Eine Lanze brechen: Der 13te Krieger

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Der 13te Krieger

Wer kennt es nicht? Es gibt diesen einen Film oder diese eine Serie, die im Freundeskreis, von Kritikern oder in Diskussionsforen immer negativ dargestellt werden, während man selbst eigentlich richtig viel Spaß mit ihnen hatte. Höchste Zeit also, diesen Werken einmal etwas Rampenlicht zu geben. Zum Auftakt unserer neuen Rubrik "Eine Lanze brechen" werfen wir einen Blick auf Der 13te Krieger.

Zugegeben, mit seinen fast 20 Jahren hätte Der 13te Krieger auch problemlos in die Retrokiste gepasst. Mit einem Score von 42 bei Metacritic, einem Rating von 33 Prozent bei Rotten Tomatoes und vor allem der Tatsache, dass er bis heute als einer der größten finanziellen Flops aller Zeiten gilt, ist die Romanverfilmung aber auch der perfekte Kandidat, um einmal eine Lanze für ihn zu brechen.

Die Entstehungsgeschichte

Die Entstehung von Der 13te Krieger lässt sich durchaus mit aktuellen Chaosproduktionen wie beispielsweise Solo: A Star Wars Story vergleichen. Die Vorlage zum Film stammt von Erfolgsautor Michael Crichton, dessen Buch DinoPark 1993 von Steven Spielberg verfilmt wurde und sich unter dem Namen Jurassic Park zu einem Milliarden-Franchise entwickelte. Grund genug für Touchstone Pictures/ Disney, sich Ende der 90er die Rechte an Crichtons Roman Die ihre Toten essen / (auch unter dem deutschen Titel Schwarzer Nebel erschienen) zu sichern, und die Verfilmung in die Hände von John McTiernan zu legen.

Der Regisseur von Filmen wie Predator oder Stirb Langsam zerstritt sich im Laufe der Dreharbeiten aber nicht nur mit Autor Michael Crichton, sondern auch mit dem Studio. So soll McTiernan das Budget deutlich überschritten haben und auch inhaltlich seine eigenen Wege gegangen sein. Seine Version des Films richtete sich zudem an ein erwachsenes Publikum, während das Studio eher eine Zielgruppe ab 12 Jahren ansprechen wollte.

Irgendwann riss den Studioverantwortlichen der Geduldsfaden. McTiernan wurde entlassen, und Michael Crichton selbst drehte einen Teil des Films neu. In der Folge schossen die Kosten noch weiter in die Höhe, und Der 13te Krieger musste um über eine Jahr verschoben werden. Schätzungen zufolge soll der Film am Ende deutlich über 100 Millionen Dollar – im Raum standen sogar 160 Millionen Dollar – gekostet haben. Eingespielt wurden dagegen nur rund 61 Millionen Dollar. Mit einem Verlust von bis zu 129 Millionen Dollar gehört Der 13te Krieger daher bis heute zu den größten Flops aller Zeiten.

Der 13te Krieger

Abenteuer ohne Schnörkel

Aufgrund der Produktionsgeschichte wird Der 13te Krieger oft auf sein Flopdasein reduziert, und man überträgt gern einmal das finanzielle Fiasko auf die Qualität des Films. Wer der Romanverfilmung aber eine Chance gibt, der bekommt einen unterhaltsamen historischen Abenteuerfilm, wie sie heute nur noch eher selten produziert werden. Schöne Schauwerte, ein unverbrauchtes Setting, gut inszenierte Action und ein toller Soundtrack machen Der 13te Krieger zu einer kurzweiligen Angelegenheit. Allein die Tatsache, dass der Showdown des Films in unter fünf Minuten abgehandelt wird, ist eine erfrischende Abwechslung zum mittlerweile so allgegenwärtigen 20-minütigen CGI-Finale, ohne das kein Blockbuster mehr auskommt.

Inhaltlich ist zwar durchaus Luft nach oben, aber die Geschichte schafft es, dass der Zuschauer die ganze Zeit bei der Stange bleibt. Hier spielen auch die Darsteller eine Rolle, bei denen natürlich die zwölf Wikinger und Antonio Banderas' Ahmad Ibn Fadlān herausstechen. Selbst die Wikinger-Krieger, die relativ früh das Zeitliche segnen, sind einem zuvor irgendwie ans Herz gewachsen. Allerdings sieht man der Handlung leider ihre Produktionsgeschichte an. Nebenplots, wie die Liebesgeschichte oder der Konflikt mit dem Sohn des Herrschers, verlaufen irgendwie im Nichts und spielen am Ende überhaupt keine Rolle mehr. Diese dürften ein Opfer der Nachdrehs gewesen sein. Warum sie aber nicht gleich komplett aus dem Film geworfen wurden, ist nicht ganz verständlich.

Der 13te Krieger

Eine Frage des Alters

Das Thema Altersfreigabe haben wir ja bereits bei der Entstehungsgeschichte angesprochen, es verdient aber noch einmal eine gesonderte Betrachtung. Ähnlich wie bei der Handlung merkt man dem Film die unterschiedlichen Vorstellungen durchaus an. In gewisser Weise ist es sogar überraschend, dass Der 13te Krieger selbst in Deutschland ab 12 Jahre freigegeben wurde. Die Tatsache, dass der eine oder andere Kopf abgerissen wird beziehungsweise Pfeile durch Köpfe fliegen, schien wohl nicht genug für eine Freigabe ab 16 Jahren. Allerdings sorgte die Entscheidung der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft damals durchaus für Diskussionen. Die DVD ist interessanterweise heute ab 16 Jahren freigegeben, was aber wohl aber eher an den Trailern im Bonusmaterial liegen soll.

Nicht unerwähnt sollte zudem die Schnittfassung von RTL2 bleiben. Der Sender kam irgendwann auf die Idee, dass der Der 13te Krieger auch hervorragend in das Vormittag- und Nachmittagsprogramm passt, wenn man erst einmal alle Gewaltszenen entfernt hat. Das Ergebnis ist eine Schnittfassung, die teilweise überhaupt nicht mehr nachvollziehbar ist und mitunter direkt ganze Actionszenen überspringt. Wer diese Filmfassung sieht, wird sich zurecht die Frage stellen, ob die Verantwortlichen von RTL2 damals wirklich absolut nichts anderes im Sendeschrank hatten. Geholfen haben dürfte es dem Ruf des Films definitiv nicht.

Fazit

Wer Lust auf ein kurzweiliges Abenteuer in der Welt der Wikinger hat, der kommt mit Der 13te Krieger voll auf seine Kosten. Auch wenn man dem Film besonders bei der Handlung seine Entstehungsgeschichte anmerkt, kann diese doch zumindest die rund 100 Minuten bei der Stange halten. Mit seinem Setting, der Action und vor allem dem Soundtrack von Jerry Goldsmith macht Der 13te Krieger dies aber allemal wieder wett.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Touchstone Pictures
Der 13. Krieger Filmplakat
Originaltitel:
The 13th Warrior
Kinostart:
09.09.99
Laufzeit:
103 min
Regie:
John McTiernan
Drehbuch:
William Wisher Jr.
Darsteller:
Antonio Banderas, Vladimir Kulich, Omar Sharif, Diane Venore, Maria Bonnevie
Wenn der Nebel aufzieht kommen sie. Sie töten ohne Gnade und sie verzehren die Leichen. Wenn man sie tötet verschwinden die Körper. Sie sind mit messerscharfen Klauen bewehrt, sprechen keine menschliche Sprache und doch verständigen sie sich untereinander.

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