Lovecraft

Jubiläen 2020: Willkommen im Jahr der Astronauten und Drachen

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Herrschaft des Feuers

Wenn man dem Kino-Orakel glauben darf, geht die größte Gefahr für das kommende Jahr von Drachen aus. Aber es gibt auch gute Nachrichten: So sagte Hollywood schon vor zwanzig Jahren voraus, dass 2020 die erste bemannte Mission zum Mars startet – und außerdem es gibt wieder viele Jubiläen zu feiern.

Bevor Cthulhu und die anderen Großen Alten vor Äonen das Licht der Welt erblickten, wurde am 20. August 1890, vor 130 Jahren, ihr Schöpfer Howard Phillip Lovecraft geboren. 20 Jahre später am 17. Oktober 1910 starb Kurd Laßwitz (Auf zwei Planeten). Heute erinnert noch der nach Laßwitz benannte Preis an den Pionier der deutschen Science-Fiction.

1920 brachte United Artists ihren ersten Film ins Kino. Das Zeichen des Zorros macht vor 100 Jahren den Schauspieler Douglas Fairbanks senior zum Star. Im selben Jahr wurden die Science-Fiction-Schriftsteller Isaac Asimov und Ray Bradbury sowie der Filmtrickspezialist Ray Harryhausen geboren.

Zehn Jahre später starb Arthur Conan Doyle – unsterblich geblieben ist hingegen, der von ihm erfundene Meisterdetektiv Sherlock Holmes. 1930 wurde Wolfgang Völz geboren. Der 2018 verstorbene Schauspieler war in Raumpatrouille Orion und mehreren Edgar-Wallace-Filmen zu sehen und lieh seine Stimme unter anderen dem Androiden Otto in der Zeichentrickserie Captain Future. Clint Eastwood und Sean Connery könnten, wenn sie wollten, dieses Jahr zusammen ihren 90. Geburtstag feiern.

2019 war Joker einer der großen Erfolge an der Kinokasse. Batmans Lieblingsgegenspieler wurde 1940 von dem Assistenzzeichner Jerry Robinson entworfen und von Bob Kane und Bill Finger überarbeitet. Im selben Jahr hatte auch der Superheld Jay Garrick alias The Flash seinen ersten Auftritt in einem Comicheft. Der vor 80 Jahren geborene Regisseur George A. Romero ist nicht so sehr für seine Helden, sondern für die von ihm etablierten wandelnden Toten bekannt.

Der Regisseur Jack Arnold drehte 1955 gleich zwei Monsterfilme und der junge Clint Eastwood trat vor 65 Jahren sowohl in Tarantula als auch in Die Rache des Ungeheuers in einer Nebenrolle auf.

Alfred Hitchcocks Psycho lief 1960 in den US-Kinos an. Der schottische Comicautor Grant Morrison (Batman: Arkham Asylum, Happy!) und der englische Fantasy-Autor Neil Gaiman (Niemalsland, American Gods) kamen vor 60 Jahren auf die Welt. Somit dürften die beiden den Filmklassiker damals nicht im Kino gesehen haben.

Am 18. Oktober 1970 strahlte die ARD Das Millionenspiel aus. In pseudodokumentarischen Stil zeigte der Film eine TV-Show, in der ein Kandidat von Jäger live zu Tode gehetzt wird. Aufgrund von Urheberstreitigkeiten war Das Millionenspiel, in dem vor 50 Jahren Dieter Hallervorden und Dieter Thomas Heck mitwirkten, mehrere Jahrzehnte nicht zu sehen.

1980 hatte das Warten für viele Star-Wars-Fans ein Ende: George Lucas brachte die Fortsetzung Das Imperium schlägt zurück in die Kinos – Luke verlor vor 40 Jahren seine Hand, und Han Solo wurde in Karbonit eingefroren. John Carpenters Horrorfilm The Fog – Nebel des Grauens hatte es gegen die Konkurrenz aus der weit weit entfernten Galaxie nicht leicht – war aber so erfolgreich, dass man vor 15 Jahren ein Remake des Films drehte.

Der vor 35 erschienene Film Die Goonies ist eine der Inspirationsquellen für die Serie Stranger Things. In deren dritter Staffel schauen sich Robin und Steve ziemlich zugedröhnt Zurück in die Zukunft an, der ebenfalls 1985 in die Kinos kam.

