Yakuza

Yakuza: Sega plant Filmadaption der Spielereihe

Seit 2005 existiert die Yakuza-Reihe für Konsolen und den PC, nun soll der Erfolg auch im Kino fortgeschrieben werden. Wie Variety berichtet, plant Sega eine Filmadaption der beliebten Spielereihe. Dafür hat sich das Unternehmen zunächst einmal die Dienste der Produktionsunternehmen 1212 Entertainment und Wild Sheep Content gesichert.

Als Produzenten des Films sind Erik Barmack, Roberto Grande und Joshua Long an Bord. Bei den Kreativen gibt es dagegen noch keine Zugänge zu vermelden. Aktuell soll die Suche nach einem Drehbuchautor laufen.

Das erste Yakuza erschien 2005 und zog insgesamt fünf Fortsetzungen, ein Prequel und acht Spin-off-Spiele nach sich. Mittlerweile ist die Reihe hinter Sonic das zweiterfolgreichste Franchise für Sega. Der nächste Teil mit dem Namen Yakuza: Like a Dragon soll am 13. November erscheinen.

Im Mittelpunkt der Spiele steht Kazuma Kiryu, ein Mitglied eines Yakuza-Clans in Tokio. Zu Beginn des ersten Spiels wird Kazuma nach einer 10-jährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er die Schuld für einen Mord, den sein bester Freund begangen hat, auf sich genommen hat. Er wird schon bald wieder in die Welt seiner Familie hineingezogen, als dieser 10 Milliarden Yen gestohlen werden.

Im November erscheint Yakuza 7 außerhalb Japans

Bereits seit Januar kann man in Japan den siebten Teil der Yakuza-Reihe spielen. Der Rest der Welt wird erst Ende November Yakuza 7 erhalten. Ein Grund für die verspätete Veröffentlichung mag sein: Das Spiel wird vollständig auf Englisch synchronisiert.

Als Sprecher ist unter anderem George Takei zu hören, der in der klassischen Star-Trek-Serie Hikaru Sulu spielte. Takei spricht Masumi Arakawa, den Partriachen der Yakuza-Familia der Arakawas und damit einer der Gegenspieler von Protagonist Ichiban Kasuga. Die Yakuza-Spiele sind im japanischen Original aufwändig vertont, daher ist eine solche Mühe bei der Übersetzung wahrscheinlich zeitraubend.

Bei seinem Erscheinen wird Yakuza 7 sowohl auf der Xbox One, der Playstation 4 und dem PC spielbar sein. Außerdem, so Entwickler Sega, werde Yakuza 7 zu den Starttiteln der Xbox Series X gehören. Für die Portierung auf die Playstation 5 brauche man aber länger, so Sega.

In Yakuza 7 schlüpfen die Spieler erstmals in die Rolle von Ichiban Kasuga. Der saß für den Tojo-Clan 18 Jahre hinter Gittern und erhofft sich nach seiner Freilassung eine Belohnung, wurde aber von seinen Vorgesetzten vergessen. Aus der Hafenstadt Yokohama heraus versucht Ichiban, sich seinen angemessenen Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen.

Die Yakuza-Spiele drehten sich bisher meist um Kiryu Kazuma, einen Ex-Yakuza, der sich hin und wieder mit seinem alten Clan anlegt, ihm manchmal aber auch hilft. Ein besonderes Merkmal der Spiele sind die detailgetreu nachgebauten Wohn- und Geschäftsbezirke, in denen große Teile der Titel spielen. So atmet die Reihe sehr viel Flair japanischer Großstädte.

Ein genaueres Erscheinungsdatum von Yakuza 7 als November 2020 ist noch nicht bekannt.

Yakuza: Like A Dragon - Official Trailer

Kritik zu Judgment: Vom Anwalt zum Detektiv

Rund 99,9% der Angeklagten werden in Japan vor Gericht verurteilt. Kann die Staatsanwaltschaft den geringsten Verdacht auf den Schuldigen lenken, zögern Richter meist nicht. Gerechtigkeit ist zweitrangig: Staatsanwälte und Richter brauchen für ihre Karriere eine hohe Verurteilungsrate. Sind Fälle unklar, kommt es oft nicht zum Prozess - selbst bei schweren Verbrechen wie Mord. Umso eindrucksvoller ist es, dass Junganwalt Takayuki Yagami seinem Mandanten, einem mutmaßlichen Serienmörder, zum Freispruch verhelfen kann. Der 32-Jährige wird in Tokio zu einem Superstar und kann sich vor Klienten kaum noch retten. Das alles endet schlagartig, als sich der freigesprochene Mandant doch als Serienmörder herausstellt. Yagamis Karriere endet so schnell, wie sie begonnen hat. Drei Jahre später setzt Judgment an: Der gefallene Anwalt kommt als Privatdetektiv über die Runden. Seinen maßgeschneiderten Anzug hat er gegen eine Lederjacke getauscht.

Für die Entwicklung des Playstation-Spiels war Ryu Ga Gotoku Studio zuständig, die sich weltweit mit den Yakuza-Titeln einen Namen gemacht haben. Judgement ist unverkennbar ein Spin-off der Reihe, die Geschichte stammt wieder aus der Feder des Produzenten Toshihiro Nagoshi. Die Gemeinsamkeiten sind so zahlreich, dass es fast schon auf der Hand liegt, von einer Kopie zu sprechen. Kamurocho, der fiktionale Stadtteil von Tokio, sieht noch exakt so aus wie in Yakuza 6 aus dem vergangenen Jahr. Die Restaurants servieren noch das gleiche Essen, die Straßen haben die bekannten Namen und selbst die Gangs liefern sich noch Kleinkriege. Böse Zungen könnten nun natürlich behaupten, in Judgment werden nur alte Grafiken, Modelle und Ideen für schnellen Gewinn wiederverwertet. Wenn das Spiel ein Disney-Film wäre, käme es mit dem Zusatz “A Yakuza tale” in die Kinos.

