Kritik zu Final Fantasy XV: Der ultimative Roadtrip

Die Final-Fantasy-Reihe ist alt, kultig und hat mehr Ableger als selbst Hardcore-Fans aufzählen können. Aber gerade in den vergangenen Jahren konnten die Spiele nie wirklich überzeugen, gerade die Hauptreihe hat mit Final Fantasy 13 und episodischen Spin-offs dazu viel Kritik einfahren müssen.

Das alles soll Final Fantasy 15 nun ändern: Eine offene Welt statt Schlauchlevel, sympathische Charaktere statt Pappaufstellern und ein actionorientiertes Kampfsystem statt Buttonmashing. Klingt sehr ambitioniert und das ist es auch, gerade weil diese Elemente nicht vom Anfang der Entwicklung an so eingeplant wurden.

Die Entwicklungsgeschichte umspannt nun ein Jahrzehnt, so rekordverdächtig, dass es dazu sogar eine eigene Wikipedia-Seite gibt. Angekündigt wurde das Projekt im Jahr 2006 auf der E3 unter dem Namen Final Fantasy Versus 13. Konzipiert vom bekannten Gamedesigner Tetsuya Nomura sollte das Spiel ein Spin-off sein, weil die Geschichte damals für die Hauptreihe als zu düster galt.

Schließlich geriet das Projekt in Vergessenheit und tauchte 2012 unter dem endgültigen Namen Final Fantasy 15 wieder auf. Die Entwicklung wurde an Hajime Tabata übergeben, der vieles komplett umkrempeln musste. Inzwischen gab es eine neue Konsolengeneration, also musste die komplette Grafik-Engine ausgetauscht werden; das ist mit viel Arbeit verbunden und  für die meisten Spiele ein Todesurteil.

Publisher Square Enix hat jedoch alles auf die Vermarktung des Konsolenspiels gesetzt, ein beachtliches PR-Budget soll ja bekanntlich Wunder wirken. So erschienen bereits ein CGI-Film namens Kingsglaive und ein Anime. In den Streifen werden Charaktere und Welt rund um das Videospiel vorgestellt. Das machte Lust auf mehr, aber kann Final Fantasy 15 die Erwartungen erfüllen und die Videospielreihe wieder zu den Qualitäten verhelfen, die sie groß gemacht haben?

Final Fantasy XV Grass
© Square Enix

Königreich retten? Erstmal ein Roadtrip.

Startet man Final Fantasy 15, wird erst ein ungewöhnlicher Hinweis angezeigt: Das Spiel sei sowohl für Neueinsteiger als auch Experten geeignet. Einfacher gesagt muss man die vorangegangenen Teile nicht gespielt haben, Charaktere und Spielwelt sind in den Hauptteilen klar voneinander getrennt.

Das sorgt allerdings, wie für ein Final Fantasy typisch, nicht dafür, dass die Geschichte klar verständlich ist. Die Welt hat ihre eigenen Regeln, Götter und Naturgesetze, die dem Spieler nie gänzlich erklärt werden. Dadurch entstehen einige Überraschungen, andererseits auch viele Logikfehler und unverständliche Vorgänge.

Worum geht es also? Für Prinz Noctis sollte es eigentlich ein phänomenaler Tag werden: Er fährt mit der Limousine seines Vaters und seinen drei besten Freunden/Leibwächtern auf einen letzten Roadtrip los. Ziel ist seine eigene Hochzeit mit Kindheitsfreundin Lunafreya.

Doch die Story kann ja nicht schon vorbei sein, weswegen alles anders kommt. Kurz vor der Ankunft erfahren die vier Freunde vom Tod des Königs durch das verfeindete Reich Niflheim.

Plötzlich ist der junge Prinz die letzte Hoffnung für das gefallene Königreich und muss …  ja was denn eigentlich? So sicher ist sich das Spiel da auch nicht, deswegen setzen Noctis, Ignis, Gladiolus und Prompto (ja, so heißen sie wirklich) einfach ihren Roadtrip fort und hoffen auf das Beste.

