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Treppe ins Nichts - Kritik zu Winchester: Das Haus der Verdammten

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Nach dem Tod ihres Mannes und Gewehrfabrikanten William Winchester und der gemeinsamen Tochter Annie erwirbt die trauernde Sarah Winchester (Helen Mirren) ein Haus im kalifornischen San José. Ihr Mann hat ihr ein üppiges Erbe von 20 Millionen Dollar hinterlassen, was einem heutigen Vermögen von einer knappen halben Milliarde Dollar entspricht. Somit Kapital genug, um umfangreiche Bauarbeiten am Haus durchzuführen - denn Sarah glaubt, dass die Geister derjenigen, die durch eine Winchester-Waffe zu Tode gekommen sind, sie heimsuchen, um ihren Tod zu rächen. Ihr Bauwahn bleibt nicht unbeobachtet; so bestimmt der Aufsichtsrat der Winchester Arms den Psychiater Eric Price (Jason Clarke), um Sarah für geisteskrank erklären zu lassen. Price zieht in das Winchester House ein und muss sich eingestehen, dass Sarah vielleicht doch nicht so Unrecht hat …

An den Rechten zu einer Geschichte rund um das berühmte Winchester Mystery House gab es bereits seit geraumer Zeit einige Interessenten, unter anderem auch Stephen King, der letztendlich die Mini-Serie Haus der Verdammnis erschuf. Die Rechte erwerben konnte schließlich Brett Tomberlin, der für die Regie die Spierig-Brüder Michael und Peter an Bord holte. Gemeinsam entwickelte sie die Geschichte um das sagenumworbene Haus mit seinen 500 Zimmern, das aus einem Labyrinth an Gängen besteht und Treppen besitzt, die ins Nichts führen. Für die Hauptrolle der trauernden Witwe Sarah Winchester konnte man Helen Mirren gewinnen. Damit hätte einem spannenden Film über die Legende nicht viel im Wege stehen können. Hätte.

Alles eine Frage der Perspektive

Bereits in den Anfangsminuten von Winchester - Das Haus der Verdammten wird klar, dass man für den Film den falschen Ansatz gewählt hat. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht des Psychiaters Eric Price, der - gezeichnet vom Tod seiner Frau - in die Laudanum-Abhängigkeit gedriftet ist und sich mit dem Gutachten über den Geisteszustand von Sarah Winchester finanziell sanieren möchte. Hätte man den Zuschauer auf den Kenntnisstand von Eric gelassen, hätte aus Winchester - Das Haus der Verdammten ein spannender Film werden können. Jedoch begeht das Drehbuch den Fehler, zwischendurch die Perspektive zu wechseln und stellt die Existenz von Geistern als Fakt hin. Damit wird Eric zum unglaubwürdigen Zweifler, dem der Zuschauer um einige Aspekte voraus ist und eigentlich nur auf den Punkt wartet, an dem auch Eric erkennt, dass das Winchester House in der Tat von echten Geistern heimgesucht wird. Leider hat man dem Film mit dieser Entscheidung so ziemlich alles an Spannung genommen.

Dabei vergisst man auch, auf die hochinteressante Geschichte des Hauses einzugehen und diese zu ergründen. Stattdessen hat der Zuschauer das Gefühl, immer dieselben Teile des Gebäudes präsentiert zu bekommen. Zwar zeigen die Spierig-Brüder einige der Kuriositäten der Architektur des Hauses, jedoch reichen diese nicht aus, um ein Gefühl für den Ort vermitteln zu können. Schwerwiegender ist außerdem die Entscheidung, sich nicht näher mit der Biografie von Sarah Winchester zu beschäftigen. Sarah war ihrer Zeit um einiges voraus. So hatte sie sich bereits vor ihrer Ehe mit William ausgiebig mit Architektur beschäftigt und damit Ahnung von dem, was sie mit dem Winchester House machen ließ. Das Haus verfügte über eine Gegensprechanlage sowie über ein eigenes Bewässerungssystem.

Gerettet wird der Film definitiv von seinem Hauptdarstellern. Immer wieder kommt es zum intellektuellen Schlagabtausch zwischen Sarah und Eric - und es scheinen diese Szenen gewesen zu sein, die Helen Mirren und Jason Clarke am meisten Spaß gemacht zu haben. Sie begegnen sich darstellerisch auf Augenhöhe, sodass diese Momente zu den Höhepunkten der Geschichte gehören. Der Film präsentiert auch leise, emotionale Momente, die beide Darsteller mit Leichtigkeit meistern und so die Verbindung zum Publikum schaffen, die es für den Film benötigt.

Ernüchternd ist jedoch das Ende des Films. Wer sich mit den anderen Winchesters Dean und Sam auskennt, die seit mittlerweile 13 Jahren als Jäger auf den Bildschirmen unterwegs sind, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Winchester - Das Haus der Verdammten von der Grundessenz auch eine Folge von Supernatural hätte sein können. Immerhin hat die Serie öfter erklärt, warum es Geister gibt und wie man diesen habhaft wird. Zudem geht Supernatural wesentlich sparsamer mit vorhersehbaren Jumpscares um, die in Winchester - Das Haus der Verdammten reichlich deplatziert wirken.

Fazit

Winchester - Das Haus der Verdammten hätte ein interessanter Film werden können, hätten die Spierig-Brüder einen anderen Ansatz gewählt. So entpuppt sich die Geschichte als eine von vielen Spukhaus-Geschichten, die aber immerhin von den Hauptdarstellern über die Länge getragen wird.

Aus der Filmwelt