Enge Spielwelt, großer Umfang

Die Kritik ist valide, bezieht jedoch nicht die Entwicklungszeit an derart riesigen Projekten mit ein. Denn in Judgment steckt, wie gewohnt, mehr drin, als es zu Anfang vielleicht scheinen mag. Neben Open-World-Titel wie Assassin’s Creed Odyssey und The Witcher 3 wirkt Kamorocho inzwischen fast winzig. Trotzdem schaffen es die Entwickler irgendwie wieder mehr einzigartige optionale Inhalte einzubauen, als die Konkurrenz. Eine bekannte Palette an Minispielen wartet auf Yagami, doch es sind die neuen Nebenbeschäftigungen, die endgültig den Sprung aus der finsteren Unterwelt der Yakuza erlauben. Während Kiryu Kazuma sich nur den skurrilen Nebengeschichten gewidmet hat, lernt Yagami als Zivilist die normalen Bewohner der Welt kennen. So diskutiert der Privatdetektiv mit einem Restaurantbesitzer über den Umgang mit Kundenkontakt und vereinbart mit Charakteren aus der Geschichte Treffen, oder sogar ein Rendezvous im lokalen Sushi-Lokal.

Judgment Telefon

Besagte Erzählung verläuft episodisch, von Fall zu Fall, denn so ganz kann der Ex-Anwalt seine Vergangenheit nicht hinter sich lassen. Den ersten Job als Detektiv kriegt er beispielsweise von seiner ehemaligen Kanzlei. Diese vertritt einen Yakuza-Boss, dem die Polizei einen brutalen Mord vorwirft. Yagami soll Beweise sammeln und findet schnell heraus, dass ein Serienmörder in Kamurocho sein Unwesen treibt, der seinen Opfern beide Augen ausdrückt. Doch obgleich die Handlung mit einer relativ einfachen Untersuchung beginnt, decken Yagami und seine Mitstreiter eine komplizierte Verschwörung mit einer Prise Geheimhaltung und einem Teelöffel Verrat auf. Involviert sind Polizei, Rechtssysteme, Yakuza und höchste politische Fraktionen. Diese Art von Kriminalthriller ist definitiv nicht neu, unterhält aber durch die ausgezeichnet gedrehten Zwischensequenzen hervorragend.

Drohnen-Derby am Tatort Tokio

Das Studio hat wieder viel Geld in Motion Capture und namhafte (lokale) Persönlichkeiten gesteckt. Dadurch ist das Spiel schon vor der westlichen Veröffentlichung ins Gespräch gekommen: Schauspieler Pierre Taki wurde für Drogenmissbrauch verhaftet, was in Japan große Wellen geschlagen hat. Sega hat sofortige Konsequenzen gezogen: Der Verkauf Judgment wurde sofort gestoppt. Die Figur des Gangsterbosses Hamura verkörpert inzwischen in allen Versionen ein anderer Schauspieler. Kurios: Auch der Konzern Square Enix hat Taki, der in Japan den Schneemann Olaf im Animationsfilm Die Eisprinzessin spricht, aus zugehörigen Medien entfernt. Von diesem Skandal merkt man nun in keiner Fassung des Videospiels etwas. Die Darsteller liefern glaubhafte Emotionen ab, ohne in zu dramatische Gefilde abzudriften, wie vergleichbare Spieleproduktionen. Erstmals gibt es nun auch eine englische Sprachausgabe und ausführliche deutsche Untertitel.

Das neue Thema der Anwalts- und Detektivarbeit wurde aber nicht nur durch Inszenierung realisiert. Statt sich wie in Yakuza ausschließlich mit Gegnern zu prügeln, muss Yagami nun Zeugen befragen, Verdächtige beschatten und Videomaterial per Drohne sammeln. An dieser Stelle werden sich die Geister scheiden: Denn statt einer soliden Abwechslung zu den Kämpfen ist die Detektivarbeit repetitiv. Die fünfte Beschattung kann schnell zur nervigen Verpflichtung werden. Die sechste Spurensuche an Tatorten möchte der Spieler schnell hinter sich bringen, um wieder zu den interessanten Teilen von Judgment zu kommen. Vielleicht ist Ryu Ga Gotoku Studio dabei etwas zu konservativ mit Neuerungen. Es ist schwer auszumachen, ob die neuen Elemente aus vergleichbaren Spielen zu gewohnt sind, oder die restlichen Teile einfach qualitativ hochwertiger.

Judgment Kampf

Fazit

Wer Yakuza gespielt kann in Judgment eintauchen und schwimmen, wie ein Fisch im Wasser. Aber was erst sehr bekannt vorkommt, wird langsam etwas Eigenständiges. Kamurocho bleibt immer gewohnt, aber die Perspektive ändert sich. Während Kiryu als Yakuza immer in der Unterwelt geblieben ist, hat Yagami einen anderen Blickwinkel. Der Spieler sieht Tokio und dessen Bewohner in einem neuen, zivilen Licht. Dann wird auch klar, warum die alte Formel auch neu gut funktioniert: Diese offene Welt wirkt nicht konstruiert, sondern lebendig. Davon können andere Spiele mit größerem Budget oft nur träumen.

Judgment ist für die Playstation 4 erhältlich.

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Judgment - Launch Trailer | PS4

Kritik zu Yakuza: Kiwami 2 - Das umstrittene Remake

Neuauflagen scheinen in den vergangenen Jahren Hollywoods Erfolgsrezept Nummer Eins zu sein und sind vielen Fans der Originale ein Dorn im Auge. Ob es diese Remakes wirklich braucht, diese Frage ist der Gegenstand vieler Diskussionen. In der Videospielwelt ist das nicht anders, doch hier muss man zwischen den Begriffen Remaster und Remake differenzieren. Ein Remaster ist eine technisch aufgebesserte Version eines Titels, damit dieser auf aktueller Hardware noch zeitgemäß aussieht, ohne inhaltliche Veränderungen. Das ergibt in der Videospielindustrie sehr viel Sinn: Wenn neue Konsolen erscheinen, haben selbst Titel, die erst wenige Jahre alt sind, durch die neuen Komponenten auf einmal viel mehr Möglichkeiten.