Die Geschichte unterbricht das Spiel jetzt für einige Stunden, in denen die vier schwarz gekleideten Freunde, die man leicht mit einer Boyband verwechseln könnte, durch die Gegend fahren, campen und tüchtig Nebenmissionen erfüllen. Das ist aber eigentlich gar nicht so schlimm, denn gerade hier kann das Spiel wirklich überzeugen.

In der perfekten Simulation eines amerikanischen Roadmovies lernt man die Charaktere kennen, ergötzt sich an der schönen Welt und kann unzählige Tätigkeiten ausprobieren. Angeln, reiten, kochen und kämpfen- das klingt vielleicht unpassend, bildet in Final Fantasy 15 dennoch eine ausgezeichnete Symbiose, die lange bei Laune hält.

Die Ausnahme bildet das neue Actionkampfsystem, was anfangs taktisch erscheint, aber mit fortgeschrittener Zeit zur lästigen Routine wird. Immerhin bleibt dem Spieler überlassen wie er kämpft, mit höherer Schwierigkeit und neuen Zaubern wird man gezwungen neue Taktiken zu entwerfen und dazuzulernen.

Final Fantasy XV Camp
© Square Enix

Der gnadenlose dritte Akt und die fehlenden Handlungsstränge

Nachdem man sich in der offenen Welt ausgetobt hat und zum dritten Akt kommt, nimmt die Geschichte wieder etwas mehr Fahrt auf. Neue, schöne Gebiete werden freigeschaltet und weitere fantastische Zwischensequenzen kommen zum Einsatz, gegen die CGI-Menschen aus Rogue One: A Star Wars Story wie eine pixelige Lara Croft aus dem vergangenen Jahrhundert aussehen.

Weiter soll nichts aus dem zweiten und dritten Akt verraten werden, nur eine Mission aus dem Ende des Spiels muss nochmal spoilerfrei angesprochen werden. Das berüchtigte Kapitel 13 ist eigentlich nur etwa eine Stunde lang, zeigt aber auf, was passiert, wenn Geschichte und Gameplay nicht gut dosiert werden. Die Passage ist spielerisch so hervorragend schlecht gemacht, dass sie dafür in den kommenden Jahren noch oft zitiert werden dürfte. In etwa geht der Spieler einen Gang entlang und besiegt immer gleiche Gegner. Ein wahres Trauerspiel, was nicht unerwähnt bleiben darf.

Ansonsten sind die Missionen aber abwechslungsreich genug gestaltet um den Spieler bei Laune zu halten. Auch die Handlung ist weitaus besser geschrieben als ein Final Fantasy 13, manche Charaktere kommen aber auf absurde Art zu kurz. Die Erklärung folgte bereits von offizieller Seite: Zwischensequenzen werden in einem zukünftigen Patch nachgereicht, um Handlungslücken zu schließen.

Da ist die lange Entwicklungszeit also doch noch erkennbar. Man kann sich lange streiten, ob so ein Patch nach Veröffentlichung gut oder schlecht ist. Die Reaktionen gehen von großer Empörung zu Dankbarkeit über „neuen“ Inhalt. Fakt ist jedoch, dass das Spiel also in gewisser Weise unfertig erschienen ist.

Fazit

Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob die angesprochene Nachreichung tolerierbar ist, oder nicht. Final-Fantasy-Fans, die bis jetzt zur Reihe gehalten haben, werden aber definitiv sehr zufrieden sein. Final Fantasy 15 ist der beste Ableger seit Jahren. Inhaltlich komplett ist der beste Teil vom Spiel aber sowieso: Der Roadtrip ist extrem atmosphärisch und die Interaktionen der Kumpanen bieten eine tolle Charakterisierung, da kann man schonmal vergessen, dass ein Königreich gerettet werden muss.

Final Fantasy 15 ist für die Playstation 4 und die Xbox One erhältlich.

Final Fantasy XV | Ride Together - Launch Trailer | PS4

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