahre musikalisch prägte.

Meine teuflischen Nachbarn ist eine typische Komödie des Jahrzehnts, welche sich über spießige Vorstadtbewohner lustig macht, ohne dabei allzu böse zu werden. Dante besitzt durchaus einen hintergründigen Humor. Aber jeder subtile Ansatz im Film wird schnell wieder im Klamauk erstickt.

Am Ende schreit der Film seine Moral deutlich erkennbar heraus. Allerdings ist Joe Dante so etwas wie der böse Zwilling von Steven Spielbergs. Erkennbar am Twist zum Ende von Meine teuflischen Nachbarn. Wo Spielbergs Filme oft gut oder zumindest moralisch eindeutig enden, lässt Dante die Zuschauer etwas ratlos zurück. Wurde nicht gerade noch genau das Gegenteil vermittelt? Vielleicht ist der Sieg der Vorstädter und das vermeintliche Happy End gar keines, sondern eher eine neue Bedrohung?

"Das hier ist die Wirklichkeit. Hier bin ich aufgewachsen."

Dem Regisseur geht es um die Wahrnehmung des Fremden. Der Hauptgrund, warum die Nachbarn den Klopeks nicht über den Weg trauen, ist aber nicht ihre osteuropäische Herkunft, sondern vielmehr die mangelnde Pflege ihres Vorgartens und ihr unangepasstes Benehmen. Die Klopeks verhalten sich nicht wie die restlichen Bewohner der Straße – und sind zudem die ideale Ablenkung davon, dass Ray und seine Freunde sich oft untereinander nicht allzu grün sind.

Horrorfilme spielen fast immer mit der Furcht vor dem Fremden und Unbekannten. Dante hat seine Geschichte ganz bewusst nicht in einer verlassenen Moorlandschaft oder einer verfallenen Burgruine angesiedelt, sondern in einer spießigen Stadtrandsiedlung.

Anders aber als zum Beispiel John Carpenters Vorstadt-Slasher Halloween, steht der Horror nie im Vordergrund. Es erstaunt deswegen schon, dass der Film eine Altersfreigabe ab 16 bekommen hat. Die einzige ansatzweise gruselige Szene ist Tom Hanks Alptraum sowie einige Knochen und Totenschädel.

Es sind die kleinen nebenbei erzählten Geschichten über die vergangenen Verbrechen in der Siedlung, die den realen Horror anklingen lassen. Eigentlich benötigen die amerikanischen Vorstädte keine fremden Teufelsanbeter, die wahren Monster wohnen schon längst vor Ort.

Dantes Kunststück ist es, das eigentlich ernste Thema nie zu schwer werden zu lassen. Ray und seine Nachbarn werden nie als unsympathische Wutbürger zu Schau gestellt, sondern als die naiven Spießer entblößt, die sie sind. Selbst bei ihren schwachsinnigsten Aktionen kann man bedenkenlos mit ihnen mitfiebern und lachen.

Für eine 80er-Komödie ist der Film recht gut gealtert. Auch nach wiederholten Anschauen des Films kann man sich Ricky Butlers Ausspruch am Ende des Films immer noch anschließen:

"Junge, ich liebe diese Straße!"

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Imagine Entertainment/Universal Pictures

"The 'Burbs (1989)" Theatrical Trailer

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