The Witcher: Kritik zum Serienstart bei Netflix

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The Witcher

Geralt von Riva ist ein sogenannter Hexer, ein Monsterjäger, der durch besonderes Training und Mutationen außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Trotz der Tatsache, dass die Hexer es mit Monstern aufnehmen, sind sie in der Bevölkerung alles andere als beliebt. Aufgrund ihrer Mutation wird ihnen Gefühllosigkeit vorgeworfen, zudem gehen sie nur gegen Bezahlung auf Monsterjagd. Während sich Geralt mit verschiedenen Missionen seinen Lebensunterhalt verdient, ahnt er nicht, dass er schon bald zwei schicksalshafte Begegnungen haben wird. Die junge Prinzessin Ciri und die Zauberin Yennefer von Vengerberg werden sein Leben für immer verändern.

Die neue Fantasy-Hit?

Nach dem Ende von Game of Thrones sind die TV-Sender und Streaming-Dienste auf der Suche nach dem nächsten großen Fantasy-Hit. Während HBO vor allem auf Spin-offs aus der Welt von Westeros baut und Amazon mit Der Herr der Ringe punkten will, wirft Netflix seinen Hut mit einer Adaption der Hexer-Saga von Autor Andrzej Sapkowski in den Ring.

Die neue Netflix-Serie stand zunächst aber einmal vor einer ungewöhnlichen Herausforderung. Normalerweise müssen sich Buchadaptionen primär mit den Vorstellungen der Fans der Vorlage messen. Im Falle von The Witcher ist es allerdings so, dass mit der Computerspielereihe, und dabei vor allem The Witcher 3, bereits eine Art Adaption existiert, die darüber hinaus auch noch deutlich populärer als die Reihe von Sapkowski selbst ist. Die Serienmacher rund um Showrunner Lauren Schmidt Hissrich fokussieren sich bei ihrer Umsetzung allerdings nur auf das Ausgangsmaterial. Die Spiele werden komplett ignoriert, was zumindest inhaltlich kein Problem ist, da sie ohnehin erst nach den Büchern spielen. Zudem ist auch ohne Spiele genug Stoff für mehrere Staffeln vorhanden.

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Monster der Woche

Die Hexer-Saga von Andrzej Sapkowski umfasst insgesamt zwei Kurzgeschichtenbände sowie eine fünfteilige Hauptgeschichte. Die ersten fünf Episoden der 1. Staffel, die Netflix im Vorfeld Pressevertretern zur Verfügung stellt, basieren auf dem chronologisch gesehen ersten Kurzgeschichtenband Der letzte Wunsch. Die Tatsache, dass zu Beginn fünf der Kurzgeschichten aus dem Buch umgesetzt wurden, bringt aber ein paar erzählerische Einschränkungen mit sich. So muss sich Geralt praktisch in jeder Folge mit dem Fall beziehungsweise einem Monster der Woche auseinandersetzen. Eine große übergreifende Handlung gibt es für den Hexer zunächst nicht.

Trotzdem sind gerade die Abenteuer von Geralt ein klarer Pluspunkt von The Witcher. Auch wenn die Qualität in den jeweiligen Geschichten etwas schwankt, ist es doch unterhaltsam, den Hexer bei seiner Arbeit zuzusehen. Zudem sorgt er auch immer wieder für die actionreichen Momente in der Serie, die ebenfalls eine Stärke sind. Egal, ob sich Geralt gegen Menschen oder Monster zu Wehr setzen muss, die Action in The Witcher kann sich in jedem Falle sehen lassen.

Der ständige Wechsel des Settings inklusive neuer Figuren, Reiche und Wesen sorgt allerdings auch dafür, dass auf Zuschauer, die noch nie mit The Witcher in Berührung gekommen sind, eine Menge losgelassen wird. Dazu kommt ein erzählerischer Kniff, der an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen nicht verraten werden soll, welcher die Sache aber nicht unbedingt einfacher macht. Alle, die mit der Materie vertraut sind, dürfte damit kein Problem haben, Neulinge werden aber vermutlich etwas brauchen, um reinzukommen und dürften bei den ganzen Namen, Orten und Nationen das eine oder andere Fragezeichen haben.

