Das Retro-Interview: J. J. Abrams über Super 8

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J. J. Abrams

Großer Erfolg ohne große Namen schien einmal mehr das Erfolgsrezept von J. J. Abrams zu sein, als er 2011 den Film Super 8 auf die Leinwand brachte. Den Regisseur und Produzenten hat es anscheinend in die eigene Kindheit zurückversetzt, denn der Film passt perfekt in die Reihe der Filme, die Steven Spielbergs in den 80er Jahren produziert oder bei ihnen Regie geführt hat. E. T., Die Goonies oder Poltergeist, um nur einige zu nennen.

Abrams‘ Karriere als Filmemacher begann mit ebendiesen Super-8-Filmen und ist auch von Spielberg beeinflusst worden. Im Alter von 15 Jahren zeigten Abrams und sein Kumpel Matt Reeves (Regisseur Cloverfield) ihre Werke über Monster und Verfolgungsjagden auf einem Super-8-Filmfestival. In einem Artikel der Los Angeles Times bezeichnete man die Zwei anschließend als „beardless wonders“, (bartlose Wunderknaben, wir würden vielleicht "Milchbubis" sagen). Daraufhin wurden J. J. und Matt von Steven Spielbergs Assistentin engagiert, dessen in seiner Jugend entstandene Super-8-Filme zu restaurieren – ein früher Ritterschlag für das zurückhaltende Multitalent. Und ebendiese Assistentin war Kathleen Kennedy – heute die Herrin über das Star-Wars-Universum.

Der Film läuft am Neujahrstag um 22.15 Uhr auf Sat 1, darum haben wir uns auf unser Interview-Archiv besonnen, um zu schauen, was der Regisseur damals, 2011, zu sagen hatte.

Die Kinder in Super 8 haben kaum Filmerfahrung – war das ein Risiko? Glaubst du, dass sich ein Film besser mit bekannten Gesichtern vermarkten lässt, oder ist eine gute Geschichte wichtiger?

J.J. Abrams: Ich finde es fantastisch, wenn beides zutrifft. Dass ein Film mit Joel Courtney und Riley Griffith am ersten Wochenende so ein gutes Einspielergebnis gebracht hat, ist wahrscheinlich der Zugkraft von Steven Spielbergs Namen zuzuschreiben. Was besonders schön ist – die Zahlen sind [in den USA] am zweiten Wochenende nur wenig gesunken. Es ist typisch, dass alle Werte um gut 60 Prozent sinken und bei uns waren es nur rund 39 Prozent.

Hast du nicht an den Erfolg des Films geglaubt?

Die Reaktionen waren hauptsächlich positiv. Aber da ist dieser Film namens Super 8, in dem ein Paar Kinder die Hauptrolle spielen, von denen noch nie einer was gehört hat. Im Sommer, wenn man von Piraten, Cars, Green Lantern, Transformers, diesen gigantischen, monolithischen Zugmaschinen geradezu umzingelt ist, finde ich das absolut unglaublich.

Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Steven Spielberg gekommen?

Ich habe ihn angerufen und ihm erzählt, dass ich eine Idee für einen Film habe, der Super 8 heißt und sich um ein paar Kinder dreht, die Filme machen. Ich wusste noch nicht, was es für ein Film werden würde. Ich dachte nur, dass es ein toller Dreh wäre, in die Handlung einzusteigen. Steven hat ziemlich schnell „Ja“ gesagt. Ich kannte ihn schon seit Jahren und habe ihn nicht auf gut Glück angerufen.

Aber in Super 8 steckt ja eine ganze Menge mehr ...

Ich hatte die Idee für eine Story einem Jungen, der gerade eine schwere Zeit durchmacht. Unabhängig davon hatte ich eine Idee an Paramount verkauft, in der es um einen Zugunfall geht. Ein Zug der Air Force entgleist und etwas Gefährliches entkommt. Ich habe dann überlegt, ob man die beiden Ideen verbinden könnte. Also sind es eigentlich zwei verschiedene Filme. Als ich erst einmal angefangen hatte, darüber nachzudenken, fühlte es sich so an, als würde dieses Projekt auf das Regal mit den Amblin-Filmen gehören.

Wie definierst du einen Amblin-Film?

Die Hauptfiguren sind oft jünger. Sie handeln von Familie und Freundschaft, oft kommt etwas Furchterregendes dazu, ein Einfluss von außerhalb dieser Welt, etwas Übernatürliches. Die Filme haben keine Angst, emotional zu sein. Ich liebe einfach Filme, die beim Publikum sowohl Gelächter, als auch Spannung erzeugen und dir dann das Herz brechen und dich zum Weinen bringen. Ich hatte den Ehrgeiz, genau das herauszukitzeln. Ob es geklappt hat oder nicht, muss das Publikum entscheiden.