Ein Remake hingegen verändert das Spiel teilweise von Grund auf. Zusätzlich zur technischen Aufwertung eines Remasters, wird das Gameplay in unterschiedlich großen Teilen angepasst, ganz neue Teile können ergänzt werden. Das Äquivalent im Filmbereich wäre wohl am ehesten ein Director’s Cut. Mehr zu diesem Thema wird im Mehr-Spieler-Podcast beredet. Aktuell hat Publisher Sega Yakuza 2 von 2006, damals noch auf der Playstation 2, ein Remake in Form von Yakuza: Kiwami 2 spendiert. Dafür bekamen die Verantwortlichen viel Kritik, denn manche Inhalte wurden aus dem neuen Spiel herausgenommen. Es kommt die Frage auf: Was darf eigentlich ein Remake?

Diskurs und Erinnerung ist das, was bleibt

Die wesentlichen Neuerungen in Kiwami 2 sind ein neues Kampf- und Levelsystem, neue Minispiele, Nebengeschichten und zwei große Nebenbeschäftigungen für den Protagonisten. Diese Inhalte ersetzen natürlich die Originalen, doch die größte Kritik gibt es für den Schnitt von Shinseikai, einem Stadtviertel von der japanischen Großstadt Osaka. Dieses Gebiet wurde in Yakuza 2 erst spät im Spiel freigeschaltet, was für viele Spieler eine angenehme Überraschung war. Die Theorie von vielen Fans: Das Studio war schlicht “zu faul”, um Shinseikai in neuer Grafik erstrahlen zu lassen. Wilde Theorien kamen vor der Veröffentlichung auf und damit auch die Befürchtung ein großer Teil der Geschichte könnte geschnitten worden sein. Um diese Frage zu beantworten ohne diesen Teil der Geschichte zu spoilern, ein kurzer Ausblick.

Yakuza: Kiwami 2 Kiryu Kampf

Yakuza: Kiwami 2 dreht sich um den Krieg zwischen den zwei größten Yakuza-Clans im Spiel: Dem Tojo-Clan aus Tokio und der Omi-Allianz aus Osaka. Nach mehreren Attentaten der Allianz, auch auf Protagonist Kiryu Kazuma, kommt eine dritte Partei zum Vorschein - die kriegerische koreanische Jingweon Mafia. Diese wurde eigentlich vor zwanzig Jahren von der Yakuza in stummer Übereinkunft mit der machtlosen Polizei vollkommen ausgelöscht. Mit blutigen Aktionen wollen die Koreaner nun ihre Rache, auch wenn dabei die ganze Nation brennt. Um aufzudecken, was wirklich in der Vergangenheit passiert ist, tut sich Kiryu mit der aufstrebenden Kommissarin Kaoru Sayama zusammen. Und weil das noch nicht genug ist, nutzt der Antagonist Goda Ryuji das Durcheinander, um die gesamte Unterwelt an sich zu reißen.

Die Geschichte bleibt dem Original treu und umgeht den Schnitt eines Gebiets elegant mit einer abgeänderten Mission, die nun stattdessen im kultigen Sotenbori spielt. Einige Zwischensequenzen spielen somit vor anderen Hintergründen und mit anderer Musik. Das ist natürlich weniger eine stilistische Entscheidung, als durch Lizenzgründe begründet. Die japanischen Entwickler hätten vor zwölf Jahren wohl kaum ahnen können, dass sie alle Rechte des Soundtracks mehr als ein Jahrzehnt später für ein Remake brauchen könnten. Leidenschaftliche Fans, die das Original glasklar im Gedächtnis haben, mögen sich durchaus aus nostalgischen Gründe echauffieren, doch die Änderungen bleiben marginal. Ein Remake kommt per Definition mit inhaltlichen Veränderungen daher, wer die Zwischensequenzen eins zu eins wie 2006 sehen möchte, der kann ja auf das Original zurückgreifen, was bis heute noch beeindruckend aussieht, beachtet man die zwei Konsolengenerationen, die dazwischen liegen.

Die Vorgeschichte zum Prequel des vorletzten Prequels

Das Remake Yakuza: Kiwami 2 als solches zu akzeptieren, wäre wahrscheinlich die einfachste Lösung für alle. Neueinsteiger erfreuen sich an einer etwas zeitgemäßeren Umsetzung des Spiels, und alte Fans erleben eine neue Erfahrung oder Neuinterpretation. Niemand wird gezwungen, am Kanon zu zweifeln, man braucht sich nicht einmal fragen, ob das Remake überhaupt nötig gewesen ist. Denn Kiwami 2 bietet alleine mit seinen zwei neuen Nebenbeschäftigungen, dem taktischen Clan Creator und dem Managmentspiel Kabarett Club, dutzende Spielstunden neue Erfahrung. Der Club ist eine Fortsetzung der Geschichte von Yakuza 0, bei der diesmal Kiryu ein eigenes Etablissement leiten darf, was von amüsant klischeelastigen Antagonisten bedroht wird.

Yakuza: Kiwami 2 Majima Kampf

Im sogenannten Clan Creator, einer Weiterführung eines Spielelements aus dem sechsten Teil, hilft Kiryu seinem Langzeitrivalen Goro Majima, dessen Baufirma vor der gewalttätigen Konkurrenz zu verteidigen. Wie in Yakuza üblich, werden Probleme hier durch einen gezielten, aber unsanften Schlag auf das Cranium gelöst. In einer Vogelperspektive lenkt der Spieler die Spielfiguren wie in einem MOBA (Multiplayer Online Battle Arena, siehe Titel wie League of Legends oder DOTA 2). Diese beiden Minispiele können dutzende Stunden unterhalten, wenn der Spieler es denn will. Alternativ gibt es natürlich noch Karaoke, Mahjong, Baseball, Golf und mehr.

