Batman v Superman: Dawn of Justice Kritik Reloaded - noch einmal mit Spoilern

SPOILER

Seit knapp drei Tagen ist Batman v Superman: Dawn of Justice bereits schon in den Schlagzeilen und kommt dabei alles andere als gut weg. Bei Metacritic steht der Film mittlerweile bei einem Score von 44, bei Rotten Tomatos sind es sogar nur 29 Prozent. Unabhängig davon, was man von dem Film am Ende hält, kann man festhalten, dass er in jedem Falle Anlass zu Diskussionen gibt. Für manche Zuschauer war vor allem die erste Hälfte richtig langweilig, anderer hatten dagegen ihre Probleme mit dem action- und CGI-lastigen zweiten Teil. Grund genug für mich auch noch einmal einen Blick auf den Film zu werfen, wobei ich, im Gegensatz zu Kollegin Hemmerling, jeder Spoilervorsicht über Bord werfe. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

Inhaltlich wurde schon in der ersten Kritik alles gesagt, weshalb wir uns die Inhaltszusammenfassung zu Beginn sparen. Stattdessen möchte ich am Anfang festhalten, dass ich Batman v Superman: Dawn of Justice über weite Strecken durchaus unterhaltsam fand. Allerdings macht der Film es mir unglaublich schwer, ihn richtig gut zu finden, einfach weil er so frustrierend aufgebaut ist. Meiner Meinung nach liegen da die Gründe auch darin, warum Batman v Superman vielfach so zerrissen wird (wohlgemerkt nicht nur von Kritikern). Beim Schauen merkt man einfach, dass sich in den 155 Minuten durchaus ein guter Film versteckt. Nur leider ist dieser unter einer so großen Zahl falscher Entscheidungen begraben, dass er sich nur ganz selten zeigt. Leidtun können einem dabei vor allem die Darsteller. Hier gibt es eigentlich keinen wirklich Ausfall und selbst Jesse Eisenberg kann ich keinen Vorwurf machen, aber dazu später.

Das Hauptproblem von Dawn of Justice ist und bleibt am Ende das Drehbuch und dies gleich aus mehreren Gründen. Zum einen hat man das Gefühl, als hätten Regisseur Zach Snyder und sein Team im Vorfeld eine Checkliste von Dingen erhalten, die unbedingt abgearbeitet werden müssen. Dummerweise sorgen diese dafür, dass man die Geschichte von locker drei Filmen in einen pressen musste. Garniert wird das Ganze dann mit einer Reihe an Traumsequenzen, die in der ersten Hälfte jedes Mal vollkommen deplatziert wirken. Ganz komisch wirkt dabei die Rückkehr von Kevin Costner, die vollkommen wirr daher kommt. Ähnlich deplatziert erscheint auch die Vision der Zukunft von Bruce Wayne. Diese ist aber zumindest optisch und actiontechnisch unterhaltsam geraten.

Letztendlich dient die Zukunftsvision vor allem dazu, die Justice League einzuführen. An der Stelle muss man zugeben, dass ja bisher noch nicht so viele Filme die Aufgabe hatten, ein ganzes Universum zu etablieren. Unabhängig davon macht Batman v Superman dies jedoch auf die billigste Art und Weise, die man sich vorstellen kann. Dass die späteren Mitglieder der Justice League dadurch eingeführt werden, dass Wonder Woman sich eine Reihe von kleinen Videoclips anschaut, ist einfach zu dünn. Dann hätte man sich die ganze Sache auch gleich komplett sparen lassen, weil so ist die Einführung von Aquaman, Flash und Cyborg nur schlecht gemachter Fanservice ist. An sich wirkt die Szene wie eine klassische Nach-dem-Abspann-Szene. Da DC solche Sachen jedoch nicht macht, platziert man sie aber lieber mitten in den Film hinein und dies an eine Stelle, die auch einfach nicht passt, beziehungsweise das Tempo in diesem Moment nach unten zieht.

Womit wir bei den beiden großen Auseinandersetzungen angekommen werden. Hier zeigt sich am deutlichsten, dass Batman v Superman einfach zu viel will. Anstatt sich auf die Konfrontation zwischen den beiden Helden zu konzentrieren, wo man ja auch in Ansätzen zeigt, dass genau hier die Stärken des Films liegen, wird das Ganze durch Doomsday verwässert. Dies beginnt allein schon damit, dass der tatsächliche Kampf zwischen Batman und Superman in knapp 5 Minuten abgefrühstückt ist. Der klare Höhepunkt des Films wird dadurch mehr zu einem Intermezzo, bevor die Helden es dann natürlich mit einem noch größeren Gegner zu tun bekommen. Anstatt Batman und Superman ihren Konflikt allein lösen zu lassen, was ein gutes Drehbuch durchaus hätte erreichen können, werden die Argumente der beiden zur Seite geschoben. Dies frustriert vor allem deshalb, weil der Konflikt zuvor über Macht und Verantwortung viele wichtige Punkte anspricht. Gerade das Thema Kollateralschäden wird am Ende sogar vollkommen zu den Akten gelegt. Nachdem Man of Steel wegen seiner Zerstörungsorgie am Ende so viel Kritik bekommen hatte, gibt es in Batman v Superman eine volle 180-Grad-Wende. Plötzlich finden alle Kämpfe nur noch in einem menschleeren Raum statt. Die Macher greifen also nun zum anderen Extrem, was den Film wiederum Glaubwürdigkeit kostet. Der klassische einfache Mittelweg wäre die bessere Lösung gewesen.