Vor 30 Jahren sahen sich die Menschen Edward mit den Scherenhänden, Total Recall, Tremors – Im Land der Raketenwürmer oder die erste Realverfilmung der Teenage Mutant Ninja Turtles im Kino an. Doch es gab auch Leute, die 1990 lieber zu Hause blieben, um das Point-and-Click-Adventure The Secret of Monkey Island zu spielen. Außerdem erschien in Polen der erste Band mit Kurzgeschichten um den Hexer Geralt von Riva von Andrzej Sapkowski – welcher Jahre später die Grundlage für eine andere erfolgreiche Computerspielreihe und eine TV-Serie bilden sollte.

Dieselben Menschen saßen fünf Jahre später schon wieder oder immer noch vor dem Computer – LucasArts hatte 1995 mit Full Throttle ein weiteres lustiges Adventure-Game herausgebracht. Im Kino klärte Jumanji über die Gefahren von Brettspielen auf und Toy Story bewies vor 25 Jahren, dass computeranimierte Filme abendfüllende Unterhaltung bieten können. Und im Fernsehen startete Captain Janeway mit dem Raumschiff Voyager ihre Rückreise aus dem Delta-Quadranten.

Carl Barks hat Donald Duck nicht erfunden, aber wesentlich zum Weltruhm der Ente beigetragen. Zudem stammt ein Großteil der bekannten Bevölkerung von Entenhausen (Dagobert Duck, Daniel Düsentrieb, Gustav Gans, Gundel Gaukeley und die Panzerknacker) aus seiner Feder. Der Autor und Zeichner starb vor 20 Jahren am 25. August 2000.

2005 trug die dunkle Seite der Macht den Sieg davon, und Darth Vader vernichtete den Orden der Jedi. Vor 15 Jahren endete mit Episode III – Die Rache der Sith die Star-Wars-Prequel-Trilogie. In Australien und Nordamerika wurde das Spiel World of Warcraft schon im November des Vorjahres veröffentlicht. Aber in Europa konnten die Spieler erst ab 2005 an dem Multiplayer-Online-Game teilnehmen. Im selben Jahr kehrte Doctor Who nach längerer Pause mit Christopher Eccleston als neunter Doctor auf den TV-Bildschirm zurück.

Nicht alle Geheimnisse wurden 2010 aufgeklärt, und nicht alle Fans waren mit dem Ende der Serie zufrieden – vor 10 Jahren lief die finale Folge von Lost. Im selben Jahr startete die Zombieserie The Walking Dead – im Herbst 2020 soll die 11. Staffel starten.

Terry Pratchett erschuf mit der Scheibenwelt die Heimat des Zauberers Rincewind, der Hexe Oma Wetterwachs und des Stadtwächters Samuel Mumm. Vor 5 Jahren verstarb einer der besten und lustigsten Fantasy-Autoren. Einen Anfang gab es hingegen für eine Reihe neuer Helden in Star Wars: Das Erwachen der Macht, die an der Seite von Han Solo, Leia und Chewbacca in der Fortsetzung der Skywalker-Saga auftraten. Außerdem war 2015 das Jahr, in dem allen Menschen klar wurde, dass die Autoren von Zurück in die Zukunft II sich geirrt hatten und es doch noch keine funktionsfähigen Hoverboards gab.

Und 2020? Werden Drachen auf der Erde die Macht an sich reißen, während die ersten Astronauten auf dem Mars landen? – Zumindest wenn es nach den Visionen der Drehbuchautoren der frühen 2000er geht. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Regisseur Rob Bowman mit der Voraussage der Zukunft in Die Herrschaft des Feuers daneben lag. Aber auch ein bemannter Marsflug ist für dieses Jahr zumindest nicht absehbar. Aber immerhin ist Brian De Palma mit Mission to Mars ein wenig näher an die Realität herangekommen.

Die Herrschaft des Feuers - VHS Video Trailer

Mission to Mars (2000) - Trailer deutsch/german

Lovecraft: Game-of-Thrones-Schöpfer produzieren Horror-Thriller

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Lovecraft Comic

Nachdem sich die Wege von Lucasfilm und David Benioff und D.B. Weiss vor einigen Monaten trennten, haben die Produzenten von Game of Thrones nun ihr nächstes neues Projekt gefunden. So berichtet Deadline, dass die beiden an einem noch namenlosen Horror-Thriller arbeiten, der von dem Comic Lovecraft von Autor Hans Rodionoff inspiriert wurde.