Die beste Ergänzung zum Originalspiel ist aber die eigenständige Majima-Saga. Hier übernimmt Majima als Protagonist und löst etwa drei Stunden lang auf, was mit bisher unaufgelösten Handlungssträngen zwischen Kiwami 1 und Kiwami 2 passiert ist. Das ist gerade für Kenner von Yakuza 0 sehr spannend, die Geschichte ist zwar nicht unfassbar wichtig, dennoch bieten die Zwischensequenzen sehr emotionalen Stoff. Majima hat zwar äußerlich seine Vergangenheit aufgegeben, doch hier hat er noch eine Chance wirklich damit abzuschließen.

Fazit

Yakuza: Kiwami 2 mag zwar umstritten sein, doch auch, wer das Original bis aufs Blut verteidigt, kann mit dem Remake viel Vergnügen haben. Viele neue Inhalte sollten genug sein, um alle Fans der Reihe zum Spielen anzuregen. Kiwami heißt frei übersetzt “extrem”, und genau so haben die Entwickler die Freiheiten ihrer Neuinterpretation aufgefasst. Das Yakuza 2 auf der Playstation 2 wird dadurch nicht entehrt, die neue Version zeigt vielmehr, wie gut die Geschichte um den Mord einer gesamten Mafia-Familie heute noch funktioniert.

Yakuza: Kiwami 2 ist für die Playstation 4 erhältlich. Die Serie wird auch langsam für den PC veröffentlicht, eine Adaption ist wahrscheinlich.

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Yakuza Kiwami 2 - E3 2018 Trailer | PS4

Kritik zu Yakuza 6: Song of Life - Action, Drama und Babysitting

Actionhelden mit einem Kind an der Seite sind nicht erst seit Léon – Der Profi ein bewährtes Mittel, um eine unkonventionelle Dynamik zwischen den Hauptfiguren zu erzeugen. Auch in Videospielen tauchen diese Paarungen immer häufiger auf: Der Kassenschlager The Last of Us hat Joel und Ellie und der neue God-of-War-Titel stellt Kratos den jungen Atreus zur Seite. Auch Kiryu Kazuma, Protagonist der Yakuza-Reihe, hatte in den fünf Hauptteilen mit einem Waisenhaus und Ziehtochter Haruka alle Hände voll zu tun. In Yakuza 6: The Song of Life kehrt der inzwischen merklich gealterte Haudegen ein (vermutlich) letztes Mal auf die Playstation zurück und wird zum alleinerziehenden Großvater eines Säuglings. Und weil er dann doch ein Actionheld ist, darf er dabei natürlich wieder die halbe Unterwelt Japans vermöbeln.

Wer jetzt genervt die Augen verdreht und eine weitere typische Vater-Sohn-Beziehung erwartet, sollte noch einen zweiten Blick riskieren. Der sechste Teil rückt die Mafia-Familie zugunsten der traditionellen Familie in den Hintergrund. Der Protagonist kann zwar noch austeilen, hat seinen Zenit jedoch merklich überschritten: Beim Sprinten schnauft er mehr, sein Rücken schmerzt von einem Leben des Kämpfens und in seinem zurückgekämmten Haarschopf kann der Betrachter einige graue Strähnen erspähen. Der legendäre Drachen von Dojima Kiryu Kazuma ist nun wirklich bereit für den Ruhestand und muss für seine Liebsten noch ein paar offene Probleme lösen, damit sie sich in Harmonie und Frieden aus den dunklen Gassen Tokios zurückziehen können.

Vom Kinder stillen und Ganoven killen

Das Spiel beginnt, wo der Vorgänger aufgehört hat: Kiryus Ziehtochter Haruka beendet ihre Musikkarriere, indem sie sich öffentlich zu ihrem Vater bekennt. In Japan ist selbst jeder Familienangehörige der Yakuza öffentlich verhasst, weshalb Harukas Geständnis einem beruflichen Selbstmord gleichkommt. Um seinen Ruf reinzuwaschen, stellt sich Kiryu dafür der Polizei und tritt eine weitere Gefängnisstrafe an. Drei Jahre später kehrt er auf der Suche nach Haruka zurück. In Tokio findet er sie nur noch komatös im Krankenhaus - an ihrer Seite ein Säugling. Damit der kleine Haruto nicht in anonymen staatlichen Einrichtungen für Kinderpflege gesteckt wird, nimmt sich der legendäre Yakuza Kiryu persönlich der Sache an.

Yakuza 6 Chinatown Bild

Natürlich gerät das Großvater-Enkel-Gespann nebenbei noch tief in einen Krieg zwischen japanischen Yakuza Clans und chinesischen Triaden. Das bringt Kiryu dazu, seine Kampffertigkeiten ein letztes Mal auf die Probe stellen zu müssen und - viel wichtiger - zu lernen, wie man mit einem Kleinkind umgeht. Denn Yakuza 6 mag zwar ein weiteres brillantes Kampfspiel sein, doch das Ende der Reihe zeichnet auch ein Wechsel der Prioritäten aus: Die Familie wird wichtiger als “berufliche” Ambitionen. Kiryu hatte schon einen eigenen Clan, ist in jungen Jahren in der ganzen Unterwelt des Landes der aufgehenden Sonne bekannt geworden, doch die meisten Freunde hat er verloren. Die besten Zeiten in der japanischen Mafia sind vorbei und der 50-Jährige möchte endgültig aufhören.