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Ciri und Yennefer

Wer die Welt von The Witcher kennt, unabhängig davon ob es sich um die Bücher oder die Spiele handelt, der weiß, dass die Prinzessin Ciri und die Zauberin Yennefer von Vengerberg wichtige Rollen im Leben von Geralt spielen. Vor dem Hintergrund haben die Macher der Serie allerdings die weniger gute Entscheidung getroffen, ihnen noch mehr Bedeutung zukommen zu lassen. Da Ciri und Yennefer in Der letzte Wunsch nicht beziehungsweise kaum vorkommen, wurden für beiden Figuren kurzerhand neue Geschichte geschaffen.

Im Falle von Ciri bedeutet dies, dass man ihren Abenteuern folgt, bevor sie auf Geralt trifft, während bei Yennefer ihr Werdegang von einem buckligen Mädchen zur mächtigen Zauberin beschrieben wird. Beides mag nicht so richtig fesseln und sorgt eher dafür, dass das Erzähltempo verschleppt wird. Zudem lässt sich argumentieren, dass es der Figur von Yennefer sogar eher schadet, wenn ihre Herkunftsgeschichte so konkret beleuchtet wird. So nehmen ihr die Autoren einiges von ihrem Reiz und der Mystik, welche sie umgibt.

Auch stellt sich die Frage, ob man unbedingt noch Dinge erfinden muss, wenn insgesamt sieben Bücher darauf warten, adaptiert zu werden. Gerade Netflix hat sich in den vergangenen Jahren ja als sehr absetzungsfreudig erwiesen. Glaubt man Showrunner Lauren Schmidt Hissrich, dann gibt es einen Plan, der insgesamt sieben Staffeln umfasst. Auf diese Staffelzahl kamen bei Netflix bisher nur Orange Is the New Black sowie Grace and Frankie, die aber beide deutlich günstiger aussehen. Auch Game of Thrones kommt einem in den Sinn, wo zum Schluss alles unbedingt und schnell zu einem Ende gebracht werden musste. Man kann nur hoffen, dass die Autoren von The Witcher es nicht irgendwann bereuen, die Zeit in den frühen Folgen nicht besser genutzt zu haben.

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Die Castingfrage

Dass The Witcher Millionen von Computerspielfans auf der ganzen Welt hat, wurde für die Macher der Serie erstmals bei der Ankündigung des Casts zu einem Problem, denn die Darsteller stießen nicht alle auf Gegenliebe. Sehr positiv wurde allerdings Henry Cavill aufgenommen, der auch einen wirklichen guten Job als Geralt von Riva macht. Zugegeben, die Rolle eines etwas grantigen und einsilbrigen Kämpfers mag nicht die schwierigste sein, Cavill überzeugt aber trotzdem von der ersten Sekunde an.

Gleiches lässt sich auch über Freya Allan in ihrer Rolle als Ciri sagen. Hier gab es im Vorfeld einige kritische Stimmen aber im fertigen Endprodukt macht Allan einen wirklich guten Job, auch wenn ihr Handlungsstrang selbst zu den schwächeren der ersten Folgen gehört. Nicht ganz so gut gelungen ist dagegen das Casting von Anya Chalotra als Yennefer. Die Darstellerin wirkt einfach zu jung, vor allem auch im Vergleich zu Cavill, der im realen Leben 13 Jahre älter ist. Am ehesten überzeugt Chalotra noch als junge Yennefer, für die mächtige Zauberin fehlt dann aber irgendwie das gewisse Etwas.

Neben den drei Hauptfiguren können sich die Fans zudem auf wiederkehrende Auftritte von Rittersporn (Dandelion) freuen, der von Joey Batey gespielt wird und sich auch in der Serie vermutlich schnell zu einem Publikumsliebling aufschwingen dürfte. Weitere wichtige Rollen übernehmen Jodhi May, Björn Hlynur Haraldsson und MyAnna Buring, die alle ihre Aufgabe sehr gut erledigen.

Fazit

The Witcher gelingt ein solider, wenn auch kein herausragender Serienstart. Den überwiegend sehr guten Darstellern und der optisch tollen Ausstattung fehlt bisher allerdings noch die Geschichte, die den Zuschauer so richtig mitreißt. Dazu ist die Vorlage einfach zu zerstückelt, während die neu geschaffenen Handlungsstränge ebenfalls nicht ganz überzeugen können. Als Start beziehungsweise Grundstein für mehr funktionieren die ersten fünf Episoden aber durchaus.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Netflix

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