Das Drehbuch schreiben Phil Hay und Matt Manfredi. Die beiden Autoren sind unter anderem durch Filme wie Aeon Flux oder The Invitation bekannt. Letztere wurde von Karyn Kusama inszeniert, die wiederum bei dem Lovecraft-Horror-Thriller die Rolle einer ausführenden Produzentin übernehmen wird. Einen Regisseur gibt es aktuell noch nicht.

Inhaltlich halten sich die Informationen zum Projekt noch in Grenzen. Der Film soll wohl in den 1920er Jahren spielen und die Frage stellen, was wäre, wenn H.P. Lovecraft in seinen Werken die ganze Zeit die Wahrheit gesagt hätte und alle Monster wirklich existieren würden. Entsprechend wird also der Chthulu-Mythos eine wichtige Rolle spielen.

Color out of Space: Nicolas Cage übernimmt die Hauptrolle

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Nicolas Cage Mandy

Die Produktionsfirmen SpectreVision und ACE Pictures haben mit Nicolas Cage einen Hauptdarsteller für die Adaption von H. P. Lovecrafts Erzählung Color out of Space gefunden. Der Film von Regisseur Richard Stanley (Die Insel des Dr. Moreau) befindet sich bereits seit mehreren Jahren in der Planungsphase.

Nicolas Cage hat im Laufe seiner Filmkarriere in verschiedenen Genrefilmen wie Im Körper des Feindes, Kick-Ass oder Ghost Rider mitgespielt. 1996 erhielt der den Oscar als bester Hauptdarsteller für Leaving Las Vegas. Zuletzt war er in Mandy und als Sprecher in Spider-Man: A New Universe zu sehen beziehungsweise zu hören. Neben Cage spielen Elliot Knight (Titans), Joely Richardson (Maggie), Tommy Chong (Cheech & Chong), Julian Hilliard (Spuk in Hill House) und Q'Orianka Kilcher (Die Einkreisung) in dem Horrorfilm mit.

Die Geschichte von H. P. Lovecraft wurde in Deutschland unter den Titel Die Farbe aus dem All veröffentlicht. Die Erzählung handelt von einen Meteorit, der in der Nähe der Kleinstadt Arkham in Massachusetts auf die Erde stürzt und dort Tiere und Pflanzen mit einer fremden, außerirdischen Farbe infiziert. Auch auf die dort ansässigen Menschen hat der Absturz einen unheimlichen Einfluss.

Für den Film wurde die Handlung, wie bisher bekannt, leicht abgeändert. Im Mittelpunkt steht nicht mehr ein Landvermesser, den es beim Bau einen Stausee in die Gegend verschlägt, sondern die Familie Gardner, die aufs Land zieht und in dessen Garten der Meteoriten einschlägt.

Die Produktion von Color out of Space soll nächsten Monat starten.

Call of Cthulhu: Warum Lovecraft noch heute fasziniert

Eine nebelverhangene Insel, bevölkert von kauzigen Fischern in brüchigen Holzbauten. Einen großen Fang hat hier seit Jahren niemand gemacht, doch keiner denkt an das Festland. Man bleibt unter sich, Fremden wie dem Privatdetektiv Edward Pierce wird misstraut, gesprächig ist hier auf Darkwater Island niemand. Es ist 1924, der Schrecken des Ersten Weltkrieges liegt noch vielen in den Knochen, doch auch einem gestandenen Veteranen wie Pierce will kein Seemann hier von den einheimischen Bräuchen, die mehrere ominöse Symbole und eine fremde Sprache beinhalten, erzählen. Die Bewohner der Insel leiden unter Schlaflosigkeit, jeden Tag verschwinden Nachbarn, Haustiere - selbst Möwen haben sich verflüchtigt. Der Detektiv watet also auf der Suche nach der exzentrischen Malerin Sarah Hawkins durch den Keller eines überfluteten Hauses. Hüfthoch und undurchsichtig. Im nächsten Moment, wie sollte es auch anders sein: Tentakel. Dann Dunkelheit.