Zum Glück verliert sich das Spiel nicht in finsteren Erzählungen und Hoffnungslosigkeit. Der Protagonist wird nicht zum abgehalfterten, griesgrämigen Charakter, stattdessen findet er Hoffnung in den Kindern um ihn herum. Die Synergie mit dem Baby, das er einen großen Teil des Spiels mit sich herumträgt, ist grandios erzählt und auch im Gameplay festgehalten. Mehr und mehr gewöhnt sich der stämmige Mann an den kleinen Haruto, tauscht seine Windeln, füttert ihn und wiegt ihn zur Beruhigung. Das passiert dem Spieler zum Beispiel dann, wenn das Kleinkind unruhig wird: In einem kurzen Minispiel muss instinktiv erraten werden, was ihm fehlt.

Ein neues Spiel mit alten Stärken

Kiryu Kazuma hat in seiner Vergangenheit viele seiner Probleme einfach mit seinen Fäusten gelöst. Charmant mag der muskulöse Japaner immer gewesen sein, doch warum sich die Mühe machen, wenn man jedes Hindernis auch einfach ins Gesicht schlagen kann? An dieser Stelle bietet der sechste Teil wesentlich mehr zwischenmenschliche Interaktionen. Der Schlägertyp beweist auch emotionale Stärken, wenn er in Kneipen Freunde findet, ein Baseballteam in einer kleinen Hafenstadt aufbaut und mit Hostessen in Klubs ehrliche Gespräche anfängt, die aus der Glitzerwelt Tokios herausbrechen.

Yakuza 6 Mama Bild

Wer auch nur einen Vorgänger gespielt hat, wird sich wieder schnell in der Welt zurechtfinden, auch wenn der gealterte Hauptcharakter nicht mehr so ganz in die bunten Rotlichtviertel der Stadt hineinpasst. Aber auch die Navigation geht mit der Zeit: Per Smartphone kann Kiryu, abseits der Geschichte um den jungen Haruto und den blutigen Kampf der Verbrechersyndikate, Aktivitäten in den Spielgebieten verfolgen. Von Darts, Karaoke und diversen Minispielen abgesehen kann Kiryu fischen, chatten, per App Verbrechen verfolgen und bekämpfen sowie die berühmten japanischen Katzencafés besuchen.

Das alles ist, wie immer, nur Beigeschmack und kann vom Spieler wieder gänzlich ignoriert werden. Mit so viel Ablenkung wird die Welt jedoch lebendig und unterstreicht auch immer wieder die absurden Momente, wenn Kiryu das Baby kurz einem Passanten überreichen muss, um eine Bande auf den Asphalt der Straßen zu befördern. Die kurzen Gewalteinlagen sind nun der Fremdkörper in der verrückten Videospielreihe geworden, die Nebenquests voller Humor kunstvoll mit filmreifen Zwischensequenzen verbindet. Erwachsen geworden ist das Spiel dadurch noch lange nicht, aber es verabschiedet seinen Hauptcharakter mit einer gewissen Würde, die geschickt in allen Aspekten verkörpert wird.

Fazit

Yakuza 6 zeigt auf, was Videospiele dieser Art lange vernachlässigt haben: Hinter den eisernen Fäusten steckt noch eine Person. Gewalt ist nicht immer eine Lösung, was die dramatische Handlung nicht davon abhält, den Spieler gegen viele Schläger antreten zu lassen. Die alten Tugenden der Reihe verliert das Spiel nie aus den Augen und schafft dennoch eine erstaunliche Weiterentwicklung. Außerdem wirkt das Babysitten in diesem Actionspiel nicht gänzlich unpassend, was schon eine Errungenschaft in sich ist.

Yakuza 6: The Song of Life ist für die Playstation 4 erhältlich.

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Yakuza 6: The Song of Life - Launch Trailer | PS4

Die besten Spiele des Jahres 2017

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Horizon Zero Dawn Promo Screen

Was für ein Jahr in der Videospielindustrie. Nintendo hat mit der Switch wieder eine sehr starke Konsole herausgebracht, die den Vorgänger in den Schatten stellt. Dagegen machten große Konzerne wie EA reichlich negative Schlagzeilen, zum Beispiel mit den sogenannten Lootboxen, die in diversen Ländern bald vielleicht als Glücksspiel geltend gemacht werden sollen.

Aber abseits von den Industrieinterna interessieren natürlich einzelne Titel. 2017 war voll von Games mit Top-Bewertungen, nur zehn auszusortieren ist beinahe schade. Trotzdem möchten wir hier einen Blick auf ein paar Spiele werfen, die besonders herausgestochen sind. Alles was fehlt, ist natürlich nicht weniger gut und erfreute bestimmt unter so manchem Weihnachtsbaum die Beschenkten. Auf ein gutes 2018!

The Evil Within 2 (Bethesda)

Der Nachfolger zum Horror-Shooter von Resident-Evil-Schöpfer Shinji Mikami bringt die Reihe dahin, wo schon der Vorgänger sein wollte. Traditioneller Survival-Horror vom Feinsten wird gut gemischt mit moderneren Horror-Elementen und Open-World-Sektionen. Dazu kommt noch eine fantastische Geschichte, die den ruppigen Ex-Cop Sebastian Castellanos auch von seiner menschlichen Seite zeigt. Wenn Resident Evil nun den Genrethron der First-Person-Schocker einnimmt, landet The Evil Within bei den Spielen aus der dritten Person ganz oben.

The Evil Within 2 Obscura

Hellblade (Ninja Theory)

In Zeiten von Lootboxen und riesigen Publishern hat der kleine Entwickler Ninja theory ein spannendes Experiment gewagt, auf das die Indie-Industrie gespannt blickt. Hellblade ist ein kleines Einzelspieler-Abenteuer, das aussieht und sich anfühlt wie ein AA-Titel, also ein Blockbuster. Dafür kostet es nur die Hälfte eines Vollpreis-Videospiels. Herausgekommen ist ein Ausflug in die nordische Mythologie mit der psychisch gestörten Protagonistin Senua, bei dem nichts so ist, wie es scheint.