Wie hat Steven Spielberg reagiert, als er den Film zum ersten Mal gesehen hat?

Er hat sich bereits stets die Dailies angesehen, war also an der Entstehung beteiligt. Die erste Schnittversion war furchtbar und es hat mich gequält, sie ihm zu zeigen. Steven sah, was daraus werden könnte. Er hat über Szenen gelacht, die nicht einmal im entferntesten funktionierten. Er zeigte Reaktionen, von denen ich wusste, dass wir sie irgendwann vielleicht erzeugen könnten. Das war noch im Rohschnitt. Das zeigt, dass er immer das Beste in den Dingen sieht. Es war sehr ermutigend, dass er sich für den Film begeisterte, aber er hat darin einen viel besseren Film gesehen, als ich.

Du hast mal gesagt, ohne ein Drehbuch für Star Trek 2 willst du nicht entscheiden, ob du selbst Regie führst. (Anmerkung: Star Trek Into Darkness war noch nicht gedreht.) Was wäre für dich der entscheidende Faktor, selbst das Steuer zu übernehmen?

Ich muss dazu wissen, wie die gesamte Story aussieht, ob sie funktioniert. Wir haben außergewöhnlich begabte Autoren. Es gibt aber noch ein paar Sachen, die wir noch nicht genau ausgearbeitet haben. Sobald ich weiß, wie diese Sachen laufen werden, wird es eine einfache Entscheidung sein.

Wenn du es nicht machst – müssen wir dann glauben, dass dir das Drehbuch nicht gefällt?

Die Sache ist die: Jeder, der bei irgendetwas Regie führt, muss genau wissen, was dieses Projekt ist. Ich finde, dass ich besser nicht „Ja“ zu einem Film sage, bevor wir wissen, was wir da herausbringen. (lacht) Für mich geht es im Moment nur darum, eine tolle Geschichte zu erzählen. Das haben wir beim ersten Teil hinbekommen und ich bin mir sicher, dass das auch beim Zweiten klappt. Man darf nicht den Karren vor das Pferd spannen. Es ist einfach zu sagen: „Das kriegen wir dann schon hin.“ Ich habe Folgendes schon zu oft erlebt. Du sagt das und kriegt es dann doch nicht hin. Dann ist es zu spät und du fragst dich: „Wie ist mir das nur passiert?“ Ich sage lieber: „So ist es richtig, lasst es uns so machen“, im Gegensatz zu: „Lasst uns das machen, es wird schon werden.“ Und hinterher guckst du in die Röhre.

Habt ihr euch wenigstens schon auf bestimmte Aliens geeinigt?

Oh, es ist noch zu früh, über Spezifisches zu sprechen. Aber es gibt ein paar erstaunlich gute Ideen. Und Damon [Lindelof], Bob [Orci] und Alex [Kurtzman] sind großartige Autoren und tolle Kumpel, also freue ich mich schon sehr auf den Film.

Wie schwierig ist es heutzutage ein neues Alien oder Monster zu schaffen?

Es ist genauso schwierig, wie alles andere. Wenn man die neuen Star-Wars-Filme ansieht (Anmerkung: Damit waren 2011 noch Episode I - III gemeint) – in jedem sind alle nur erdenklichen Arten von Aliens zu sehen. Es gibt nichts Neues, Originelles. Jede Silhouette, jede Farbe, jede mögliche Anzahl von Beinen, jede mögliche Ausprägung war schon einmal da. Das nervt (lacht).

Hast du bestimmte Anforderungen an Neville Page (Cloverfield) gehabt, der das Monster von Super 8 für dich entworfen hat?

Ich wollte, dass es einerseits furchteinflößend ist, andererseits sollte es auch eine Mimik haben. In dem Film geht es nicht um dieses Wesen, es ist nur eine Art Katalysator, um die Geschichte zu erzählen. Das Alien musste in der Lage sein, Joe [Joel Courtney] anzusehen. Der Moment, in dem das Wesen sich vorbeugt und seine Augen öffnet, ist wichtig. Es geht um das Konzept, gesehen zu werden. Joe sagt am Anfang des Films, dass er das Gefühl hatte, dass er existiere, wenn seine Mutter ihn ansah. Die Idee ist es, wenn Joe sich diesem Ding entgegen stellt, nicht angsterfüllt wegläuft, dass er dann noch einmal gesehen, wieder existieren würde und dass diese große Last von ihm abfällt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wenn man dieses Interview heute liest, muss man schon ein bisschen Grinsen. Damals war von einer Fortschreibung der Star-Wars-Filme noch keine Rede. Wenn man sich aber anschaut, wie perfekt Abrams die Atmosphäre der Amblin-Filme für Super 8 eingefangen hat, ist es kein Wunder, dass er Gleiches auch bei Star Wars geschafft hat – schließlich ist er ein Riesen-Fan.

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