Die beschriebenen Szenen stammen aus dem neuen Videospiel Call of Cthulhu, natürlich basierend auf der bekannten Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft. Der Ruhm des Vaters allen kosmischen Horrors ist in Deutschland nur von seinem Namensvetter H.P. Baxxter übertroffen, seinesgleichen Komponist und Vater aller kosmischen Elektromusik. Der Cthulhu-Mythos ist heutzutage überall zu finden. Kaum ein Horror-Universum ist nicht vom lovecraft’schen Wahnsinn und übernatürlichen Fürchten inspiriert. Doch wie anhand des obigen Szenarios zu sehen, werden nur wenige Elemente wirklich dem Horror des Amerikaners zugeschrieben. Fischmenschen, Tentakelwesen und alte Götter - das ist Lovecraft! So könnte man jedenfalls heute denken, wenn man sich Medien ansieht, die sich mit dem Namen des Autors schmücken. Am Beispiel des aktuellen Videospiels vom französischen Studio Cyanide lassen sich diese offensichtlichen Inspirationen sehr gut sehen, aber auch ein Blick in die Essenz anderer Werke kann gewagt werden.

Fischmenschen, Geisteskrankheiten und andere Klischees

Die Entwickler verzichten glücklicherweise auf das Gewand eines Actiontitels - sicherlich lassen sich Waffengewalt und Horror kombinieren, doch die Franzosen wollen sich sichtlich auf die erzählerische Aspekte Lovecrafts einlassen. Übernommen aus dem gleichnamigen Pen-and-Paper-Rollenspiel ermittelt der Protagonist Edward Pierce mit Fragen, Überzeugungsarbeit und brillanter Tatortsicherung. Das ist zum Teil sogar wesentlich unblutiger als die Originalbücher: Im Spiel geht es leise und heimlich zur Beobachtung eines Kultistentreffens, während Lovecraft dies mit dutzenden Toten und Gefangenen auflöst. Auf dem digitalen Bildschirm wird der Spieler dazu angehalten, sich auf die Kultisten einzulassen - so sind diese ja auch nur Zivilisten, denen alte Götter unsanft in den Verstand geflüstert haben.

Call of Cthulhu Bücher

Daran zeichnet sich ein Merkmal von vielen Geschichten um kosmisches Grauen ab. Der 1890 geborene Autor hat in seinen Büchern außerhalb des menschlichen Verstandes selten Grauzonen etabliert. Betrachtet man die Geschichten ohne das heute stark abgenutzte Etikett “Psychologischer Horror”, gibt es oft klare Feindbilder. Lovecraft malte seine Geschichten Schwarz und Weiß, oft auch wortwörtlich, sein Rassismus und die Feindseligkeit gegenüber Minderheiten sind ausführlich überliefert. Kunst und Künstler sind in den Originalen schwer zu trennen: Die weltweiten Cthulhu-Kulten aus seinen Schriften sind klar an antisemitische Verschwörungstheorien angelehnt. Glücklicherweise lassen Medien aus diesem Jahrhundert diesen Aspekt aus - die Erzählungen brauchen ihn sicherlich nicht.

Unklare Feindbilder im Videospiel tragen dabei sogar zu der größten Stärke von Call of Cthulhu bei. Ist in vielen Horrorfilmen das Grauen greifbar, etwa eine Kreatur oder ein Massenmörder, so sitzt es hier im Menschen selbst. Geisteskrankheiten und Wahnsinn sind bei Lovecraft immer zu finden, geschuldet ist es wahrscheinlich auch einem Boom auf dem Forschungsgebiet zu seinen Lebzeiten. Privatermittler Pierce hebt bei seinem Vorgehen viele Bücher auf, bei Freuds Traumdeutung spricht er ein Lob aus, es handele sich schließlich um ein nützliches Werkzeug beim Verhören. Genau an der Stelle vollführen viele Medien einen Drahtseilakt: Sind psychologische Erkrankungen ein Teil der Erzählung, mit dem würdevoll umgegangen wird, oder doch nur ein Mittel zum Zweck?