Hellblade

Hollow Knight (Team Cherry)

Hollow Knight ist ein sogenanntes Metroidvania, das heißt es gehört zu den Spielen, die so ähnlich funktionieren wie die 2D-Metroid-Klassiker. In Hollow Knight geht es allerdings deutlich düsterer zu als in den Weltraumabenteuern von Samus. Gespielt wird ein kleiner Käfer, der in eine Stadt voller anderer Insekteneinwohner kommt. Dort kämpft er in Untergrund-Labyrinthen gegen eine Armee von Kreaturen, die direkt aus einer Geschichte von H.P. Lovecraft entsprungen sein könnten.

Hollow Knight


Horizon Zero Dawn (Sony)

Steinzeitmenschen kämpfen gegen Roboter-Dinosaurier. Das ist die einfache, aber geniale Prämisse von Horizon Zero Dawn. Protagonistin Aloy bekämpft und jagt in einer zerstörten Welt gegen mechanisierte Kreaturen. Wie die Menschheit wieder mit Pfeil und Bogen jagen muss und warum sie dabei gegen besagte Dinosaurier antritt, wird in der Geschichte ausführlich beantwortet. Außerdem sieht das Spiel fantastisch aus. So fantastisch, dass es einen eingebauten Fotomodus gibt, mitsamt lustigen Posen für Aloy.

Horizon


NieR: Automata (Square Enix)

Lange Zeit dachte man im Sci-Fi-Genre, Isaac Asimov hätte schon jede mögliche Perspektive über Androiden und Roboter ausgeführt. Jetzt gibt es zum Glück NieR: Automata und damit eine neue Art der Erzählung. Ganz so dramatisch mag es vielleicht nicht sein, aber dennoch macht NieR Dinge, die alles, was in diesem Medium bisher passiert ist übertreffen. Wer sich darauf einlassen kann, das Spiel dreimal durchzuspielen, sieht die Grenze, wozu Videospiele fähig sind. Nur damit diese Grenze in der nächsten Szene dann wieder verwischt. An dieser Stelle auch der Hinweis auf das grandiose Doki Doki Literature Club.

NieR


Nioh (Koei Tecmo)

Wenn in diesem Jahr schon kein Dark-Souls-Titel eines der besten Spiele des Jahres  werden kann, dann doch sicherlich ein klar davon inspiriertes Spiel. Nioh ist, vereinfacht gesagt, Sterben im feudalen Japan. Als der Ire William metzelt sich der Protagonist durch die Edo-Zeit und Sagenwelt des Landes der aufgehenden Sonne. Jeder Gegner kann große Schwierigkeiten mit sich bringen, auch auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad sollte sich jeder Spieler bereitmachen zu sterben. Sehr, sehr oft zu sterben. Und das Ganze macht sogar verdammt Spaß.

Nioh


Persona 5 (Atlus)

In Persona 5 kann der Protagonist ein ganzes virtuelles Jahr noch einmal die Schulzeit genießen. Hausaufgaben machen, Freundschaften knüpfen und nebenher ein wenig Taschengeld dazuverdienen.  Das Beste: Ganz ohne Fidget-Spinner! Moment, das klingt jetzt vielleicht nicht nach Spaß, aber einen kleinen Teil des Spiels dürft ihr sogar in die Träume von Menschen eindringen und Monster töten! Jetzt ist es noch komischer? Ein Teenager muss einfach jeden Tag neben der Schule die Welt vor dem Bösen retten. Aber wen interessiert das schon, wenn man virtuell Hausaufgaben machen kann? 

Persona 5


Wolfenstein 2 (Bethesda)

In der Welt von Wolfenstein 2 haben die Nazis den zweiten Weltkrieg gewonnen. Seitdem wurde die Welt unterjocht und jeder, der nicht ins System passt, umgebracht. Im ersten Teil von Wolfenstein hat Protagonist B.J. Blazcowicz einen Sieg für den Widerstand erreicht, doch Amerika wird nur noch härter regiert. Im zweiten Teil nimmt sich die bunte Gruppe rund um den Kreisau-Zirkel einen Befreiungsschlag Richtung Washington vor. Wesentlich besser als die Konkurrenz charakterisiert Wolfenstein 2 seine Figuren, die alle Menschen bleiben und keine Terminator werden.

Wolfenstein 2


Yakuza 0 (Sega)

Durch DLCs und einen Season Pass fühlen sich große Videospiele öfters unvollständig an. Yakuza 0 ist dafür das perfekte Gegenbeispiel. In einer relativ kleinen Welt, einem echten Viertel Tokios nachempfunden, sind mehr Inhalte versteckt, als der durchschnittliche Spieler jemals zu Gesicht bekommt. Abseits der exzellent durchinszenierten Geschichte um den Yakuza-Anwärter Kiryu können alle realen Freizeitaktivitäten aus dem Viertel in digitaler Form erlebt werden. Von Glücksspiel über Karaoke bis zum Tanzen mit niemand geringerem als Michael Jackson.

Yakuza 0


The Legend of Zelda: Breath of the Wild (Nintendo)

Nintendo hatte mit der Switch ein fantastisches Jahr und da durften Marken wie Mario und Zelda natürlich nicht fehlen. Ergänzend zu Mario: Odyssey ist The Legend of Zelda: Breath of the Wild aber nicht nur ein sehr gutes Spiel, sondern erfindet die Reihe wie aus dem Nichts neu. Zelda ist jetzt auch mit einer offenen Welt ausgestattet, die so extrem detailverliebt ist, wie vielleicht keine andere. Ja, die Erzählung darf beim nächsten Mal vielleicht noch nachlegen, aber wenn das zweite Jahr der Nintendo Switch auch nur einen Titel ähnlichen Kalibers bietet, hat es sich schon gelohnt.

