Kritik zu Bright: Von Orks, Menschen und Elfen

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Bright

LAPD-Officer Daryl Ward (Will Smith) hat definitiv schon bessere Wochen erlebt. So ist er nicht nur kürzlich im Dienst angeschossen worden, auch finanziell läuft es alles andere als gut. Als wären diese Sorgen nicht schon groß genug, muss sich Ward auch mit seinem neuen Partner abfinden. Nick Jakoby (Joel Edgerton) ist der erste Ork-Cop im Dienste des LAPD, was aufgrund der Geschichte der Rasse sowohl bei der Öffentlichkeit als auch bei vielen anderen Polizisten mehr als kritisch gesehen wird.

Wards Probleme rücken jedoch eines Abends in den Hintergrund, als er und Jakoby bei einem Polizeieinsatz auf einen Zauberstab stoßen. Dieser ist in gewisser Weise das Äquivalent zu einer Massenvernichtungswaffe, und ihr Fund sorgt dafür, dass die beiden Polizisten gleich von mehreren Parteien verfolgt werden, die bereit sind, über Leichen zu gehen. Ward und Jakoby sind gezwungen, zusammenzuarbeiten, wenn sie nicht nur ihr Leben, sondern auch das der geheimnisvollen Tikka (Lucy Fry) retten wollen.

Fantasy trifft auf Moderne

Ob man mit dem neuesten Werk von Regisseur David Ayer (Suicide Squad) seinen Spaß hat, hängt im großen Maße davon ab, wie sehr man bereit ist, sich auf die Welt von Bright einzulassen. Die Handlung selbst gewinnt zugegebenermaßen keinen Innovationspreis. Die Flucht von Ward und Jakoby durch die Nacht von Los Angeles folgt den typischen Konventionen eines Buddy-Cop-Films. Viele Versatzstücke der Geschichte sind aus anderen Vertretern des Genres bekannt, und selbst die finale Enthüllung, wird in den Anfangsminuten vorweggenommen, sodass man eigentlich nur auf den entsprechenden Moment wartet.

Was Bright aber wunderbar gelingt, ist eine Welt aufzubauen, von der man mehr sehen möchte. Der Film begeht nicht den Fehler, den kompletten Hintergrund zu Beginn in einem von einem Erzähler erklärten Einführungsvideo auf den Zuschauer abzuladen. Stattdessen werden die verschiedenen Rassen, die historische Entwicklung und die aktuellen Zustände nach und nach im Zuge der Geschichte ausgebreitet. Diese Art der Handlungsentwicklung sorgt dafür, dass der Film allein deshalb spannend ist, weil man praktisch an zwei Fronten bei der Stange gehalten wird. Zum einen folgt man dem nächtlichen Abenteuer der beiden Polizisten, zum anderen entfaltet sich nach und nach die Welt, in der die beiden leben.

Bright

Menschen und Orks

Die Welt von Bright hat dabei wenig überraschend mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die unsrige. Besonders das Thema Rassismus spielt wiederholt eine Rolle, wobei die unterdrückte Minderheit in diesem Falle die Orks sind. Hier muss man allerdings festhalten, dass im Film sehr viel mit dem Holzhammer operiert wird. Das Drehbuch geht oft den offensichtlichen Weg, und auch viele Figuren sind relativ einfach gezeichnet.

Eine Ausnahme bildet dabei Joel Edgerton als Nick Jakoby. Allein die Tatsache, dass der Darsteller unter Unmengen von Make-up und mit Prothesen schauspielerisch überzeugt, ist schon aller Ehren wert. Edgerton spielt Jakoby zudem mit einem Mix aus leichter Naivität und Entschlossenheit, welche einem die Figur sympathisch machen. Dagegen ist Will Smith wieder einmal in einer klassischen Will-Smith-Rolle zu sehen. Figuren wie Daryl Ward dürfte der Darsteller mittlerweile im Schlaf spielen können. Alle anderen Darsteller kann man dagegen getrost vernachlässigen. Kaum jemand bekommt groß etwas zu tun, um positiv oder negativ in Erinnerung zu bleiben.

Bright

Die Frage des Geldes

Ein interessanter Punkt bei der Entstehung von Bright war sicherlich die Budgetfrage. Ursprünglich sollte der Film in die Kinos kommen, bevor sich Netflix die Rechte sichern konnte und ein Budget von wohl über 90 Millionen Dollar zur Verfügung stellte. Dem Endergebnis sieht man allerdings nicht an, dass hier so viel Geld ausgegeben wurde. Bright spielt vor allem in dunklen Gassen, Clubs oder verfallenen Häusern und dies nachts. Optische Schauwerte halten sich in Grenzen, und auch die Effekte bleiben auf einem überschaubarem Niveau. Letztendlich sieht Bright nicht teurer aus als ein John Wick: Kapitel 2 oder ein Deadpool, die beide keine 60 Millionen Dollar gekostet haben. Die einzige Erklärung für ein solches Budget könnte höchstens das Gehalt von Will Smith sein.

Die Frage ist vor allem deshalb spannend, weil es fast schade ist, dass Bright in Form eines Films umgesetzt wurde. Für 90 Millionen Dollar hätte man auch durchaus eine spannende Mini-Serie machen können, die noch tiefer in die fiktive Welt der Menschen, Orks und Elfen eintaucht. Auch inhaltlich wäre dann sicherlich etwas mehr drin gewesen. So bietet der Genre-Mix zwar kurzweilige Unterhaltung, viel mehr aber auch nicht.

Fazit

Auch wenn dien Handlung von Bright keinen Preis für Originalität gewinnt, macht der Film doch irgendwie Spaß. Wer sich auf den Mix aus moderner Welt und Wesen aus der High Fantasy einlässt, vor dem entfaltet sich eine spannende Welt, von der es hoffentlich bald noch mehr zu sehen gibt. Dann vielleicht auch mit einer besseren Geschichte.

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