Alte Götter mit neuen Methoden

H.P. Lovecraft sieht immerhin, dass hinter der Psyche doch noch ein Mensch steht. In einem Essay von 1927 schreibt er, frei übersetzt: "Geschichten von normalen Gefühlen und Ereignissen, oder von gewöhnlichen sentimentalen Veränderungen solcher Gefühle und Ereignisse, werden immer den Geschmack der Mehrheit dominieren. Wahrscheinlich zu Recht, denn diese Dinge machen natürlich den größten Teil der menschlichen Erfahrung aus". So gesteht er sich auch ein, dass seine Bücher nur eine Nische ausmachen, nutzt das Wissen um den Stellenwert von normalen Gefühlen aber für sich. Die Helden seiner Geschichten sind besessen davon, normal zu sein, umgeben von verrückten Kulten. Aber je näher sie der Wahrheit kommen, die ihnen beispielsweise das Necronomicon liefert, desto schneller verlieren sie ihren Verstand. Dieser Verlust der geistigen Gesundheit als Preis für ein höheres Wissen, macht am Ende niemanden zum Gewinner, außer natürlich alte, oktopusgesichtige Götter. Lovecraft lässt den Menschen immer wieder und wieder versagen.

Call of Cthulhu Leuchtturm

In Call of Cthulhu macht sich dieses Scheitern schon früh bemerkbar. Der Protagonist ist ein Veteran des Ersten Weltkrieges. Fälle nimmt er nur an, wenn sie genug Potential bieten, ihn eine Weile vom Alltag abzulenken. Seine Lizenz droht im entzogen zu werden, aber diese Sorgen ertränkt er im Glas, so tief, dass man meint, R'lyeh, die versunkene Heimat von Cthulhu selbst, am Boden zu sehen. Bei seinem Fall sucht er die Wahrheit hinter dem Tod der Familie Hawkins. Nicht etwa die grauenvollen Visionen der Ehefrau oder der mörderische Kult der Insel sind schuld: In einem Familiendrama hat der missbrauchende Vater Feuer gefangen und so Frau und Sohn mit in den Tod, in das Inferno gerissen. Wieder menschliches Versagen, da braucht es nicht mehr viel, um die korrupten Worte Cthulhus in den Kopf zu pflanzen.

Nach solch fürchterlichen Vorkommnissen ist es natürlich leicht, anderen aus dem Weg zu gehen und Mitmenschen zu misstrauen. Es herrscht die Angst vor weiteren Menschen, die plötzlich durchdrehen. In Lovecrafts Worten: „Das älteste und stärkste Gefühl ist Angst, die älteste und stärkste Form der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten“. Und das Unbekannte muss nicht aus dem tiefsten Ozean auftauchen, ein Fremder vom Festland reicht völlig. So löst der Protagonist eine Spirale der Angst aus, aus der auch er selbst nicht entkommen kann. Im Spiel treiben Edward Pierce kleinste Entscheidungen weiter in die Enge: Einen Schluck Whiskey an der Bar trinken, oder doch lieber nüchtern ermitteln? Im uralten Buch voller Geheimnisse blättern, oder doch lieber mit der Polizei kooperieren? Wer sich auf den Wahnsinn einlässt, wird mit neuen Optionen gesegnet: Pierce kann kryptische Zeichen entziffern und Diskussionen mit antiken Wahrheiten lösen. Am Ende sind die Entwickler vor der Konsequenz dieser Entscheidungen aber zurückgeschreckt: Wie der Fall endet, wird in den letzten Sekunden auf Knopfdruck entschieden. Ein wenig mehr Mut hätte an der Stelle nicht geschadet, so verliert der Protagonist in Lovecrafts Geschichten eher die Fähigkeit, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Fazit

Entweder ist diese Entwicklungsentscheidung also der größere Plan eines mächtigen Geschöpfes, oder doch nur das kurze Versagen eines Menschen. Call of Cthulhu versagt aber trotzdem nicht bei dem , was es sein will: Eine Lovecraft-Geschichte zum Miterleben, in der der Spieler den Weg in die eigene Verdammnis geht. Wer also Fischerdörfer, Kultisten und Tentakel noch nicht satt hat, kann zugreifen. Andere sollten durch das nicht erwähnenswerte Gameplay und eine kurze Spielzeit zum hohen Preis aber vielleicht noch abwarten. Man kann nur hoffen, dass eines Tages auch andere Geschichten und Szenarien des Kult-Autors adaptiert werden.