Zelda

Kritik zu Yakuza: Kiwami - Alles auf Anfang

Die japanische Yakuza-Videospielreihe kommt im Westen gerade gut an. Anfang diesen Jahres erschien das Prequel Yakuza 0 hierzulande, nun können Neueinsteiger mit dem Remake des ersten Teils, Yakuza: Kiwami, die Geschichte weiter verfolgen.

“Kiwami“ heißt, frei übersetzt, “Extrem“. Diese Bezeichnung trifft die Art, wie das Spiel in jeder Facette neu aufgelegt wurde, perfekt. Die 12-Jahre-alte Grafik wurde in neuer Engine vollkommen überarbeitet, zwischen dem Kampfspiel von 2005 und Kiwami liegen Welten.

Auch sonst wurde kein Stein auf dem anderen gelassen. Zwischensequenzen sind überarbeitet oder sogar völlig neu hinzugefügt worden, das Kampfsystem wurde dem des Prequels angeglichen, und viele neue Nebenmissionen und Charaktere wurden in der Welt versteckt.

Einigen Puristen wird das sicherlich nicht gefallen, das sollte sich aber aufgrund der vergleichsweise geringen Spielerzahlen des Originals im Westen kaum bemerkbar machen. Wirklich interessant hingegen dürfte für jeden Spieler das Erleben des alten Settings in der heutigen Zeit sein. Damals hip und am Zahn der Zeit, reißt es jetzt niemanden mehr vom Hocker, wenn Protagonist Kiryu Kazuma ein fesches Klapphandy bestaunt und herausfindet, wie man denn eine SMS (für die jüngeren Leser: Ein altertümliches WhatsApp) sendet.

Yakuza Fight

Mehr Mord, mehr Verrat und ein Waisenkind

Das Spiel setzt ein paar Jahre nach dem Ende von Yakuza 0 an. Kiryu Kazuma und sein bester Freund Akira Nishikiyama sind in der Hierarchie ihres Klans aufgestiegen und kontrollieren, zusammen mit anderen Familien, Kamurocho. Kamurocho ist ein detailgetreuer Nachbau von Kabukicho, einem Rotlichtviertel von Tokio, was berüchtigt für seine Kontrolle durch die Yakuza ist.

Eines Tages dreht das Oberhaupt ihrer Familie durch und entführt ihre Jugendliebe Yumi. Er hat die Schmach durch die beiden am Ende des letzten Teils nie verarbeiten können. Nishikiyama eilt zur Rettung und erschießt verzweifelt den eigenen Boss. Kiryu, der kurz darauf an den Tatort kommt, nimmt die Schuld auf sich, um seine Freunde zu retten. Er wird verhaftet und landet für zehn Jahre im Gefängnis - die Polizei nimmt die Streitigkeiten innerhalb der Yakuza nicht wirklich ernst.

Ein Zeitsprung bringt das Spiel in die damalige Gegenwart. Es ist 2005 - irgendwo in Europa ist eine Frau Kanzlerin geworden und bald fliegt der Mensch zum Mars, ganz bestimmt. Aus dem Gefängnis entlassen, wird Kiryu von seinem Klan aus der Yakuza verbannt. Gleichzeitig verschwinden 10 Milliarden Yen aus der Schatzkammer des Yakuza-Patriarchen. Mit der gesamten Unterwelt von Tokio im Nacken macht sich Kiryu auf die Suche nach seiner Jugendliebe, die ebenfalls vom Erdboden verschwunden ist.

Per Zufall trifft er auf Haruka, ein Waisenmädchen auf der Suche nach ihrer Tante, die natürlich auch Yumi heißt. Kiryu muss sich nun an das Leben außerhalb vom Knast gewöhnen, merken, dass er nicht mehr so hipp ist, wie er mal war, und neue Verbündete suchen. Gar nicht so einfach, wenn zufällig überall Yakuza ermordet werden und ein mysteriöser Geheimdienst hinter der kleinen Haruka her ist.

Yakuza Majima

Eine Perle aufpoliert

Yakuza: Kiwami ist ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen Remake und Remaster. So ist das ursprüngliche Spiel zu alt, um einfach Texturen aufzuwerten, die einzige Option war ein komplettes Remake. Die Entwickler mussten für die Neuauflage die gesamte Spiel-Engine austauschen und Gegenstände sowie Charaktere neu modellieren. Damit sieht Kiwami zeitgemäß aus, gerade bei der Gegenüberstellung mit dem Ur-Yakuza ist der Unterschied dramatisch sichtbar.

Weiterhin wurden beim Kampfsystem auch die Stile und Animationen aus Yakuza 0 übernommen, das Gefühl der alten Schlägereien bleibt aber trotzdem erhalten. Im Laufe des Spiels lernt Kiryu durch verschiedene Begebenheiten neue Tricks, der somit konstante Lernprozess passt perfekt zum frisch freigelassenen Kiryu, der in der freien und für ihn neuen Welt dazulernen muss.

Auch an Haupt- und Nebengeschichten haben die Entwickler vorsichtig geschraubt. Neue Zwischensequenzen arbeiten den Antagonisten besser aus als noch im Original. Auch der verrückte Yakuza Goro Majima aus dem Prequel kriegt mehr Zeit im Rampenlicht. Mit der neuen Funktion “Majima ist überall“ lauert die Figur dem Spieler überall in der Stadt auf und verwickelt ihn aus dem Nichts in Kämpfe.

Fazit

Yakuza: Kiwami ist ein eindrucksvolles Remake, was den Ton des Originals beibehält und den Spielfluss, ohne deplatziert zu wirken, gleichzeitig modernisiert. Das Spiel mag mit etwa 25 Stunden etwas kürzer sein als andere Teile der Reihe, kann jedoch mit einem Kampfpreis von 35 Euro trumpfen. Ein ungewöhnlicher Schritt für einen vergleichsweise großen Produktionswert, aber Kiwami heißt schließlich Extrem.