Viel geschrieben und diskutiert wurde nach dem Film auch über die Charakterisierung der Figuren. Besonders Batmans Tötungsaktionen stoßen bei vielen Fans auf wenig Gegenliebe. Hier kann man Zach Snyder allerdings zugutehalten, dass Batman in der Vorlage The Dark Knight von Frank Miller ähnlich rücksichtlos vorgeht. Das muss man nicht mögen, es ist aber zumindest begründbar. Was ich etwas schade finde, ist die Tatsache, dass die Figur praktisch nur auf den Kämpfertypen reduziert wurde. Batman ist in den Comics eben keine reine Kampfmaschine, weil er nun mal keine übermenschlichen Fähigkeiten besitzt. In den Filmen wird der Intelligenzfaktor von Bruce Wayne eigentlich immer vernachlässigt und Batman v Superman stellt hier keine Ausnahme da. Allerdings sollte man an dieser Stelle trotzdem noch einmal erwähnen, dass Ben Affleck hier keine Schuld trifft. Er macht wirklich gute Arbeit und spielt eine sehr interessante Version des Charakters.

Eine gute Leistung kann man eigentlich auch Jesse Eisenberg zusprechen, selbst wenn gerade dessen Darstellung unglaublich viel kritisiert wird. Hier würde ich persönlich Eisenberg jedoch gar nicht so große Schuld zurechnen, da er den Charakter durchaus so spielt, wie er angelegt ist. Das Problem mit Lex Luthor ist, dass man meinte, ihn als psychopathischen Multimilliardär darstellen zu müssen, der ständig über Götter und Teufel redet. Der Charakter selbst hat aber überhaupt keine Motivation. Lex hasst Superman und will ihn töten, weil er selbst böse und verrückt ist. Hier sind die Änderungen zur Vorlage gehörig schief gelaufen. Comic-Lex ist vor allem deshalb interessant, weil er sich selbst für den Guten hält. Er glaubt als Einziger die Gefahr in Superman zu sehen und will ihn deshalb aufhalten. In Batman v Superman ist er böse, weil er aufgrund des Drehbuchs böse sein muss. Das Ganze geht soweit, dass man sich fragen kann, was genau Lex sein Plan mit Doomsday gewesen wäre, wenn Batman Superman getötet hätte. Die Schaffung des Monsters war ja nicht mehr wirklich aufzuhalten.

Was uns zum letzten Punkt bringt, der einfach noch angesprochen werden muss und das ist das Marketing. Am Ende haben sich wie bei Terminator die Vorhersagen bewahrheitet, dass man mit dem Trailer von Batman v Superman 95 Prozent des Plots schon gesehen hatte. Einzig der Tod von Superman blieb am Ende als Überraschung, wobei viele Comicleser mit der Enthüllung von Doomsday vermutlich schon eine Ahnung gehabt haben dürfen. Warum der Trailer das Monster zeigen musste, wissen vermutlich nur die Marketingstrategen von Warner Bros. Alle Fans der Comics, die Doomsday kennen, gehen sowieso in den Film und dürften das Monster als Überzeugungsgrund nicht benötigen. Kinogänger, die Doomsday nicht kennen, sehen ein generisches GCI-Monster und dürften davon jetzt auch nicht von den Socken gehauen worden sein. Die Enthüllung im Trailer nimmt dem Film eine der großen Überraschungen, wobei man zugegeben muss, dass man sich Doomsday generell hätte aufsparen können. Wirklich gebraucht hätte ihn Batman v Superman nicht, wenn man sich auf den Konflikt konzentriert hätte, der den Zuschauern im Titel versprochen wurde.

Abschließend will ich festhalten, dass ich mich für alle Fans freue, die mit Batman v Superman: Dawn of Justice im Kino eine tolle Zeit hatten und denen die ganzen kritischen Stimmen nichts ausmachen. Für mich ist der Film am Ende vor allem eine große verschenkte Gelegenheit. Die Darsteller, die Effekte, die Atmosphäre, der tatsächliche Kampf von Batman und Superman und auch die Musik sind die klaren Highlights des Films. Die Qualität des Drehbuchs und viele fragwürdige Entscheidungen ziehen das Gesamtbild allerdings doch herunter. Es bleibt zu hoffen, dass es Suicide Squad und Wonder Woman schon bald besser machen. Platz für ein ernsteres Comic-Universum ist im Kino durchaus vorhanden, es muss nur gut erzählt werden.

Batman v Superman: Dawn of Justice Hauptplakat
Originaltitel:
Batman v Superman: Dawn of Justice
Kinostart:
24.03.16
Laufzeit:
151 min
Regie:
Zack Snyder
Drehbuch:
David S. Goyer, Zack Snyder
Darsteller:
Henry Cavill, Amy Adams, Ben Affleck, Gal Gadot, Ezra Miller, Diane Lane, Jesse Eisenberg, Jeremy Irons, Laurence Fishburne
Batman v Superman spielt nach den Ereignissen aus Man of Steel, in denen halb Metropolis ziemlich verwüstet wurde. Batman zieht auf einen persönlichen Rachefeldzug gegen Superman.

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