Call of Cthulhu erscheint heute für Playstation, Xbox und den PC.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Cyanide

Call of Cthulhu - Launch Trailer

Howard Phillips Lovecraft – Chroniken des Grauens: Neue Hörspielserie in Planung

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Larry Brent – Die neuen Fälle

Nachdem das Hörspiellabel WinterZeit Audiobooks die Serie Larry Brent aus rechtlichen Gründen nicht mehr fortführen durfte, hat man nach einem Nachfolger gesucht und ist fündig geworden. Das ehemalige Larry-Brent-Team soll nun die Reihe Howard Phillips Lovecraft – Chroniken des Grauens produzieren.

Die Chroniken des Grauens sollen aber keine originalgetreuen Adaptionen des Werkes des Horrorautors werden. Die bekannteren Geschichten Lovecrafts wurde bereits mehrfach von verschiedenen Labels als Hörspiele umgesetzt. WinterZeit Audiobooks will es nun mit einem anderen Ansatz versuchen.

Die Serie wird von Markus Winter geschrieben. Howard Phillips Lovecraft – Chroniken des Grauens soll eine fortlaufende Handlung bekommen sowie, mit der von Lovecraft erdachten Romanfigur Randolph Carter, einen durchgängigen Helden besitzen. Lovecraft Erzählungen dienen lediglich als Inspirationen und Aufhänger für die Nebenhandlung, welche in Etappen zum großen Ziel führen sollen.

H. P. Lovecraft schrieb zu Beginn des 20. Jahrhunderts seinen Geschichten über Cthulhu und andere kosmische Wesen, welchen die Menschen allein durch ihre Präsenz in den Wahnsinn treiben. Zu seinen bekanntesten Werken zählen unter anderen Schatten über Innsmouth, Berge des Wahnsinns, Cthulhus Ruf, Pickmans Modell, Der Fall des Charles Dexter Ward und Die Farbe aus dem All.

Etwas gedulden müssen sich die Hörer aber noch. Als grober Erscheinungstermin für die erste Folge ist erst der Herbst 2019 angedacht. Etwas früher wird hingegen die 2. Staffel der Hörspielreihe Das Schwarze Auge veröffentlicht. Die Fortsetzung der Fantasyserie ist auf der Facebook-Seite des Labels bereits für diesen Winter angekündigt.

The Color out of Space: Neues Filmprojekt zu Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft

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Lovecraft Country

Die Produktionsfirma SpectreVision hat angekündigt, die Kurzgeschichte The Color out of Space (dt.: Die Farbe aus dem All) auf die Leinwand zu bringen. Das Projekt lag bereits seit drei Jahren auf dem Zu-Erledigen-Stapel der Firma, jetzt soll es wohl weitergehen.

In einem Interview mit dem Magazin Birth. Movies. Death. hat sich Produzent Josh C. Waller (Mandy, A Girl walks Home alone at Night) zum aktuellen Stand geäußert. Hier verriet er zwar keinen detaillierten Zeitplan, machte aber deutlich, dass die Arbeiten an der Verfilmung nun konkreter angegangen werden sollen. In Kürze wolle man einen Termin für die Dreharbeiten festlegen.

Mit an Bord soll Regisseur Richard Stanley (Die Insel des Dr. Moreau) sein, außerdem sollte er für die geplanten Dreharbeiten 2016 auch das Drehbuch schreiben. Ob er weiterhin dafür eingeteilt ist, hat Waller zwar nicht verraten, da er aber keinen anderen Namen genannt hat, dürfte die Besetzung vorerst so bestehen bleiben.

Zur Handlung: In der Wildnis rund um Arkham in Massachusetts ist vor einiger Zeit ein Meteorit abgestürzt und hat eine kontaminierte Stelle hinterlassen, auf der Flora und Fauna verrückt spielen. Die Menschen in der Nähe werden infiziert und leiden unter Wahnvorstellungen oder sterben sogar am außerirdischen Virus. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive eines Landvermessers erzählt, der mit den Bauarbeiten für einen Stausee beauftragt wurde. Ein Einsiedler weiht ihn in die dunkle Vergangenheit des Ortes ein.

Dateils zum Cast oder nähere Informationen, wann der Film in die Kinos kommen soll, sind noch nicht bekannt.