Yakuza: Kiwami ist für die Playstation 4 erhältlich.

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Yakuza Kiwami Launch Trailer | PS4

Kritik zu Yakuza 0: (Nacht)Leben und Sterben in Tokio

Das organisierte Verbrechen ist in den Medien seit jeher ein beliebtes Thema: Die meisten Konsumenten haben ihr Leben lang keinen direkten Kontakt dazu, Gangster bleiben geheimnisvoll und spannend. Auch die Yakuza, eine Art japanische Mafia, kennt man aus diversen Spielfilmen. Tätowierte Männer, die sich im Falle des Versagens die kleinen Finger abschneiden und… da hören die bekannten Klischees auch schon auf.

Ausführlich befasst sich die gleichnamige Spielereihe seit vielen Jahren mit den Gangstern aus dem Land der aufgehenden Sonne. Wie von einem Paradebeispiel der japanischen Spieleindustrie gewohnt geht es auch im neuen Prequel, Yakuza 0, nicht ganz realistisch zu.

Der immer wiederkehrende Protagonist der Reihe, Kiryu Kazuma, ist im Tokio von 1988 nur ein kleiner Fisch in der Dojima-Yakuza. Er lernt auf den harten Weg, dass jemand Unbedeutendes wie er schnell von den Mächtigen benutzt und weggeworfen werden kann.

Gleichzeitig betreibt der Ex-Gangster Majima Goro in Osaka ein Kabarett und wird vor die Wahl gestellt, in die Organisation zurückzukehren oder sich für die Schwachen einzusetzen.

Yakuza 0 battle
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Mord, Verrat und ein mysteriöser Parkplatz

Der Tag fängt für Kiryu ganz normal an: Ein Kredithai beauftragt ihn, einem Schuldner eine kleine Lektion zu erteilen – mit Fäusten versteht sich. Ein paar Stunden später wird aber überraschend die Leiche des Schuldners aufgefunden, hingerichtet mit einer Kugel durch den Kopf (Feuerwaffen sind in Japan dank strikter Waffengesetze höchst ungewöhnlich – selbst bei Verbrechern).

Schnell stellt sich heraus, dass Kiryu von Vorgesetzten hintergangen und für Machtspiele belastet wurde. Die Konsequenz ist für einen starken Protagonisten wie ihn logisch: Er verlässt die Yakuza und schlägt auf der Suche nach dem wahren Täter jedem den Schädel ein.

Der Spieler verfolgt parallel dazu die Geschichte von Deuteragonist Majima. Dieser betreibt ein Kabarett, nachdem er aus dem Verbrechersyndikat verbannt wurde. Das Unternehmen ist erfolgreich, aber auch gleichzeitig ein Gefängnis für den einäugigen Mann.

Eines Tages bekommt er eine zweite Chance: Nach einem Mord soll er wieder aufgenommen werden, so wird es ihm zumindest versprochen. Nachdem er herausfindet, dass sein Ziel ein blindes Mädchen ist, beschließt er, sie zu beschützen. Während Majima sich also ein zweites Mal mit der Yakuza anlegt, bleibt er weiterhin Manager für sein Kabarett, welches man als Spieler mitgestalten kann. Ordnung muss schließlich sein.

Yakuza 0 ist wie schon die Vorgänger ein Open-World-Actionspiel. Die Bezeichnung "Open World" ist dabei durch die kleinen Stadtviertel sehr großzügig, geht aber noch durch. Die schiere Fülle, mit der das digitale Tokio gefüllt ist, lässt aber auch vergleichbare Spiele vor Neid erblassen.

Gänzlich optional kann der Spieler an diversen Aktivitäten wie Karaoke, Speeddating und Glücksspielen teilnehmen. Diese Inhalte können durch ihre Anzahl die Spielzeit schon einmal verdoppeln – bis das Geld weg ist und man vielleicht nochmal im Kabarett arbeiten sollte.

Am klassische Gameplay mangelt es zum Glück auch nicht: In brutalen und absurd übertriebenen Sequenzen prügeln sich die Protagonisten durch Horden von Bösewichten. Mit der Auswahl an mehreren Kampfstilen und Gegenständen von Baseballschläger bis zu einem Motorrad wird das Geld wortwörtlich aus den Gegnern herausgeprügelt. Die bizarren Szenen spielen sich fantastisch und werden erstaunlicherweise auch nie langweilig.

Yakuza 0 Minigame
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Filmische Zwischensequenzen und die Technik

Erzählt wird die Geschichte vor allem in stundenlangen Zwischensequenzen. An der Stelle waren die Entwickler richtig kreativ: Von Film Noir bis zu Stop-Motion jongliert das Spiel mit Techniken, Dramaturgie und Inszenierung. Das geht brilliant auf und zeigt, dass Grafik nicht immer alles sein muss.

Als Portierung eines Playstation-3-Titels sieht Yakuza 0 nicht immer fantastisch aus. Die Charaktere sind auf dem Stand der Zeit, anderen Texturen sieht man ihr Alter aber manchmal doch an. Dafür läuft das Spiel mit stabilen 60 Frames pro Sekunde und das schaffen viele hochmoderne Spiele auf der Konsole noch immer nicht.

Fazit

Wirklich negative Punkte an Yakuza 0 zu finden fällt schwer. Wer die Yakuza-Reihe noch nicht kennt, kann mit diesem Prequel perfekt einsteigen, es ist wirklich jedem wärmstens zu empfehlen. Höchstens die zartbesaiteten Spieler sollten sich vielleicht warm anziehen.

Yakuza 0 erscheint am 24. Januar für die Playstation 4.

PlayStation Experience 2015: Yakuza 0 - Announcement Teaser Trailer | PS4

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