Cthulhus unheimliches Nachleben - Zum 80. Todestag von H. P. Lovecraft

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Cthulhu Fluxx

Berühmt wurde H. P. Lovecraft mit seinen Geschichten über Cthulhu und andere kosmische Wesen, welchen die Menschen allein durch ihre Präsenz in den Wahnsinn treiben. Zu seinen Lebzeiten veröffentlichte er nur einen einzigen Roman und einige Erzählungen. Howard Philip Lovecraft starb am 15. März 1937. Dass er achtzig Jahre später noch als Meister der Horrorliteratur gilt, liegt auch an dem Eigenleben, welches sein Werk nach seinem Tod entwickelte.

„Es ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt."

Nach Lovecrafts Tod publizierte sein Freund August Derleth die noch unveröffentlichten Geschichten und Romane. Außerdem schrieb er weitere Horrorgeschichten auf Grundlage des Werkes seines Freundes und fügte diesen weitere Einzelheiten hinzu. So schuf Derleth aus dem bis dahin nur lose verknüpften Erzählungen den Cthulhu-Mythos.

Schon Lovecraft hatte sich mit befreundeten Autoren wie Robert E. Howard und Clark Ashton Smith ausgetauscht und Kreationen des jeweils Anderen in die eigenen Geschichten eingebaut. Im Laufe der Jahrzehnte schrieben Autoren wie Brian Lumley (Dreamland), Graham Masterton (Die Opferung), Wolfgang Hohlbein (Hexer-Zyklus) und Michael Marrack (Imagon) den Mythos fort.

Andere Autoren wie Stephen King (In einer kleinen Stadt, Revival), Neil Gaiman (Nur mal wieder das Ende der Welt) oder Charles Stross (The Atrocity Archives) greifen in ihren Büchern nur einige Motive aus den Cthulhu-Geschichten auf. In Deutschland fand Lovecrafts Mythos mit Arno Schmidts Roman Julia, oder die Gemälde sogar Eingang in die Hochliteratur.

Auch in den Comics hat der Horrorautor seine Spuren hinterlassen – Mike Mignola lässt Hellboy bereits im ersten Band gegen Froschmonster und Tentakelwesen antreten. Lovecrafts Horror spielt auch in den Comics von Joe Hill (Locke & Key) und Alan Moore (Neonomicon) eine Rolle. Die österreichische Comiczeichnerin Anna-Maria Jung gewinnt in Xoth! – Die unaussprechliche Stadt Lovecrafts gruseligem Szenario hingegen eine ganz eigene Komik ab.

Lovecrafts Horror hat sich heute erfolgreich in unterschiedlichen Bereichen der Popkultur festgesetzt: Wer sich dem kosmischen Horror spielerisch nähern will, kann zu Computerspielen (Prisoner of Ice, Call of Cthulhu), Rollenspielen (Call of Cthulhu, Delta Green) oder Gesellschaftsspielen (Arkham Horror, Cthulhu Fluux) greifen. Für die Musik sei stellvertretend der Metallica-Song The Thing that should not Be genannt. Sogar als niedliches Plüschtier gibt es Cthulhu mittlerweile zu kaufen.

Um so erstaunlicher ist es, dass Guillermo del Toro seit Jahren vergeblich versucht, den Roman Berge des Wahnsinns zu verfilmen. Aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten liegt das Projekt bisher auf Eis. Immerhin bekommt man im ersten Hellboy-Film eine Ahnung, wie ein Lovecraft-Film von del Toro aussehen könnte.

Re-Animator, From Beyond – Aliens des Grauens und Dagon sind Filme, die auf Erzählungen H. P. Lovecrafts basieren. Der Fokus dieser Produktion liegt aber mehr auf Schleim, Splatter und Tentakeln als auf dem subtil aufgebauten Horror der Vorlagen.

In John Carpenters Film Mächte des Wahnsinns bekommt der Zuschauer auch jede Menge Schleim, Splatter und Tentakeln geboten. Aber der von Sam Neil gespielte Versicherungsdetektiv verhält sich am Ende so, wie die Protagonisten in Lovecrafts Geschichten – im Angesicht des kosmischen Grauen bleibt ihm nur die Flucht in den Wahnsinn.

In the Mouth of Madness - Trailer, englisch

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